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Aphasie

Von

Juebin Huang

, MD, PhD, Memory Impairment and Neurodegenerative Dementia (MIND) Center, University of Mississippi Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2020| Inhalt zuletzt geändert Sep 2020
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Quellen zum Thema

Die Aphasie ist der teilweise oder vollständige Verlust, gesprochene oder geschriebene Sprache auszudrücken oder zu verstehen. Die Ursache ist eine Beschädigung der Gehirnregionen, welche die Sprache steuern.

  • Den Betroffenen fällt es schwer, zu lesen, zu schreiben, zu sprechen, zu verstehen oder Gesagtes zu wiederholen.

  • Die Diagnose wird gewöhnlich anhand einiger Fragen gestellt.

  • Es werden bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt.

  • In einigen Fällen kann eine Sprachtherapie helfen.

Bei Rechtshändern und etwa zwei Drittel der Linkshänder wird die Sprache von der linken Hirnhälfte gesteuert (linke Großhirnhälfte). Beim restlichen Drittel der Linkshänder wird ein Großteil der Sprachfunktion von der rechten Hirnhälfte kontrolliert. Bei den meisten Menschen wird die Sprachkontrolle daher von den folgenden Gehirnregionen gesteuert:

  • Teile des linken Frontallappens (Broca-Zentrum)

  • Teile des linken Temporallappens (Wernicke-Zentrum)

  • Der untere hintere Teil des linken Parietallappens (neben dem Wernicke-Zentrum)

  • Die Verbindung zwischen diesen Bereichen

Schäden in einem dieser Bereiche beeinträchtigen zumindest einige Sprachfunktionen. Gewöhnlich ist das Schreiben in derselben Weise betroffen wie das Sprechen.

Ursachen

Die Ursache für Aphasie liegt normalerweise in Erkrankungen, die keine fortschreitenden Schäden verursachen, wie:

In solchen Fällen verschlimmert sich die Aphasie mit der Zeit nicht.

Wenn die Ursache jedoch in einer fortschreitenden Krankheit (wie ein wachsender Hirntumor) liegt, kann sich die Aphasie fortschreitend verschlimmern. Wenn der Tumor wächst, kann er Druck auf die Gehirnregionen ausüben, die für die Sprachkontrolle zuständig sind, und die Fähigkeit zu sprechen und Sprache zu verstehen weiter beeinträchtigen. Einige Arten der Demenz können auch zu einer Aphasie führen, die sich zunehmend verschlechtert.

Menschen, die an Aphasie leiden, haben Schwierigkeiten, Wörter auszusprechen oder zu verstehen. Art und Grad der Schwierigkeit können jedoch variieren. Die Bandbreite der möglichen Störungen spiegelt die Vielschichtigkeit der Sprachfunktion wider.

Typen

Es gibt zwei Haupttypen von Aphasie:

  • Wernicke-Aphasie (rezeptive Aphasie): Wenn das Wernicke-Zentrum beschädigt ist, fällt es den Menschen schwer, gesprochene und geschriebene Sprache zu verstehen. Die Betroffenen können zwar flüssig und in einem natürlichen Rhythmus sprechen, aber die Sätze bestehen aus verworrenen Wortketten (was manchmal als Wortsalat bezeichnet wird). Sie wissen vielleicht nicht, dass sie Unsinn sprechen. Die meisten Betroffenen sind zudem nicht in der Lage, Wörter zu lesen. Sie schreiben wie sie sprechen—flüssig aber unverständlich.

  • Broca-Aphasie (expressive Aphasie): Wenn eine Schädigung des Broca-Zentrums vorliegt, verstehen die Betroffenen den Sinn der Worte weitgehend und wissen auch, was sie sagen wollen. Jedoch haben sie Schwierigkeiten, sich auszudrücken. Sie können nur langsam und unter großer Anstrengung Worte hervorbringen, die oft durch Füllwörter unterbrochen werden. Was sie sagen, macht jedoch für sie Sinn. Der normale Sprechrhythmus sowie die Betonung fehlen ebenfalls. Das Wiederholen von Sätzen fällt den Betroffenen schwer. Die meisten Betroffenen sind nicht in der Lage, Wörter zu schreiben.

