Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

honeypot link

Anfallkrankheiten

Von

Bola Adamolekun

, MD, University of Tennessee Health Science Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Bei Anfallkrankheiten ist die elektrische Aktivität des Gehirns periodisch gestört, was zu einer mehr oder minder schweren, zeitweiligen Hirnfunktionsstörung führt.

  • Bei vielen Personen gehen einem Krampfanfall ungewöhnliche Empfindungen voraus.

  • Manche Krampfanfälle verursachen unkontrollierbares Zittern und Verlust des Bewusstseins, doch bisweilen bewegen sich die Betroffenen nicht mehr oder nehmen nicht mehr wahr, was passiert.

  • Die Ärzte schließen aufgrund der Symptome auf die Diagnose, die Identifikation der Ursache erfordert jedoch gewöhnlich eine Bildgebung des Gehirns, Bluttests und Elektroenzephalographie (zur Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns).

  • Bei Bedarf können Medikamente helfen, Krampfanfälle zu verhindern.

Eine normale Gehirnfunktion setzt eine geordnete, organisierte, koordinierte Entladung von elektrischen Impulsen voraus. Mithilfe elektrischer Impulse kommuniziert das Gehirn mit dem Rückenmark, den Nerven und Muskeln wie auch innerhalb seiner eigenen Bereiche. Wenn die elektrische Aktivität des Gehirns gestört ist, können Krampfanfälle eintreten.

Ungefähr 2 Prozent der Erwachsenen erleben irgendwann im Leben einmal einen Krampfanfall. Zwei Drittel von ihnen bekommen nie wieder einen solchen Anfall. Meist beginnen Anfallkrankheiten im frühen Kindes- oder späten Erwachsenenalter.

Arten von Krampfanfällen

Krampfanfälle können wie folgt beschrieben werden:

  • Epileptisch: Bei diesen Krampfanfällen gibt es keinen erkennbaren Auslöser (d. h., sie sind unprovoziert) und sie treten mindestens zweimal auf. Ein Krampfanfall wird noch nicht als Epilepsie betrachtet. Epilepsie bzw. epileptische Krampfanfälle gehören zu den Anfallkrankheiten. Die Ursache von epileptischen Krampfanfällen ist häufig unbekannt (als idiopathische Epilepsie bezeichnet). Sie können jedoch durch verschiedene Gehirnerkrankungen verursacht werden, wie strukturelle Abweichungen, Schlaganfälle oder Tumoren. In diesem Fall werden sie als symptomatische Epilepsie bezeichnet. Symptomatische Epilepsie tritt am häufigsten bei Neugeborenen und älteren Menschen auf.

  • Nicht epileptisch: Diese Krampfanfälle werden durch eine umkehrbare Störung oder einen anderen vorübergehenden Zustand ausgelöst (provoziert), der das Gehirn reizt, wie eine Infektion, Kopfverletzung oder Reaktion auf ein Medikament oder eine Droge. Bei Kindern kann Fieber einen nicht epileptischen Krampfanfall auslösen (einen sogenannten Fieberkrampf).

Bestimmte psychische Erkrankungen können Symptome verursachen, die einem Krampfanfall ähneln, sogenannte psychogene nicht epileptische Krampfanfälle oder Pseudoepilepsie.

Ursachen von Anfallkrankheiten

Welche Ursachen am häufigsten sind, hängt davon ab, wann die Krampfanfälle einsetzen:

  • Vor dem Alter von 2 Jahren: Hohes Fieber oder vorübergehende Stoffwechselstörungen, wie ungewöhnliche Konzentrationen von Zucker (Glukose), Kalzium, Magnesium, Vitamin B6 oder Natrium im Blut, können einen oder mehrere Krampfanfälle auslösen. Die Krampfanfälle hören auf, wenn das Fieber oder die Anomalie behoben ist. Wenn ohne solche Auslöser weitere Krampfanfälle eintreten, ist die Ursache wahrscheinlich eine Verletzung während der Geburt, ein Geburtsfehler oder eine angeborene Stoffwechsel- oder Hirnleistungsstörung.

  • 2 bis 14 Jahre: Häufig ist die Ursache unbekannt (siehe auch Krampfanfälle bei Kindern).

  • Erwachsene: Eine Kopfverletzung, ein Schlaganfall oder ein Tumor kann das Gehirn schädigen und einen Krampfanfall auslösen. Alkoholentzug (durch die plötzliche Aufgabe des Trinkens von Alkohol) ist eine häufige Ursache für Krampfanfälle. Bei rund der Hälfte der Patienten aus dieser Altersgruppe ist die Ursache jedoch unbekannt.

  • Ältere Erwachsene: Die Ursache kann ein Hirntumor oder Schlaganfall sein.

Krampfanfälle ohne erkennbare Ursache werden als idiopathisch bezeichnet.

Umstände, die das Gehirn reizen, wie Verletzungen, bestimmte Medikamente, Schlafentzug, Infektionen oder Fieber, oder die dem Gehirn Sauerstoff oder Energie entziehen, wie Herzrhythmusstörungen, niedriger Sauerstoffgehalt im Blut oder sehr niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie), können einen Krampfanfall herbeiführen, und zwar unabhängig davon, ob die Person eine Anfallkrankheit hat oder nicht. Einen Krampfanfall, der durch einen solchen Stimulus ausgelöst wird, nennt man einen provozierten Krampfanfall (und er ist somit ein nicht epileptischer Krampfanfall).

Personen mit einer Anfallkrankheit erleiden häufiger einen Krampfanfall, wenn Folgendes eintritt:

  • Sie stehen unter übermäßigem körperlichem oder emotionalem Stress.

  • Sie sind betrunken oder haben Schlafmangel.

  • Sie haben plötzlich damit aufgehört, zu trinken oder Beruhigungsmittel einzusetzen.

Diese Umstände zu vermeiden, kann dazu beitragen, Krampfanfälle zu verhindern.

Selten werden Krampfanfälle durch wiederholte Geräusche, blitzende Lichter, Videospiele und sogar Berührungen an bestimmten Körperstellen ausgelöst. In diesen Fällen wird die Störung Reflex-Epilepsie genannt.

Tabelle
icon

Ursachen für Krampfanfälle

Ursache

Beispiele

Hohes Fieber

Infektionen

Virale Enzephalitis

Metabolische Erkrankungen

Hohe Blutzuckerwerte (Hyperglykämie) oder hoher Natriumspiegel im Blut

Niedrige Blutzuckerwerte (Hypoglykämie) oder niedriger Kalzium-, Magnesium- oder Natriumspiegel im Blut

Andere Erkrankungen

Niereninsuffizienz oder Leberversagen, die zu einer Funktionsstörung des Gehirns führen können (Enzephalopathie)

Vitamin-B6-Mangel (bei Neugeborenen)

Unzureichende Sauerstoffversorgung zum Gehirn

Asphyxie

Struktureller Hirnschaden

Hirntumor (gutartig oder bösartig)

Intrakraniale Blutung (Blutung im Schädel)

Schlaganfall

Bei Geburt vorhandene oder auftretende Anomalien, einschließlich genetischer Störungen

Erbliche Stoffwechselstörungen, wie Tay-Sachs-Syndrom oder Phenylketonurie

Flüssigkeitsansammlung im Gehirn (Hirnödem)

Rezeptpflichtige Arzneimittel*

Buspiron (zur Behandlung von Angststörungen)

Kampfer

*Chlorpromazin (zur Behandlung von Schizophrenie)

Ciprofloxacin (ein Antibiotikum)

Chloroquin (zur Behandlung von Malaria)

Clozapin (gewöhnlich zur Behandlung von Schizophrenie)

Ciclosporin (zur Vermeidung und Behandlung einer Abstoßung eines Organtransplantats)

Imipenem (ein Antibiotikum)

*Indomethazin (zur Schmerzlinderung und Entzündungsreduzierung)

*Meperidin (zur Schmerzlinderung)

*Phenytoin

Theophyllin (zur Behandlung von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen)

Trizyklische Antidepressiva

Freizeitdrogen

Kokain (Überdosis)

Entzug einer Droge nach starkem Gebrauch

Allgemeinanästhetika (eingesetzt bei einer Operation)

Beruhigungsmittel, einschließlich Schlafmitteln

Kontakt mit Giftstoffen

Strychnin

* Vielerlei Medikamente können in zu großen Mengen Krampfanfälle auslösen. Bei manchen Menschen können bestimmte Arzneimittel die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls erhöhen, da die Nervenzellen im Gehirn leichter stimuliert werden können. Diese Medikamente senken die sogenannte Anfallschwelle.

