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Galaktorrhö

Von

Ian M. Chapman

, MBBS, PhD, University of Adelaide, Royal Adelaide Hospital

Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Quellen zum Thema

Galaktorrhö ist ein Milchfluss bei Männern per se oder bei Frauen, die nicht stillen. Sie ist fast immer durch ein prolactinsezernierendes Hypophysenadenom bedingt. Die Diagnose wird durch die Bestimmung der Prolactinspiegel und durch bildgebende Verfahren gestellt. Die Behandlung umfasst die Gabe von Dopaminagonisten und gelegentlich auch die Entfernung bzw. die Zerstörung des Adenoms.

Ätiologie

Prolactin wird in sogenannten lactotrophen Zellen, welche ca. 30% aller Zellen der Hypophyse darstellen, produziert. Beim Menschen ist die Hauptfunktion von Prolactin die Anregung der Milchproduktion. Prolaktin ist das Hormon, das von Hypophysentumoren am häufigsten im Überschuss produziert wird.

Eine Galaktorrhö ist fast immer durch ein prolactinsezernierendes Hypophysenadenom bedingt (Prolactinom). Die meisten Tumoren bei Frauen sind Mikroadenome (< 10 mm im Durchmesser), aber ein kleiner Prozentsatz sind Makroadenome (> 10 mm), wenn sie diagnostiziert werden. Das Vorkommen von Mikroadenomen bei Männern ist wesentlich seltener, vielleicht auch nur, weil sie später bemerkt werden. Nicht funktionierende Hypophysenmassenläsionen können durch das Zusammendrücken des Hypophysenstiels auch die Prolaktinspiegel erhöhen und damit die Wirkung des Dopamins, eines Prolaktin-Hemmers, reduzieren.

Hyperprolaktinämie und Galaktorrhö können auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente verursacht sein, z. B. durch Phenothiazine und einige andere Antipsychotika, bestimmte Antihypertensiva (besonders Alpha-Methyldopa) und Opioide. Eine primäre Hypothyreose Hypothyreose Hypothyreose ist ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Die Diagnose wird durch klinische Symptome wie z. B. einen typischen Gesichtsausdruck, grobe, langsame Sprechweise und trockene Haut sowie... Erfahren Sie mehr  Hypothyreose kann eine Hyperprolaktinämie und Galaktorrhö verursachen, da erhöhte Spiegel von Thyreotropin-releasing-Hormon genau wie Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) die Prolactinsekretion steigern können. Hyperprolaktinämie kann mit Hypogonadotropismus und Hypogonadismus assoziiert sein, wahrscheinlich durch Hemmung der Freisetzung von Gonadotrophin-Releasing-Hormons (GnRH) oder durch Einwirkung auf die hypophysären Gonadotropine (siehe Tabelle Ursachen der Hyperprolaktinämie Ursachen einer Hyperprolaktinämie Galaktorrhö ist ein Milchfluss bei Männern per se oder bei Frauen, die nicht stillen. Sie ist fast immer durch ein prolactinsezernierendes Hypophysenadenom bedingt. Die Diagnose wird durch die... Erfahren Sie mehr ).

Tabelle
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Symptome und Beschwerden

Ein pathologischer Milchfluss ist nicht quantitativ definiert; es ist ein Milchfluss, der unpassend, persistierend oder beunruhigend für den Patienten ist. Ein spontaner Milchfluss ist im Gegensatz zu einem Milchfluss nach Manipulation eher selten. Die Milch ist weiß, und Fettkügelchen sind sichtbar, wenn eine Probe mit einem Mikroskop untersucht wird. Bei Frauen mit Galaktorrhö findet sich häufig auch eine Amenorrhö oder Oligomenorrhö. Frauen mit Galaktorrhö und Amenorrhö können auch Symptome eines Östrogenmangels einschließlich Dyspareunie und verminderter Libido aufweisen, was an einer Hemmung der pulsatilen Freisetzung von luteinisierendem und Follikel-stimulierendem Hormon durch die hohen Prolactinspiegel liegt. Trotzdem können die Östrogenspiegel normal sein und klinische Zeichen eines Androgenüberschusses, einschließlich Hirsutismus, können bei manchen hyperprolaktinämischen Frauen vorkommen. Hyperprolaktinämie kann mit Störungen des Menstruationszyklus über die Amenorrhö hinaus, einschließlich seltener Ovulation und Gelbkörperdysfunktion, einhergehen.

Männer mit prolactinsezernierenden Hypophysentumoren haben typischerweise Kopfschmerzen oder Sehstörungen. Etwa zwei Drittel der Betroffenen klagen über Libidoverlust und Erektionsstörungen Erektile Dysfunktion Erektile Dysfunktion wird definiert als die Unfähigkeit, eine für den Geschlechtsverkehr zufriedenstellende Erektion zu erreichen oder beizubehalten. Die meisten Formen der erektilen Dysfunktion... Erfahren Sie mehr .

Diagnose

  • Prolaktinspiegel

  • Thyroxin (T4) Und TSH-Spiegel

  • CT oder MRT

Die Diagnose einer Galaktorrhö durch prolactinsezernierende Hypophysentumoren basiert auf der Feststellung erhöhter Prolactinspiegel (typischerweise > 5-mal höher als normal, manchmal viel höher) und der Abnahme der Läsionsgröße als Reaktion auf die Behandlung. Im Allgemeinen korrelieren die Prolactinspiegel mit der Größe der Hypophysentumoren und eignen sich gut als Verlaufsparameter zur Erkennung eines Rezidivs. Bei einer nicht funktionierenden Hypophysenmasse sind die Prolactinspiegel in der Regel nicht > 3-mal bis 4-mal höher als normal. Ein Testlauf einer Dopamin-Agonisten-Therapie kann dabei helfen, zwischen Prolaktin-ausscheidenden und nicht funktionierenden Läsionen zu unterscheiden; bei beiden Läsionsarten nehmen die Prolaktinspiegel nach der Behandlung ab, aber Prolaktin-ausscheidende Läsionen verlieren an Größe, während dies auf nicht funktionierende Läsionen nicht zutrifft.

Serumgonadotropin- und Estradiolspiegel sind bei hyperprolaktinämischen Frauen entweder erniedrigt oder im Normbereich, und die Testosteronspiegel können bei Männern niedrig sein. Eine primäre Hypothyreose kann leicht durch das Fehlen eines erhöhten TSH ausgeschlossen werden.

Ein hochauflösendes CT oder besser MRT ist die Methode der Wahl, um Mikroadenome zu entdecken. Bei Makroadenomen und vor allem bei Patienten, die sich für eine medikamentöse Therapie oder abwartendes Verhalten entscheiden, ist eine Gesichtsfelduntersuchung indiziert.

Therapie

  • Abhängig von Geschlecht, Ursache, Symptomen und anderen Faktoren

Mikroadenome

Die Therapie von Mikroprolactinomen wird kontrovers diskutiert. Bei asymptomatischen Patienten, die Prolaktinspiegel unter 100 µg/l (4,348 pmol/l) und normale CT- oder MRT-Befunde zeigen bzw. jenen, die lediglich Mikroadenome aufweisen, reicht wahrscheinlich eine Nachbeobachtung. Häufig normalisieren sich die Serumprolactinspiegel über die Jahre. Patienten mit Hyperprolaktinämie sollten vierteljährlich mittels Bestimmung der Prolactinspiegel und durch jährliches Sella-CT oder -MRT über mindestens 2 Jahre nachbeobachtet werden. Die Häufigkeit der Sellabildgebung kann reduziert werden, wenn die Prolactinspiegel nicht ansteigen.

Bei Frauen umfassen die Behandlungsindikationen

Bei Männern ist eine Galaktorrhoe selbst selten störend genug, um eine Behandlung zu erfordern; zu den Indikationen für die Behandlung gehören

  • Hypogonadismus (wegen des Risikos für Osteoporose)

  • Erektile Dysfunktion

  • Geringe Libido

  • Störende Unfruchtbarkeit

Therapie der ersten Wahl ist im Allgemeinen die Gabe eines Dopaminagonisten wie Bromocriptin (1,25–5 mg oral 2-mal täglich) oder des längerwirksamen Cabergolin (0,25–1,0 mg oral 1- bis 2-mal wöchentlich), das die Prolaktinspiegel verringert. Cabergolin ist die Therapie der Wahl, da es besser vertragen wird und wirksamer ist als Bromocriptin. Frauen, die versuchen, schwanger zu werden, sollten die Einnahme von Cabergolin oder Bromocriptin zum Zeitpunkt eines positiven Schwangerschaftstestergebnisses beenden.

Quinagolid, ein nichtergolin abgeleiteter Dopamin-Agonist, ist bei Hyperprolaktinämie ebenfalls eine Möglichkeit. Es wird mit einer Dosis von 25 µg oral 1-mal täglich begonnen und über 7 Tage auf die übliche Erhaltungsdosis von 75 µg 1-mal täglich titriert (kann wöchentlich in Schritten von 75–150 µg auf eine maximale Dosis von 600 µg 1-mal täglich ansteigen). Quinagolid sollte nicht von Frauen eingenommen werden, die eine Schwangerschaft planen.

Frauen mit einem Mikroadenom, die klinisch hypoöstrogen sind oder einen niedrigen Estradiolspiegel haben, kann exogenes Östrogen verabreicht werden. Östrogensubstitution führt wahrscheinlich nicht zu Tumorwachstum.

