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Überblick über Vitamine

Von

Larry E. Johnson

, MD, PhD, University of Arkansas for Medical Sciences

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Vitamine können

  • Fettlöslich (Vitamine A, D, E und K)

  • Wasserlöslich (B-Vitamine und Vitamin C)

Zu den B-Vitaminen zählen Biotin, Folat, Niacin, Pantothensäure, Riboflavin (B2), Thiamin (B1), B6 (z. B. Pyridoxin) und Vitamin B12(Cobalamin).

Zum Bedarf, zu Quellen, Funktionen, Auswirkungen von zu niedriger und toxischer Dosierung, Blutwerten und den üblichen therapeutischen Dosierungen von Vitaminen s. siehe Tabelle: Empfohlene tägliche Vitaminzufuhr und Quellen, Funktionen und Wirkungen von Vitaminen.

Der Bedarf an Vitaminen (und anderen Nährstoffen) wird als täglich empfohlene Zufuhr (Daily recommended intake, DRI) ausgedrückt. Bei der täglich empfohlenen Zufuhr werden drei Arten unterschieden:

  • Empfohlene Tagesdosis (Recommended daily allowance, RDA): Diese wurde formuliert, um den Bedarf von 97–98% der gesunden Menschen zu beschreiben.

  • Angemessene Nährstoffzufuhr (Adequaite intake, AI): Wo die anhand der empfohlenen Tagesdosis berechneten Daten unzureichend sind, beruht die angemessene Zufuhr auf beobachteten oder experimentell ermittelten Schätzungen der Nährstoffaufnahme durch gesunde Personen.

  • Tolerierbare Aufnahmemenge (Tolerable upper intake level, UL): Dabei handelt es sich um die größte Menge eines Nährstoffs, die von den meisten Erwachsenen ohne Risiko nachteiliger Auswirkungen auf die Gesundheit täglich aufgenommen werden kann.

In Industrieländern können rühren Vitaminmängel hauptsächlich von folgendem her:

Ein milder Vitaminmangel ist verbreitet unter gebrechlichen und in Pflegeeinrichtungen untergebrachten älteren Menschen, die eine Protein-Energie-Unterernährung aufweisen.

In Entwicklungsländern können Vitaminmängel aus dem fehlenden Zugang zu Nährstoffen entstehen.

Der Mangel an wasserlöslichen Vitaminen (außer Vitamin B12) führt nach Wochen bis Monaten zur Unterernährung. Ein Mangel an fettlöslichen Vitaminen und Vitamin B12 benötigt > 1 Jahr, um sich zu entwickeln, weil der Körper sie in relativ großen Mengen speichert. Die Vitaminzufuhr, die ausreichend ist, um einen klassischen Vitaminmangel (wie Skorbut oder Beriberi) zu verhindern, ist möglicherweise nicht ausreichend für eine optimale Gesundheit. Dieser Bereich bleibt kontrovers und ist ein Gegenstand aktiver Forschung.

Eine Vitaminabhängigkeit ergibt sich aus einem Gendefekt, der sich auf den Vitaminstoffwechsel auswirkt. In einigen Fällen verbessert die Gabe von Vitaminen in 1000-facher Dosis der täglich empfohlenen Zufuhr (DRI = daily recommended intake; Anm. d. Übers.: engl. Abkürzung „DRI“ wird ernährungswissenschaftlich auch als „dietary reference intake“ = Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, ausgeschrieben) die Funktion der durch den Defekt veränderten Stoffwechselvorgänge.

Eine Vitaminintoxikation (Hypervitaminose) entsteht bei der Zufuhr einer Überdosis der Vitamine A, D, C, B6 oder Niacin.

Da viele Menschen unregelmäßig essen, liefern Nahrungsmittel allein von einigen Vitaminen nur suboptimale Mengen. In diesen Fällen besteht ein höheres Risiko für Krebs oder andere Krankheiten. Allerdings konnte nicht bewiesen werden, dass täglich eingenommene Multivitaminpräparate das Krebsrisiko verringern. Supplementierung mit Vitaminen scheint Herz-Kreislauf- Erkrankungen nicht zu verhindern (1,2) oder sinkt (3,4,5,6).

