Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

honeypot link

Überblick über Geschlechtskrankheiten

Von

Sheldon R. Morris

, MD, MPH, University of California San Diego

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2020| Inhalt zuletzt geändert Apr 2020
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Sexuell übertragbare Krankheiten (Geschlechtskrankheiten) sind Infektionen, die normalerweise, aber nicht ausschließlich durch sexuelle Kontakte von Person zu Person übertragen werden.

  • Geschlechtskrankheiten können von Bakterien, Viren oder Einzellern (Protozoen) verursacht werden.

  • Manche Infektionen können auch durch Küssen oder engen Körperkontakt übertragen werden.

  • Manche Infektionen können sich auf andere Körperteile ausbreiten, was manchmal schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

  • Das Benutzen von Kondomen kann helfen, diesen Infektionen vorzubeugen.

  • Die meisten Geschlechtskrankheiten können mit Medikamenten effektiv behandelt werden.

Geschlechtsverkehr bietet Organismen eine einfache Möglichkeit, sich von Person zu Person auszubreiten (übertragen), weil es dabei zu engem Kontakt und der Übertragung von Genital- und anderen Körperflüssigkeiten kommt.

Geschlechtskrankheiten, auch bekannt als sexuell übertragbare Infektionen (STD bzw. STI), kommen häufig vor. Beispielsweise treten in den USA jährlich ca. 20 Millionen neuer Fälle von Geschlechtskrankheiten auf. Ungefähr die Hälfte der neuen Fälle tritt bei Personen im Alter von 15 bis 24 Jahren auf. 2018 wurden in den USA über 580.000 Neuerkrankungen mit Tripper (Gonorrhö) und über 1,7 Millionen Chlamydieninfektionen gemeldet. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch höher, was diese beiden Krankheiten zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten macht.

Mehrere Faktoren erschweren die Vorbeugung von Geschlechtskrankheiten. Hierzu zählen folgende:

  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit mehreren Partnern (deren Namen vielleicht nicht bekannt sind und die daher schwer zu finden sind)

  • Abneigung, mit medizinischen Fachkräften über Sexualität zu sprechen

  • Mangel an Geldmitteln zur Erkennung und Behandlung von möglichst vielen Infizierten und zur Entwicklung besserer diagnostischer Tests und Therapien für Geschlechtskrankheiten

  • Notwendigkeit, beide Sexualpartner gleichzeitig zu behandeln, wenn einer von ihnen infiziert ist

  • Nicht beendete Behandlungen, die zu einer Entwicklung von gegen Arzneimittel resistenten Erregern führen können

  • Internationaler Reiseverkehr, der zu einer schnellen Verbreitung von Geschlechtskrankheiten weltweit führt

Ursachen

Tabelle
icon

Arten von Geschlechtskrankheiten

Art

Erkrankung

Bakteriell

Viral

Feigwarzen (vom humanen Papillomavirus ausgelöst)

Molluscum contagiosum (verursacht durch Poxvirus)

Parasitär (durch Einzeller verursacht)

Gliederfüßler

Krätze (verursacht durch Milben)

Viele infektiöse Organismen – von mikroskopisch kleinen Viren, Bakterien und Parasiten bis hin zu sichtbaren Insekten (wie Läuse) – können durch sexuellen Kontakt übertragen werden. Einige Infektionen, die durch sexuelle Aktivität übertragen werden können, werden auch häufig auf anderen Wegen übertragen. Sie gelten daher normalerweise nicht als Geschlechtskrankheiten. Diese Infektionen umfassen Hepatitis A, B und C und Infektionen des Verdauungsapparats (die Durchfall verursachen), wie zum Beispiel Salmonellen-Infektionen, Campylobacter-Infektionen, Shigellose, Giardiasis und Amoebiasis.