Schädigung bestimmter Gehirnregionen und ihre Folgen

Bestimmte Bereiche im Gehirn kontrollieren spezifische Funktionen. Welche Gehirnregion geschädigt ist, entscheidet daher darüber, welche Funktion verloren geht.

Schädigung bestimmter Gehirnregionen und ihre Folgen

Aphasie kann auch Folgendes beinhalten:

  • Verlust der Fähigkeit, Geschriebenes zu verstehen (Leseunfähigkeit)

  • Verlust der Fähigkeit, sich zu erinnern, wie Dinge genannt werden (Anomie): Manche Menschen mit Anomie können sich überhaupt nicht mehr an den Begriff erinnern. Während andere ein Wort im Kopf haben, es aber nicht sagen können. Menschen mit Anomie sprechen meist flüssig, benutzen aber Sätze, die nichts aussagen oder drücken sich umständlich aus. Die meisten Menschen mit einer Aphasie leiden auch an einer Anomie. Diese Form von Aphasie wird amnestische Aphasie genannt.

  • Der Verlust der Fähigkeit, Wörter, Ausdrücke oder Sätze (Leistungsaphasie) zu wiederholen: Menschen mit Leistungsaphasie können nicht wiederholen, was sie hören. Sie verwenden häufig die falschen Worte oder verwenden Wortkombinationen, die keinen Sinn ergeben. Sie sprechen flüssig, können jedoch die Namen von Gegenständen nicht nennen (Wortfindungsstörung).

  • Der Verlust nahezu aller Fähigkeit, Sprache zu verstehen, zu sprechen oder zu schreiben (vollständige Aphasie): Die vollständige Aphasie tritt auf, wenn der linke Temporal- und Frontallappen geschädigt ist (einschließlich Broca- und Wernicke-Bereiche). Der Betroffene ist möglicherweise in der Lage, Kraftausdrücke zu äußern, weil die rechte Seite des Gehirns, die stärker an Emotionen beteiligt ist, intakt ist.

Die meisten Menschen mit Aphasie haben mehr als eine Form, jedoch ist eine Form häufig schwerer als die anderen. Die meisten Betroffenen, die an expressiver oder rezeptiver Aphasie leiden, haben beide Formen zum gleichen Grad. Die verschiedenen Arten der Aphasie überschneiden sich jedoch stark. Daher beschreiben Ärzte zusätzlich zur Bestimmung der Art der Aphasie die spezifischen Probleme des Betroffenen.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Standardisierte Tests der Hirnfunktion

  • Bildgebende Verfahren, wie Computer- oder Magnetresonanztomographie

Aphasie kann von Ärzten normalerweise festgestellt werden, indem sie sich mit den Betroffenen unterhalten und ihnen einige Fragen stellen. Jedoch muss sichergestellt werden, dass das offensichtliche Problem mit der Sprache nicht durch Gehör- oder Sehstörungen oder durch Muskel- oder Nervenprobleme, die das Sprechen oder Schreiben beeinträchtigen, wie Dysarthrie, verursacht werden. Dysarthrie ist eine Sprachstörung, die auf eine Schädigung der Nerven und Muskeln zurückzuführen ist, die die Sprachfähigkeit steuern, d. h. die Fähigkeit, Töne und Wörter auszusprechen. Aphasie ist eine Sprachstörung, die auf ein Gehirnproblem hinweist, welches das Verständnis, die Gedanken und die Wortfindung beeinflusst.

Ärzte beurteilen, wie flüssig die Betroffenen sprechen, ob sie Schwierigkeiten haben, mit dem Sprechen zu beginnen, Worte zu finden, Dinge zu benennen oder Ausdrücke zu wiederholen. Es wird auch überprüft, wie gut das Gesagte verstanden wird, z. B. ob ein Befehl verstanden und ausgeführt werden kann. Die Betroffenen werden gebeten, zu schreiben und laut vorzulesen.

Tabelle
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Test auf Aphasie

Welche Form der Aphasie

Was dem Betroffenen Schwierigkeiten bereitet

Was der Arzt fragen könnte

Wie ein Betroffener mit Aphasie antworten könnte*

Broca-Aphasie

Fragen werden zögernd, aber richtig beantwortet.