Tabelle
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Empfohlene tägliche Vitaminzufuhr

Alter (Jahre)

Folat (mcg)

Niacin (mg NE*)

Riboflavin (mg)

Thiamin (mg)

Vitamin A (mcg)

Vitamin B6(mg)

Vitamin B12 (mcg)

Vitamin C (mg)

Vitamin D (I.E.)

Vitamin E (mg)

Vitamin K (mcg)

Kleinkinder

0–6 Monate

65

2

0,3

0,2

400

0,1

0,4

40

400

4

2,0

7–12 Monate

80

4

0,4

0,3

500

0,3

0,5

50

400

5

2,5

Kinder

1–3

150

6

0,5

0,5

300

0,5

0,9

15

600

6

30

4–8

200

8

0,6

0,6

400

0,6

1,2

25

600

7

55

Männer

9–13

300

12

0,9

0,9

600

1,0

1,8

45

600

11

60

14–18

400

16

1,3

1,2

900

1,3

2,4

75

600

15

75

19–70

400

16

1,3

1,2

900

1,3

2,4

90

600

15

120

> 70

400

16

1,3

1,2

900

1,7

2,4

90

800

15

120

Frauen

9–13

300

12

0,9

0,9

600

1,0

1,8

45

600

11

60

14–18

400

14

1,0

1,0

700

1,2

2,4

65

600

15

75

19–70

400

14

1,1

1,1

700

1,3

2,4

75

600

15

90

> 70

400

14

1,1

1,1

700

1,5

2,4

75

800

15

90

Schwangere

19–50 Jahre

600

18

1,4

1,4

770

1,9

2,6

85

600

15

90

Stillende

19–50 Jahre

500

17

1,6

1,4

1300

2,0

2,8

120

600

19

90

Obere Aufnahmegrenze (UL)§

1000

35

ND

ND

3000

100

ND

2000

4000

1000

ND

Hinweis: Die empfohlene Tagesdosis (RDA) wird in normaler Schrift wiedergegeben. Eine Nährstoffzufuhr gemäß den RDA-Vorgaben deckt den Bedarf von 97–98% der gesunden Menschen.

Die angemessene Nährstoffzufuhr (AI) wird in Fettdruck dargestellt. Reichen die erhobenen Daten nicht aus, um RDA-Werte für einen Nährstoff zu berechnen, beruht die angemessene Nährstoffzufuhr auf beobachteten oder experimentell ermittelten Schätzungen der Nährstoffaufnahme durch gesunde Personen.

* 1 Niacinäquivalent (NE) entspricht 1 mg Niacin oder 60 mg diätetischem Tryptophan.

200 I.E. Vitamin D entsprechen 5 mcg Cholecalciferol.

800 I.E. Vitamin D wird für Menschen 70 Jahre empfohlen.

§UL bezeichnet die höchste Menge eines Nährstoffs, die die meisten Erwachsenen täglich ohne nachteilige Wirkung zuführen können. Je mehr die obere Aufnahmegrenze überschritten wird, desto größer ist das Risiko von Nebenwirkungen.

ND = not determinable; nicht bestimmbar, da Daten nicht ausreichen (die Zufuhrquellen sollten auf Lebensmittel beschränkt bleiben); RAE = Retinol activity equivalent; Retinol-Äquivalent (1 mcg RAE des vorgeformten Vitamins A = 3,33 I.E.).

Übernommen aus Dietary Reference Intakes, Food and Nutrition Board, Institute of Medicine. Washington, DC: National Academy Press.

