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Endoskopie

Von

Walter W. Chan

, MD, MPH, Harvard Medical School

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Mit Videokameras ausgerüstete flexible Endoskope können zur Darstellung des oberen GIT vom Pharynx bis zum oberen Duodenum und des unteren GIT vom Anus bis zum Zäkum (und manchmal bis ins terminale Ileum) eingesetzt werden. Zusätzlich können eine Reihe von weiteren diagnostischen und therapeutischen Interventionen endoskopisch durchgeführt werden. Die potenzielle Möglichkeit, Diagnose und Therapie in einem zu vereinen, verleiht der Endoskopie einen signifikanten Vorteil gegenüber Verfahren, die nur bildgebend sind (wie z. B. Röntgen-Kontrastuntersuchungen, CT, MRT), und kompensieren dadurch häufig die höheren Kosten der Endoskopie und die Notwendigkeit einer Sedierung.

Endoskopische Eingriffe erfordern im Allgemeinen eine intravenöse Sedierung und bei der oberen Endoskopie eine lokale Nasenrachenanästhesie. Ausnahmen sind die Anoskopie und die Sigmoidoskopie für die in der Regel keine Vorbereitung erforderlich ist. Die Gesamtkomplikationsrate von Endoskopien liegt bei 0,1–0,2%, die Mortalität liegt bei ca. 0,03%. Komplikationen sind in der Regel durch Medikamente bedingt (z. B. Atemdepression), direkt durch das Verfahren bedingte Komplikationen (z. B. Aspiration, Perforation, signifikante Blutungen) sind weniger häufig.

Diagnostische GI-Endoskopie

Weitere diagnostische Möglichkeiten im Rahmen der konventionellen Endoskopie stellen die Gewinnung von Zell- oder Gewebeproben durch Bürsten oder Biopsiezangen dar. Mehrere verschiedene Arten von Endoskopen verfügen über zusätzliche diagnostische und therapeutische Funktionen. Mit Ultraschall ausgestattete Endoskope können den Blutfluss auswerten oder bieten Bildgebung mukosaler, submukosaler oder extraluminaler Läsionen. Die Endosonographie kann Informationen liefern (z. B. die Tiefe und die Ausdehnung von Läsionen), die man bei der konventionellen Endoskopie nicht erhält. Auch kann eine Feinnadelaspiration sowohl intraluminaler als auch extraluminaler Läsionen mit einem ultraschallgesteuerten Endoskop durchgeführt werden. Konventionelle Endoskope können den überwiegenden Teil des Dünndarms nicht darstellen. Die Push-Enteroskopie verwendet ein Endoskop, das manuell in das distale Duodenum oder proximale Jejunum vorgeschoben werden kann.

Die ballongestützte Darmspiegelung ermöglicht eine zusätzliche Beurteilung des Dünndarms, die über die Push-Enteroskopie hinausgeht. Sie verwendet ein Endoskop mit einem oder zwei aufblasbaren Ballons, die an einem Übertubus an dem Endoskop befestigt sind. Nachdem das Endoskop zu dem weitestmöglichen Punkt vorgeschoben wurde, wird der Ballon aufgeblasen und an der Darmschleimhaut verankert. Ein Zurückziehen des aufgeblasenen Ballons zieht den Dünndarm über den Übertubus wie eine Hülse, wodurch der Dünndarm verkürzt und begradigt wird, was ein weiteres Vorschieben des Endoskops erlaubt. Die ballongestützte Darmspiegelung kann in anterograder (kaudal) oder retrograder (kranial) Richtung erfolgen, sodass eine Überprüfung des gesamten Dünndarms möglich ist.

Ein Screening mit Koloskopen wird Hochrisikopatienten für Kolonkarzinom und jedem 50 Jahre empfohlen. Eine Koloskopie sollte alle 10 Jahre bei Patienten ohne Risikofaktoren oder Polypen in der Vorgeschichte durchgeführt werden. Die CT-Kolongraphie ( Röntgen und andere bildgebende Kontrastuntersuchungen des GI-Trakts : CT-Kolonographie) stellt eine Alternative zur Koloskopie beim Screening nach Kolontumoren dar.