Übertragung

Geschlechtskrankheiten werden normalerweise durch Vaginal-, Oral- oder Analverkehr mit einem infizierten Partner übertragen, auch wenn keine genitale Penetration erfolgt. Manche Geschlechtskrankheiten können auch auf anderem Weg übertragen werden, z. B.:

Symptome

Die Symptome der Geschlechtskrankheiten sind sehr unterschiedlich, aber die ersten Symptome involvieren normalerweise die Region, wo der Organismus in den Körper eingedrungen ist. Zum Beispiel können sich im Genitalbereich oder im Mund Geschwüre bilden. Es könnte zu Ausfluss aus dem Penis oder der Vagina kommen, und die Entleerung der Blase könnte schmerzhaft sein.

Einige der Symptome erhöhen die Anfälligkeit für weitere Infektionen (wie etwa eine HIV-Infektion). Beispielsweise können weitere Infektionserreger durch Hautreizungen (Entzündungen, die bei Gonorrhö oder einer Chlamydieninfektion auftreten) oder wunde Stellen (die bei Herpes, Syphilis oder weichem Schanker auftreten) leichter in den Körper eindringen.

Komplikationen

Wenn Geschlechtskrankheiten nicht diagnostiziert und sofort behandelt werden, können sich manche Erreger über das Blut ausbreiten und innere Organe infizieren, was manchmal schwere oder sogar lebensgefährliche Probleme verursachen kann. Dazu gehören:

  • Kardiovaskuläre Infektionen (Herz und Blutgefäße betreffende) und Hirninfektionen infolge von Syphilis

  • AIDS infolge einer HIV-Infektion

  • Gebärmutterhalskrebs, Rektumkarzinom und Mund- und Rachenkrebs infolge einer HPV-Infektion

Bei Frauen können manche Organismen, die in die Vagina gelangen, andere Fortpflanzungsorgane infizieren. Die Erreger können den Gebärmutterhals infizieren (den unteren Teil der Gebärmutter, welcher das Ende der Scheide bildet), in die Gebärmutter und bis in die Eileiter und mitunter auch in die Eierstöcke eindringen (siehe Abbildung zum Ausbreitungsweg von der Scheide zu den Eierstöcken). Eine Schädigung des Uterus und der Eileiter kann zu Unfruchtbarkeit oder einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (ektope Schwangerschaft) führen. Die Infektion kann sich bis zum Bauchfell (Membran, welche den Bauchraum auskleidet) ausdehnen und dort eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) verursachen. Infektionen der Gebärmutter, der Eileiter, der Eierstöcke und/oder des Peritoneums werden unter dem Begriff Beckenentzündung zusammengefasst.

Ausbreitungsweg von der Scheide zu den Eierstöcken

Bei Frauen können manche Organismen in die Vagina gelangen und andere Fortpflanzungsorgane infizieren. Von der Vagina aus gelangen die Erreger in den Gebärmutterhals und in die Gebärmutter und von dort aus in die Eileiter und mitunter auch in die Eierstöcke.

Ausbreitungsweg von der Scheide zu den Eierstöcken

Bei Männern können Erreger, die über den Penis eindringen, in die Harnröhre (Urethra) gelangen, die die Blase mit dem Penis verbindet. Wenn solche Infektionen rasch behandelt werden, treten nur selten Komplikationen auf. Eine chronische Harnröhreninfektion kann jedoch zu Folgendem führen:

  • einer Verengung der Vorhaut, sodass sie nicht mehr über den Peniskopf gezogen werden kann

  • einer Verengung der Urethra, was den Urinfluss blockiert

  • der Entwicklung eines abnormalen Kanals (Fistel) zwischen der Harnröhre und der Penishaut

Mitunter kommt es bei Männern zur Ausbreitung von Erregern durch die Harnröhre bis in den Kanal, der Sperma von den Hoden in den Penis leitet (Ductus ejaculatorius und Vas deferens), wo sie die Nebenhoden infizieren (die spiralförmigen Kanäle auf den Hoden – siehe Abbildung zum Ausbreitungsweg vom Penis zu den Nebenhoden).

Ausbreitungsweg vom Penis zu den Nebenhoden

Mitunter kommt es bei Männern zur Ausbreitung von Erregern durch die Harnröhre bis in den Kanal, der Sperma von den Hoden in den Penis leitet (Vas deferens), wo sie die auf den Hoden gelegenen Nebenhoden infizieren.