Phenytoin, das zur Behandlung von Anfallkrankheiten verwendet wird, kann in zu großen Mengen selbst Krampfanfälle auslösen.

Symptome von Anfallkrankheiten

Eine Aura (ungewöhnliche Empfindungen) beschreibt, wie sich eine Person fühlt, bevor ein Krampfanfall einsetzt. Normalerweise ist sie Teil eines beginnenden fokalen Anfalls ohne Bewusstseinsstörung. Eine Aura kann Folgendes umfassen:

  • Ungewöhnliche Geruchs- oder Geschmacksempfindungen

  • Bauchkribbeln

  • Ein Gefühl, als ob ein neues Erlebnis schon einmal stattgefunden hätte (sogenanntes Déjà-vu) oder das Gegenteil – etwas Bekanntes wirkt seltsam unvertraut (Jamais-vu-Erlebnis)

  • Ein eindringliches Gefühl, dass ein Anfall kurz bevorsteht

Fast alle Anfälle sind relativ kurz und dauern einige Sekunden bis einige Minuten. Die meisten Anfälle dauern ein bis zwei Minuten.

Gelegentlich treten Krampfanfälle wiederholt immer wieder auf, wie bei Status epilepticus.

Die meisten Personen mit Krampfanfällen wirken zwischen den Anfällen normal und verhalten sich normal.

Die Symptome der Krampfanfälle hängen davon ab, welcher Teil des Gehirns von der ungewöhnlichen elektrischen Entladung betroffen ist:

  • Starke Geruchswahrnehmung (angenehm oder unangenehm), wenn ein Teil des Großhirns namens Insellappen oder Inselrinde betroffen ist

  • Visuelle Halluzinationen (Sehen von ungeformten Bildern), wenn der Okzipitallappen betroffen ist

  • Unfähigkeit, zu sprechen, wenn der Bereich betroffen ist, der die Sprache kontrolliert (im Frontallappen)

  • Eine Konvulsion (Zuckungen und Muskelverkrampfungen im ganzen Körper), wenn große Bereiche auf beiden Seiten des Gehirns betroffen sind

Krampfanfälle können wie folgt klassifiziert werden:

  • Motorisch: Mit abnormen Muskelkontraktionen (wie zuckenden Gliedmaßen oder Konvulsionen)

  • Nicht motorisch: Ohne abnorme Muskelkontraktionen

Weitere mögliche Symptome umfassen Taubheit oder Kribbeln in einem bestimmten Teil des Körpers, kurze Episoden von Teilnahmslosigkeit, Verlust des Bewusstseins und Verwirrtheit. Die Betroffenen können erbrechen, wenn sie das Bewusstsein verlieren. Sie können die Kontrolle über Muskeln, Blase oder den Darm verlieren. Manche Betroffenen beißen sich auf die Zunge.

Die Symptome unterscheiden sich auch abhängig von folgenden Eigenschaften der Krampfanfälle:

  • Anfälle mit fokalem Beginn (der Krampfanfall beginnt auf einer Seite des Gehirns)

  • Anfälle mit generalisiertem Beginn (der Krampfanfall beginnt auf beiden Seiten des Gehirns)

Es gibt verschiedene Arten von fokalen und generalisierten Krampfanfällen. Die meisten Betroffenen haben nur eine Form dieser Anfälle. Andere wiederum haben zwei oder mehr Formen.

Einige Arten von Krampfanfällen können fokal oder generalisiert sein:

Fokale Anfälle

Bei Anfällen mit fokalem Beginn ist zunächst nur eine Seite des Gehirns betroffen.

Anfälle mit fokalem Beginn umfassen Folgendes:

  • Automatismen (koordinierte, ziellose, repetitive motorische Aktivität)

  • Atonische Anfälle (mit Verlust des Muskeltonus)

  • Klonische Anfälle (mit rhythmischen Muskelzuckungen)

  • Epileptische Spasmen (mit Beugen und Strecken der Arme und Vorbeugen des Oberkörpers) bei Kindern

  • Hyperkinetische Anfälle (mit Bewegungen wie beim Fahrrad fahren oder zappelnden Beinen)

  • Myoklonische Anfälle (mit plötzlichen, blitzartigen Muskelzuckungen)

  • Tonische Anfälle (mit Versteifung der Muskeln)

Manche Menschen erholen sich nach einem Anfall mit fokalem Beginn wieder vollständig. Bei anderen breitet sich die veränderte elektrische Entladung auf benachbarte Bereiche und auf die andere Seite des Gehirns aus, was zu einem generalisierten Anfall führt. Generalisierte Krampfanfälle, die von fokalen Krampfanfällen herrühren, werden fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateralen Anfällen genannt. Das heißt, sie beginnen auf einer Seite des Gehirns und breiten sich dann auf beide Seiten aus.

Anfälle mit fokalem Beginn werden danach klassifiziert, ob der Betroffene während des Anfalls bei Bewusstsein ist:

  • Das Bewusstsein wird aufrechterhalten (sogenannte fokale Anfälle ohne Bewusstseinsstörung).

  • Das Bewusstsein ist beeinträchtigt (sogenannte fokale Anfälle mit Bewusstseinsstörung).

Bewusstsein bezieht sich auf die Wahrnehmung der eigenen Person und der Umgebung. Wenn das Bewusstsein während eines Anfalls beeinträchtigt ist, gilt dieser unweigerlich als fokaler Krampfanfall mit Bewusstseinsstörung. Der Arzt stellt fest, ob die Betroffenen während eines Krampfanfalls bei Bewusstsein blieben, indem er sie danach fragt oder anspricht, falls gerade ein Krampfanfall auftritt.

Bei fokalen Anfällen ohne Bewusstseinsstörung beginnen die ungewöhnlichen elektrischen Entladungen in einem kleinen Bereich des Gehirns und bleiben auf diesen Bereich beschränkt. Da nur ein kleiner Bereich des Gehirns betroffen ist, stehen die Symptome mit der Funktion im Zusammenhang, für die dieser Bereich zuständig ist. Ist beispielsweise der kleine Gehirnbereich betroffen, der die Bewegungen des rechten Arms steuert (im Frontallappen), könnte der rechte Arm unwillkürlich gehoben werden und zucken, während der Kopf in Richtung des angehobenen Arms gedreht wird. Die Betroffenen sind bei Bewusstsein und sich ihrer Umgebung vollkommen bewusst. Ein fokaler Anfall ohne Bewusstseinsstörung kann jedoch zu einem Anfall mit Bewusstseinsstörung fortschreiten.

Jackson-Anfälle gehören zu den fokalen Anfällen ohne Bewusstseinsstörung. Die Symptome beginnen in einer Hand oder einem Fuß und wandern dann das Glied hinauf, wenn sich die elektrische Aktivität im Gehirn ausbreitet. Die Betroffenen sind sich dessen, was während des Anfalls geschieht, völlig bewusst.

Andere fokale Anfälle ohne Bewusstseinsstörung betreffen das Gesicht und breiten sich dann auf einen Arm oder manchmal ein Bein aus.

Epilepsia partialis continua ist selten. Bei dieser Form können fokale Anfälle alle paar Sekunden oder Minuten auftreten, und zwar über Tage oder gar über Jahre hinweg. Sie betreffen gewöhnlich einen Arm, eine Hand oder eine Seite des Gesichts oder des Körpers. Patienten mit Epilepsia partialis continua bleiben bei Bewusstsein. Diese Krampfanfälle haben in der Regel folgende Ursachen.

  • Bei Erwachsenen: Hirnschaden (wie Vernarbung aufgrund eines Schlaganfalls) in einem Gehirnbereich

  • Bei Kindern: Entzündung des Gehirns (wie bei Enzephalitis und Masern)

Bei einem fokalen Anfall mit Bewusstseinsstörung beginnen die ungewöhnlichen elektrischen Entladungen in einem kleinen Bereich des Temporallappens oder des Frontallappens und breiten sich schnell auf umliegende Bereiche aus. Die Anfälle beginnen gewöhnlich mit einer Aura, die ein bis zwei Minuten dauert. Während der Aura beginnt der Betroffene, den Bezug zu seiner Umwelt verlieren.

