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Kachexie bei Tumorerkrankungen

Von

Robert Peter Gale

, MD, PhD,

  • Imperial College London

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Unter Kachexie versteht man den Verbrauch sowohl von Fettgewebe als auch von Skelettmuskulatur. Sie tritt bei vielen Krankheiten auf und ist bei vielen Tumorarten weit verbreitet, wenn eine Tumorkontrolle nicht erreicht werden kann. Einige Tumorarten, v. a. Pankreas- und Magentumoren, führen zu einer ausgeprägten Kachexie. Die betroffenen Patienten können 10–20% ihres Körpergewichts verlieren. Männer neigen dazu, eine schlechtere Kachexie durch Krebs zu erleiden als Frauen. Das Ausmaß der Kachexie ist weder von der Tumorgröße noch der Ausbreitung einer metastasierenden Krankheit abhängig. Eine Kachexie ist mit einem reduzierten Ansprechen auf eine Chemotherapie (siehe auch Tumoren im Überblick), körperlicher Schwäche und erhöhter Mortalität verbunden.

Eine Kachexie ist primär nicht durch eine Anorexie oder verminderte Kalorienaufnahme bedingt. Vielmehr liegt die Ursache dieses komplexen metabolischen Geschehens in einem gesteigerten Gewebekatabolismus. Die Proteinsynthese ist vermindert und die Degradation erhöht. Die Kachexie wird durch verschiedene Zytokine gefördert, v. a. Tumornekrosefaktor α, IL-1b und IL-6, die von Tumor- und Wirtszellen im Gewebe produziert werden. Darüber hinaus spielt der ATP-Ubiquitin-Protease-Stoffwechsel eine Rolle.

Eine Kachexie ist leicht feststellbar, in erster Linie durch den Gewichtsverlust, der dann am auffälligsten ist, wenn es zu einem Verlust von Muskelmasse im Gesicht kommt (Hippokratische Fazies). Der Verlust von subkutanem Fettgewebe erhöht das Risiko eines Dekubitus an Knochenvorsprüngen.

Behandlung

Zur Behandlung gehört die Behandlung des Tumors selbst. Kann der Tumor kontrolliert oder geheilt werden, so bessert sich die Kachexie.

Eine zusätzliche hochkalorische Ernährung führt nicht zur Rückbildung der Kachexie. Eine Gewichtszunahme ist gewöhnlich nur gering und meist eher durch die Zunahme an Fettgewebe als an Muskelgewebe bedingt, wodurch sich weder die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten noch die Prognose verbessern. Daher wird bei den meisten Patienten mit einer Tumorerkrankung und einer Kachexie eine hochkalorische Ernährung nicht generell empfohlen. Eine zusätzliche parenterale Ernährung ist nicht indiziert, es sei denn, eine orale Nahrungsaufnahme ist nicht möglich.

Jedoch können andere Behandlungsansätze eine Kachexie und die damit verbundene körperliche Schwäche mindern. Kortikosteroide erhöhen den Appetit und können dazu beitragen, dass sich die Patienten allgemein etwas besser fühlen, allerdings erhöhen sie das Körpergewicht nur in geringem Maße. Auf ähnliche Weise erhöhen Cannabinoide (Marihuana, Dronabinol) den Appetit, jedoch nicht das Gewicht. Progestogene, z. B. Megestrolacetat 40 mg p.o. 2- oder 3-mal täglich, können zur Erhöhung des Appetits und des Körpergewichts führen. Arzneimittel, die die Produktion von Zytokinen beeinflussen, werden derzeit untersucht.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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