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Chronische Otitis media

Von

Richard T. Miyamoto

, MD, MS, Indiana University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Sep 2017
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Quellen zum Thema

Als chronische Otitis media wird eine anhaltende Mittelohrentzündung mit eitriger Trommelfellperforation und chronischer Sekretion (> 6 Wochen) bezeichnet. Begleitsymptome sind eine schmerzlose Otorrhö und Schallleitungsschwerhörigkeit. Neben Komplikationen wie Ohrpolypen oder einem Cholesteatom können sich noch weitere Infektionen entwickeln. Die Behandlung besteht in der lokalen Anwendung von Kortikosteroiden und Antibiotika und setzt voraus, dass der Gehörgang mehrmals täglich gründlich gesäubert und Granulationsgewebe vorsichtig entfernt wird. Eine systemische Antibiotikatherapie bleibt schweren Fällen vorbehalten. Meist sind zusätzlich chirurgische Eingriffe erforderlich (Anm. d. Übers.: Verschluss des Trommelfells, Wiederherstellung der Schallübertragung oder Sanierung eines Cholesteatoms).

Eine chronische Otitis media kann Folge einer akuten Otitis media, eines Tubenverschlusses, einer mechanischen, thermischen oder chemischen Schädigung (Verätzung) und eines Knalltraumas oder iatrogen bedingt sein (z. B. durch Einlegen eines Paukenröhrchens). Ein erhöhtes Risiko tragen Patienten mit kraniofazialen Fehlbildungen (z. B. Down-Syndrom, Katzenschreisyndrom, Lippenspalte und/oder Gaumenspalte, velocardiafaziales Syndrom [Shprintzen-Syndrom]).

Zur Exazerbation einer chronischen Otitis media kann es durch obere Atemwegsinfekte kommen, oder wenn beim Baden bzw. Schwimmen Wasser durch das Trommelfell ins Mittelohr eindringt. Gramnegative Bakterien oder Staphylococcus aureus, sind oft die Erreger einer schmerzlosen, eitrigen, manchmal übelriechenden (fötiden) Otorrhö. Eine persistierende chronische Otitis media kann zu Zerstörungen im Mittelohr (z. B. Nekrose des Crus longum incudis) oder zur Entwicklung von Ohrpolypen führen (durch einen Trommelfellriss in den Gehörgang vorfallendes Granulationsgewebe). Ohrpolypen sind ein ernst zu nehmendes Zeichen und fast ausnahmslos verdächtig auf ein Cholesteatom.

Durch epitheliales Zellwachstum im Mittelohr, Warzenfortsatz oder Epitympanum kann sich nach einer chronischen Otitis media ein Cholesteatom entwickeln. Die von Cholesteatomen gebildeten lytischen Enzyme (z. B. Kollagenasen) können angrenzende Knochen und Weichteile zerstören. Ein Cholesteatom kann auch zu einem Infektionsherd (Nidus) werden, aus dem eine eitrige Labyrinthitis, Fazialisparese oder ein Hirnabszess hervorgeht (Anm. d. Übers.: heute selten geworden).

Symptome und Beschwerden

Eine chronische Otitis media manifestiert sich meist mit Schallleitungsschwerhörigkeit und Otorrhö. Solange keine Schläfenbein-Ostitis hinzukommt, verursacht sie selten Schmerzen. Wenn das Trommelfell perforiert ist und nässt, kann die aufgequollene Schleimhaut im Ohrkanal mit Granulationsgewebe übersät sein.

Bei einem Cholesteatom finden sich weißliche Brocken (Detritus) im Mittelohr und ein nässender Polyp, der sich durch eine Trommelfellperforation vorstülpt; der Ohrkanal ist mit mukopurulentem Granulationsgewebe vollgestopft.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

Die Diagnose einer chronischen Mittelohrentzündung wird in der Regel klinisch gestellt. Von Absonderungen aus dem Ohr werden Kulturen angelegt. Wenn ein Cholesteatom oder andere Komplikationen vermutet werden (wie bei einem fiebrigen Patienten oder bei einem mit Schwindel oder Ohrenschmerzen), wird ein CT oder MRT durchgeführt. Diese Untersuchungen können intratemporale oder intrakranielle Prozesse (z. B. Labyrinthitis, ossikuläre oder temporale Erosion, Abszesse) aufdecken.

Therapie

  • Topische Antibiotika-Tropfen

  • Entfernen von Granulationsgewebe

  • Operation bei Cholesteatom

10 Tropfen einer topischen Ciprofloxacin-Lösung 2-mal täglich für 14 Tage in das betroffene Ohr geträufelt.

Wenn Granulationsgewebe vorhanden ist, wird dieses mit mikrochirurgischen Instrumenten entfernt oder mit einem Silbernitratstift kauterisiert. Ciprofloxacin 0,3% und Dexamethason 0,1% wird dann für 7–10 Tage in den Gehörgang instilliert.

Bei schweren Exazerbationen ist eine systemische Antibiotikatherapie mit Amoxicillin (250–500 mg p.o. alle 8 h über 10 Tage) oder einem Cephalosporin der 3. Generation erforderlich; ob sie modifiziert werden muss, hängt von den Kulturergebnissen und dem Anschlagen der Therapie ab.

Bei Patienten mit randständiger, Attikus- oder chronischer zentraler Trommelfellperforation ist eine Tympanoplastik indiziert. Im Zuge der Tympanoplastik lässt sich auch eine unterbrochene Gehörknöchelchenkette reparieren.

Cholesteatome müssen operativ entfernt werden. Da Rezidive häufig sind, wird die Rekonstruktion des Mittelohrs in der Regel verschoben, bis nach Ablauf von 6–8 Monaten eine Zweitoperation (in Form einer offenen Operation oder mit einem Otoskop mit geringem Durchmesser) durchgeführt wird.

Wichtige Punkte

  • Die chronische Otitis media ist eine anhaltende Mittelohrentzündung mit Trommelfellperforation und chronischer eitriger Sekretion.

  • Häufig kommt es zu einer Schädigung von Mittelohrstrukturen; seltener sind intratemporale oder intrakranielle Strukturen betroffen.

  • Die initiale Behandlung besteht in der Gabe topischer Antibiotika.

  • Schwere Exazerbationen verlangen eine systemische Analgetikagabe.

  • Eine Operation ist erforderlich bei bestimmten Formen der Perforation und bei geschädigten Gehörknöchelchen sowie um Cholesteatome zu entfernen.

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