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HIV-bedingte Demenz

Von

Juebin Huang

, MD, PhD, Department of Neurology, University of Mississippi Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2021| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2021
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Unter einer HIV-bedingten Demenz versteht man eine fortschreitende Verschlechterung der geistigen Funktionen aufgrund der Infizierung des Gehirns mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV).

  • Anders als fast alle anderen Demenzformen tritt die HIV-bedingte Demenz eher bei jüngeren Menschen auf.

  • In der Regel beginnt die Demenz schleichend, verschlimmert sich jedoch innerhalb weniger Monate oder Jahre stetig, typischerweise, nachdem andere Symptome einer HIV-Infektion eingetreten sind.

  • Die Diagnose beruht auf den Symptomen, einer Beurteilung der geistigen Verfassung, Bluttests auf HIV und bildgebenden Verfahren.

  • Durch eine HIV-Behandlung mit einer antiretroviralen Therapie lässt sich die geistige Funktionsfähigkeit bisweilen drastisch verbessern, allerdings lässt sich die Demenz nicht heilen.

Im späten Stadium der HIV-Infektion kann das Virus das Gehirn direkt infizieren. HIV schädigt Nervenzellen und verursacht so Demenz. Unter Demenz versteht man eine allmähliche Abnahme der geistigen Fähigkeiten, wobei Gedächtnis, Denkvermögen, Urteilskraft und Lernfähigkeit beeinträchtigt sind.

Bei Menschen mit HIV-Infektion kann die Demenz auch durch andere Erkrankungen wie Lymphome entstehen, die das Gehirn betreffen, und Infektionen, die vor allem bei HIV-Patienten auftreten, deren Immunsystem geschwächt ist. Diese Infektionen werden als opportunistische Infektionen bezeichnet und umfassen die progressive multifokale Leukenzephalopathie, Toxoplasmosen (eine Infektion durch Parasiten) und durch Pilze verursachte Meningitis (siehe Tabelle mit häufigen opportunistischen Infektionen im Zusammenhang mit AIDS). Einige dieser Erkrankungen können behandelt werden, was zu einer gewissen Besserung führt.

Anders als fast alle anderen Demenzformen tritt die HIV-bedingte Demenz eher bei jüngeren Menschen auf.

Bei 7 bis 27 Prozent der Patienten mit einer HIV-Infektion im Endstadium kommt es zu einer Demenz, wobei es sich bei 30 bis 40 Prozent um leichtere Formen von HIV-bedingter Demenz handeln kann.

Demenz unterscheidet sich vom Delirium, das gekennzeichnet ist durch Konzentrationsschwierigkeiten, Desorientierung, die Unfähigkeit, klar zu denken, und Aufmerksamkeitsschwankungen.

  • Demenz beeinträchtigt hauptsächlich das Gedächtnis und ein Delirium die Aufmerksamkeit.

  • Demenz entwickelt sich in der Regel allmählich, ohne bestimmbaren Zeitpunkt. Delirium beginnt plötzlich und oftmals zu einem bestimmbaren Zeitpunkt.

Symptome der HIV-bedingten Demenz

Die HIV-bedingte Demenz beginnt meist schleichend und verschlimmert sich innerhalb weniger Monate oder Jahre. Sie entwickelt sich meist, nachdem andere Symptome einer HIV-Infektion eingetreten sind.

Zu den frühen Symptomen der HIV-bedingten Demenz gehören

  • Verlangsamtes Denken und Sprechen

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Apathie

Das Bewusstsein ist jedoch nicht betroffen. Die Bewegungen sind langsam, Muskeln werden schwach und die Koordination ist beeinträchtigt.

Bei manchen Betroffenen entwickelt sich eine Psychose wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Paranoia. Einige Betroffene werden manisch. Das heißt, sie werden sehr rastlos und überaktiv. Sie sprechen möglicherweise schnell und handeln unbedacht.

Unbehandelt schreitet die HIV-bedingte Demenz meist voran, bis sie schlussendlich schwerwiegend wird.