Während des fokalen Anfalls mit Bewusstseinsstörung ist das Bewusstsein zwar beeinträchtigt, die Betroffenen werden jedoch nicht bewusstlos. Die Betroffenen können Folgendes tun:

  • Starren

  • Kauen oder unwillkürlich schmatzen

  • Die Hände, Arme und Beine auf merkwürdig ziellose Weise bewegen

  • Unverständliche Laute von sich geben

  • Nicht verstehen, was andere sagen

  • Hilfe abwehren

Manche Betroffenen können sich unterhalten, doch dem Gespräch mangelt es an Spontaneität und Inhalt. Sie können verwirrt und desorientiert sein. Dieser Zustand kann mehrere Minuten dauern. Gelegentlich schlagen die Betroffenen um sich, wenn sie festgehalten werden.

Anfälle mit generalisiertem Beginn

Bei Anfällen mit generalisiertem Beginn sind von Anfang an beide Seiten des Gehirns betroffen. Bei den meisten Anfällen mit generalisiertem Beginn ist das Bewusstsein beeinträchtigt. Der Betroffene wird häufig ohnmächtig und es kommt meist sofort zu ungewöhnlichen Bewegungen. Der Verlust des Bewusstseins kann von kurzer Dauer sein oder lange anhalten.

Zu den Anfällen mit generalisiertem Beginn gehören die folgenden Arten:

  • Tonisch-klonische Anfälle (früher Grand-mal-Anfälle genannt)

  • Klonische Anfälle (mit anhaltenden rhythmischen Muskelzuckungen nach Versteifung der Muskeln)

  • Tonische Anfälle (mit Versteifung der Muskeln)

  • Atonische Anfälle (mit Verlust des Muskeltonus)

  • Myoklonische Anfälle (mit rhythmischen Muskelzuckungen, denen keine Versteifung der Muskeln vorausgeht)

  • Myoklonisch-tonisch-klonische Anfälle (mit Muskelzuckungen, anschließender Versteifung der Muskeln und erneuten Muskelzuckungen), einschließlich juveniler myoklonischer Epilepsie

  • Myoklonisch-atonische Anfälle (mit Muskelzuckungen und anschließendem Verlust des Muskeltonus)

  • Epileptische (infantile) Spasmen

  • Absence-Epilepsie

Die meisten Arten von generalisierten Krampfanfällen (wie tonisch-klonische Anfälle) beinhalten ungewöhnliche Muskelkontraktionen. Kommen diese nicht vor, werden die Anfälle als Absence-Epilepsie bezeichnet.

Bei generalisierten klonisch-tonischen Krampfanfällen kommt es zu Muskelkontraktionen (der tonische Teil) und dann in schneller Folge zur Kontraktion und Entspannung der Muskeln (der klonische Teil). Diese Krampfanfälle können folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Generalisierter Beginn (betrifft beide Seiten des Gehirns)

  • Fokal mit Entwicklung zu bilateral (betrifft zunächst nur eine Seite des Gehirns, breitet sich dann aber auf beide Seiten aus)

Bei beiden Formen kommt es zu einem vorübergehenden Verlust des Bewusstseins, und wenn die ungewöhnlichen Entladungen sich auf beide Seiten des Gehirns ausbreiten, kommt es zu einer Konvulsion.

Anfälle mit generalisiertem Beginn beinhalten zunächst ungewöhnliche Entladungen in einem tiefen, zentralen Teil des Gehirns und breiten sich gleichzeitig auf beide Seiten des Gehirns aus. Es gibt keine Aura. Die Anfälle beginnen typischerweise mit einem Aufschrei, woraufhin die Betroffenen das Bewusstsein verlieren oder in Ohnmacht fallen.

Bei Anfällen mit generalisiertem Beginn kann bei den Betroffenen Folgendes auftreten:

  • Starke Muskelkrämpfe und Zuckungen im ganzen Körper, da sich die Muskeln schnell und wiederholt an- und entspannen

  • Stürze

  • Zusammenbeißen der Zähne

  • Sich auf die Zunge beißen (kommt häufig vor)

  • Speichelfluss oder Schaum vor dem Mund

  • Verlust der Kontrolle über Blase und/oder Darm

Die Anfälle dauern gewöhnlich ein bis zwei Minuten. Nach dem Anfall haben manche Betroffenen Kopfschmerzen, sind kurzzeitig verwirrt und überaus müde. Diese Symptome können sich über Minuten oder Stunden erstrecken. Die meisten Betroffenen können sich nicht daran erinnern, was während des Anfalls passiert ist.

Fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen (Grand-mal) beginnen meist mit einer ungewöhnlichen elektrischen Entladung in einem kleinen Gehirnbereich, die zu einem fokalen Anfall mit oder ohne Bewusstseinsstörung führt. Die Entladung breitet sich schnell auf die beiden Seiten des Gehirns aus und zieht Störungen im gesamten Gehirn nach sich. Die Symptome sind ähnlich wie bei Anfällen mit generalisiertem Beginn.

Atonische Anfälle treten hauptsächlich bei Kindern auf. Sie sind durch einen kurzen, jedoch vollständigen Verlust des Muskeltonus und Bewusstseins charakterisiert. Sie bewirken, dass Kinder auf den Boden fallen, was manchmal zu Verletzungen führt.

Bei klonischen Krampfanfällen kommt es zu rhythmischen Zuckungen der Gliedmaßen auf beiden Körperseiten und oft auch des Kopfes, des Halses, des Gesichts und des Rumpfs. Klonische Anfälle treten in der Regel bei Säuglingen auf. Sie sind viel seltener als tonisch-klonische Krampfanfälle.

Tonische Krampfanfälle treten meist im Schlaf ein, in der Regel bei Kindern. Der Muskeltonus nimmt abrupt oder allmählich zu und bewirkt eine Versteifung der Muskeln. Oft sind Gliedmaßen und Hals betroffen. Tonische Anfälle dauern gewöhnlich nur 10 bis 15 Sekunden, können aber bewirken, dass stehende Personen zu Boden fallen. Die meisten Betroffenen verlieren nicht das Bewusstsein. Wenn die Anfälle länger dauern, könnten die Muskeln mehrmals zucken, wenn der Anfall zu Ende geht.

Atypische Absence-Epilepsien (siehe unten), atonische Anfälle und tonische Anfälle treten gewöhnlich als Teil einer schweren Form der Epilepsie namens Lennox-Gastaut-Syndrom ein, das bei Kindern vor dem vierten Lebensjahr einsetzt.

Myoklonische Anfälle sind durch rasche Zuckungen eines oder mehrerer Glieder oder des Rumpfes charakterisiert. Die Anfälle sind kurz und führen nicht zu einem Bewusstseinsverlust, können aber wiederholt auftreten und zu einem tonisch-klonischen Anfall mit Verlust des Bewusstseins fortschreiten.

Bei myoklonisch-atonischen Anfällen zucken die Gliedmaßen oder der Rumpf kurz und erschlaffen danach (Drop Attack). Die Anfälle beginnen gewöhnlich im Alter zwischen 6 Monaten bis 6 Jahren. Vor dem ersten myoklonisch-atonischen Anfall haben zwei Drittel der Kinder Fieberkrämpfe und generalisierte Krampfanfälle. Entwicklung und geistige Prozesse sind typischerweise normal, aber während oder nach einem Anfall können Entwicklungs- und Denkvorgänge beeinträchtigt sein.

Juvenile myoklonische Epilepsie beginnt meist im Jugendalter. Die Anfälle beginnen meist mit Zuckungen beider Arme. Auf etwa 90 Prozent dieser Anfälle folgen generalisierte tonisch-klonische Anfälle. Manche Betroffenen haben auch Absence-Epilepsien. Die Anfälle treten häufig morgens beim Aufwachen ein, insbesondere wenn die Betroffenen unter Schlafmangel leiden. Durch Alkoholkonsum wird die Wahrscheinlichkeit für diese Anfälle ebenfalls erhöht.