Ausbreitungsweg vom Penis zu den Nebenhoden

Bei Männern und Frauen können manche Geschlechtskrankheiten eine dauerhafte Schwellung der Genitalgewebe oder eine Infektion des Rektums (Proktitis) verursachen.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Untersuchung einer Blut-, Urin- oder Ausflussprobe

Geschlechtskrankheiten werden vom Arzt häufig auf der Basis entsprechender Symptome vermutet.

Bei vielen Geschlechtskrankheiten sind die Untersuchungen zur Erkennung der Ursache beschränkt oder nicht verfügbar. Daher führen Ärzte Untersuchungen zur Ursachenbestimmung manchmal gar nicht durch. Stattdessen bevorzugen sie Behandlungen, die sich gegen Erreger, die die Symptome des Patienten am wahrscheinlichsten hervorrufen, richten. Das heißt, dass die Ärzte ihre Patienten bereits bei der ersten Vorstellung behandeln, bevor die Untersuchungsergebnisse vorliegen (was in der Regel einige Tage dauert).

Um den beteiligten Organismus zu identifizieren und so die Diagnose zu bestätigen, können Ärzte eine Blut- oder Urinprobe oder eine Probe des vaginalen Ausflusses oder des Ausflusses aus dem Penis entnehmen und untersuchen. Die Proben können zu einem Labor gesendet werden, um den Organismus zu züchten (kultivieren), was hilfreich für die Identifikation ist.

Bei manchen Tests auf Geschlechtskrankheiten wird das genetische Material (DNA oder RNA) des Erregers nachgewiesen. Manchmal werden Techniken angewendet, die die Menge des genetischen Materials der Bakterien erhöhen. Diese Tests werden Nukleinsäureamplifikationstests (NAT) genannt. Da diese Tests die Erkennung der Erreger erleichtern, können dafür Urinproben verwendet werden. Andere Tests zielen auf das Vorhandensein von Antikörpern, die das Immunsystem zur Bekämpfung des infektionsverursachenden Erregers produziert. Welcher Test durchgeführt wird, richtet sich nach der vermuteten Geschlechtskrankheit.

Bei Vorliegen einer Geschlechtskrankheit, wie z. B. Tripper (Gonorrhö), werden auch Tests auf andere Geschlechtskrankheiten, wie z. B. Chlamydieninfektion, Syphilis und HIV-Infektion durchgeführt. weil bei Personen, die an einer Geschlechtskrankheit leiden, die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Geschlechtskrankheit relativ hoch ist.

Screening auf Geschlechtskrankheiten

Mit Screening werden Untersuchungen auf eine Krankheit bei Personen bezeichnet, die keine Symptome zeigen. Ein Screening ist in den folgenden Fällen am besten:

  • Die untersuchte Krankheit kommt relativ häufig vor

  • Menschen mit einem überdurchschnittlichen Risiko für eine Erkrankung (z. B. Personen mit vielen Sexualpartnern) oder einer besonderen Gefährdung im Krankheitsfall (z. B. schwangere Frauen)

  • Der Screening-Test ist einfach durchzuführen und relativ günstig

  • Es gibt keine effektive Behandlung für die Krankheit

Ärzte empfehlen ein Screening auf Geschlechtskrankheiten bei Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Chlamydieninfektion, Gonorrhö und Syphilis. Alle erwachsenen Frauen unter 25 Jahren sollten jährlich auf Chlamydien untersucht werden und alle schwangeren Frauen sollten auf alle drei Geschlechtskrankheiten untersucht werden.