Diagnose der HIV-bedingten Demenz

  • Ärztliche Untersuchung auf Demenz, HIV-Infektion oder beides

  • Bluttests zur Bestimmung der Schwere der HIV-Infektion

  • Magnetresonanztomographie und in der Regel Spinalpunktion

Normalerweise ähnelt die Diagnose der Demenz bei Patienten mit HIV-Infektion der anderer Demenzerkrankungen.

Der Arzt stellt fest, ob der Patient Demenz hat und, falls ja, ob es sich hierbei um die HIV-bedingte Demenz handelt.

Diagnose von Demenz

Die Diagnose der Ärzte von Demenz basiert auf Folgendem:

  • Symptome, zu deren Feststellung dem Betroffenen und Familienangehörigen oder anderen Betreuungspersonen Fragen gestellt werden

  • Ergebnisse einer körperlichen, einschließlich neurologischen Untersuchung

  • Ergebnisse zusätzlicher Untersuchungen wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)

Anhand einer Untersuchung der geistigen Verfassung, die aus einfachen Fragen und Aufgaben besteht, kann der Arzt feststellen, ob der Patient Demenz hat.

Manchmal ist ein detaillierterer neuropsychologischer Test nötig. Diese Tests decken alle wichtigen geistigen Funktionen einschließlich Stimmung ab und dauern gewöhnlich ein bis drei Stunden. Sie helfen dem Arzt dabei, Demenz von anderen Erkrankungen zu unterscheiden, die ähnliche Symptome verursachen, wie Altersvergesslichkeit, einer leichten kognitiven Störung und Depressionen.

Anhand der oben genannten Informationen kann der Arzt in der Regel ein Delirium als Ursache für die Symptome ausschließen (siehe Tabelle zum Vergleich zwischen Delirium und Demenz). Dies ist sehr wichtig, da ein Delirium, im Gegensatz zur Demenz, bei schneller Behandlung rückgängig gemacht werden kann.

Diagnose der HIV-bedingten Demenz

Wenn Menschen ohne bekannte HIV-Infektion Symptome einer Demenz entwickeln und Risikofaktoren für eine HIV-Infektion vorliegen, führen die Ärzte Tests für HIV und Demenz durch.

Wenn eine HIV-Infektion diagnostiziert wird oder wenn sich die geistigen Funktionen von HIV-Infizierten verändern, wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, um andere Ursachen für die Funktionsstörungen des Gehirns wie Toxoplasmose oder ein Lymphom auszuschließen. Wenn sich die geistigen Funktionen plötzlich verändern, muss die Ursache schnell festgestellt werden, da eine frühe Behandlung die Lebenserwartung verlängern kann. Eine unbehandelte HIV-bedingte Demenz kann innerhalb von sechs Monaten zum Tod führen.

Wenn die CT oder MRT ergibt, dass der Druck im Schädel normal ist, führt der Arzt eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) durch, um eine Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit zu entnehmen und zu analysieren. Die Ergebnisse können die Diagnose einer HIV-bedingten Demenz stützen, sie aber nicht bestätigen.

Wenn eine HIV-Infektion oder der Verdacht auf eine HIV-bedingte Demenz vorliegt, werden zudem Bluttests durchgeführt, um Folgendes zu bestimmen:

  • Die Anzahl der weißen Blutkörperchen namens CD4-Lymphozyten (die CD4-Zellzahl)

  • Die Menge an HIV (Viruslast)

Dadurch lässt sich die Schwere der HIV-Infektion ermitteln. Ein sehr niedriger CD4-Wert und eine sehr hohe Viruslast erhöhen das Risiko für Gehirninfektionen, Lymphome und HIV-bedingte Demenz.

Behandlung der HIV-bedingten Demenz

  • Antiretrovirale Arzneimittel

Unbehandelt kann die HIV-bedingte Demenz tödlich verlaufen. Wird die HIV-Infektion jedoch mit einer antiretroviralen Therapie (ART) behandelt, können sich die geistigen Funktionen unter Umständen stark verbessern. ART besteht aus einer Kombination von Arzneimitteln, die zur Behandlung einer HIV-Infektion verwendet werden. Da die Infektion jedoch nicht geheilt ist, kann die Demenz wieder auftreten.

