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Nichtsuizidale Selbstverletzung

Von

Paula J. Clayton

, MD, University of Minnesota School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Kurzinformationen

Nichtsuizidale Selbstverletzung beschreibt sich selbst zugefügte Handlungen, die Schmerzen oder oberflächliche Schäden verursachen, jedoch nicht zum Tod führen soll.

Obwohl es Überschneidungen der zur Selbstverletzung angewandten Methoden (wie beispielsweise das Ritzen der Handgelenke mit einer Rasierklinge) mit Methoden für Selbstmordversuche gibt, ist nichtsuizidale Selbstverletzung etwas anderes, da die Betroffenen mit diesen Handlungen keine Selbsttötung beabsichtigen. Sie geben oft explizit an, dass sie nicht versuchen, sich umzubringen. In anderen Fällen nehmen Ärzte an, dass die Betroffenen sich eigentlich nicht umbringen wollen, wenn sie Handlungen vornehmen, die eindeutig nicht zum Tod führen können, wie beispielsweise sich mit einer Zigarette zu verbrennen.

Wenn sich die Betroffenen erstmals selbst Schmerzen zufügen, ist es jedoch möglicherweise nicht klar, ob sie tatsächlich sterben wollen. Sie könnten zum Beispiel glauben, dass sie sich durch eine Überdosis Antibiotika oder Vitamine umbringen können, und stellen nach der entsprechenden Einnahme fest, dass die Dosis harmlos ist.

Auch wenn Selbstverletzung nicht zum Tod führt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Personen, die sich selbst verletzen, langfristig auch Selbstmordversuche unternehmen oder sich umbringen, vermutlich höher. Ärzte und Angehörige sollten nichtsuizidale Selbstverletzung daher nicht verharmlosen.

Die häufigsten Beispiele von nichtsuizidaler Selbstverletzung sind:

  • Einschneiden oder Einstechen der Haut mit einem scharfen Gegenstand, wie einem Messer, Rasiermesser oder einer Nadel

  • Verbrennen der Haut, üblicherweise mit einer Zigarette

Die nichtsuizidale Selbstverletzung beginnt in der Regel im frühen Jugendalter. Sie tritt häufiger bei Personen mit anderen Erkrankungen wie beispielsweise Borderline-Persönlichkeitsstörung, antisozialer Persönlichkeitsstörung, einer Essstörung oder Substanzgebrauchsstörungen (einschließlich Alkoholmissbrauch) und Autismus auf. Nichtsuizidale Selbstverletzung tritt nur etwas häufiger bei Mädchen als bei Jungen auf, wobei ein Selbstmordverhalten viel häufiger bei Mädchen als bei Jungen anzutreffen ist. Die meisten Betroffenen verletzen sich mit zunehmendem Alter seltener.

Häufig verletzen sich die Betroffenen in einer einzigen Sitzung wiederholt, zum Beispiel durch mehrere Schnitte oder Verbrennungen an der gleichen Stelle. Normalerweise wählen Menschen einen Bereich, der leicht zugänglich und durch Kleidung leicht zu verbergen ist, wie die Unterarme oder Vorderseite der Oberschenkel. Die Betroffenen verletzen sich meistens wiederholt, was zu umfassender Vernarbung aus vorherigen Verletzungen führt. Ihre Gedanken befassen sich häufig mit den verletzenden Handlungen.

Warum Menschen sich selbst verletzen ist nicht klar, aber die Selbstverletzung kann:

  • Eine Form darstellen, eine Spannung oder Negativgefühle zu verringern

  • Eine Form darstellen, zwischenmenschliche Konflikte zu lösen

  • Eine Form von Selbstbestrafung für subjektive Schuldzuweisung darstellen

  • Ein Schrei nach Hilfe sein

Einige Betroffene sehen die Selbstverletzung nicht als Problem an und suchen daher keine psychologische Hilfe oder nehmen diese nicht an.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Zuerst untersuchen Ärzte die Person nach Verletzungen, die behandelt werden müssen.

