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Folat

(Folsäure)

Von

Larry E. Johnson

, MD, PhD, University of Arkansas for Medical Sciences

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Folat wird in den USA und in Kanada heute angereicherten Getreideprodukten zugefügt. Das Vitamin ist zudem reichlich in verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln und in Fleisch enthalten, doch besteht dafür aus Ergänzungsprodukten oder angereicherten Nahrungsmitteln eine höhere Bioverfügbarkeit als in natürlichen Lebensmitteln (siehe Tabelle: Quellen, Funktionen und Wirkungen von Vitaminen).

Folate spielen eine Rolle bei der Reifung von Erythrozyten und der Synthese von Purinen und Pyrimidinen. Sie sind für die Entwicklung des fetalen Nervensystems erforderlich. Die Resorption erfolgt im Duodenum und dem oberen Jejunum. Eine enterohepatische Zirkulation von Folat findet statt.

Folatsupplemente schützen nicht vor koronarer Herzkrankheit oder Schlaganfall (auch wenn sie den Homocysteinspiegel absenken); es gibt keine aktuellen Hinweise darauf, dass eine Folatergänzung das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöht oder verringert.

Die obere Aufnahmegrenze für Folat liegt bei 1000 mcg; höhere Tagesdosen (bis zu 4 mg) sind ratsam bei Frauen, die ein Baby mit einem Neuralrohrdefekt haben. Folat wirkt nicht toxisch.

Frauen, die sowohl orale Kontrazeptiva und Antikonvulsiva einnehmen, muss möglicherweise Folatsupplemente zu sich nehmen, um die Antikonzeption aufrecht zu erhalten.

Folsäuremangel

Folsäuremangel ist weit verbreitet. Er entsteht durch inadäquate Zufuhr, Malabsorption oder Arzneimitteleinnahme. Folatmangel verursacht eine megaloblastische Anämie, die sich nicht von der bei Vitamin-B12 -Mangel auftretenden Anämie unterscheiden lässt. Leidet eine werdende Mutter unter Folatmangel, ist das Risiko des Feten für einen Neuralrohrdefekt erhöht. Die Diagnose wird nach Labortests gestellt. Die Messung einer neutrophilen Hypersegmentierung erfolgt zuverlässig und rasch. Eine Behandlung mittels oraler Aufnahme von Folat verläuft gewöhnlich erfolgreich.

Ätiologie

Die häufigsten Ursachen für Folsäuremangel sind

  • unzureichende Zufuhr (in der Regel bei Patienten mit Unterernährung oder Alkoholismus)

  • erhöhter Bedarf (z. B. aufgrund von Schwangerschaft oder Stillzeit)

  • eingeschränkte Absorption (z. B. bei Zöliakie oder durch bestimmte Medikamente),

Ein Mangel kann auch durch inadäquate Bioverfügbarkeit und verstärkte Ausscheidung entstehen (siehe Tabelle: Gründe für Folatmangel).

Tabelle
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Gründe für Folatmangel

Grund

Ursache

Inadäquate Zufuhr

Mangel an rohem, grünem Gemüse oder angereicherten Getreideprodukten in der Nahrung; chronischer Alkoholismus, TPE

Eingeschränkte Absorption

Zöliakie, Sprue, weitere Malabsorptionssyndrome, Antiepileptika, angeborene oder erworbene Folatmalabsorption

Inadäquate Verwertung

Folatantagonisten (Metformin, Methotrexat, Triamteren, Trimethoprim), Antikonvulsiva, angeborener oder erworbene Enzymmangel, Alkoholismus

Gesteigerter Bedarf

Schwangerschaft, Stillzeit, Kleinkind-/Säuglingsalter, gesteigerter Stoffwechsel

Vermehrte Ausscheidung

Dialyse (peritoneale oder Hämodialyse)

Lange Kochzeiten zerstören Folat und prädisponieren eine Person für eine unzureichende Zufuhr. Die Zufuhr ist teilweise kaum ausreichend (z. B. bei Alkoholikern). Depots in der Leber speichern einen Vorrat des Nährstoffs für nur wenige Monate.