Absence-Epilepsien beinhalten keine auffälligen Muskelkontraktionen. Sie können wie folgt eingestuft werden:

  • Typisch (früher Petit-mal genannt)

  • Atypisch

Typische Absence-Epilepsien setzen gewöhnlich in der Kindheit zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr ein und dauern nicht bis ins Erwachsenenalter an. Erwachsene können gelegentlich jedoch auch typische Absence-Epilepsien haben. Absence-Epilepsien führen nicht zu Konvulsionen oder anderen beängstigenden Symptomen wie tonisch-klonische Anfälle. Die Betroffenen stürzen nicht, kollabieren nicht und haben keine Zuckungen. Stattdessen starren sie ins Leere, die Augenlider flattern und manchmal zucken die Gesichtsmuskeln. Sie werden für gewöhnlich bewusstlos und sind sich ihrer Umgebung nicht mehr bewusst. Diese Episoden dauern gewöhnlich 10 bis 30 Sekunden an. Die Betroffenen unterbrechen ihre Tätigkeit abrupt und nehmen sie genauso abrupt wieder auf. Sie haben keine Nachwirkungen und wissen nichts von dem Anfall. Ohne Behandlung haben viele Personen mehrere Anfälle an einem Tag. Die Anfälle treten oft ein, wenn die Betroffenen stillsitzen. Anfälle treten selten bei körperlicher Aktivität ein. Hyperventilation kann einen Krampfanfall auslösen.

Atypische Absence-Epilepsien unterscheiden sich von den typischen Absence-Epilepsien in folgenden Punkten:

  • Sie kommen seltener vor.

  • Sie dauern länger an.

  • Die Zuckungen und andere Bewegungen sind ausgeprägter.

  • Die Betroffenen sind sich ihrer Umgebung eher bewusst.

Die meisten Personen mit atypischen Absence-Epilepsien haben neurologische Auffälligkeiten oder Entwicklungsverzögerungen. Die atypischen Absence-Epilepsien setzen sich meist bis ins Erwachsenenalter fort.

Dravet-Syndrom

Das Dravet-Syndrom (schwere myoklonische Epilepsie des Kindesalters) entwickelt sich in der frühen Kindheit. Es hat fokale und generalisierte Eigenschaften. Im ersten Lebensjahr werden fokale Krampfanfälle typischerweise durch Fieber ausgelöst. Im Alter von etwa zwei Jahren haben Kinder häufig generalisierte myoklonische Anfälle. Bei diesen Krampfanfällen zuckt der Rumpf oder eine oder mehrere Gliedmaßen. Bei Kindern mit Dravet-Syndrom können sich auch eine atypische Abwesenheit, klonische, atonische oder tonisch-klonische Anfälle entwickeln.

Während des zweiten Lebensjahres entwickeln sich Kinder nicht mehr wie erwartet und können die bisher erreichten Entwicklungsschritte wieder verlieren. Die Kinder haben Schwierigkeiten beim Denken und Lernen und haben Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen.

Bei etwa 70 bis 80 Prozent der Kinder mit Dravet-Syndrom ist die Ursache ein auffälliges Gen, das bekanntermaßen Krampfanfälle verursacht.

Status epilepticus

Konvulsiver Status epilepticus ist die schwerwiegendste Anfallkrankheit und gilt als medizinischer Notfall, da der Anfall nicht aufhört. Elektrische Entladungen treten im ganzen Gehirn auf und verursachen einen generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfall.

Ein konvulsiver Status epilepticus wird diagnostiziert, wenn einer oder beide der folgenden Punkte zutreffen:

  • Ein Krampfanfall dauert länger als 5 Minuten

  • Die Betroffenen erlangen ihr Bewusstsein zwischen zwei oder mehr Krampfanfällen nicht vollständig zurück

Die Betroffenen haben Konvulsionen mit heftigen Muskelkontraktionen und können häufig nicht richtig atmen. Die Körpertemperatur steigt. Ohne eine umgehende Behandlung können Herz und Gehirn zu stark belastet und permanent geschädigt werden, was manchmal zum Tod führt.

Ein generalisierter konvulsiver Status epilepticus hat viele Ursachen, darunter Kopfverletzungen und das plötzliche Absetzen eines Antiepileptikums.

Nonkonvulsiver Status epilepticus, eine andere Art von Status epilepticus, ruft keine Konvulsionen hervor. Die Anfälle dauern 10 Minuten oder länger an. Während eines Krampfanfalls sind mentale Prozesse (einschließlich Bewusstsein) und/oder Verhaltensweisen beeinträchtigt. Die Betroffenen können verwirrt oder abwesend erscheinen. Sie können möglicherweise nicht mehr sprechen und verhalten sich irrational. Ein nonkonvulsiver Status epilepticus erhöht das Risiko für einen konvulsiven Status epilepticus. Diese Art Krampfanfall erfordert eine sofortige Diagnose und Behandlung.

Symptome nach einem Krampfanfall

Anschließend kommt es bei den Betroffenen unter Umständen zu Kopf- und Muskelschmerzen, ungewöhnlichen Empfindungen, Verwirrtheit und ausgeprägter Müdigkeit. Diese Nachwirkungen werden postiktaler Zustand genannt. Bei manchen Betroffenen besteht nach einem Anfall auf einer Körperseite eine Schwäche, die länger anhält als der Anfall selbst (eine Störung, die als Todd-Parese bezeichnet wird).

Die meisten Betroffenen können sich nicht daran erinnern, was während des Anfalls passiert ist (ein Zustand namens postiktale Amnesie).

Komplikationen

Krampfanfälle können schwere Folgen haben. Heftige, schnelle Muskelkontraktionen können zu körperlichen Schäden führen, einschließlich Knochenbrüchen. Stürze und Unfälle infolge eines Verlusts des Bewusstseins können schwere Verletzungen zur Folge haben. Die Betroffenen könnten zahlreiche Krampfanfälle haben, ohne dass das Gehirn schwere Schäden davonträgt. Wiederkehrende Anfälle, die Konvulsionen verursachen, können jedoch schließlich die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen.

Wenn Krampfanfälle nicht gut kontrolliert werden, könnten die Betroffenen Schwierigkeiten haben, einen Führerschein zu erhalten. Sie könnten Schwierigkeiten haben, Ihren Arbeitsplatz zu behalten oder versichert zu werden. Sie könnten gesellschaftlich stigmatisiert sein. Dies könnte eine stark reduzierte Lebensqualität zur Folge haben.

Wenn die Krampfanfälle nicht vollständig unter Kontrolle gebracht werden, ist das Todesrisiko bei den Betroffenen doppelt bis dreimal so hoch wie bei Personen ohne Krampfanfälle.

Einige wenige Betroffene sterben aus nicht ersichtlichen Gründen – eine Komplikation, die man plötzlichen unerwarteten Tod bei Epilepsie nennt. Diese Störung tritt gewöhnlich nachts oder im Schlaf auf. Das Risiko ist am höchsten bei Patienten mit häufigen Krampfanfällen, insbesondere bei generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfällen.

Wussten Sie ...

  • Viele Typen von Krampfanfällen verursachen keine Konvulsionen und keinen Bewusstseinsverlust.

  • Einen Löffel oder einen anderen Gegenstand in den Mund einer Person zu stecken, die einen Anfall erleidet, kann mehr schaden als nützen.

Diagnose von Anfallkrankheiten

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Wenn zuvor keine Anfälle aufgetreten sind, Blut- und andere Tests, Bildgebung des Gehirns und gewöhnlich eine Elektroenzephalographie

  • Wurde die Anfallkrankheit bereits diagnostiziert, in der Regel Bluttests zur Messung der Antiepileptika-Werte

Die Diagnose eines Anfalls basiert auf Symptomen und den Beobachtungen von Augenzeugen. Symptome, die auf einen Krampfanfall hindeuten, umfassen Verlust des Bewusstseins, Muskelkrämpfe, die den Körper schütteln, Sich-auf-die-Zunge-Beißen, Verlust der Blasenkontrolle, plötzliche Verwirrtheit und Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit zu bewahren. Bei Personen, die mindestens zwei unprovozierte Krampfanfälle zu verschiedenen Zeitpunkten hatten, diagnostizieren die Ärzte eine Anfallkrankheit (Epilepsie).

Menschen, die das Bewusstsein verlieren, haben möglicherweise keinen Krampfanfall, auch wenn sie dabei den Muskeltonus verlieren und Muskelzuckungen erleiden. Eine kurze Bewusstlosigkeit ist mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Ohnmacht (Synkope) und kein Krampfanfall.

Die Betroffenen werden in der Regel in der Notaufnahme untersucht. Bei einer bereits diagnostizierten Anfallkrankheit und, wenn der Betroffene sich völlig erholt hat, kann er in einer Arztpraxis untersucht werden.

