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Sexualität – Übersicht

Von

George R. Brown

, MD, East Tennessee State University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2019| Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Sexuelles Verlangen ist ein normaler Bestandteil des Lebens. Jedoch können die Formen sexuellen Verhaltens, die als normal angesehen werden, in verschieden Kulturen sehr unterschiedlich sein. Was „normale“ Sexualität ist, lässt sich wahrscheinlich gar nicht definieren. Nicht nur die Sexualpraktiken, auch die Häufigkeit und der Wunsch nach sexueller Erfüllung, unterliegen großen Schwankungen. Manche Menschen haben mehrmals täglich Verlangen nach sexueller Aktivität, wohingegen bei anderen der Sexualtrieb sehr viel schwächer ausgeprägt ist (z. B. ein paar Mal im Jahr).

Wenn das Sexualverhalten bei der Person oder dem Partner der Person jedoch erhebliches Leid verursacht oder jemand anderem schadet, muss die betroffene Person von einer medizinischen Fachkraft untersucht und behandelt werden.

Obwohl jüngere Menschen sich oft sträuben, ältere Menschen als sexuell aktiv zu betrachten, interessieren sich die meisten älteren Menschen trotzdem weiterhin für Sex und berichten auch in hohem Alter noch über ein zufriedenes Sexualleben. Probleme mit sexuellen Funktionsstörungen, wie Erektionsstörungen bei Männern und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), schmerzhafter Vaginalkrampf (Vaginismus) oder Anorgasmie bei Frauen, können Menschen jeden Alters betreffen. Solche Probleme kommen jedoch besonders häufig bei älteren Menschen vor. Viele dieser Probleme können mit Medikamenten (besonders mit Mitteln gegen Erektionsstörungen) wirksam behandelt werden.

Die Einstellung des Menschen zu sexuellem Verhalten wird vor allem durch die Eltern geprägt. Mit folgenden Reaktionen können die Eltern die Fähigkeit ihrer Kinder beeinträchtigen, sexuelle und emotionale Intimität zu entwickeln:

  • Emotionale Distanz

  • Zu strenge Bestrafung der Kinder

  • Unverhohlene Verführung und sexuelle Ausbeutung von Kindern

  • Verbale und körperliche Feindseligkeit

  • Ablehnung der Kinder

  • Grausamkeit

Die Einstellung der Gesellschaft zur Sexualität und dem Geschlecht verändert sich mit der Zeit, wie folgende Beispiele zeigen.

Selbstbefriedigung

Selbstbefriedigung galt früher als pervers und sogar als Ursache für Geisteskrankheiten; heute sieht man in ihr einen normalen Ausdruck von Sexualität während des ganzen Lebens. Etwa 97 % der Männer und 80 % der Frauen haben masturbiert. Allgemein masturbieren Männer häufiger als Frauen. Viele Menschen genießen Selbstbefriedigung auch dann noch, wenn sie sich in einer sexuell erfüllten Beziehung befinden. Obwohl Selbstbefriedigung normal ist und oft als sichere sexuelle Praktik empfohlen wird, kann es aufgrund der missbilligenden Haltung anderer Schuldgefühle und psychisches Leid auslösen. Dies kann erheblich belasten und sogar zu sexuellen Funktionsstörungen führen.

Homosexualität

Wie Selbstbefriedigung gilt auch die Homosexualität, die die Medizin auch lange Zeit als abartig ansah, seit mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr als Krankheit. Homosexualität ist eine von Kindheit an bestehende sexuelle Orientierung, die als solche weitgehend anerkannt ist. Im Laufe ihres Lebens befinden sich etwa 4 bis 5 Prozent der Erwachsenen in ausschließlich homosexuellen Beziehungen. Zusätzlich haben etwa 2 bis 5 Prozent regelmäßig sexuelle Beziehungen zu einer Person des gleichen Geschlechts (Bisexualität). Viele Jugendliche machen mit Sexspielen unter Gleichgeschlechtlichen Erfahrungen, was aber nicht gleich bedeutet, dass sie als Erwachsene ein dauerhaftes Interesse an homosexuellen oder bisexuellen Beziehungen haben (siehe Entwicklung der Sexualität).

Schwule und lesbische Personen entdecken, dass sie sich zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlen, so wie Heterosexuelle merken, dass sie vom anderen Geschlecht angezogen werden. Die Anziehung scheint das Ergebnis biologischer und umweltbedingter Einflüsse zu sein und lässt sich nicht bewusst wählen. Deshalb hat der Begriff „sexuelle Präferenz“ wenig Sinn in Bezug auf die sexuelle Orientierung, egal ob hinsichtlich der heterosexuellen, homosexuellen oder bisexuellen Orientierung.

Sexuelle Aktivität mit häufigem Partnerwechsel

Für manche heterosexuelle und homosexuelle Menschen bildet häufiger Partnerwechsel zeitlebens die Regel. In westlichen Kulturen wird dieses Verhalten immer mehr akzeptiert. Sexuelle Beziehungen mit häufigem Partnerwechsel sind jedoch auch mit dem Risiko verbunden, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit (etwa mit HIV-Infektion, Herpes simplex, Hepatitis, Syphilis, Gonorrhö und Gebärmutterhalskrebs) anzustecken. Außerdem kann ein solches Verhalten darauf hinweisen, dass diese Personen nicht imstande sind, enge emotionale Bindungen über längere Zeit einzugehen.

Außerehelicher Sex

In den USA haben die meisten Menschen sexuelle Beziehungen, bevor sie verheiratet sind oder ohne verheiratet zu sein. Diese Verhaltensweise spiegelt die Tendenz zu größerer sexueller Freiheit in Industrieländern wider. In den meisten Kulturen wird es jedoch nicht gern gesehen, wenn Verheiratete außereheliche sexuelle Beziehungen aufrechterhalten. Dies kommt trotz gesellschaftlicher Missbilligung relativ häufig vor. Ein objektives Problem, das daraus entsteht, ist die mögliche Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten, wovon die meist ahnungslosen Ehepartner oder Sexualpartner betroffen sind.

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