Die Behandlung umfasst auch allgemeine Maßnahmen zur Unterstützung des Betroffenen, ebenso wie bei anderen Demenzformen.

Sicherheitsmaßnahmen und unterstützende Maßnahmen

Eine sichere und unterstützende Umgebung kann sehr hilfreich sein.

Im Allgemeinen sollte die Umgebung hell, fröhlich, sicher und stabil sein und die Orientierung erleichtern. Etwas Stimulation, wie Radio oder Fernsehen, ist ebenfalls hilfreich. Eine Reizüberflutung ist jedoch zu vermeiden.

Ein strukturierter Tag mit Routineabläufen hilft Menschen mit HIV-bedingter Demenz, die Orientierung nicht zu verlieren und gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Stabilität. Änderungen der Umgebung, von Abläufen oder der Betreuer sollten Betroffenen klar und einfach erklärt werden.

Routine im Alltag, wie beim Baden, Essen und Schlafen, hilft Menschen mit HIV-bedingter Demenz, sich an Abläufe zu erinnern. Ein routinemäßiger Ablauf zur Schlafenszeit, kann ihnen beim Schlafen helfen.

Regelmäßig geplante Aktivitäten können Betroffenen dabei helfen, sich selbstständig und gebraucht zu fühlen, indem ihre Aufmerksamkeit auf angenehme und nützliche Aufgaben gelenkt wird. Diese Aktivitäten sollten körperliche und geistige Aktivitäten umfassen. Bei Fortschreiten der Demenz sollten Aktivitäten in kleinere Abschnitte eingeteilt oder vereinfacht werden.

Hilfe für die Pflegenden

Demenzkranke zu pflegen ist belastend und anspruchsvoll, und wenn die Pflegenden ihre eigenen physischen und psychischen Bedürfnisse vernachlässigen, können sie in einen Erschöpfungszustand geraten und regelrechte Depressionen entwickeln. Die folgenden Maßnahmen können den Pflegenden helfen (siehe Tabelle mit Hilfe für die Pflegenden):

  • Lernen, wie sie die Bedürfnisse von Demenzkranken erfüllen können und was sie von ihnen erwarten dürfen: Pflegende können diese Informationen von Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Organisationen erhalten und in Informationsmaterialien oder im Internet nachlesen.

  • Hilfe suchen, wenn es nötig ist: Pflegende können mit Sozialarbeitern über die Hilfsangebote sprechen (einschließlich Sozialarbeiter im örtlichen Krankenhaus), wie Tagespflegeeinrichtungen, häusliche Pflege, Teilzeit- oder Vollzeithilfen im Haushalt und Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause. Eine psychologische Beratung und Selbsthilfegruppen können ebenfalls helfen.

  • Sich um sich selbst kümmern: Pflegende müssen sich um sich selbst kümmern. Freunde, Hobbys und Aktivitäten sollten nicht aufgegeben werden.

Entscheidungen zum Lebensende

Entscheidungen über medizinische Versorgung sowie finanzielle und rechtliche Angelegenheiten sollten getroffen werden, wenn der Patient mit HIV-bedingter Demenz noch einigermaßen selbstständig ist. Dies wird als Vorausverfügung bezeichnet. Betroffene sollten eine Person ernennen, die berechtigt ist, in ihrem Namen Entscheidungen bezüglich der Behandlung zu treffen (Vorsorgevollmacht). Sie sollten mit dieser Person und dem Arzt besprechen, welche Wünsche sie bezüglich ihrer Pflege haben. Solche Angelegenheiten sollten mit allen Betroffenen lange vor der Notwendigkeit solcher Entscheidungen besprochen werden.

Bei fortschreitender HIV-bedingter Demenz konzentriert sich die Behandlung auf das Wohlbefinden des Betroffenen und nicht so sehr auf lebensverlängernde Maßnahmen.

Weitere Informationen

Im Folgenden handelt es sich um einige englischsprachige Hilfsmittel, die nützlich sein könnten. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

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