Makroadenome

Patienten mit Makroadenomen sollten im Allgemeinen mit Dopaminagonisten oder chirurgisch behandelt werden, nachdem zuvor sorgfältig die Hypophysenfunktion und die Möglichkeit einer Radiotherapie überprüft wurde. Dopamin-Agonisten sind in der Regel die Erstbehandlung der Wahl und führen in der Regel zur Schrumpfung eines Prolaktin-sezernierenden Tumors. Dopamin-Agonisten werden einen nicht funktionierenden Tumor, der eine Kompression des Hypophysenstiels verursacht, nicht schrumpfen lassen, obwohl die Prolaktinspiegel abnehmen. Falls die Prolactinspiegel fallen und die Symptome einer Tumorkompression nachlassen, kann es sein, dass keine weitere Therapie nötig ist. Allerdings bedürfen größere nicht funktionierende Läsionen in der Regel einer zusätzlichen Behandlung, für gewöhnlich einer Chirurgie. Eine chirurgische Resektion oder Strahlentherapie kann oft leichter oder erfolgreicher durchgeführt werden, nachdem bereits durch einen Dopaminagonisten eine Tumorregression herbeigeführt wurde. Obwohl die Behandlung mit Dopaminagonisten in der Regel langfristig fortgeführt werden muss, kommt es entweder spontan oder vielleicht durch die medikamentöse Therapie unterstützt zur Remission Prolaktin-sezernierender Tumoren. Gelegentlich können daher Dopaminagonisten abgesetzt werden, ohne dass es zu einem Tumorrezidiv oder einem Anstieg der Prolactinspiegel kommt. Eine Remission ist bei Mikroadenomen wahrscheinlicher als bei Makroadenomen. Ebenso ist eine Remission wahrscheinlicher nach der Schwangerschaft.

Es kann ratsam sein, die dopaminerge Therapie während der Schwangerschaft fortzusetzen, insbesondere wenn der Tumor invasiv ist oder an das Chiasma opticum grenzt. Während der Schwangerschaft vergrößern sich etwa 30% der Makroadenome; wenn bei Patientinnen klinische Anzeichen einer Tumorausdehnung (Kopfschmerzen und/oder Gesichtsfeldausfall) vorliegen und die Vergrößerung im MRT bestätigt wird, sollte die dopaminerge Therapie wahrscheinlich wieder aufgenommen werden. Die Leitlinien der Endocrine Society empfehlen die Verwendung von Bromocriptin, aber viele Experten verwenden Cabergolin, insbesondere wenn es vor der Schwangerschaft verwendet wurde – es gibt keine Hinweise auf negative Auswirkungen auf den Fetus oder die Mutter.

Hohe Dosen von Dopaminagonisten, insbesondere von Cabergolin und Pergolid, sind vermutlich die Ursache für Herzklappenerkrankungen bei einigen Patienten mit Parkinson-Krankheit M. Parkinson M. Parkinson ist eine langsam fortschreitende degenerative Erkrankung, charakterisiert durch Ruhetremor, Rigor (Steifigkeit), langsame und verminderte Bewegungen (Bradykinesie) und Gang- und/oder... Erfahren Sie mehr . Es ist nicht klar, ob niedrigere Dosen von Dopaminagonisten bei Hyperprolaktinämie das Risiko von Herzklappenerkrankungen genauso erhöhen, aber die Möglichkeit sollte mit dem Patienten besprochen und eine echokardiographische Überwachung in Betracht gezogen werden. Das Risiko ist bei Bromocriptin oder Quinagolid möglicherweise geringer. Dopamin-Agonisten verursachen in den für Hyperprolaktinämie verwendeten Dosen manchmal auch verhaltensbezogene und psychische Veränderungen, die durch eine erhöhte Impulsivität und gelegentlich Psychose charakterisiert sind, was ihre Verwendung bei einigen Patienten einschränkt.

Eine Strahlentherapie sollte nur bei Patienten mit Tumorprogression oder bei Therapieversagen durchgeführt werden. Nach einer Strahlentherapie entwickelt sich oft nach einigen Jahren ein Hypopituitarismus. Die Überprüfung der endokrinen Funktion und (Anmerkung der Redaktion: ggf.) eine Selladarstellung sollten lebenslang einmal jährlich stattfinden.

Wichtige Punkte

  • Galaktorrhö ist ein Milchfluss, der unpassend, persistierend oder beunruhigend für den Patienten ist.

  • Die häufigste Ursache ist ein Hypophysentumor, aber viele Medikamente und Erkrankungen des Hormonsystems und des Hypothalamus sowie andere Störungen können verantwortlich sein.

  • Messen Sie die Prolaktinspiegel und führen Sie eine Bildgebung des zentralen Nervensystems durch, um einen ursächlichen Tumor zu erkennen.

  • Bei Mikroprolactinomen wird ein Dopaminagonist verabreicht, wenn bestimmte störende Symptome vorliegen.

  • Bei Makroadenomen wird ein Dopaminagonist verabreicht und eine chirurgische Ablation oder manchmal eine Strahlentherapie in Erwägung gezogen.

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