Alkohol beeinflusst die Folatabsorption, den Stoffwechsel, die renale Ausscheidung sowie die enterohepatische Reabsorption und reduziert die gesunde Nahrungsaufnahme. 5-Fluorouracil, Metformin, Methotrexat, Phenobarbital, Phenytoin, Sulfasalazin und Trimethoprim hemmen die Folatmetabolisierung.

In den USA und Kanada, werden viele Lebensmittel (z. B. Getreide, Getreideprodukte) routinemäßig mit Folat angereichert, was das Risiko für einen Mangel reduziert.

Symptome und Beschwerden

Ein Folatmangel führt zu Glossitis, Diarrhö, Depressionen und Verwirrtheit. Eine Anämie kann sich schleichend entwickeln und schließlich aufgrund von Kompensationsprozessen schwerer verlaufen, als die Symptome auszusagen scheinen.

Während der Schwangerschaft erhöht ein Folatmangel das Risiko für fetale Neuralrohrdefekte und möglicherweise Hirnschäden.

Diagnose

  • Blutstatus, Serum-Vitamin-B12und Folatspiegel

Der Blutstatus weist ggf. auf eine megaloblastische Anämie hin, die nicht von der Blutarmut bei Vitamin-B12-Mangel zu unterscheiden ist.

Beträgt das Ergebnis für Serumfolat < 3 mcg/l oder ng/ml (< 7 nmol/l), ist ein Mangel wahrscheinlich. Der Serumfolatgehalt spiegelt den Folatstatus wider, es sei denn, die Zufuhr wurde kürzlich erhöht oder verringert. Hat sich die Zufuhr verändert, gibt der Folatspiegel der Erythrozyten genauer Auskunft über die Gewebedepots. Ein Spiegel von < 140 mcg/l oder ng/ml (< 305 nmol/l) zeigt einen unzureichenden Status an.

Auch ein erhöhter Homocysteinspiegel lässt einen geweblichen Folatmangel vermuten, doch wird dieser Spiegel zusätzlich vom Vitamin-B12und Vitamin-B6-Haushalt, von einer bestehenden Niereninsuffizienz und genetischen Faktoren beeinflusst. Ein normaler Methylmalonsäurespiegel erlaubt die Unterscheidung eines Folatmangels von einem Vitamin-B12-Mangel, weil Mythylmalonsäurewerte bei Vitamin-B12-Mangel ansteigen, nicht aber bei Folatmangel.

Therapie

  • Ergänzende orale Folatzufuhr

Die orale Gabe von 400–1000 mcg Folat täglich füllt die Gewebedepots auf und ist üblicherweise sogar erfolgreich, wenn der Mangel durch Malabsorption entstand. Der Normalbedarf liegt bei 400 mcg/Tag. (Cave: Bei Patienten mit einer megaloblastischen Anämie muss ein Vitamin-B12 -Mangel vor der Therapie mit Folat ausgeschlossen werden. Liegt ein Vitamin-B12-Mangel vor, so kann die Folatergänzung zwar die Anämie bessern, jedoch nicht heilen und kann neurologische Defizite sogar verschlimmern).

Für schwangere Frauen liegt die empfohlene tägliche Nährstoffzufuhr (Recommended daily allowance, RDA) bei 600 mcg/Tag. Für Frauen, die bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt geboren haben, beträgt die empfohlene Dosis 4000 mcg/Tag, die Anwendung beginnt 1 Monat vor der Empfängnis (wenn möglich) und dauert bis 3 Monate nach der Empfängnis.

Wichtige Punkte

  • Am häufigsten ist ein Folatmangel auf eine reduzierte Aufnahme (z. B. aufgrund von Alkoholismus), einen gesteigerten Bedarf (z. B. aufgrund von Schwangerschaft) oder eine gestörte Resorption (z. B. aufgrund von Drogen oder Malabsorptionsstörungen) zurückzuführen.

  • Längeres Kochen zerstört Folat, aber viele Grundnahrungsmittel enthalten zusätzlich Folat.

  • Ein Mangel verursacht eine megaloblastische Anämie und teilweise Glossitis, Durchfall, Depression und Verwirrtheit.

  • Bei Patienten, die eine megaloblastische Anämie haben, ist Folat und Vitamin B12 im Serum zu messen.

  • Zur Behandlung des Mangels erhalten die Patienten zusätzlich einmal täglich 400–1000 mcg p.o. Folat.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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