Vorbeugung

Die folgenden Maßnahmen können helfen, Geschlechtskrankheiten vorzubeugen:

  • Das Vermeiden unsicherer Sexpraktiken, wie häufiger Wechsel der Sexualpartner oder Geschlechtsverkehr mit Prostituierten oder Partnern, die andere Sexualpartner haben

  • Beschneidung (kann auch die Ausbreitung des HIV von Frauen auf Männer reduzieren)

  • Sofortige Diagnose und Behandlung von Geschlechtskrankheiten (um eine Ansteckung anderer Menschen zu vermeiden)

  • Identifikation der Sexualpartner/-innen infizierter Personen mit anschließender Beratung oder Behandlung dieser Sexualpartner

Damit Kondome schützen, müssen sie korrekt angewendet werden. Kondome sollten vor der Penetration angewendet werden. Die korrekte Anwendung beinhaltet Folgendes:

  • Bei jedem Geschlechtsakt ein neues Kondom benutzen.

  • Ein Kondom der richtigen Größe benutzen.

  • Sorgfältig mit dem Kondom umgehen, um zu vermeiden, dass es durch Fingernägel, Zähne oder andere scharfe Objekte beschädigt wird.

  • Kondom überstreifen, nachdem der Penis erigiert ist, und vor dem genitalen Kontakt mit dem Partner.

  • Überprüfen, in welche Richtung das Kondom aufgerollt wird, indem es auf den Zeigefinger gestülpt und vorsichtig nur ein kleines Stück weit aufgerollt wird. Wenn dies nicht möglich ist, das Kondom anders herum aufstülpen und den Versuch wiederholen. Das Kondom anschließend wieder zusammenrollen.

  • Das aufgerollte Kondom über die Spitze des erigierten Penis stülpen.

  • An der Spitze des Kondoms ungefähr 1,5 cm für die Aufnahme der Samenflüssigkeit freilassen.

  • Mit einer Hand die eingeschlossene Luft aus der Kondomspitze drücken.

  • Falls unbeschnitten, die Vorhaut zurückziehen, bevor das Kondom abgerollt wird.

  • Mit der anderen Hand das Kondom bis zur Penisbasis abrollen und Luftblasen herausdrücken.

  • Sicherstellen, dass während des Geschlechtsverkehrs genügend Gleitflüssigkeit vorhanden ist.

  • Bei Latexkondomen nur Gleitmittel auf Wasserbasis benutzen. Gleitmittel auf Fettbasis (wie Vaseline, Backfett, Mineralöle, Massageöle, Körperlotionen und Salat- bzw. Kochöle) können das Latex schwächen und das Kondom zum Reißen bringen.

  • Beim Abstreifen das Kondom an der Penisbasis festhalten und den Penis zurückziehen, während er noch erigiert ist, um ein Abrutschen des Kondoms zu verhindern.

Sexuelle Abstinenz (anal, vaginal oder oral) ist der zuverlässigste Weg zur Vorbeugung von Geschlechtskrankheiten, der jedoch häufig unrealistisch ist.

Die einzigen verfügbaren Impfstoffe sind die gegen eine HPV-Infektion, Hepatitis A und B.

Behandlung

  • Antibiotika oder antivirale Arzneimittel, je nach Geschlechtskrankheit

  • Gleichzeitige Behandlung der Sexualpartner/innen

Die meisten Geschlechtskrankheiten können medikamentös wirksam behandelt werden (mit Antibiotika für bakterielle Infektionen und antiviralen Mitteln für Virusinfektionen). Einige der neuen Bakterien- und Virusstämme haben jedoch gegen manche Medikamente eine Resistenz entwickelt, was die Behandlung erschwert. Arzneimittelresistenzen werden voraussichtlich zunehmen, da Medikamente gelegentlich falsch oder missbräuchlich angewendet werden.

Personen, die wegen einer bakteriellen Geschlechtskrankheit behandelt werden, sollten keinen Geschlechtsverkehr haben, bis die Infektion bei ihnen selbst und bei ihren Sexpartnern eliminiert worden ist. Daher sollten Sexualpartner gleichzeitig getestet und behandelt werden.

Virale Geschlechtskrankheiten, insbesondere Genitalherpes und eine HIV-Infektion, bleiben normalerweise auf Lebenszeit bestehen. Antivirale Arzneimittel können diese Infektionen kontrollieren, aber noch nicht heilen.

Weitere Informationen

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN