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Mikrosporidiose

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Mikrosporidiose ist eine Infektion mit Mikrosporidien. Zu einer symptomatischen Infektion kommt es überwiegend bei AIDS-Patienten, die Beschwerden bestehen u. a. aus einer chronischen Diarrhö, einer disseminierten Infektion und Hornhautkrankheiten. Die Diagnose wird durch den Nachweis der Erreger in Biopsieproben, Stuhl, Urin, anderen Sekreten oder Korneageschabsel gestellt. Die Therapie erfolgt mit Albendazol oder Fumagillin (je nach infizierender Art und klinischen Beschwerden), bei einer Augenkrankheit wird Fumagillin hinzugefügt.

Mikrosporidien sind obligate intrazelluläre sporenbildende parasitäre Pilze, die früher als Protozoen klassifiziert wurden.

Mindestens 15 der > 1200 Spezies von Mikrosporidien sind mit menschlichen Krankheiten assoziiert. Sporen der Organismen werden wie folgt erhalten:

  • Nahrungsaufnahme

  • Einatmen

  • Direkter Kontakt mit der Bindehaut

  • Tierkontakt

  • Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Im Wirt verankern sie sich in der Wirtszelle mit ihrem polaren Tubulus oder Faden und inokulieren diese mit einem infektiösen Sporoplasma. Intrazellulär teilen und vermehren sich die Sporoplasmen, produzieren Sporoblasten, die zu Sporen heranreifen. Die Sporen können in den gesamten Körper disseminieren oder mit respiratorischen Aerosolen, Stuhl oder Urin in die Umwelt ausgeschieden werden. Zu einer entzündlichen Reaktion kommt es bei Freisetzung der Sporen aus Wirtszellen.

Nur wenig ist über Übertragungswege, die zu einer Infektion des Menschen führen, sowie über mögliche tierische Reservoire bekannt.

Mikrosporidien sind wahrscheinlich ein häufiger Grund für subklinische oder leichte selbstlimitierende Krankheiten bei ansonsten gesunden Personen, in der Prä-AIDS-Ära wurde jedoch nur über wenige Fälle menschlicher Infektionen berichtet, was eventuell aufgrund eines fehlenden Bewusstseins um Mikrosporidieninfektionen der Fall war. In letzter Zeit ist Mikrosporidien-Keratokonjunktivitis bei immunkompetenten Menschen zunehmend berichtet worden.

Mikrosporidien sind als opportunistische Erreger bei Patienten mit AIDS aufgetreten und, in geringerem Maße, bei anderen immungeschwächten Patienten. Encephalitozoon bieneusi und E. (früher: Septata) intestinalis können bei Patienten mit AIDS und CD4-Zell-Zahlen < 100/μl zu einer chronischen Diarrhö führen. Mikrosporidiane können auch die Leber, den Gallengang, die Hornhaut, die Nebenhöhlen, die Muskeln, die Atemwege, das GU-System und gelegentlich das ZNS infizieren.

Die Inzidenz von Mikrosporidiose ist mit der weitverbreiteten Verwendung einer wirksamen antiretroviralen Therapie und Immunrekonstitution wesentlich zurückgegangen.

Symptome und Beschwerden

Das von Mikrosporidien hervorgerufene klinische Krankheitsbild variiert je nach

  • Die Parasitenarten

  • Der Immunstatus des Wirtes

Bei immunkompetenten Patienten können Mikrosporidien zu einer asymptomatischen Infektion oder zu einem selbstlimitierten wässrigen Durchfall führen. Es gibt Berichte über Augeninfektionen, die eine Keratokonjunktivitis verursachen.

Bei AIDS-Patienten verursachen verschiedene Microsporidien Spezies chronische Diarrhö, Malabsorption, Auszehrung, Cholangitis, punktförmige Keratokonjunktivitis, Peritonitis, Hepatitis, Myositis oder Sinusitis. Es kamen Infektionen der Nieren und der Gallenblase vor. Vittaforma (Nosema) corneumVittaforma (Nosema) corneum und verschiedene andere Spezies können okuläre Infektionen hervorrufen, die von einer punktförmigen Keratopathie mit Rötung und Irritation bis zu einer schweren, die Sehfähigkeit gefährdenden stromalen Keratitis reichen.

Diagnose

  • Licht- oder Elektronenmikroskopie mit Spezialfärbungen

  • Manchmal Immunofluoreszenz oder Polymerase-Kettenreaktion-basierte Tests

Die Infektionserreger können in Biopsieproben des betroffenen Gewebes oder in Stuhl, Urin, Liquor, Sputum oder in Korneageschabsel nachgewiesen werden. Mikrosporidien können am besten bei Verwendung spezieller Färbetechniken gesehen werden. Fluoreszenzaufheller (Fluorochrome) werden zum Nachweis von Sporen in Gewebeproben und Abstrichen angewendet. Die "Quick-hot Gram chromothrope Technik" ist der schnellste spezifische Test.

