Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Toxische Amblyopie

(Ernährungsbedingte Amblyopie)

Von

James Garrity

, MD, Mayo Clinic College of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Nov 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Die toxische Amblyopie ist eine Visusreduktion, die vermutlich die Folge einer toxischen Reaktion im orbitalen Teil (papillomakuläres Bündel) des Sehnervs ist. Sie kann durch eine Vielzahl toxischer und ernährungsbedingter Faktoren und wahrscheinlich weiterer, unbekannter Faktoren verursacht werden. Hauptsymptom ist ein schmerzloser Sehverlust. Die Diagnose wird anhand der Anamnese und Gesichtsfelduntersuchung gestellt. Die Behandlung besteht darin, verdächtige toxische Stoffe zu meiden und die Ernährung zu verbessern.

Ätiologie

Toxische Amblyopie ist in der Regel bilateral und symmetrisch. Unterernährung und Vitaminmangel (z. B. Vitamine B1 oder B12 oder Folsäure) kann die Ursache sein, vor allem bei Alkoholikern. Reine tabakinduzierte Amblyopie ist selten. Blei, Methanol, Chloramphenicol, Digoxin, Ethambutol und viele andere Chemikalien können den Sehnerv schädigen. Risikofaktoren sind vermutlich auch Protein- und Antioxidanzienmängel. Eine toxische Amblyopie kann zusammen mit anderen ernährungsbedingten Störungen, wie dem Strachan-Syndrom (Polyneuropathie und orogenitale Dermatitis) vorkommen.

Symptome und Beschwerden

Bei Patienten mit toxischer Amblyopie Verschwommensehen und Eintrübungen entwickeln sich normalerweise über Tage bis Wochen. Ein zu Beginn kleines zentrales oder perizentrales Skotom wird langsam größer, beeinträchtigt für gewöhnlich sowohl die Fixation als auch den blinden Fleck (Zentrozäkal-Skotom) und schränkt das Sehvermögen zunehmend ein. Nach Methanol-Ingestion kann es zur vollständigen Erblindung kommen, während andere ernährungsbedingte Störungen üblicherweise zu keinem schweren Sehverlust führen. Netzhautanomalien treten für gewöhnlich nicht auf, doch im späteren Verlauf kann sich eine temporale Papillenblässe entwickeln.

Diagnose

  • Hauptsächlich klinische Bewertung

Bei Unterernährung bzw. Gift- oder Chemikalienexposition in der Anamnese zusammen mit typischen bilateralen Skotomen bei der Gesichtsfelduntersuchung ist eine Behandlung gerechtfertigt. Laboruntersuchungen werden zum Nachweis von Blei, Methanol, vermuteten Ernährungsmängeln, und weiteren vermuteten Toxinen durchgeführt.

Prognose

Bei Patienten mit verminderter Sehfähigkeit kann sich diese verbessern, wenn die Ursache behandelt oder schnell entfernt wird. Ist der Sehnerv erst einmal atrophiert, erholt sich das Sehvermögen in der Regel nicht.

Behandlung

  • Es erfolgt eine ursächliche Behandlung der toxischen Amblyopie

  • Sehhilfen

Die Ursache der Intoxicationsamblyopie des Patienten wird behandelt. Die Exposition gegenüber toxischen Substanzen sollte sofort beendet werden. Alkohol und andere potentiell schädigende Chemikalien oder Medikamente sollten vermieden werden. Eine Behandlung mit Chelatkomplexbildnern wird bei Bleivergiftung indiziert. Dialyse, Fomepizol, Ethanol, oder eine Kombination aus diesen wird bei Methanol-Vergiftung eingesetzt. Eine Behandlung mit per oralen oder parenteralen B-Vitaminen und/oder Folsäure kann in Fällen, in denen eine Mangelernährung als Ursache vermutet wird, eine Rückbildung der Visusreduktion bewirken, solange noch kein schwerer Sehverlust eingetreten ist.

Low-Vision-Hilfen (z. B. Lupen, Großdruck-Geräte, sprechende Uhren) können hilfreich sein.

Die Rolle der Antioxidanzien ist noch nicht vollständig geklärt. Ihre Anwendung könnte auf theoretischer Basis begründet werden; allerdings gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis, und bisher wurde noch keine gefährdete Bevölkerungsgruppe definiert, die Antioxidantien als Ergänzung erhalten soll.

Wichtige Punkte

  • Toxische Amblyopie ist eine Verringerung der Sehschärfe, meist durch Drogen oder Toxine oder Mangelernährung verursacht, vor allem bei Alkoholikern.

  • Der Verlust der Sehkraft erfolgt in der Regel schrittweise und teilweise.

  • Die Diagnose erfolgt hauptsächlich klinisch (z. B. bilaterale Skotome, suggestive Anamnese).

  • Behandeln Sie die Ursache (z. B. Beendigung der Exposition gegenüber einer Droge oder einem Toxin, Verbesserung der Ernährung).

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Glaukom
Video
Glaukom
Im Inneren des Auges befinden sich zwei mit Flüssigkeit gefüllte Kammern. Intraokularflüssigkeit...
Wie eine laterale Kanthotomie durchgeführt wird
Video
Wie eine laterale Kanthotomie durchgeführt wird

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN