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Druckgeschwüre

(Bettgeschwüre; Dekubitalulzera, Wundliegen; Druckverletzungen)

Von

Ayman Grada

, MD, MS, Department of Dermatology, Boston University School of Medicine;


Tania J. Phillips

, MD, Boston University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Quellen zum Thema

Druckgeschwüre sind Bereiche beschädigter Haut, die durch mangelnde Durchblutung aufgrund von länger andauerndem Druck entstehen.

  • Druckgeschwüre entstehen oft durch Druck in Verbindung mit Ziehen an der Haut, Reibung und Feuchtigkeit, insbesondere über Knochenvorsprüngen.

  • Die Diagnose stützt sich im Allgemeinen auf eine körperliche Untersuchung.

  • Bei einer entsprechenden Behandlung verheilen Druckgeschwüre im Frühstadium oft gut.

  • Ein häufiges Umlegen und eine sorgfältige Hautpflege sind die besten Maßnahmen zur Vorbeugung von Druckgeschwüren.

  • Zu den Behandlungsmethoden zählen Reinigen, Druckentlastung der betroffenen Bereiche, spezielle Verbände und mitunter Antibiotika und/oder Operationen.

Ärzte bezeichnen die Druckgeschwüre meist als „Druckverletzungen“, da Betroffene im leichtesten Stadium (siehe Symptome) keine tatsächlichen Geschwüre aufweisen.

Druckgeschwüre können bei Menschen jeden Alters auftreten, die bettlägerig, an einen Rollstuhl gebunden oder außerstande sind, die eigene Liege- oder Sitzposition zu verändern. Sie treten da auf, wo durch ein Bett, einen Rollstuhl, einen Gipsverband, eine Schiene, eine schlecht sitzende Orthese oder Prothese oder andere Gegenstände Druck auf die Haut ausgeübt wird. Am häufigsten kommt es an den Stellen zu Druckgeschwüren, wo der Knochen dicht unter der Haut liegt, wie am Hüftknochen, am Steißbein, an der Ferse, an den Knöcheln und an den Ellenbogen. Druckgeschwüre können jedoch überall auftreten. Bei Menschen mit Nervenschädigungen oder Lähmungen besteht ein höheres Risiko für das Auftreten von Druckgeschwüren.

Druckgeschwüre treten am häufigsten bei älteren Menschen auf, da ihre Haut ggf. dünner ist und womöglich langsamer heilt. Es kommt häufig nach einem Krankenhausaufenthalt, den eine andere Erkrankung notwendig machte, durch das die Fähigkeit der Betroffenen, sich zu bewegen, eingeschränkt war, zu den Geschwüren. Druckgeschwüre führen dazu, dass die Dauer der stationären Behandlung oder der häuslichen Pflege verlängert werden muss. Druckgeschwüre können lebensgefährlich sein, wenn sie unbehandelt bleiben oder der sonstige Gesundheitszustand eine Heilung verhindert.

In den Vereinigten Staaten kommt es jedes Jahr ungefähr bei 2,5 Millionen Menschen zu Druckgeschwüren, was zu einer bedeutenden Ausgabenlast für die Bevölkerung und das Gesundheitssystem führt.

Häufige Stellen, an denen Druckgeschwüre entstehen

Häufige Stellen, an denen Druckgeschwüre entstehen

Der Alterungsprozess im Visier: Druckgeschwüre

Älterwerden an sich führt nicht zu Druckgeschwüren. Allerdings geht mit dem Älterwerden eine Gewebeveränderung einher, wodurch die Entstehung von Druckgeschwüren begünstigt wird. Mit zunehmendem Alter dünnen die äußersten Schichten der Haut aus. Viele ältere Menschen haben darüber hinaus weniger Fett- und Muskelpolster, die Druck aufnehmen könnten. Die Anzahl der Blutgefäße nimmt ab, und sie reißen leichter. Sämtliche Wunden, Druckgeschwüre eingeschlossen, heilen langsamer ab.