Therapeutische GI-Endoskopie

Zu den therapeutischen endoskopischen Verfahren zählen

  • Entfernen von Fremdkörpern

  • Hämostase durch Platzierung von Hämoclips, Injektion von Medikamenten, thermische Koagulation, Laser-Photokoagulation, Varizen-Banding oder Sklerotherapie

  • Entblutung von Tumoren mittels Laser oder bipolarer Elektrokoagulation

  • Ablative Therapie von prämalignen Läsionen

  • Dilatation von Stegen oder Strikturen

  • Stent-Platzierung

  • Reduktion von Volvulus oder Invagination

  • Dekompression der akuten oder subakuten Dickdilatation

  • Platzierung des Zuführschlauches

Kontraindikationen für GI-Endoskopie

Absolute Kontraindikationen für endoskopische Eingriffe sind:

  • Schock

  • akuter Myokardinfarkt

  • Peritonitis

  • akute Perforation

  • fulminante Kolitis

Relative Kontraindikationen sind schlechte Kooperation des Patienten, Koma (falls der Patient nicht intubiert ist), Herzrhythmusstörungen oder kürzlich zurückliegende Myokardischämie.

Patienten unter antikoagulativer Behandlung oder dauerhafter NSAR-Einnahme können ungefährdet endoskopiert werden. Wenn allerdings eine Biopsie oder eine Photokoagulation durchgeführt werden soll, müssen diese Medikamente in einem geeigneten Zeitraum vor der Untersuchung abgesetzt werden. Eisen enthaltende Medikamente sollten 4–5 Tage vor einer Koloskopie abgesetzt werden, weil bestimmtes grünes Gemüse mit dem Eisen interagieren und eine klebrige Masse erzeugen kann, die mit der Sicht interferiert und die man nur schwer mit einer Spüllösung entfernen kann. Die American Heart Association empfiehlt nicht mehr eine Endokarditisprophylaxe für Patienten, bei denen eine Routineendoskopie des Gastrointestinaltrakts durchgeführt werden soll.

Vorbereitung für GI-Endoskopie

Zur Vorbereitung einer Endoskopie sollten für 6–8 h keine festen Speisen und 4 h vor dem Eingriff keine Flüssigkeit mehr eingenommen werden. Zusätzlich erfordert die Koloskopie eine Darmreinigung. Zahlreiche Verfahren werden angewandt, alle Verfahren empfehlen flüssige Nahrungszufuhr und für 24–48 h die Gabe eines Abführmittels mit oder ohne Einlauf. Eine gebräuchliche Laxanzienpräparation besteht aus einer ausgewogenen Elektrolytlösung, von der ein hohes Volumen (ca. 4 l) über einen Zeitraum von 3–4 h vor dem Eingriff verabreicht wird. Nur Patienten, die eine solche Lösung nicht tolerieren, können Magnesiumcitrat, Natriumhosphat, Polyethylenglykol, Lactulose oder andere Laxanzien gegeben werden. Einläufe können entweder mit Natriumphosphat oder mit Leitungswasser durchgeführt werden. Phosphatzubereitungen sollten nicht bei Patienten mit Niereninsuffizienz eingesetzt werden.

Videokapselendoskopie

Bei der Videokapselendoskopie (drahtlose Videoendoskopie) schlucken die Patienten eine Kapsel mit einer Kamera, die Bilder an einen externen Recorder überträgt. Diese nichtinvasive Technologie erlaubt eine diagnostische Bildgebung des Dünndarms, die mit herkömmlichen Endoskopen sonst schwer zu erreichen ist. Als besonders nützlich erweist sich dieses Verfahren bei Patienten mit okkulten gastrointestinalen Blutungen und zur Detektion von Schleimhautanomalien. Die Kapselendoskopie ist in Bezug auf den Dickdarm schwieriger und deshalb kein adäquates Verfahren für die Darmkrebsfrüherkennung.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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