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Sozialphobie

(soziale Angststörung)

Von

John W. Barnhill

, MD, Weill Cornell Medical College and New York Presbyterian Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2018| Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Eine soziale Phobie beschreibt die Furcht oder Angst vor bestimmten gesellschaftlichen und leistungsbezogenen Situationen. Diese Situationen werden häufig gemieden oder nur unter großer Qual ertragen.

Menschen sind soziale Wesen, und ihre Fähigkeit, sich im Umgang mit anderen wohlzufühlen, wirkt sich auf viele wichtige Lebensbereiche aus, z. B. auf familiäre Beziehungen, Schule, Beruf, Freizeit, Freundschaften und Partnerschaften.

Die soziale Phobie ist eine Art der Angststörung. Bis zu einem gewissen Grad sind Ängste in sozialen Situationen normal. Bei einer Sozialphobie sind die Ängste jedoch so stark ausgeprägt, dass die Betroffenen solche Situationen entweder ganz meiden oder nur unter Qualen durchstehen. Etwa 13 Prozent aller Menschen leiden in ihrem Leben zeitweise unter Sozialphobien. Jährlich betroffen sind von dieser Störung 9 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer.

Einige Erwachsene mit sozialer Phobie waren bereits als Kinder schüchtern, während andere erst nach der Pubertät erhebliche Angstsymptome entwickeln.

Menschen mit Sozialphobien sind besorgt, dass ihre Arbeitsleistung oder Handlungen unangemessen erscheinen. Oft besteht die Sorge, dass ihre Angstgefühle offensichtlich sind, dass sie schwitzen, erröten, sich übergeben müssen oder zittern oder mit zitternder Stimme sprechen. Außerdem sind sie besorgt, dass sie aus dem Konzept geraten oder nicht in der Lage sind, die richtigen Worte zu finden.

Manche Sozialphobien sind mit bestimmten leistungsbezogenen Situationen verknüpft und erzeugen nur Angstgefühle, wenn eine bestimmte Tätigkeit in der Öffentlichkeit ausgeübt werden muss. Wird die gleiche Tätigkeit hingegen allein durchgeführt, entstehen keine Angstgefühle. Folgende Situationen lösen bei Menschen mit Sozialphobien u. a. häufig Angstgefühle aus:

  • Reden in der Öffentlichkeit

  • Öffentliche Aufführungen, wie das Vorlesen in der Kirche oder das Spielen eines Instruments

  • Gemeinsames Essen mit anderen

  • Fremde Menschen treffen

  • Ein Gespräch führen

  • Unterzeichnen eines Dokuments vor Zeugen

  • Benutzen einer öffentlichen Toilette

Eine allgemeinere Form der Sozialphobie ist von Angst in vielen sozialen Situationen gekennzeichnet.

In beiden Formen der Sozialphobie befürchten die Betroffenen, dass sie die Erwartungen anderer Personen nicht erfüllen können oder dass sie im gesellschaftlichen Miteinander einer Prüfung unterzogen werden. Sie fühlen sich beschämt, herabgewürdigt oder abgelehnt oder beleidigen andere.

Die Betroffenen sind sich nicht unbedingt darüber bewusst, dass Ihre Ängste irrational und übertrieben sind.

Diagnose

  • Ärztliche Beurteilung auf der Basis spezifischer Kriterien

Eine soziale Phobie wird diagnostiziert, wenn die Betroffenen an Ängsten und Sorgen mit all den folgenden Punkten leiden:

  • Sie sind intensiv und bestehen seit mindestens 6 Monaten

  • Sie betreffen eine oder mehrere gesellschaftliche Situationen

  • Sie treten fast immer in der/den gleichen Situation/en auf

  • Sie beruhen auf der Angst vor negativer Beurteilung durch andere

  • führt dazu, dass die Person die Situation meidet oder sie nur unter Leidensdruck aushält

  • Sie stehen in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr

  • Sie führen zu großem Stress oder beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit erheblich

Zudem schließen Ärzte andere psychische Störungen aus, die zu ähnlichen Symptomen führen können, wie beispielsweise Agoraphobie, Panikstörung oder eine Dismorphophobie.

Behandlung

  • Konfrontationstherapie

  • Kognitive Verhaltenstherapie

  • Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Sozialphobien dauern bei Nichtbehandlung oft lange an und führen dazu, dass viele Menschen auf Aktivitäten verzichten, die sie normalerweise gerne tun würden.

Eine Konfrontationstherapie ist hierbei für gewöhnlich wirksam. Es kann allerdings schwierig sein, eine ausreichend lange Konfrontation mit der Angst auslösenden Situation zu arrangieren, um eine Gewöhnung zu erreichen. Hat jemand beispielsweise Angst, in Gegenwart seines Vorgesetzten zu sprechen, so lassen sich nicht einfach eine Reihe von Gesprächsterminen mit dem Vorgesetzten arrangieren. Dann können Ersatzsituationen hilfreich sein, z. B. indem der Betroffene Toastmasters beitritt (einer Organisation für all diejenigen, die Angst davor haben, vor Publikum zu sprechen) oder indem man in einem Pflegeheim aus Büchern vorliest.

Auch eine kognitive Verhaltenstherapie kann hilfreich sein. Im Rahmen dieser Therapie lernen die Betroffenen Folgendes:

  • Entspannungstechniken anzuwenden

  • Die Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, die Angst oder Panik auslösen können

  • Diese Denkmuster entsprechend abzuändern

  • Ihr Verhalten entsprechend anzupassen

Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Benzodiazepine (Angstlöser) helfen oft bei sozialen Phobien. SSRI werden in der Regel vorgezogen, da sie eine kognitive Verhaltenstherapie im Gegensatz zu Benzodiazepinen wahrscheinlich nicht beeinflussen. Benzodiazepine wirken sich auf das zentrale Nervensystem aus (Gehirn und Rückenmark) und können zu Schläfrigkeit und Gedächtnisstörungen führen.

Mit Betablockern lassen sich ein erhöhter Puls, Zittern und Schwitzen vermindern, wie sie bei Menschen auftreten, die sich vor einem öffentlichen Auftritt fürchten. Aber diese Medikamente verringern nicht die Angstgefühle.

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