„Was zeigt dieses Bild?“ (Bellender Hund)

„H h h hn, äh, nein... h-h... verdammt... T-T-Tier, ja, ja, Tier, Tier, Tier... b b... macht Lärm.“

Wernicke-Aphasie

Fragen werden flüssig beantwortet, aber die Antwort ergibt keinen Sinn.

„Wie geht es Ihnen heute?“

„Wann? Klar, denn mein Fluss führt dunkle Kisten warrel ammaga in wenn Blase kommt.“

Leitungsaphasie

Von anderen gesprochene oder geschriebenen Worte, Ausdrücke und Sätze können nicht wiederholt werden und die Betroffenen verwenden häufig die falschen Worte, auch wenn sie flüssig sprechen können.

Wiederholen Sie bitte Folgendes: „Das ist ein Ja, ohne wenn und aber...“

„Dassi snja owe nun dabe“

Anomie

Das Benennen von Dingen fällt schwer.

„Was ist das?“ (Zeigt auf einen Jackenaufschlag, ein Uhrarmband oder einen Stift)

„Was man trägt, Ding für die Zeit, damit schreibt man.“

* Ärzte erkennen in der Regel die Form der Aphasie basierend auf den Antworten auf einige Fragen. Die angegebenen Antworten sind für Menschen einer bestimmten Form der Aphasie typisch.

Bestimmte standardisierte Tests der Hirnfunktion (neuropsychologische Tests) können von einem Neuropsychologen oder Sprachtherapeuten durchgeführt werden. Die neuropsychologischen Tests liefern Informationen darüber, wie unterschiedliche Bereiche des Gehirns funktionieren. Diese Tests können den Ärzten dabei helfen, eine Aphasie mit nur vagen Symptomen festzustellen. Durch diese Tests kann die Behandlung geplant und bestimmt werden, wie wahrscheinlich eine Heilung ist.

Es werden bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, um herauszufinden, durch welche Art von Hirnschaden die Aphasie verursacht wird. Je nach vermuteter Ursache können weitere Tests durchgeführt werden.

Prognose

Wie gut sich ein Patient erholt, wird von folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Ursache, Größe und Ort der Schädigung

  • Das Ausmaß, zu dem die Sprache beeinträchtigt ist

  • Das Ansprechen auf die Behandlung

  • In geringerem Maße das Alter, die Bildung und die allgemeine Gesundheit des Patienten

Kinder unter 8 Jahren erlangen oft die Fähigkeit zu sprechen wieder, auch wenn ihr Gehirn schwer geschädigt wurde. Bei Patienten über 8 Jahren erfolgt die Regeneration größtenteils in den ersten drei Monaten, kann jedoch auch bis zu einem gewissen Grad ein Jahr andauern.

Behandlung

  • Behandlung der Ursache

  • Sprachtherapie

  • Verwendung von Hilfsgeräten

Die Behandlung bestimmter Ursachen einer Aphasie kann sehr effektiv sein. Wenn beispielsweise ein Tumor eine Schwellung im Gehirn verursacht, können Kortikosteroide die Schwellung reduzieren und die Sprachfunktion verbessern. Eine Aphasie aufgrund einiger anderer Ursachen (z. B. ein Schlaganfall) kann langsamer oder nur teilweise zurückgehen, wenn die Ursache behandelt wird.

Sprachtherapeuten können Menschen mit einer Aphasie helfen, die nach einem Hirnschaden aufgrund einer Erkrankung aufgetreten ist, wodurch keine fortschreitende Schädigung verursacht wird. Die Therapie wird in der Regel begonnen, wenn der Patient dazu in der Lage ist. Je früher die Therapie beginnt, umso effektiver ist sie, doch sie hilft auch, wenn sie später begonnen wird.

Tritt keine Besserung der grundlegenden sprachlichen Fähigkeiten ein, können die Betroffenen in der Lage sein, ein Buch oder ein Kommunikationsgerät, wie eine Tafel mit Bildern oder Symbolen von häufig verwendeten Begriffen oder tägliche Aktivitäten, oder ein computergestütztes Gerät mit einer Tastatur und Nachrichtenbildschirm, zu verwenden.

Familienmitglieder und andere Menschen, die einen Betroffenen mit Aphasie betreuen, können frustriert werden. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass Aphasie eine physische Erkrankung ist und der Betroffene wenig Kontrolle darüber hat.

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