Vorgeschichte und körperliche Untersuchung

Der Bericht eines Augenzeugen kann dem Arzt wertvolle Hinweise geben. Ein Beobachter kann das Geschehen genau beschreiben, wozu der Betroffene selbst nicht in der Lage ist. Die Ärzte brauchen eine akkurate Beschreibung, die Folgendes umfasst:

  • Wie schnell die Episode eingetreten ist

  • Ob ungewöhnliche Muskelbewegungen eingetreten sind (wie Zuckungen der Kopf-, Hals- oder Gesichtsmuskeln), Zungenbeißen, Speichelfluss, Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle oder Muskelsteifheit

  • Wie lange sie anhielt

  • Wie schnell sich die Person erholt hat

Eine schnelle Genesung deutet eher auf eine Ohnmacht als einen Krampfanfall hin. Wenn der Betroffene nach Wiedererlangen des Bewusstseins mehrere Minuten bis Stunden noch verwirrt ist, deutet dies auf einen Krampfanfall hin.

Augenzeugen könnten während des Anfalls zwar zu ängstlich sein, um sich alle Details zu merken, aber jedes Detail kann helfen. Wenn möglich, sollte die Dauer eines Anfalls mit einer Uhr oder anderweitig verfolgt und festgehalten werden. Krampfanfälle, die nur ein oder zwei Minuten dauern, können wie eine Ewigkeit erscheinen.

Die Ärzte müssen auch wissen, was der Episode vorausgegangen ist: ob der Betroffene eine Vorahnung oder Vorwarnung hatte, dass etwas Ungewöhnliches eintreten würde, und ob die Episode durch bestimmte Geräusche oder Blitzlicht ausgelöst worden sein könnte.

Die Ärzte fragen nach möglichen Ursachen für den Krampfanfall, wie z. B.:

  • Ob der Betroffene eine Erkrankung, die Krampfanfälle auslösen kann (wie z. B. eine Gehirninfektion) oder eine Kopfverletzung hat

  • Welche Drogen (einschließlich Alkohol) der Betroffene nimmt oder kürzlich abgesetzt hat

  • Wenn der Betroffene Medikamente zur Kontrolle der Krampfanfälle erhält, ob er diese nach Anweisung einnimmt

  • Ob der Betroffene ausreichend schläft (zu wenig Schlaf kann die Wahrscheinlichkeit von Krampfanfällen bei manchen Menschen erhöhen)

  • Bei Kindern, ob sie Verwandte haben, die auch Krampfanfälle haben

Es wird eine sorgfältige körperliche Untersuchung durchgeführt. Sie kann Aufschlüsse über die Ursache der Symptome liefern.

Tests

Nachdem ein Krampfanfall diagnostiziert wurde, sind weitere Tests notwendig, um die Ursache zu identifizieren.

Personen mit einer bekannten Anfallkrankheit benötigen möglicherweise keine Tests mit Ausnahme eines Bluttests zur Messung des Spiegels der Antiepileptika, die sie einnehmen. Wenn jedoch Symptome vorliegen, die auf eine Erkrankung hindeuten, die behandelt werden kann (wie eine Kopfverletzung oder eine Infektion), werden weitere Tests durchgeführt.

Bluttests werden häufig durchgeführt, um nach möglichen Ursachen für einen Krampfanfall zu suchen oder um herauszufinden, warum bei jemandem mit einer bekannten Anfallkrankheit ein Krampfanfall aufgetreten ist. Bei diesen Tests wird der Spiegel bestimmter Substanzen im Blut gemessen, wie Zucker, Kalzium, Natrium und Magnesium, und es wird beurteilt, ob Leber und Nieren normal funktionieren. Eine Urinprobe könnte auf Drogen untersucht werden, die nicht angegeben wurden. Solche Drogen könnten einen Krampfanfall auslösen.

Eine Elektrokardiographie kann durchgeführt werden, um nach Herzrhythmusstörungen zu suchen. Da ein ungewöhnlicher Herzrhythmus den Blutfluss zum Gehirn (und somit die Sauerstoffversorgung) stark reduzieren könnte, kann dies einen Verlust des Bewusstseins und gelegentlich einen Krampfanfall oder Symptome eines Krampfanfalls auslösen.

Eine Bildgebung des Gehirns wird in der Regel sofort durchgeführt, um nach Blutungen oder einem Schlaganfall zu suchen. Typischerweise kann eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) vorgenommen werden. Durch beide Untersuchungen können Auffälligkeiten im Gehirn erkannt werden, die eine mögliche Ursache der Krampfanfälle sind. Die MRT liefert klarere, detailliertere Bilder des Hirngewebes, ist jedoch nicht immer verfügbar.

Wenn die Ärzte eine Hirninfektion wie Meningitis oder Enzephalitis vermuten, wird gewöhnlich eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) durchgeführt.

Eine Elektroenzephalographie (EEG) kann zur Bestätigung der Diagnose herangezogen werden. Eine EEG ist ein schmerzloses, sicheres Verfahren, mit dem die elektrische Aktivität im Gehirn aufgezeichnet wird. Der Arzt begutachtet die Aufzeichnung (Elektroenzephalogramm) im Hinblick auf Anzeichen von ungewöhnlichen elektrischen Entladungen. Da ein EEG jedoch nur über einen begrenzten Zeitraum läuft, werden Auffälligkeiten möglicherweise nicht erfasst, und das EEG sieht normal aus, obwohl der Patient eine Anfallkrankheit hat. Manchmal wird ein EEG nach einem 18- bis 24-stündigen Schlafmangel angesetzt, da elektrische Entladungen bei Schlafmangel eher wahrscheinlich sind.

Gehirnaktivität während eines Anfalls

Ein Elektroenzephalogramm (EEG) ist eine Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns. Das Verfahren ist einfach und schmerzlos. Etwa 20 kleine Elektroden werden auf die Kopfhaut geklebt, und die Gehirnaktivität wird unter normalen Bedingungen aufgezeichnet. Dann wird der Patient verschiedenen Reizen, wie grellem oder flackerndem Licht, ausgesetzt, um einen Anfall auszulösen. Während eines Anfalls ist die elektrische Aktivität des Gehirns beschleunigt, wodurch ein zickzackförmiges Wellenmuster entsteht. Solche Aufzeichnungen der Gehirnwellen sind für die Diagnose einer Anfallkrankheit hilfreich. Verschiedene Anfallsformen zeigen verschiedene Wellenmuster.

Gehirnaktivität während eines Anfalls
Gehirnaktivität während eines Anfalls

Ein EEG kann wiederholt werden, da beim zweiten oder dritten Mal eine Anfallsaktivität erkannt und manchmal sogar die Art des Krampfanfalls bestimmt werden kann. Diese Informationen können bei der ersten Durchführung des Tests übersehen werden.

Wenn die Diagnose weiterhin ungewiss ist, könnten an einem Epilepsiezentrum spezialisierte Tests durchgeführt werden, wie Video-EEG-Überwachung.

Für die Video-EEG-Überwachung werden die Patienten für zwei bis sieben Tage in ein Krankenhaus eingewiesen und während Videoaufnahmen wird ein EEG durchgeführt. Wenn die Patienten Antiepileptika nehmen, werden diese häufig abgesetzt, um die Wahrscheinlichkeit für einen Krampfanfall zu erhöhen. Wenn ein Krampfanfall eintritt, vergleicht der Arzt die EEG-Aufzeichnung mit der Videoaufzeichnung des Krampfanfalls. Dann könnte er in der Lage sein, den Anfallstyp und den Bereich des Gehirns, in dem er begonnen hat, zu identifizieren.

Ein ambulantes EEG ermöglicht dem Arzt, die Gehirnaktivität über mehrere Tage aufzuzeichnen, während die Betroffenen zu Hause sind. Dies kann hilfreich sein, wenn die Krampfanfälle bei Menschen auftreten, die nicht lange in ein Krankenhaus eingewiesen werden können.

Prognose bei Anfallkrankheiten

Mit Behandlung wird ein Drittel der Epilepsiepatienten von Krampfanfällen geheilt, und die meisten sind kurz nach Beginn der Behandlung anfallsfrei. Bei einem weiteren Drittel kehren die Krampfanfälle weniger als halb so oft zurück wie vor der Behandlung. Wenn die Krampfanfälle durch Medikamente gut unter Kontrolle gebracht werden, können ca. 60 bis 70 Prozent der Betroffenen die Antiepileptika mit der Zeit absetzen, ohne dass die Krampfanfälle erneut auftreten.

Epileptische Krampfanfälle gelten als geheilt, wenn der Patient zehn Jahre lang keine Krampfanfälle hatte und in den letzten fünf Jahren dieses Zeitraums keine Antiepileptika eingenommen hat.

