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Plötzlicher Herztod bei Sportlern

Von

Robert S. McKelvie

, MD, PhD, Western University

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

Etwa 1 bis 3/100.000 scheinbar gesunder junger Sportler entwickelt ohne Vorankündigung eine ventrikuläre Tachykardie oder ventricular Kammerflimmern und stirbt plötzlich während der Belastung. Männer sind 10-mal häufiger betroffen als Frauen. Basketball- und Footballspieler in den USA und Fußballspieler in Europa scheinen das höchste Risiko zu haben (1).

Bei jungen Sportlern kann der plötzliche Herztod verschiedene Ursachen haben (siehe Tabelle: Ursachen des plötzlichen Herz-Kreislauf-Todes bei jungen Athleten); die häufigste ist jedoch

Commotio cordis (plötzliche ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern nach einem Schlag gegen das Präkordium) ist ein Risiko bei Sportlern mit dünnen, nachgiebigen Brustwänden, auch wenn keine kardiovaskuläre Erkrankung vorliegt. Der Schlag gegen den Bruskorb kann durch Projektiel mit mittlerer Krafteinwirkung (z. B. durch einen Baseball, Hockey-Puck oder Lacrosse-Ball) oder durch einen Zusammenstoß mit einem anderen Spieler in der vulnerablen Phase der myokardialen Repolarisation verursacht werden.

Andere Ursachen sind angeborene Arrhythmie-Syndrome (z. B. Long-QT-Syndrom, Brugada-Syndrom). Einige junge Sportler sterben an der Ruptur eines Aortenaneurysmas (bei einem Marfan Syndrom).

Bei älteren Sportlern wird der plötzliche Herztod typischer Weise durch

Gelegentlich liegen auch andere Erkrankungen wie eine hypertrophe Kardiomyopathie, ein Mitralklappenprolaps oder ein erworbener Herzklappenfehler zugrunde.

Im Falle anderer dem plötzlichen Herztod zugrnudeliegenden Erkrankungen (z. B. Asthma bronchiale, Hitzschlag oder Komplikationen infolge der Einnahme unerlaubter oder leistungssteigernder Medikamente) sind ventrikuläre Tachykardie oder das Kammerflimmern nicht das primäre sondern das terminale Ereignis.

Symptome und Zeichen der entsprechen denen eines kardiovaskulären Kollapses; die Diagnose ist eindeutig.

Der unmittelbare kardiopulmonalen Reanimation ist in < 20% der Fälle erfolgreich; möglicherweise steigt die Erfolgsrate mit der Verbreitung von allgemein zugänglichen automatischen externen Defibrillatoren. Die Überlebenden besteht die Therapie in der Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit. In einigen Fällen kann letztendlich ein implantierter Defibrillator erforderlich sein.

Tabelle
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Ursachen des plötzlichen Herz-Kreislauf-Todes bei jungen Athleten

Commotio cordis

Koronaranomalien (z. B. atypischer Abgang der linken Koronararterie, atypischer Abgang der rechten Koronararterie, anomalen rechtee Koronararterie Herkunft, Koronarhypoplasie)

Myokarditis

Rupturiertes Aortenaneurysma

Arrhythmogene rechtsventrikuläre Dysplasie

Getunnelter (intramyokardial verlaufender) Ramus interventricularis anterior

frühe Manifestation einer koronaren Herzkrankheit

Myxomatöse Degeneration der Mitralklappe

Wolff-Parkinson-White-Syndrom (nur bei antegrader Leitung)

Katecholaminerge polymorphe Tachykardie

Tachykardie des rechten Ausflusstraktes

Koronarspasmus

Kardiale Sarkoidose

Kardiales Trauma

Rupturiertes zerebrales Aneurysma

Allgemeiner Hinweis

Kardiovaskuläre Sporttauglichkeitsuntersuchung

Sportler werden im Allgemeinen gescreent, um das Risiko vor einer sportlichen Belastung zu identifizieren. Sie werden alle 2 Jahre (im High-School-Alter) oder alle 4 Jahre (im College-Alter oder älter) erneut untersucht.

