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Abklärung von Ohrerkrankungen

Von

Debara L. Tucci

, MD, MS, MBA , Duke University Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Okt 2016
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Quellen zum Thema

Leitsymptome von Ohrproblemen sind Ohrenschmerzen, Hörverlust, Otorrhö, Tinnitus und Schwindel. Hörverlust wird in (siehe Hörverlust) abgehandelt.

Neben Ohren, Nase, Nasopharynx und Nasennebenhöhlen sind auch Zähne, Zunge, Tonsillen, Hypopharynx, Larynx, Speicheldrüsen und Kiefergelenke zu untersuchen, da von dort ausstrahlende Schmerzen und Beschwerden auf die Ohren projiziert werden können. Wichtig sind zudem Untersuchungen der Hirnnervenfunktionen ( Wie die Hirnnerven zu beurteilen sind und siehe Tabelle: Hirnnerven) sowie am Bett vorzunehmende Prüfungen des Hör- ( Hörverlust : Körperliche Untersuchung) und Gleichgewichtsorgans. Der Patient wird auch im Hinblick auf einen Nystagmus (rhythmische Augenbewegung) untersucht.

Nystagmus

Ein Nystagmus ist eine rhythmische Augenbewegung, die verschiedene Ursachen haben kann. Vestibuläre Störungen können aufgrund der Verbindung zwischen dem Vestibularsystem und den Augenmuskeln zu Nystagmus führen. Ein vestibulärer Nystagmus hilft nicht nur, Gleichgewichtsstörungen zu erkennen, sondern manchmal auch dabei, einen zentralen von einem peripheren Schwindel abzugrenzen. Ein vestibulärer Nystagmus hat durch den Zustrom vestibulärer Nervenreize eine langsame Bewegungsphase und eine schnelle, korrigierende Bewegungsphase, die eine Bewegung in die entgegengesetzte Richtung bewirkt. Die Richtung des Nystagmus wird durch die Richtung der schnellen Bewegung definiert, da sie besser zu sehen ist. Es gibt rotatorische, vertikale oder horizontale Nystagmi, die spontan, bei wechselnder Blickrichtung oder bei bestimmten Kopfbewegungen auftreten können.

Die Inspektion auf einen Nystagmus erfolgt zunächst in Rückenlage des Patienten und ohne Blickfokussierung (eine Blickfixierung lässt sich durch eine Linsenstärke von +30 Dioptrien oder eine Frenzel-Brille verhindern). Danach wird der Patient langsam gedreht, zuerst in Links-, dann in Rechtsseitenlage. Dabei wird auf Richtung und Dauer des Nystagmus geachtet. Falls so kein Nystagmus erkennbar ist, wird das Dix-Hallpike- (bzw. Barany-)Manöver durchgeführt. Bei diesem Manöver sitzt der Patient aufrecht auf einer Trage, und zwar so, dass sein Kopf im Liegen über das Ende hinausragt. Hat er sich mit Unterstützung rasch horizontal hingelegt, sollte der Kopf um 45° nach hinten überstreckt und um 45° nach links gedreht sein. Dabei wird auf Richtung und Dauer des Nystagmus sowie auf die Entwicklung eines Schwindels geachtet. Nach dem Wiederaufrichten des Patienten wird das Manöver wiederholt, diesmal mit Kopfdrehung nach rechts. Wenn eine bestimmte Lage oder Testphase zum Nystagmus geführt hat, sollte wiederholt geprüft werden, ob er sich abschwächt.

Während ein Nystagmus infolge einer peripheren Nervenfunktionsstörung eine Latenzphase von 3–10 s hat und rasch wieder nachlässt, tritt ein Nystagmus bei ZNS-Störungen ohne Latenz und ohne sich abzuschwächen auf. Wird ein induzierter Nystagmus gehemmt, sobald der Patient nach Aufforderung einen Gegenstand mit den Augen fixiert, liegt dem Nystagmus eine periphere Störung zugrunde. Da Frenzel-Brillen eine visuelle Fixierung verhindern, müssen sie entfernt werden, um die visuelle Fixierung beurteilen zu können.

Bei intaktem Vestibularapparat lässt sich durch eine kalorische Reizung des Gehörgangs ein Nystagmus auslösen. Scheitert dieser Versuch oder ergibt sich bezüglich der Nystagmusdauer eine Seitendifferenz > 20–25%, ist eine Läsion auf der Seite der schwächeren Reaktion zu vermuten. Die Quantifizierung der kalorischen Reaktion erfolgt am besten durch eine formale (computergestützte) Elektronystagmographie.

Die Fähigkeit des Vestibularsystems, auf eine periphere Stimulation zu reagieren, kann am Krankenbett beurteilt werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass bei Patienten mit einer bekannten Trommelfellperforation oder einer chronischen Infektion eine Spülung der Ohren unterbleibt. In Rückenlage mit 30° erhöhtem Kopf werden beide Ohren des Patienten nacheinander mit 3 ml Eiswasser gespült. Statt kaltem kann man auch 240 ml warmes Wasser (40–44°C) verwenden, wobei darauf geachtet werden sollte, den Patienten nicht mit zu heißem Wasser zu verbrühen. Kaltes Wasser ruft einen kontralateralen, warmes Wassen einen homolateralen Nystagmus hervor. Als Gedächtnisstütze kann man sich die englische Abkürzung COWS (Cold to the Opposite and Warm to the Same) merken.

Tests

Wenn Anamnese oder körperliche Untersuchung auf eine Hörstörung hinweisen oder wenn Patienten über Tinnitus oder Schwindel klagen, werden sie einer Hörprüfung Audiogramm unterzogen. Bei Nystagmus oder veränderter Vestibularisfunktion kann eine computergestützte Elektronystagmographie (ENG) von Nutzen sein, um einen rein visuell nicht bemerkbaren Spontan-, Blickrichtungs- oder Lagenystagmus der Patienten zu erfassen. Mithilfe der Computer-ENG lässt sich einzeln für jedes Ohr quantifizieren, wie stark das Vestibularsystem bei der kalorischen Prüfung auf die Spülung mit kaltem und warmem Wasser anspricht; das ermöglicht dem Arzt, eine einseitige Funktionsschwäche zu erkennen. Durch unterschiedliche Kopf- und Körperpositionen oder Darbietung visueller Reize können einzelne Bestandteile des Gleichgewichtssystems untersucht werden.

Die Posturographie verwendet computergestützte Testgeräte zur quantitativen Bewertung der Patientenkontrolle über Körperhaltung und Gleichgewicht. Der Patient steht auf einer Plattform, die Kraft- und Bewegungs-Transducer enthält, die das Auftreten und die Stärke von Körperschwankungen erfassen, während der Patient versucht, aufrecht zu stehen. Die Prüfung kann unter verschiedenen Bedingungen durchgeführt werden, u. a. mit stationärer oder sich bewegender Plattform, mit flacher oder gewölbter Oberfläche, mit geschlossenen oder offenen Augen des Patienten; dies hilft dabei, den Beitrag des vestibulären Systems zum Gleichgewicht zu isolieren.

Als bildgebende Verfahren kommen in erster Linie CT (mit oder ohne Kontrastmittel zur Untersuchung des Os temporale) und Gadolinium-verstärkte kraniale MRT zum Einsatz, wobei beim letzteren zum Ausschluss eines Akustikusneurinoms besonders auf die inneren Gehörgänge zu achten ist. Apparative Untersuchungen können auch bei Ohren- und/oder Schädeltrauma, chronischer Infektion, Hörverlust, Schwindel, Fazialisparese oder Otalgie unklarer Ursache indiziert sein.

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