Tabelle
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Quellen, Funktionen und Wirkungen von Vitaminen

Nährstoff

Hauptquellen

Funktionen

Auswirkungen von Mangel und Intoxikation

Folat (Folsäure)

Rohes grünes Blattgemüse, Obst, Innereien (z. B. Leber), angereicherte Cerealien und Brote

Reifung der roten Blutkörperchen

Synthese von Purinen, Pyrimidinen und Methionin

Entwicklung des fetalen Nervensystems

Mangel: Megaloblastische Anämie, Neuralrohrdefekt Neugeborener, Verwirrung

Niacin (Nikotinsäure, Nicotinamid)

Leber, rotes Fleisch, Fisch, Geflügel, Hülsenfrüchte, Vollkorn- oder angereicherte Cerealien und Brote

Redoxreaktionen

Kohlenhydrat- und Zellstoffwechsel

Mangel: Pellagra (Dermatitis, Glossitis, gastrointestinale und ZNS-Funktionsstörung)

Intoxikation: Erröten

Riboflavin (Vitamin B2)

Milch, Käse, Leber, Fleisch, Eier, angereicherte Getreideprodukte

Zahlreiche Aspekte des Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsels

Intakte Schleimhautmembranen

Mangel: Cheilosis, Stomatitis angularis, Vaskularisation der Kornea

Thiamin (Vitamin B1)

Vollkorngetreide, Fleisch (v. a. Schweinefleisch und Leber), angereicherte Getreideprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln

Kohlenhydrate, Fett, Aminosäuren, Glukose- und Alkoholstoffwechsel

Funktion zentraler und peripherer Nervenzellen

Myokardfunktion

Mangel: Beriberi (periphere Neuropathie, Herzinsuffizienz), Wernicke-Korsakow-Syndrom

Vitamin A (Retinol)

Als Vitaminvorstufe: Lebertran, Leber, Eigelb, Butter, mit Vitamin A angereicherte Milchprodukte

Als Provitamin-Carotinoide: dunkelgrünes und gelbes Gemüse, Karotten, gelbe und orange Früchte

Bildung von Rhodopsin (ein Photorezeptorpigment in der Retina)

Intaktes Epithel

Stabilität von Lysosomen

Glykoproteinsynthese

Mangel: Nachtblindheit, perifollikuläre Hyperkeratose, Xerophthalmie, Keratomalazie, erhöhte Morbidität und Mortalität von Kleinkindern

Intoxikation: Kopfschmerzen, Hautabschuppung, Hepatosplenomegalie, Knochenverdickung, intrakranielle Hypertonie, Papillenödem, Hyperkalzämie

Vitamin-B6-Gruppe (Pyridoxin, Pyridoxal Pyridoxamin)

Innereien (z. B. Leber), Vollkorngetreide, Fisch, Hülsenfrüchte

Viele Aspekte des Stickstoffstoffwechsels (z. B. Transaminierung, Porphyrin- und Hämsynthese, Umwandlung von Tryptophan in Niacin)

Biosynthese von Nukleinsäuren

Fettsäure-, Lipid- und Aminosäurenstoffwechsel

Mangel: Krampfanfälle, Anämie, Neuropathien, Dermatitis

Intoxikation: periphere Neuropathie

Vitamin B12 (Cobalamin)

Fleisch (v. a. Rind-/Schweinefleisch und Innereien [z. B. Leber]), Geflügel, Eier, angereicherte Cerealien, Milch und Milchprodukte, Muscheln, Austern, Makrelen, Lachs

Reifung der roten Blutkörperchen, neuronale Funktion, DNA-Synthese, Myelinsynthese und -reparatur

Mangel: megaloblastische Anämie, neurologische Defizite (Verwirrtheit, Parästhesien, Ataxie)

Vitamin C (Ascorbinsäure)

Zitrusfrüchte, Tomaten, Kartoffeln, Brokkoli, Erdbeeren, süße Paprika

Kollagenbildung

Gesundheit von Knochen und Blutgefäßen

Carnitin, Hormon- und Aminosäurenbildung

Wundheilung

Mangel: Skorbut (Hämorrhagien, Zahnausfall, Gingivitis, Knochendefekte)

Vitamin D ( Cholecalciferol, Ergocalciferol)

