Gestagenimplantate sind subdermal platzierte Kontrazeptiva, die über mehrere Jahre eine zuverlässige Empfängnisverhütung gewährleisten. In den Vereinigten Staaten ist ein Implantat verfügbar, das Etonogestrel (ein Gestagen) mit einer durchschnittlichen Freisetzungsrate von 50 µg pro Tag über 12 Monate abgibt. Es stellt eine wirksame Kontrazeption für bis zu 3 Jahre dar (obwohl in einigen Studien die Wirksamkeit bis zu 5 Jahre anhielt).
Die Schwangerschaftsraten im ersten Jahr liegen bei perfekter Anwendung bei 0,05%; Raten bei typischer Anwendung sind gleich (1).
Das Implantat ist ein 4 cm langes, streichholzgroßes Einstab-Implantat, das durch einen Trokar subkutan eingeführt werden kann; die Insertionsstelle befindet sich über dem Trizeps - etwa 8 bis 10 cm vom medialen Epikondylus des Humerus und 3 bis 5 cm posterior (unterhalb) des Sulcus (Furche) zwischen Bizeps- und Trizepsmuskel. Die Furche zwischen Bizeps und Trizeps sollte vermieden werden. Ein Hautschnitt ist nicht erforderlich. Vor dem Einsetzen oder Entfernen dieses Implantats muss der Arzt eine dreistündige Schulung beim Herstellers absolvieren.
Das zurzeit in den Vereinigten Staaten erhältliche Implantat ist zu dem bisher verwendeten Implantat bioäquivalent, ist aber strahlendicht, um es zum Zeitpunkt der Entnahme besser lokalisieren zu können. Auch kann der Applikator zur Einführung einfacher bedient werden, sodass das Implantat seltener zu tief eingesetzt wird. Andere Implantate sind in anderen Ländern verfügbar.
Wird das Implantat in den ersten 5 Tagen des Menstruationszyklus eingesetzt, ist keine zusätzliche Verhütungsmethode erforderlich. Wird es zu anderen Zeitpunkten des Menstruationszyklus eingesetzt, sollte die Patientin auf Schwangerschaftsrisikofaktoren untersucht werden, um festzustellen, ob ein Schwangerschaftstest erforderlich ist, und es sollte mindestens 7 Tage lang gleichzeitig eine zusätzliche Verhütungsmethode angewendet werden. Wenn ungeschützter Geschlechtsverkehr während des letzten Monats stattgefunden hat, sollte gleichzeitig eine andere Verhütungsmethode solange angewandt werden, bis eine Schwangerschaft durch einen negativen Schwangerschaftstest oder durch das anschließende Auftreten der Menses zuverlässig ausgeschlossen werden kann.
Das Implantat kann unmittelbar nach oder innerhalb von 7 Tagen nach einem spontanen oder induzierten Schwangerschaftsabbruch oder direkt postpartal bzw. innerhalb von 4 Wochen eingesetzt werden, unabhängig vom Stillstatus.
Es gibt nur wenige Kontraindikationen für das Gestagenimplantat, und diese sind ähnlich wie bei den oralen Kontrazeptiva, die nur ein Gestagen enthalten.
Die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen sind denen der anderen Gestagene vergleichbar (irreguläre vaginale Blutungen, Amenorrhö, Kopfschmerzen).
Arzneimittelwechselwirkungen mit hormonellen Kontrazeptiva können die kontrazeptive Wirksamkeit vermindern oder die therapeutische Effektivität gleichzeitig angewendeter Medikamente verändern.
Das Entfernen des Implantats, das normalerweise durchgeführt wird, wenn das Implantat nicht mehr wirksam ist, erfordert einen Hautschnitt. Nach Entfernung des Implantats normalisiert sich die Ovarialfunktion sofort.
Hinweis
1. Shoupe D: The Contraception Handbook: Evidence Based Practice Recommendations and Rationales, ed. 3. New York, Humana Press, 2020. doi:10.1007/978-3-030-46391-5



