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Retropharyngealabszess

Von

Clarence T. Sasaki

, MD, Yale University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Apr 2018
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Quellen zum Thema

Retropharyngealabszesse kommen am häufigsten bei Kleinkindern vor und können zu Halsentzündung, Fieber, Nackensteife und Stridor führen. Die Diagnose kann anhand des klinischen Bildes gestellt werden, doch meist ist eine Ultraschall- oder CT-Untersuchung erforderlich. Die Behandlung besteht aus einer Abszessdrainage in Vollnarkose und einer Antibiotikatherapie. Gelegentlich muss über den Eingriff hinaus eine endotracheale Intubation erfolgen.

Retropharyngealabszesse entwickeln sich auf der Rückseite des Pharynx in retropharyngealen Lymphknoten, die sich in Nähe der Wirbel befinden. Verursacht werden sie durch eine Erregeraussaat aus Infektionsherden in Rachen, Nebenhöhlen, Adenoiden oder der Nase. Da sich die retropharyngealen Lymphknoten mit 4–5 Jahren zurückzubilden beginnen, treten solche Abszesse vor allem bei Kindern von 1–8 Jahren auf. Doch über verschluckte Fremdkörper oder Untersuchungsinstrumente können sich auch Erwachsene infizieren. Häufige Erreger sind aerobe (Streptococcus und Staphylococcus sp.) und anaerobe Bakterien (Bacteroides und Fusobacterium), in zunehmendem Maße aber auch HIV und Tuberkelbazillen – bei Erwachsenen und Kindern.

Zu den gravierendsten Folgen gehören Atemwegsobstruktion, septischer Schock, Aspirationspneumonie oder Asphyxie nach einer Abszessentleerung in die Atemwege, Mediastinitis, Karotisruptur und eitrige Thrombophlebitis der V. jugularis interna (Lemierre-Syndrom).

Symptome und Beschwerden

Bei Kindern geht der Abszessbildung meist ein akuter oberer Atemwegsinfekt voraus, bei Erwachsenen das Verschlucken eines Fremdkörpers oder eine instrumentelle Untersuchung. Kinder können Symptome wie Dysphagie und Schmerzen beim Schlucken, Fieber, zervikale Lymphadenopathie, Nackensteife, Stridor, Dyspnoe, Schnarchen oder eine geräuschvolle Atmung und einen Schiefhals aufweisen. Erwachsene haben oft starke Halsschmerzen, aber nur selten einen inspiratorischen Stridor. Die hintere Rachenwand kann zu einer Seite vorgewölbt sein.

Diagnose

  • Röntgenaufnahmen

  • CT

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus starken, unerklärlichen Halsbeschwerden und Nackensteife, Stridor oder geräuschvoller Atmung.

Seitliche Röntgenaufnahmen des Halses – in maximaler Hyperextension und Inspirationsstellung – können herdförmig aufgelockertes prävertebrales Bindegewebe, eine Aufhebung der normalen Halswirbelsäulenlordose, Luft im prävertebralen Bindegewebe oder eine Erosion des angrenzenden Wirbelkörpers zeigen.

Differenzialdiagnostisch kann eine CT-Untersuchung helfen, fragliche Befunde abzuklären, zwischen Infektion und Abszess zu unterscheiden und die Abszessausdehnung zu beurteilen.

Therapie

  • Antibiotika (z. B. Ceftriaxon, Clindamycin)

  • In der Regel operative Drainage

Bei kleineren Abszessen von Kindern reicht gelegentlich eine Antibiotikatherapie mit einem Breitspektrum-Cephalosporin (z. B. Ceftriaxon, 1-mal täglich 50–75 mg/kg i.v.) oder Clindamycin aus. In den meisten Fällen ist jedoch zur Abszessdrainage zusätzlich eine Inzision der hinteren Rachenwand erforderlich. Ein präoperativ gelegter Endotrachealtubus sollte 24–48 h liegen bleiben.

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