Behandlung von Anfallkrankheiten

  • Wenn möglich Beseitigung der Ursache

  • Allgemeine Maßnahmen

  • Medikamente zur Kontrolle der Krampfanfälle

  • Manchmal ein operativer Eingriff oder andere Verfahren, wenn die Medikamente nicht wirken

Wenn die Ursache der Krampfanfälle identifiziert und behoben werden kann, ist keine zusätzliche Behandlung erforderlich. Wenn der Krampfanfall beispielsweise durch einen niedrigen Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) ausgelöst wurde, wird Glukose verabreicht und die Ursache für den niedrigen Blutzuckerspiegel wird korrigiert. Andere behandelbare Ursachen umfassen eine Infektion, bestimmte Tumoren und einen ungewöhnlichen Natriumspiegel.

Wenn die Ursache nicht behoben werden kann, sind allgemeine Maßnahmen zusammen mit Medikamenten zur Behandlung von Anfallkrankheiten in der Regel ausreichend. Sind Medikamente wirkungslos, könnte ein chirurgischer Eingriff empfehlenswert sein.

Allgemeine Maßnahmen

In der Regel wird zu körperlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten ermutigt. Personen mit einer Anfallkrankheit müssen möglicherweise einige Anpassungen vornehmen. Folgende Maßnahmen werden beispielsweise empfohlen:

  • Vermeidung oder Einschränkung des Konsums alkoholischer Getränke

  • Verzicht auf Freizeitdrogen

  • Verzicht auf Aktivitäten, bei denen ein plötzlicher Bewusstseinsverlust zu einer schweren Verletzung führen könnte, wie Baden, Klettern, Schwimmen oder die Verwendung elektrischer Werkzeuge

Nachdem die Krampfanfälle kontrolliert sind (gewöhnlich für mindestens 6 Monate), können diese Aktivitäten mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wiederaufgenommen werden. Sie sollten zum Beispiel nur in Anwesenheit eines Rettungsschwimmers schwimmen.

In den meisten Staaten dürfen Personen mit einer Anfallkrankheit nicht Auto fahren, bis sie für mindestens sechs Monate bis ein Jahr keinen Anfall mehr hatten.

Ein Familienmitglied oder nahestehender Mensch sowie Kollegen sollten geschult werden, um bei einem Anfall helfen zu können. Es sollte nicht versucht werden, einen Gegenstand (wie einen Löffel) in den Mund des Betroffenen zu platzieren, um die Zunge zu schützen. Derartige Anstrengungen können mehr schaden als nützen, da möglicherweise die Zähne beschädigt werden könnten oder der Betroffene den Helfer unabsichtlich beißen könnte, wenn er die Kiefer zusammenpresst. Helfer sollten bei einem Krampfanfall jedoch Folgendes tun:

  • Den Betroffenen vor einem Sturz bewahren

  • Kleidung am Hals lockern

  • Ein Kissen unter den Kopf legen

  • Den Betroffenen auf die Seite rollen

Steht kein Kissen zur Verfügung, kann der Helfer seinen Fuß oder ein Kleidungsstück unter den Kopf des Patienten platzieren.

Hat der Betroffene das Bewusstsein verloren, sollte man ihn auf die Seite rollen, um die Atmung zu erleichtern und zu verhindern, dass er Erbrochenes oder Speichel einatmet, denn dies kann zu einer Aspirationspneumonie führen (eine Lungenentzündung, die durch Einatmen von Speichel und/oder Mageninhalt verursacht wird).

Personen, die einen Anfall erlitten haben, sollten nicht allein gelassen werden, bis sie völlig wach und nicht mehr verwirrt sind und sich normal bewegen können. Gewöhnlich sollte der behandelnde Arzt verständigt werden.

Antiepileptika

Antiepileptika (auch Antikonvulsiva genannt) senken das Risiko eines weiteren Krampfanfalls. Sie werden gewöhnlich nur dann verordnet, wenn jemand mehr als einen Anfall erlitten hat und wenn reversible Ursachen, wie ein niedriger Blutzuckerspiegel, ausgeschlossen oder vollständig geheilt wurden. Antiepileptika werden in der Regel nicht verordnet, wenn jemand nur einen generalisierten Anfall hatte.

Die meisten Antiepileptika werden oral eingenommen.

Antiepileptika können bei einem Drittel der Patienten die Krampfanfälle vollständig unterdrücken und bei einem weiteren Drittel die Häufigkeit deutlich senken. Fast zwei Drittel der Patienten, die auf Antiepileptika ansprechen, können diese schließlich wieder absetzen, ohne einen Rückfall zu erleiden. Wenn die Antiepileptika jedoch nicht wirken, werden die Betroffenen an ein Epilepsiezentrum überwiesen und hinsichtlich einer Operation beurteilt.

Es gibt viele verschiedene Typen von Antiepileptika. Welches am wirksamsten ist, hängt von der Art des Anfalls und von anderen Faktoren ab. Bei den meisten Patienten können die Anfälle mit einem Antiepileptikum kontrolliert werden, und zwar meistens mit dem ersten oder zweiten, das ausprobiert wird. Wenn weitere Anfälle eintreten, werden andere Antiepileptika ausprobiert. In solchen Fällen kann es mehrere Monate dauern, bis festgestellt wird, welches Arzneimittel wirkt. Manche Patienten müssen mehrere Arzneimittel nehmen, wodurch das Risiko für Nebenwirkungen erhöht ist. Manche Antiepileptika werden nicht allein, sondern nur in Kombination mit anderen Antiepileptika verwendet.

Die Ärzte bestimmen sorgfältig, welche Dosis eines Antiepileptikums für den jeweiligen Patienten angemessen ist. Die beste Dosis ist die kleinste Dosis, mit der alle Anfälle gestoppt werden und die die wenigsten Nebenwirkungen hat. Die Patienten werden gefragt, ob Nebenwirkungen eingetreten sind, und bei Bedarf wird die Dosis angepasst. Manchmal wird die Menge des Antiepileptikums im Blut bestimmt.

Antiepileptika sollten nur wie verordnet eingenommen werden. Personen, die Arzneimittel zur Kontrolle von Krampfanfällen nehmen, sollten regelmäßig für Dosisanpassungen zu einem Arzt gehen und immer ein Notfallarmband mit dem Anfalltyp und dem Namen des Medikaments tragen.

Antiepileptika können die Wirksamkeit anderer Medikamente beeinflussen und umgekehrt. Deshalb sollten Patienten sicherstellen, dass ihr Arzt über alle ihre Medikamente informiert ist, bevor sie mit der Einnahme eines Antiepileptikums beginnen. Sie sollten auch mit ihrem Arzt und möglichst ihrem Apotheker sprechen, bevor sie andere Medikamente, einschließlich frei verkäuflicher Medikamente, einnehmen.

Nachdem die Anfälle unter Kontrolle gebracht wurden, nehmen die Patienten die Antiepileptika weiter ein, bis mindestens zwei Jahre lang kein weiterer Anfall eingetreten ist. Dann kann die Dosis des Medikaments allmählich gesenkt und das Medikament schließlich ganz abgesetzt werden. Sollte ein Krampfanfall eintreten, nachdem das Medikament abgesetzt wurde, muss der Patient möglicherweise auf unbestimmte Zeit ein Antiepileptikum einnehmen. Krampfanfälle treten meist innerhalb von zwei Jahren erneut auf, wenn überhaupt.

Eine Rückkehr der Krampanfälle ist eher wahrscheinlich bei folgenden Personen:

  • Anfallkrankheit seit der Kindheit

  • Mehr als ein Antiepileptikum wird benötigt, um anfallsfrei zu sein

  • Krampfanfälle während der Einnahme eines Antiepileptikums

  • Im vorausgegangenen Jahr anormale EEG-Ergebnisse

  • Strukturelle Schäden des Gehirns – zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder Tumor

Antiepileptika sind zwar äußerst wirksam, können jedoch Nebenwirkungen haben. Viele verursachen Benommenheit, manche können bei Kindern jedoch Hyperaktivität verursachen. Bei vielen Antiepileptika werden regelmäßig Bluttests durchgeführt, um zu bestimmen, ob das Mittel die Nieren- oder Leberfunktion beeinträchtigt oder die Anzahl der Blutkörperchen reduziert. Patienten, die Antiepileptika einnehmen, sollten sich der möglichen Nebenwirkungen bewusst sein und beim ersten Anzeichen einer Nebenwirkung ihren Arzt konsultieren.