Screening-Empfehlungen in den USA für junge Erwachsene im College-Alter—sowie für Kinder und Jugendliche —einschließlich der Folgenden:

  • Medizinische, Familien– und Medikamentenanamnese (einschließlich der Einnahme von leistungssteigernden Drogen und Medikamente, die zu einem Long-QT-Syndrom führen können)

  • Körperliche Untersuchung (einschließlich Blutdruck und Auskultation des Herzens im Liegen und im Stehen)

  • Selektive Untersuchungen basierend auf Auffälligkeiten in Anamnese und körperlicher Untersuchung.

Die Europäischen Richtlinien unterscheiden sich von Amerikanischen Richtlinien darin, dass ein Elektrokardiogramm(EKG)-Screening für alle Kinder, Jugendliche und Sportler im College-Alter empfohlen wird.

Screening für ältere Erwachsene (35 Jahre oder älter) kann auch symptomlimitierte Stufen-Belastungstests beinhalten.

Die Anamnese und die körperliche Untersuchung sind weder sensitiv noch spezifisch; falsch-negative und falsch-positive Befunde sind aufgrund der niedrigen Prävalenz kardialer Erkrankungen bei mutmaßlich Gesunden sehr gering. Ein Screening mittels EKG- oder Echokardiographie-Screening würde zwar die Früherkennung einer Herzkrankheit verbessern, würde aber um so mehr falsch-positiven Befunden erzeugen und ist für die Gesamtpopulation nicht praktikabel.

Genetische Untersuchungen nach hypertropher Kardiomyopathie oderLong-QT-Syndrom sind für das Screening von Sportlern nicht empfohlen und auch nicht durchführbar.

Ausgewählte Tests

Bei Athleten mit einer Familienanamnese oder Symptomen oder Anzeichen für eine hypertrophe Kardiomyopathie, des Long-QT-Syndroms oder des Marfan–Syndroms ist eine weitergehende Beurteilung in der Regel mit EKG, Echokardiographie oder beidem erforderleich. Die Bestätigung einer dieser Erkrankungen kann ggf. eine sportliche Betätigung ausschließen.

Sportler mit Presynkop oder Synkope können auch auf anomale Koronararterien untersucht werden (z.B. durch Herzkatheterisierung). (Anm. d. Red.: In Deutschland wird eine weiterführende kardiologische Diagnostik bereits im falle einer Präsynkope bei jungen Menschen empfohlen).

Sollte das EKG einen AV-Block II Typ Mobitz, einen vollständigen AV-Block III, einen vollständigen Rechtsschenkelblock oder Linksschenkelblock zeigen, oder wenn klinische oder elektrokardiographische Hinweise auf supraventrikuläre oder ventrikuläre Rhythmusstörungen vorliegen, ist die Suche nach dem Vorliegen einer Herzerkrankungen erforderlich ( Atrioventrikulärer Block).

Wenn in der Echokardiographie (oder zufällig) eine vergrößerte Aorta erkannt wird, ist eine weitere Untersuchung notwendig.

Empfehlungen

Zudem ist Sportlern von dem Gebrauch unerlaubter leistungssteigernder Medikamente abzuraten. Patienten mit einer leichten oder moderaten Herzklappenerkrankung können sich energisch betätigen; Patienten mit schweren Herzklappenerkrankungen (insbesondere der stenotischen Variante) können jedoch keinen Leistungssport oder hochintensive Freizeitsportarten betreiben. Patienten mit den meisten strukturellen oder arrhythmogenen Herzerkrankungen (z. B.hypertrophe Kardiomyopathie, Koronararterienanomalien, arrhythmogene rechtsventrikuläre Dysplasie) sollten nicht an Leistungssportarten oder hochintensiven Freizeitsportarten teilnehmen.

Wichtige Punkte

  • Der plötzliche Herztod während des Sports ist selten und wird meist durch die hypertrophe Kardiomyopathie (jüngere Sportler) oder die koronare Herzkrankheit (ältere Sportler) verursacht.

  • Jüngere Teilnehmer (Kinder bis junge Erwachsene) sollten mittels Anamnese und körperlicher Untersuchung gescreent werden; bei denen mit auffälligen Befunden oder positiver Familienanamnese sollte EKG Echokardiographie erfolgen.

  • Ältere Teilnehmer sollten mittels Anamnese, körperlicher Untersuchung und in der Regel Belastungstest gescreent werden.

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