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Amyloidose

Von

John L. Berk

, MD, Amyloidosis Center, Boston University Medical Center ;


Vaishali Sanchorawala

, MD, Boston Medical Center and University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Nov 2018| Inhalt zuletzt geändert Nov 2018
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Quellen zum Thema

Amyloidose ist eine seltene Erkrankung, bei der abnorm gefaltete Proteine amyloide Fibrillen bilden, die sich in verschiedenen Geweben und Organen ansammeln und mitunter zu Organfehlfunktionen, Organversagen und Tod führen.

  • Die Symptome und die Schwere der Amyloidose hängt davon ab, welche wichtigen Organe betroffen sind.

  • Die Diagnose wird durch Entnahme von Gewebeproben (Biopsieprobe) für eine mikroskopische Untersuchung gestellt.

  • Es gibt viele Formen von Amyloidose und es sind weitere Tests erforderlich, um die Art und ihre Ursache herauszufinden.

  • Die Behandlung hängt von der Art der Amyloidose ab.

Ursachen

Alle Formen von Amyloidose hängen mit einem Protein zusammen, das sich nicht normal faltet (alle Proteine sind lange Ketten von Molekülen, die sich zu einer bestimmten Form falten). Die abnorm gefalteten Proteine verklumpen und sammeln sich in verschiedenen Geweben an. Diese Ansammlungen werden als Amyloidablagerungen und Amyloidfibrillen bezeichnet. Es gibt viele verschiedene Proteine, die sich abnorm falten und Amyloidablagerungen bilden können. All diese Proteine werden im Körper produziert. Sie kommen nicht von der zugeführten Nahrung der Person. Einige Amyloidproteine sind mutierte Versionen von normalen Proteinen. Andere wiederum sind normale Proteine, die einfach dazu neigen, sich falsch zu falten. Einige der Proteine werden durch verschiedene Krankheiten gebildet.

Formen von Amyloidose

Amyloidablagerungen können sein:

  • Systemisch (im ganzen Körper verbreitet)

  • Lokalisiert (nur ein Organ oder Gewebe betreffend)

Der Schweregrad der Krankheit hängt davon ab, welche Organe von den Amyloidablagerungen betroffen sind.

Systemische Amyloidose

Eine systemische Amyloidose kann in vier Hauptgruppen unterteilt werden:

  • Die AL- (primäre) Amyloidose (Leichtkettenamyloidose) entsteht durch Abnormitäten in Plasmazellen, die bewirken, dass sie übermäßige Mengen abnormer Antikörperproteine bilden, die als Leichtketten bezeichnet werden. Einige Menschen mit AL-Amyloidose haben auch Krebs der Plasmazellen (multiples Myelom). Nur etwa 10 bis 20 Prozent der Menschen mit multiplem Myelom entwickeln eine AL-Amyloidose. Bei der AL-Amyloidose wird das Amyloid hauptsächlich in Haut, Herz, Nieren, Nerven, Zunge, Darm, Leber, Milz und Blutgefäßen eingelagert.

  • Die Sekundär-Amyloidose kann eine Reaktion auf verschiedene Krankheiten sein, die anhaltende Infektionen oder Entzündungen (wie Tuberkulose, rheumatoide Arthritis und familiäres Mittelmeerfieber) und bestimmte Krebsarten auslösen. Die AA-Amyloidose führt sehr häufig zu Erkrankungen der Nieren, es können aber auch andere Organe betroffen sein.

  • Die AF- (familiäre) Amyloidose bezeichnet eine Reihe von seltenen Erbkrankheiten, die Symptome im Erwachsenenalter bewirken. Der Amyloid-produzierende Defekt entsteht aufgrund vererbter Mutationen bestimmter Proteine im Blut. Diese mutierten Proteine bilden amyloide Fibrillen aus, die typischerweise auf die Nieren, Nerven oder das Herz abzielen. Mutiertes Transthyretin (ATTRm), ein Protein, das von der Leber gebildet wird, ist die häufigste Ursache für familiäre Amyloidose.

