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Bakterielle Überwucherung

Von

Atenodoro R. Ruiz, Jr.

, MD, The Medical City, Pasig City, Metro-Manila, Philippines

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Ein bakterieller Überwuchs des Dünndarms kann durch Veränderungen der Darmanatomie oder der gastrointestinalen Motilität oder bei einer mangelnden Magensäuresekretion entstehen. Ein bakterieller Überwuchs kann zu Vitaminmangelzuständen, zu einer Fettmalabsorption und Unterernährung führen. Die Diagnose erfolgt durch einen Atemtest oder durch die quantitative Kultur aus Aspiraten der Darmflüssigkeit. Die Behandlung besteht in der Gabe von oralen Antibiotika.

Das Syndrom der bakteriellen Überwucherung ist eine Malabsorptionsstörung.

Normalerweise enthält der proximale Dünndarm < 105 Bakterien/ml, v. a. grampositive Aerobier. Diese niedrige Zahl von Bakterien wird durch die normale Peristaltik, die normale Magensäuresekretion, durch Schleim, sekretorisches IgA und eine funktionsfähige Ileozäkalklappe aufrechterhalten.

Ätiologie

Anatomische Veränderungen von Magen und/oder Dünndarm fördern die Stase von Darminhalt, was zu bakterielle Überwucherung führt. Zu den Bedingungen, die solche anatomischen Veränderungen verursachen oder voraussetzen, gehören eine Divertikulose des Dünndarms, operativ angelegte blinde Schlingen, Zustände nach Gastrektomie (v. a. in der afferenten Schlinge eines Billroth-II-Eingriffs), Strikturen oder ein partieller Verschluss.

Darüber hinaus können auch Störungen der intestinalen Motilität bei einer diabetischen Neuropathie, bei Sklerodermie, bei Amyloidose, Hypothyreoidismus und idiopathischer intestinaler Pseudoobstruktion die Elimination von Bakterien vermindern. Eine Achlorhydrie und idiopathische Veränderungen der Darmmotilität können bei älteren Menschen zu einem bakteriellen Überwuchs führen.

Pathophysiologie

Die im Übermaß vorhandenen Bakterien verbrauchen Nährstoffe inkl. Kohlenhydrate und Vitamin B12 und führen zum Kalorienentzug und zum Vitamin-B12-Mangel. Da die Bakterien Folsäure produzieren, ist ein Folsäuremangel dagegen selten. Die Bakterien dekonjugieren Gallensalze, was zu einer Störung der Mizellenbildung und in der Folge zur Fettmalabsorption führt. Ein schwerer bakterieller Überwuchs schädigt auch die Darmschleimhaut. Fettmalabsorption und Schädigung der Schleimhaut können Durchfall verursachen.

Symptome und Beschwerden

Viele Patienten sind asymptomatisch und zeigen lediglich Gewichtsverlust oder einen Mangel an Nährstoffen. Die häufigsten Symptome sind Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen und übermäßige Flatulenz. Einige Patienten leiden unter einer ausgeprägten Diarrhö oder Steatorrhö.

Diagnose

  • 14C-Xylose-Atemtest oder quantitative Kultur von Dünndarmaspiraten

  • Gelegentlich Kontrastmitteluntersuchung des oberen GIT mit Dünndarmkontrasteinlauf

Einige Kliniker sehen den Erfolg einer empirischen antibiotischen Therapie als diagnostischen Test an. Da jedoch ein bakterieller Überwuchs andere Malabsorptionssyndrome (z. B. Morbus Croh) vortäuschen kann und Nebenwirkungen der Antibiotika die Symptome von Diarrhoe verschlechtern können, sollte man die definitive Ätiologie des Krankheitsbildes feststellen.

Als Standarddiagnose eines bakteriellen Überwucherungssyndroms gilt die quantitative Kultur eines Aspirats von Dünndarmflüssigkeit, das eine Bakterienzahl von > 105/ml zeigt. Diese Methode erfordert allerdings eine Endoskopie. Atemtests unter Verwendung von Substraten wie Glukose, Lactulose und Xylose sind nichtinvasiv und einfach durchzuführen. Der 14C-Xylose-Atemtest ( Diagnostik der Ursachen von Malabsorption) scheint bessere Ergebnisse zu liefern als die anderen Atemtests.

Falls die anatomischen Veränderungen nicht auf eine früher stattgehabte Operation zurückzuführen sind, sollte eine Dünndarmdarstellung zur Diagnose einer möglichen prädisponierenden anatomischen Läsion erfolgen.

Therapie

  • Orale Antibiotika (verschiedene)

  • Ernährungsumstellung

Die Behandlung eines bakteriellen Überwucherungssyndroms besteht für 10–14 Tage in der Gabe oraler Antibiotika, die sowohl aerobe als auch anaerobe Darmbakterien abdecken. Zu den Maßnahmen, die sich empirisch bewährt haben, gehören die folgenden: Tetracyclin 250 mg 4-mal täglich, Amoxicillin/Clavulansäure 250–500 mg 3-mal täglich, Cephalexin 250 mg 4-mal täglich, Trimethoprim/Sulfamethoxazol 160/800 mg 2-mal täglich, Metronidazol 250–500 mg 3-mal oder 4-mal täglich oder Rifaximn 400–550 mg 2-mal täglich. Die antibiotische Behandlung kann zyklisch erfolgen, wenn die Symptome rezidivieren, und wird gewechselt aufgrund von Kultur und Sensitivität. Ein Wechsel in der antibiotischen Behandlung kann allerdings schwierig sein aufgrund der Koexistenz mehrerer Bakterien.

Weil Bakterien im Darmlumen hauptsächlich Kohlenhydrate verstoffwechseln anstatt Fette, ist eine Diät mit hohem Fettanteil und wenig Kohlenhydraten und Ballaststoffen von Vorteil.

Zugrunde liegende Störungen oder ein Mangel an bestimmten Nährstoffen (wie z. B. Vitamin B12) müssen korrigiert werden.

Wichtige Punkte

  • Anatomische Veränderungen in Magen oder Darm oder Eingeweiden oder Störungen der Darmmotilität führen zu gastrointestinaler Stase und damit zu bakterieller Überwucherung.

  • Bakterien dekonjugieren Gallensalze, was zu Fettmalabsorption führt.

  • Die Diagnose erfolgt über den 14C-Xylose-Atemtest und andere Atemtests oder durch quantitative Kultur von Darmspiraten.

  • Die Behandlung besteht in der Gabe oraler Antibiotika, gefolgt von einer fettreichen und kohlenhydratarmen Diät.

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