Immunfluoreszenz-Assays (IFA) und Polymerase-Kettenreaktion-basierte Assays sind in spezialisierten Labors erhältlich.

Die Transmissionselektronenmikroskopie ist derzeit der zuverlässisgste Test.

Molekulare Methoden werden zur Speziation eingesetzt.

Therapie

  • Bei Patienten mit AIDS Einleitung oder Optimierung der antiretroviralen Therapie (ART)

  • Bei Magen-Darm-, Haut-, Muskel- oder disseminierter Mikrosporidiosis orales Albendazol oder Fumagillin (wo verfügbar) in Abhängigkeit von der infizierenden Spezies

  • Bei Keratokonjunktivitis orales Albendazol und topisches Fumagillin

Bei AIDS-Patienten ist die Initiierung oder Optimierung von ART wichtig. Die Dauer der antimikrobiellen Therapie und das Ergebnis hängen vom Grad der Immunrekonstitution mit ART ab.

Die antimikrobielle Behandlung der Mikrosporidiose hängt von den infizierenden Mikrosporidienarten, dem Immunstatus des menschlichen Wirts und den beteiligten Organen ab. Die Daten zu den therapeutischen Optionen sind begrenzt. Die Konsultation eines Experten wird empfohlen.

Albendazol (400 mg p.o. bei Erwachsenen oder 7,5 mg/kg bei Kindern für 2 bis 4 Wochen) ist häufig wirksam bei der Bekämpfung von Diarrhoe bei Patienten mit Darmerkrankungenaufgrund von E. intestinalis und anderen anfälligen Mikrosporidien. Infektionen bei immunkompetenten Patienten können spontan oder nach einer Behandlungswoche verschwinden. Albendazol hat eine minimale Wirksamkeit bei der Behandlung von E. bieneusi. Albendazol (400 mg 2-mal täglich bei Erwachsenen oder 7,5 mg/kg 2-mal täglich bei Kindern für 2 bis 4 Wochen) wurde zur Behandlung von durch E. intestinalis und anderen Mikrosporidienarten hervorgerufene Haut-, Muskel- oder anfällige Mikrosporidien angewendet.

Orales Fumagillin 20 mg 3-mal täglich für 14 Tage ist bei intestinalen E. bieneusi-Infektionen eingesetzt worden, aber es hat potenziell schwere Nebenwirkungen, einschließlich schwere reversible Thrombozytopenie bei bis zur Hälfte der Patienten. In den USA ist orales Fumagillin nicht verfügbar.

Okulare Mikrosporidien-Keratokonjunktivitis kann mit Albendazol 400 mg p.o. 2-mal täglich plus Fumagillin-Augentropfen 3 mg/ml Topische Fluorchinolone, sowie topische Voriconazole, waren bei einigen Patienten wirksam. Wenn eine topische und systemische Therapie unwirksam sind, kann eine Keratoplastik nützlich sein. Die Prognose ist bei immunkompetenten Patienten in der Regel sehr gut; bei Patienten mit AIDS hängt sie vom Level der Immunrekonstitution mit ART ab.

Wichtige Punkte

  • Mikrosporidiosis tritt vor allem bei immungeschwächten Patienten auf, insbesondere denjenigen mit AIDS, aber Keratokonjunktivitis ist zunehmend bei ansonsten gesunden Menschen berichtet worden.

  • Mikrosporidien-Sporen können durch Ingestion, Inhalation, direkten Kontakt mit den Bindehäuten oder durch Mensch-zu-Mensch-Kontakt übertragen werden.

  • Die Manifestationen schwanken sehr in Abhängigkeit vom Organismus und vom Immunstatus der Patienten, aber chronische Diarrhö, Malabsorption, Auszehrung, Cholangitis, punktförmige Keratokonjunktivitis, Peritonitis, Hepatitis, Myositis oder Sinusitis können auftreten.

  • Diagnose mittels Licht- oder Elektronenmikroskopie mit speziellen Färbungen; Immunfluoreszenz-Assays und Polymerase-Kettenreaktion-basierte Assays sind in spezialisierten Labors erhältlich.

  • Bei Patienten mit AIDS ist die Einleitung oder Optimierung von ART von vorrangiger Bedeutung.

  • Albendazol und orales oder topisches Fumagillin können nützlich sein, in Abhängigkeit von der infizierenden Spezies und den beteiligten Organen; orales Fumagillin ist in den USA nicht erhältlich.

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