Bei Frauen, die eine Anfallkrankheit haben und schwanger sind, erhöht die Einnahme eines Antiepileptikums das Risiko einer Fehlgeburt bzw. von Fehlbildungen des Ungeborenen im Bereich des Rückenmarks, der Wirbelsäule oder des Gehirns (Neuralrohrdefekt siehe Tabelle mit einigen Arzneimitteln, die Probleme während der Schwangerschaft verursachen können). Es kann für Frau und Kind unter Umständen jedoch noch gefährlicher sein, das Antiepileptikum abzusetzen. Ein generalisierter Krampfanfall während der Schwangerschaft kann den Fötus verletzen oder töten. Daher wird in der Regel empfohlen, weiterhin ein Antiepileptikum einzunehmen (siehe Krampfanfälle während der Schwangerschaft). Alle gebärfähigen Frauen, die ein Antiepileptikum nehmen, sollten Folat-Ergänzungsmittel nehmen, um das Risiko von Fehlbildungen des Ungeborenen zu reduzieren.

Wussten Sie ...

  • Alle gebärfähigen Frauen, die ein Antiepileptikum nehmen, sollten Folat-Ergänzungsmittel nehmen, um das Risiko von Fehlbildungen des Ungeborenen zu reduzieren.

Tabelle
icon

Arzneimittel gegen Krampfanfälle

Medikament

Verwendung

Einige Nebenwirkungen

Acetazolamid

Absence-Epilepsien, wenn andere Antiepileptika nicht wirksam sind

Nierensteine, Dehydratation und chemisches Ungleichgewicht im Blut

Cannabidiol

Dravet-Syndrom

Tonische oder atonische Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syndrom*

Benommenheit, Leberschädigung, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Durchfall

Carbamazepin

Fokale Anfälle

Sekundär generalisierte Anfälle (einschließlich fokaler Anfälle mit Entwicklung zu bilateralen Anfällen)

Abnahme der weißen Blutkörperchen (Granulozytopenie), Unterproduktion von Blutzellen (aplastische Anämie, die tödlich sein kann), niedrige Thrombozytenzahl (Thrombozytopenie), schwerer Ausschlag, Verdauungsstörungen, Leberschäden, schleppende Sprache (Dysarthrie), Lethargie, Schwindelgefühl und Doppeltsehen

Clobazam

Absence-Epilepsie

Dravet-Syndrom

Anfälle mit fokalem Beginn oder fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen†, wenn andere Antiepileptika nicht wirksam sind

Manchmal tonische oder atonische Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syndrom*

Benommenheit, Verstopfung, Koordinationsverlust, Selbstmordgedanken, Arzneimittelabhängigkeit, Reizbarkeit und Schluckschwierigkeiten

Clonazepam

Atonische Krampfanfälle

Atypische Absence-Epilepsie beim Lennox-Gastaut Syndrom*

Epileptische (infantile) Spasmen

Myoklonische Krampfanfälle

Benommenheit, ungewöhnliches Verhalten, Koordinationsverlust und Verlust der Wirksamkeit des Medikaments nach 1 bis 6 Monaten

Divalproex‡

Absence-Epilepsie

Epileptische Spasmen

Fokale Anfälle

Tonisch-klonische Anfälle mit generalisiertem Beginn

Juvenile myoklonische Epilepsie

Myoklonische Krampfanfälle

Tonische oder atonische Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syndrom*

Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, zeitweilige Benommenheit, Verwirrtheit, Zittern (Tremor), reversibler Haarausfall, Gewichtszunahme und Leberschaden

Ein etwas höheres Risiko für Geburtsfehler an Rückenmark, Wirbelsäule oder Gehirn (Neuralrohrdefekt) als bei anderen Antiepileptika

Eslicarbazepin

Fokale Anfälle

Schwindelgefühl oder Zittern, Doppeltsehen oder verschwommenes Sehen, Benommenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, ein niedriger Natriumgehalt im Blut, Selbstmordgedanken und Reaktionen der Haut, wie ein Ausschlag (bisweilen schwer)

Ethosuximid

Absence-Epilepsie

Übelkeit, Lethargie, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Ausschlag und niedrige Anzahl von Blutzellen (alle Typen von Blutzellen)

Felbamat

Wird nur eingesetzt, wenn andere Antiepileptika unwirksam sind

Atypische Absence-Epilepsie beim Lennox-Gastaut Syndrom*

Fokale Anfälle

Kopfschmerzen, Erschöpfung, Leberversagen und selten aplastische Anämie (die tödlich sein kann)

Fosphenytoin§

Fokale Anfälle mit Bewusstseinsstörungen

Status epilepticus

Fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen

Vorbeugung eines Krampfanfalls nach einer Kopfverletzung

Koordinationsverlust, Benommenheit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Jucken und Kribbeln

Gabapentin

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen†

Benommenheit, Schwindelgefühl, Gewichtszunahme und Kopfschmerzen

Bei Kindern Schläfrigkeit, aggressives Verhalten, Stimmungsschwankungen und Hyperaktivität

Lacosamid

Fokale Anfälle

Schwindelgefühl, Doppeltsehen und Selbstmordgedanken

Lamotrigin

Fokale Anfälle

Anfälle mit generalisiertem Beginn bei Lennox-Gastaut-Syndrom*

Tonisch-klonische Anfälle mit generalisiertem Beginn

Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindelgefühl, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Koordinationsverlust, Doppeltsehen, Tremor, anormale Menstruationsperioden und Ausschlag

Levetiracetam

Fokale Anfälle

Juvenile myoklonische Epilepsie

Myoklonische Krampfanfälle

Anfälle mit generalisiertem Beginn

Schwindelgefühl, Schwächegefühl, Erschöpfung, Koordinationsverlust, Stimmungsschwankungen und Verhaltensänderungen

Oxcarbazepin

Fokale Anfälle

Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Doppeltsehen, Benommenheit, Schwindelgefühl, Erschöpfung, Übelkeit sowie niedrige Natriumspiegel im Blut

Perampanel

Fokale Anfälle

Tonisch-klonische Anfälle mit generalisiertem Beginn

Aggressivität, Stimmungsschwankungen und Verhaltensänderungen, Selbstmordgedanken, Schwindelgefühl, Erschöpfung, Reizbarkeit, Stürze, Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Bauchschmerzen und Schwierigkeiten beim Gehen

Phenobarbital

Fokale Anfälle

Tonisch-klonische Anfälle mit generalisiertem Beginn

Krämpfe bei Neugeborenen

Status epilepticus

Benommenheit, ungewöhnliche Augenbewegungen (Nystagmus), Koordinationsverlust, Anämie und Ausschlag

Bei Kindern Hyperaktivität und Lernschwierigkeiten

Phenytoin§

Fokale Anfälle mit Bewusstseinsstörungen

Fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen

Status epilepticus (Phenytoin wird intravenös verabreicht)

Vorbeugung eines Krampfanfalls nach einer Kopfverletzung

Geschwollenes Zahnfleisch, Abnahme der roten Blutkörperchen (Anämie), Verlust der Knochendichte, übermäßiger Körperhaarwuchs (Hirsutismus), Ausschlag und geschwollene Drüsen

Bei hohen Dosen von Phenytoin Koordinationsverlust, schleppende Sprache, ungewöhnliche Augenbewegungen, Lethargie, Verwirrtheit, Benommenheit, Übelkeit und Erbrechen

Pregabalin

Fokale Anfälle

Schwindelgefühl, Benommenheit, Koordinationsverlust, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Tremor und Gewichtszunahme

Tiagabin

Fokale Anfälle

Benommenheit, Schwindelgefühl, Verwirrtheit, verlangsamtes Denken, Bauchschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit und Tremor

Topiramat

Atypische Absence-Epilepsien

Dravet-Syndrom

Fokale Anfälle

Tonisch-klonische Anfälle mit generalisiertem Beginn

Verwirrtheit, verringerte Konzentrationsfähigkeit, Wortfindungsschwierigkeiten, Erschöpfung, Appetitverlust und Gewichtsabnahme, Taubheit oder Kribbeln, verringertes Schwitzen und Nierensteine

Valproat‡

Absence-Epilepsie

Dravet-Syndrom

Fieberkrämpfe

Fokale Anfälle

Tonisch-klonische Anfälle mit generalisiertem Beginn

Epileptische Spasmen

Juvenile myoklonische Epilepsie

Myoklonische Krampfanfälle

Krämpfe bei Neugeborenen

Tonische oder atonische Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syndrom*

Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtszunahme, reversibler Haarausfall, zeitweilige Benommenheit, Tremor und selten Leberschaden

Ein etwas höheres Risiko für Geburtsfehler an Rückenmark, Wirbelsäule oder Gehirn (Neuralrohrdefekt) als bei anderen Antiepileptika

Vigabatrin

Epileptische Spasmen

Fokale Anfälle

Benommenheit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Erschöpfung und permanente Veränderungen der Sehfähigkeit

Zonisamid

Fokale Anfälle

Manchmal tonische oder atonische Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syndrom*

Benommenheit, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Verwirrtheit, Wortfindungsschwierigkeiten, Koordinationsverlust, Nierensteine, Appetitverlust und Gewichtsabnahme sowie Übelkeit

* Atypische Absence-Epilepsien, atonische Anfälle und tonische Anfälle treten gewöhnlich als Teil einer schweren Form der Epilepsie namens Lennox-Gastaut-Syndrom ein, das bei Kindern vor dem vierten Lebensjahr einsetzt.

† Fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateralen Anfällen sind Krampfanfälle, die auf einer Seite des Gehirns beginnen und sich dann auf beide Seiten ausbreiten.

‡ Divalproex und Valproat sind ähnlich.

§ Fosphenytoin und Phenytoin sind ähnlich.

Notfallbehandlung

Eine Notfallbehandlung zur Unterbindung der Krampfanfälle ist in folgenden Fällen erforderlich:

  • Status epilepticus

  • Krampfanfällen, die länger als 5 Minuten andauern

So schnell wie möglich werden hohe Dosen eines oder mehrerer Antiepileptika (oft zuerst ein Benzodiazepin wie Lorazepam) intravenös verabreicht, um den Krampfanfall zu stoppen. Je schneller die Antiepileptika verabreicht werden, umso besser und leichter lassen sich die Krampfanfälle kontrollieren.

Bei länger andauernden Krampfanfällen werden Maßnahmen zur Vermeidung von Verletzungen ergriffen. Die Betroffenen werden sorgfältig überwacht, um sicherzustellen, dass die Atmung angemessen ist. Wenn nicht, wird ein Tubus eingeführt, um die Atmung zu unterstützen – ein Verfahren namens Intubation.

Wenn die Krampfanfälle andauern, wird eine Vollnarkose gegeben, um sie zu stoppen.

Operation

Wenn Patienten unter Einnahme von zwei oder mehr Antiepileptika weiterhin Krampfanfälle erleiden oder wenn sie die Nebenwirkungen der Medikamente nicht vertragen, kann unter Umständen eine Hirnoperation durchgeführt werden. Diese Patienten werden in spezialisierten Epilepsiezentren getestet, um zu bestimmen, ob ihnen durch eine Operation geholfen werden kann. Die Tests können eine MRT des Gehirns, Video-EEG-Überwachung und Folgendes umfassen:

  • Funktionelle MRT: Um die Bereiche im Gehirn zu bestimmen, in denen die Krampfanfälle ausgelöst werden (sogenannte Epilepsieherde)

  • Einzelphotonen-Emissions-CT (SPECT): Um Bereiche mit erhöhtem Blutfluss zur Zeit des Krampfanfalls zu finden, was darauf hindeuten könnte, welche Bereiche des Gehirns die Krampfanfälle auslösen

  • EEG kombiniert mit Magneten zur Bildgebung (Magnetic Source Imaging): Dient ebenfalls der Bestimmung, welche Bereiche des Gehirns die Krampfanfälle auslösen

Wenn ein Defekt im Gehirn (wie eine Narbe) als Ursache identifiziert werden kann und auf einen kleinen Bereich beschränkt ist, können die Krampfanfälle bei 60 Prozent der Patienten durch die chirurgische Entfernung dieses Bereichs beseitigt werden, oder eine Operation vermag zumindest die Schwere und Häufigkeit der Anfälle zu lindern.

Die Nervenfasern zu durchtrennen, die die beiden Gehirnhälften miteinander verbinden (Corpus callosum), kann wirkungsvoll sein, wenn die Anfälle in verschiedenen Bereichen des Gehirns verursacht werden oder wenn sie sich sehr schnell auf das ganze Gehirn ausbreiten. Dieser Eingriff hat gewöhnlich keine merklichen Nebenwirkungen. Aber selbst wenn Häufigkeit und Schwere der Krampfanfälle durch die Operation reduziert werden, müssen viele Patienten dennoch weiterhin Antiepileptika nehmen. Gewöhnlich kann jedoch die Dosis oder die Anzahl der Medikamente reduziert werden.

Vor und nach der Operation könnte eine psychologische und neurologische Beurteilung durchgeführt werden, um zu bestimmen, wie gut das Gehirn arbeitet.

Wenn die Patienten nicht operiert werden können, können andere Verfahren wie eine Stimulation des Vagusnervs oder des Gehirns durchgeführt werden.

Vagusnervstimulation

Eine elektrische Stimulation des zehnten Hirnnervs (Vagusnerv) kann bei etwa 40 Prozent der Patienten mit fokal beginnenden Anfällen die Zahl der Anfälle um mehr als die Hälfte vermindern. Diese Behandlung wird verwendet, wenn die Krampfanfälle trotz einer Behandlung mit Antiepileptika fortbestehen und keine Operation möglich ist.

Man nimmt an, dass der Vagusnerv indirekte Verbindungen zu Gehirnbereichen hat, die bei der Auslösung von Krampfanfällen häufig eine Rolle spielen.

Für diesen Eingriff wird ein Gerät, das wie ein Herzschrittmacher aussieht (Vagusnervstimulator), unter dem linken Schlüsselbein eingepflanzt und durch einen Draht, der unter der Haut verläuft, mit dem Vagusnerv im Hals verbunden. Äußerlich sichtbar ist eine kleine Erhebung unter der Haut. Die Operation kann ambulant erfolgen und dauert ein bis zwei Stunden.

Das Gerät wird für eine regelmäßige Stimulation des Vagusnervs programmiert. Die Patienten erhalten auch einen Magneten, mit dem sie den Vagusnerv stimulieren können, wenn sie spüren, dass ein Krampfanfall bevorsteht. Eine Vagusstimulation wird zusätzlich zu Antiepileptika eingesetzt.

Zu den Nebenwirkungen der Vagusnervenstimulation gehören Heiserkeit, Husten und ein Tieferwerden der Stimme.

Stimulation des Gehirns

Das reaktionsempfindliche Neurostimulationssystem ist ein Gerät, das wie ein Herzschrittmacher aussieht. Es wird im Schädel implantiert. Das Gerät wird durch Drähte an ein oder zwei Bereiche im Gehirn angeschlossen, wo die Krampfanfälle ausgelöst werden. Dieses System überwacht die elektrische Aktivität des Gehirns. Wenn eine ungewöhnliche elektrische Aktivität entdeckt wird, stimuliert es die Gehirnbereiche, wo die Krampfanfälle verursacht werden. Das Ziel ist, die normale elektrische Aktivität im Gehirn wiederherzustellen, bevor ein Krampfanfall eintreten kann.

Das reaktionsempfindliche Neurostimulationssystem wird zusätzlich zu Antiepileptika verwendet. Es wird angewendet, wenn Erwachsene fokale Anfälle haben, die durch Medikamente nicht kontrolliert werden. Es kann die Häufigkeit von Krampfanfällen bei diesen Menschen verringern.

Eine Operation zur Implantation des Systems erfordert eine Vollnarkose und dauert typischerweise 2 bis 4 Stunden. Viele Patienten können am nächsten Tag nach Hause gehen. Manche müssen bis zu 3 Tage im Krankenhaus bleiben. Viele Menschen können innerhalb weniger Tage ihre alltäglichen Aktivitäten wieder aufnehmen und nach 2 bis 4 Wochen wieder arbeiten.

Die Patienten können das Gerät oder die Stimulation nicht spüren, und das Gerät kann bei Bedarf entfernt werden.

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Testen Sie Ihr Wissen

Gehirnschäden nach Gehirnregion
Da bestimmte Bereiche im Gehirn spezifische Funktionen kontrollieren, bestimmt der Ort der Schädigung, welche Funktion beeinträchtigt wird. Welches der folgenden Symptome kann sich aus einer Schädigung des vorderen Teils des Stirnlappens ergeben?

Auch von Interesse

NACH OBEN