Direkte UV-B-Bestrahlung der Haut (Hauptquelle), angereicherte Milchprodukte (Hauptnahrungsquelle), Lebertran, fetter Fisch, Leber

Resorption von Kalzium und Phosphat

Mineralisierung und Reparatur des Knochens

Resorption von Kalzium in den Nierentubuli

Insulin- und Schilddrüsenfunktion, Stärkung des Immunsystems, reduziertes Risiko einer Autoimmunerkrankung

Mangel: Rachitis (manchmal mit Tetanie), Osteomalazie

Intoxikation: Hyperkalzämie, Anorexie, Nierenversagen, metastatische Kalzifizierung

Vitamin-E-Gruppe (Alpha-Tocopherol, andere Tocopherole)

Pflanzliche Öle, Nüsse

Intrazelluläres Antioxidans

Fänger freier Radikale in biologischen Membranen

Mangel: Hämolyse roter Blutkörperchen, neurologische Defizite

Intoxikation: Blutungsneigung

Vitamin-K-Gruppe (Phyllochinon, Menachinone)

Grünes Blattgemüse (v. a. Kohl, Spinat und grüner Salat), Sojabohnen, Pflanzenöle

Bakterien im Magen-Darm-Trakt nach dem Neugeborenenalter

Bildung von Prothrombin, weiteren Gerinnungsfaktoren und Knochenproteinen

Mangel: Blutung durch Prothrombinmangel und andere Faktoren, Osteopenie

Tabelle
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Potenzielle Wechselwirkungen zwischen Vitaminen und Wirkstoffen

Nährstoff

Wirkstoff

Antibiotika, Antiepileptika

Alkohol, 5-Fluorouracil, Metformin, Methotrexat, orale Kontrazeptiva, Antikonvulsiva (z. B. Phenobarbital, Phenytoin, Primidon), Sulfasalazin, Triamteren, Trimethoprim

Alkohol, Isoniazid

Alkohol, Barbiturate, Phenothiazine, Thiaziddiuretika, trizyklische Antidepressiva

Alkohol, orale Kontrazeptiva, Thiaminantagonisten in Kaffee, Tee, rohem Fisch und Rotkohl

Cholestyramin, Mineralöl

Alkohol, Antikonvulsiva, Kortikosteroide, Cycloserin, Hydralazin, Isoniazid, Levodopa, orale Kontrazeptiva, Penicillamin

Antazida, Metformin, Lachgas (wiederholte Exposition)

Corticosteroide

Antipsychotika, Mineralöl, Antiepileptika, Rifampicin

Mineralöl, Warfarin

Antibiotika, Antiepileptika, Mineralöl, Rifampicin, Warfarin

Hinweise

  • 1. Myung SK, Ju W, Cho B, et al: Efficacy of vitamin and antioxidant supplements in prevention of cardiovascular disease: Systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. BMJ 346:f10, 2013.

  • 2. Sesso HD, Christen WG, Bubes V, et al: Multivitamins in the prevention of cardiovascular disease in men: The Physicians' Health Study II randomized controlled trial. JAMA 308 (17):1751–1756, 2012.

  • 3. Bischoff-Ferrari HA, Dawson-Hughes B, Orav EJ, et al: Monthly high-dose vitamin D treatment for the prevention of functional decline: A randomized clinical trial. JAMA Intern Med 176 (2):175–183, 2016.

  • 4. Cummings SR, Kiel DP, Black DM: Vitamin D supplementation and increased risk of falling: A cautionary tale of vitamin supplements retold. JAMA Intern Med 176 (2):171–172, 2016.

  • 5. Uusi-Rasi K, Patil R, Karinkanta S, Kannus P, et al: Exercise and vitamin D in fall prevention among older women: A randomized clinical trial. JAMA Intern Med 75 (5):703–711, 2015.

  • 6. LeBlanc ES, Chou R: Vitamin D und Stürze-Anpassung neuer Daten mit aktuellen Richtlinien. JAMA Intern Med 175 (5):712–713, 2015.

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