Um eine nichtsuizidale Selbstverletzung diagnostizieren zu können, müssen Ärzte feststellen, ob die Tat zum Tod führen sollte (Selbstmordverhalten) oder nicht (nichtsuizidale Verletzung). Dies beurteilen sie auf Basis der Absicht und der Gründe des Betroffenen für die Tat und dessen Stimmung. Menschen, die sich nichtsuizidal selbstverletzen, können angeben, dass sie sich verletzen, um sich von negativen Gefühlen zu befreien, und nicht um sich umzubringen. Oder sie können wiederholt zu Methoden greifen, die nicht zum Tode führen. Menschen, die sich nichtsuizidal selbstverletzen, sind jedoch gefährdet und verüben Selbstmorde. Daher sprechen die Ärzte auch mit anderen, ihnen nahestehenden Personen über Veränderungen im Gemütszustand und über Stresssituationen des Betroffenen, damit das Risiko für Selbstmord für die Person eingeschätzt werden kann.

Wenn die Betroffenen die Selbstverletzung nicht als Problem ansehen, sind sie möglicherweise nicht bereit, darüber zu sprechen. Um Personen, die sich selbst verletzt haben, beurteilen zu können, versuchen Ärzte zunächst, sie dazu zu bringen, über ihre Selbstverletzung zu reden. Dazu vermitteln sie dem Betroffenen Folgendes:

  • Dass sie der Person zugehört haben und ihre Erfahrungen ernst nehmen

  • Dass sie verstehen, wie sich der Betroffene fühlt und wie diese Gefühle zur Selbstverletzung führen konnten

Anschließend versuchen sie, Folgendes zu ermitteln:

  • Wie der Betroffene sich verletzt und wie viele verschiedene Methoden er anwendet (zum Beispiel ob er sich Verbrennungen oder Schnitte zufügt)

  • Wie häufig es zur Selbstverletzung kommt

  • Seit wann er sich selbst verletzt

  • Welchem Zweck die Selbstverletzungen dienen

  • Inwiefern er bereit ist, eine Behandlung anzunehmen

Der Betroffene wird auch auf andere psychische Gesundheitsstörungen hin untersucht, und es wird versucht einzuschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Betroffene einen Selbstmordversuch unternimmt.

Behandlung

  • Bestimmte Arten der Psychotherapie

  • Behandlung anderer vorliegender Erkrankungen

Bestimmte Arten der Psychotherapie können Personen, die sich selbst verletzen, helfen. Hierzu gehört Folgendes:

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie

  • Gruppentherapie zur Emotionsregulation

Die dialektisch-behaviorale Therapie besteht aus wöchentlichen Einzel- oder Gruppensitzungen über 1 Jahr und einem Therapeuten, der 24 Stunden am Tag telefonisch erreichbar ist. Der Therapeut fungiert als Verhaltenstrainer. Damit sollen die Betroffenen unterstützt werden, geeignetere Maßnahmen zur Stressbewältigung zu finden, zum Beispiel dem Drang zu selbstzerstörerischem Verhalten zu widerstehen.

Die Gruppentherapie zur Emotionsregulation umfasst 14 Wochen Gruppentherapie. Sie hilft den Betroffenen, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden, sie zu verstehen und zu akzeptieren. Die Therapie hilft ihnen, negative Gefühle als Teil des Lebens zu akzeptieren und folglich auf solche Emotionen nicht so intensiv und impulsiv zu reagieren.

Es gibt keine zugelassenen Medikamente für die Behandlung nichtsuizidaler Selbstverletzung. Bei einigen Betroffenen haben sich jedoch Naltrexon und einige atypische Antipsychotika als wirksam erwiesen.

Falls die Betroffenen an anderen psychischen Gesundheitsstörungen (wie beispielsweise Depressionen, Essstörungen, Substanzgebrauchsstörungen oder Borderline-Persönlichkeitsstörung) leiden, werden diese behandelt. Nach Möglichkeit sollten die Betroffenen an einen Psychiater überwiesen werden. Nachbeobachtungsbesuche sind von größter Wichtigkeit.

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