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Leukozytenadhäsionsdefekt

Von

James Fernandez

, MD, PhD, Cleveland Clinic Lerner College of Medicine at Case Western Reserve University

Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Der Leukozytenadhäsionsdefekt ist die Folge eines Defektes der Adhäsionsmoleküle, der zu einer Störung der Granulozyten- und Lymphozytenfunktion und zu rezidivierenden Weichteilinfektionen führt.

Leukozytenadhäsionsdefizienz (LAD) ist eine primären Immunschwächekrankheit, dazu gehören phagozytische Zelldefekte. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.

LAD wird durch einen Mangel an adhäsiven Glykoproteinen auf der Oberfläche von weißen Blutkörperchen verursacht; diese Glykoproteine ermöglichen den Zellaustausch, die Zellhaftung an den Wänden der Blutgefäße sowie Zellbewegungen und interagieren mit Komplementfragmenten. Der Defekt beeinträchtigt die Fähigkeit der Granulozyten (und Lymphozyten) zur Migration aus dem intravaskulären Bereich, zur Beteiligung an zytotoxischen Reaktionen und zur Phagozytose von Bakterien. Der Krankheitsschweregrad korreliert mit Ausprägung des Defektes.

Drei unterschiedliche Typen des Syndroms sind identifiziert worden:

  • LAD 1 (mangelhafte oder defekte Beta-2-Integrin-Familie)

  • LAD 2 (fehlende fucosylierte Kohlenhydrat-Liganden für Selektine)

  • LAD 3 (defekte Aktivierung aller Beta-Integrine [1, 2 und 3]).

Typ 1 resultiert aus Mutationen im Integrin-beta-2-Gen (ITGB2), das CD18 der Beta-2-Integrine enkodiert. Typ 2 resultiert aus Mutationen im Glukosediphosphat-(GDP)-Fucose-Transporter-Gen.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome eines Leukozytenadhäsionsmangels beginnen in der Regel im Säuglingsalter.

Schwer betroffene Säuglinge leiden an rezidivierenden oder progredient nekrotischen, durch Staphylokokken oder gramnegative Bakterien bedingte Infektionen der Weichteile, Periodontitis, schlechter Wundheilung, fehlender Eiterbildung, Leukozytose und einer verzögerten (> 3 Wochen) Ablösung der Nabelschnur. Die Anzahl der Leukozyten bleibt auch zwischen den Infektionen hoch. Die Infektionskontrolle wird zunehmend schwieriger.

Weniger stark betroffene Säuglinge haben wenige schwere Infektionen und geringe Veränderungen im Blutbild.

Eine Entwicklungsverzögerung tritt bei Typ 2 häufig auf.

Diagnose

  • Test auf anhaftende Glykoproteine auf der Oberfläche der Leukozyten

Die Diagnose eines Leukozytenadhäsionsmangels erfolgt durchflusszytometrisch unter Verwendung monoklonaler Antikörper (z. B. Anti-CD11, Anti-CD18), durch die das Fehlen oder eine starke Reduktion adhäsiver Glykoproteine auf der Oberfläche von Leukozyten nachgewiesen wird. Leukozytose im Blutbild ist ebenso häufig, aber nicht spezifisch.

Eine genetische Testung von Geschwistern wird empfohlen.

Therapie

  • Supportive Pflege mit prophylaktischen Antibiotika und Granulozytentransfusionen

  • Hämatopoetische Stammzellentransplantation

Die Behandlung eines Leukozytenadhäsionsmangels besteht in einer – oftmals kontinuierlichen – prophylaktischen Antibiotikatherapie (in der Regel Trimethoprim/Sulfamethoxazol). Auch Granulozytentransfusionen können nützlich sein.

Die hämatopoetische Stammzellentransplantation ist die bisher einzige wirksame Therapie, die zur Heilung führen kann. Eine Gentherapie, die in aktuellen Studien untersucht wird, scheint vielversprechend.

Bei Patienten mit Typ 2 LAD sollte die Korrektur der zugrunde liegenden Defekt mit einer Fucose-Ergänzung versucht werden.

Patienten mit einer leichten oder mittelschweren Erkrankung können bis ins junge Erwachsenenalter überleben. Die meisten Patienten mit einer schweren Erkrankung sterben vor dem 5. Lebensjahr, sofern sie nicht erfolgreich mit einer hämatopoetischen Stammzellentransplantation behandelt werden.

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