  • ATTRwt-(Wildtyp-Transthyretin)-Amyloidose (früher senile systemische Amyloidose genannt) betrifft für gewöhnlich das Herz. Es ist tritt viel häufiger bei Männern als bei Frauen auf. ATTRwt-Amyloidose wird durch eine abnorme Faltung von normalem (Wildtyp, nicht mutiertem) Transthyretin-Protein ausgelöst. Es ist nicht bekannt, warum sich Amyloid im Herzen ablagert.

Lokalisierte Amyloidose

Die lokalisierte Amyloidose tritt auf, wenn sich Amyloid in bestimmten Organen oder Geweben ablagert. Amyloidablagerungen finden sich z. B. im Gehirn von Patienten mit Alzheimerkrankheit. Man geht davon aus, dass sie an der Entstehung der Alzheimerkrankheit beteiligt sind. Lokalisierte Amyloidablagerungen sind auch in der Haut, dem Darm, den Atemwegen oder Blase zu finden.

Symptome

Der Aufbau großer Mengen von Amyloidablagerungen kann die normale Funktion vieler Organe beeinträchtigen. Manche Menschen haben kaum Symptome. Andere wiederum entwickeln eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung. Häufige Anzeichen der Amyloidose sind Müdigkeit und Gewichtsverlust. Andere Symptome einer Amyloidose hängen davon ab, wo sich die Amyloidablagerungen aufbauen.

Ist das Herz betroffen, können Betroffene Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz haben, die Kurzatmigkeit, Schwäche oder Ohnmacht hervorrufen.

Sind die Nerven betroffen, können Betroffene Kribbeln oder Taubheit in den Fingern oder Zehen verspüren oder Schwindel, wenn sie aufstehen. Sind die Nieren betroffen, können Betroffene an Schwellungen (Ödeme) an den Füßen und Beinen und manchmal im Bauch leiden.

Ist die Haut betroffen, sind blaue Flecken häufig, die mitunter auch um die Augen herum auftreten können. Die Zunge ist manchmal vergrößert (Makroglossie).

Tabelle
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Auswirkungen der Amyloidablagerungen

Betroffenes Organ oder System

Mögliche Folgen

Blutgefäße

Neigung zu Blutergüssen

Gehirn

Verdauungssystem

Verstopfung oder Durchfall

Vergrößerte Zunge (Makroglossie)

Gewichtsverlust

Schlechte Nährstoffaufnahme

Herz

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Nieren

Flüssigkeitsansammlung in Geweben mit daraus resultierenden Schwellungen (Ödem)

Leber

Vergrößerte Leber

Lungen

Atembeschwerden

Lymphknoten

Vergrößerte Lymphknoten

Skelettmuskelsystem

Nervensystem

Taubheitsgefühl

Kribbeln

Schwindel

Haut

Hämatome

Knötchen

Schilddrüse

Vergrößerte Schilddrüse

Diagnose

  • Biopsie

Manchmal ist eine Amyloidose für die Ärzte schwer zu erkennen, da sie so viele verschiedene Probleme verursacht. Ärzte vermuten jedoch eine Amyloidose, wenn Patienten Symptome aufweisen, die mehrere Organe des Körpers betreffen, oder wenn sie an einem unerklärlichen Versagen von Herz, Niere oder Leber leiden. Makroglossie ist kein häufig auftretendes Symptom. Wenn es jedoch auftritt, spricht es für eine Amyloidose. Wenn mehrere Familienmitglieder an Herz- oder Nervenproblemen leiden, kann dies auf eine AF-Amyloidose hinweisen. Unerklärliche Herzsymptome bei älteren Männern deuten auf eine ATTRwt-Amyloidose hin.

Zur Diagnose wird im Allgemeinen etwas Bauchfett mithilfe einer Nadel, die in der Nähe des Bauchnabels in den Bauch gestochen wird, entnommen und untersucht (Fettpolsterbiopsie). Alternativ können Ärzte eine Gewebeprobe von dem Körperteil entnehmen, der von der Amyloidose betroffen ist, etwa dem Herzen, der Nieren oder Leber, und diese mikroskopisch mithilfe bestimmter Farbstoffe untersuchen.

Nachdem der Arzt festgestellt hat, dass der Patient an Amyloidose leidet, führt er Tests zur Bestimmung der genauen Amyloidoseform und zur Ermittlung sämtlicher Krankheiten durch, die Ursache der Amyloidose sein könnten. Zudem werden Tests gemacht, um zu untersuchen, welche Organe betroffen sind.

Prognose

Die Prognose hängt von der Art der Amyloidose und dem betroffenen Organsystem ab. Eine Beteiligung des Herzens ist die gefährlichste Form und kann eine düstere Prognose mit sich bringen.

Behandlung

  • Bei AL-Amyloidose: Chemotherapie

  • Bei AA-Amyloidose: Behandlung der zugrundeliegenden Ursache

  • Bei einer Amyloidose, die durch Transthyretin-Proteinablagerungen verursacht wurde: Medikamente zur Stabilisierung von Transthyretin

  • Manchmal: Organtransplantation

Die Behandlung zur Verringerung oder Kontrolle der Symptome und Komplikationen einer Amyloidose kann die Lebensqualität von Menschen mit jeder Form von Amyloidose verbessern. Bestimmte Behandlungen, die eine Bildung von Amyloid verlangsamen oder stoppen, können bei bestimmten Formen der Amyloidose helfen.

Bei Menschen mit AL-Amyloidose kann eine Chemotherapie mit Melphalan und neueren Medikamenten, wie etwa Bortezomib und Lenalidomid, manchmal zusammen mit einer peripheren Stammzellentransplantation die Krankheit im Knochenmark stoppen und weiteren Ablagerungen von Amyloid vorbeugen. Eine Strahlentherapie kann bei Menschen angewendet werden, deren AL-Amyloidose in nur einem Bereich vorliegt (lokalisierte Erkrankung).

Bei der Sekundär-Amyloidose kann die Behandlung der zugrundeliegenden Ursache die Amyloidablagerungen reduzieren. Bei einer AA-Amyloidose, die durch familiäres Mittelmeerfieber verursacht wurde, wirkt das Medikament Colchicin sehr gut.

Bei einer Amyloidose, die durch Transthyretin-Proteinablagerungen verursacht wurde, können Medikamente wie Diflunisal und Tafamidis das mutierte Transthyretin-Protein stabilisieren (es also von der Bildung von Amyloidfibrillen abhalten) und damit ein Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Gentherapien, die Transthyretin-Produktion (wie Patisiran und Inotersen) reduzieren, können die Auswirkungen auf das Nervensystem verringern.

Organtransplantationen (z. B. von Niere oder Herz) haben bei einigen Menschen mit Organversagen aufgrund von Amyloidose das Leben verlängert.

Bei der familiären Transthyretin-Amyloidose kann eine Lebertransplantation vorgenommen werden. Eine Lebertransplantion kann das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, weil in der Leber das mutierte Protein gebildet wird. Interessanterweise werden aufgrund des Mangels an Spenderorganen die Leberorgane, die Personen mit familiärer Transthyretin-Amyloidose entnommen wurden, manchmal in Menschen mit tödlichen Lebererkrankungen wie Zirrhose oder Leberkrebs transplantiert. Eine derartige „Dominotransplantation“ ist möglich, weil eine Leber von einer Person mit familiärer Transthyretin-Amyloidose eine ansonsten normal funktionierende Leber ist. Auch wenn Menschen, die von jemandem mit familiärer Transthyretin-Amyloidose eine Leber gespendet bekamen, selbst irgendwann eine Amyloidose entwickeln könnten, kann das transplantierte Organ zumindest kurzfristig ihr Leben retten.

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