Unter bestimmten Bedingungen ist die Entwicklung von Druckgeschwüren bei älteren Menschen wahrscheinlicher:

  • Bei Bewegungsunfähigkeit aufgrund einer Erkrankung wie Schlaganfall

  • Bei langfristiger Bettlägerigkeit, zum Beispiel nach einer Operation

  • Bei übermäßiger Schläfrigkeit (solche Menschen wechseln nur selten ihre Liegeposition oder müssen jemanden bitten, sie umzulagern)

  • Bei Verlust der Berührungsempfindung aufgrund einer Schädigung der Nerven (solche Menschen verspüren keine Beschwerden oder Schmerzen, aufgrund derer sie zu einer Lageänderung veranlasst wären)

  • Durch verminderte Reaktion auf das Geschehen in der Umgebung, einschließlich der eigenen Beschwerden und Schmerzen, durch eine Erkrankung, wie z. B. Demenz

  • Aufgrund einer beeinträchtigten Wundheilung infolge einer Erkrankung wie Diabetes, peripherer Arterienerkrankung oder Veneninsuffizienz

Ursachen

Zu den Ursachen, die zur Entstehung von Druckgeschwüren beitragen können, zählen:

  • Druck

  • Extension

  • Reibung

  • Hautfeuchtigkeit

  • Unzureichende Ernährung

Druck auf die Haut, insbesondere über oder zwischen Knochenvorsprüngen, reduziert oder unterbricht die Blutversorgung der Haut. Wenn die Blutversorgung länger als ein paar Stunden unterbrochen wird, fängt die Haut an abzusterben, beginnend mit der äußersten Schicht (der Epidermis). Die abgestorbene Haut zerfällt und bildet ein offenes Geschwür (Ulkus). Bei den meisten Menschen entstehen keine Druckgeschwüre, da diese ständig unbewusst ihre Lage wechseln, sogar wenn sie schlafen. Allerdings sind manche nicht imstande, sich normal zu bewegen, weshalb sie einem höheren Risiko ausgesetzt sind, Druckgeschwüre zu bekommen. Zu dieser Gruppe Menschen gehören gelähmte, im Koma liegende, besonders schwache, sedierte oder in ihrer Bewegung eingeschränkte Menschen. Gelähmte und komatöse Patienten sind einem besonderen Risiko ausgesetzt, da sie möglicherweise nicht imstande sind, sich zu bewegen oder Schmerzen zu verspüren (Schmerzen veranlassen Menschen normalerweise zum Lagewechsel oder dazu, dass sie jemanden bitten, ihnen dabei zu helfen).

Die sich auf die Haut auswirkende Zugkraft (Kraft, die in eine bestimmte Richtung zieht) verringert ebenfalls die Durchblutung der Haut. Eine Zugbelastung entsteht dann, wenn ein Patient zum Beispiel in einem Bett gebettet wird, das schräg gestellt wurde, (wenn sein Bett aufgestellt wird, damit er in einer nahezu sitzenden Position darin liegen kann), und seine Haut dadurch gespannt wird. Muskeln und Gewebe unter der obersten Hautschicht werden durch die Schwerkraft nach unten gezogen, während die obersten Hautschichten in Kontakt mit der äußersten Oberfläche verbleiben (wie z. B. Bettlaken). Wenn die Haut gespannt wird, ist die Wirkung sehr ähnlich wie die von Druck.

Reibung (Reiben an Kleidung oder Bettwäsche) kann zu Druckgeschwüren sowie deren Verschlimmerung führen. Durch wiederholte Reibung können die äußersten Schichten der Haut abgetragen werden. Solch eine Reibung kann zum Beispiel dann entstehen, wenn Patienten wiederholt über ein Bett gezogen werden.

Feuchtigkeit kann zu einer Erhöhung der Hautreibung führen und bei längerer Einwirkung die schützende äußerste Schicht der Haut beschädigen. Beispielsweise kann die Haut über längere Zeiträume mit Schweiß, Urin (aufgrund von Harninkontinenz) oder Kot (aufgrund von Stuhlinkontinenz) in Kontakt sein.

Unangemessene Ernährung erhöht das Risiko für Druckgeschwüre und verlangsamt ihre Heilung. Unterernährte Menschen haben möglicherweise nicht genug Körperfett, um das Gewebe zu polstern. Gleichzeitig heilt die Haut nur schlecht, wenn die Person unterernährt ist, insbesondere wenn ein Mangel an Proteinen, Vitamin C oder Zink besteht.

Wussten Sie ...

  • Mangelernährung erhöht die Wahrscheinlichkeit des Entstehens von Druckgeschwüren und verlangsamt deren Heilung.

Symptome

Druckgeschwüre schmerzen und jucken meist. Bei Menschen, deren Empfindungsfähigkeit gestört ist, können allerdings selbst schwere Geschwüre schmerzlos sein.

Druckgeschwüre werden nach dem Schweregrad der Gewebeschädigung in vier Stadien (1 bis 4) unterteilt. Druckgeschwüre nehmen nicht immer den Verlauf von einem schwächeren zu schwereren Stadien. Manchmal ist das erste sichtbare Anzeichen ein Geschwür im Stadium 3 oder 4.

Stadium 1: Die Haut ist rot oder gerötet, aber nicht aufgebrochen. Bei Menschen mit dunklerer Haut sind Farbänderungen möglicherweise nicht sichtbar. Die Druckstelle kann sich außerdem wärmer, kälter, fester, weicher anfühlen oder druckempfindlicher sein, als die umgebende Haut. Bei diesem Stadium ist noch kein Geschwür vorhanden.

Stadium 2: Das Druckgeschwür ist flach, mit einer rosafarbenen bis roten Basis. Es entsteht ein oberflächlicher Gewebeverlust, einschließlich Abschürfungen und Bläschen oder beides.

Stadium 3: Die Haut über der Druckstelle ist abgeschilfert. Das Geschwür reicht tief bis zur Fettschicht. Darunter liegende Muskeln und Knochen liegen nicht frei.

Stadium 4: Die Haut ist abgeschilfert und darunter liegende Muskeln, Sehnen und Knochen liegen frei.

Beispiele der Druckgeschwürstadien 1–4

Nicht in ein Stadium einzuordnen: Mitunter kann ein Druckgeschwür keinem bestimmten Stadium zugeordnet werden. So können zum Beispiel Druckgeschwüre, die mit Verschmutzungen oder einer dicken, verkrusteten Oberfläche (Schorf) bedeckt sind, erst bezüglich ihres Stadiums beurteilt werden, wenn die Verschmutzung oder der Schorf entfernt wurde.

Druckverletzung tiefer Gewebeschichten: Diese Verletzungen sind purpurne oder kastanienbraune Bereiche aufgebrochener oder nicht aufgebrochener Haut oder blutgefüllter Blasen, die durch eine Schädigung des darunterliegenden Weichgewebes verursacht werden. Die betroffenen Bereiche können sich dabei fester, weicher, wärmer oder kühler anfühlen als umgebendes Gewebe.

Druckverletzungen im Zusammenhang mit medizinischen Geräten: Diese Verletzungen entstehen durch die Anwendung von Geräten, die für Behandlungszwecke vorgesehen sind und für solche angewendet werden. Zum Beispiel können Sauerstoffmasken oder -schläuche zu Druckgeschwüren am Nasenrücken, an den Ohren oder am Hinterkopf führen. Die Verletzungen entsprechen typischerweise der Form oder dem Umriss des Geräts. In der Regel kann für diese Verletzungen ein Stadium festgestellt werden.

Komplikationen von Druckgeschwüren

Druckgeschwüre können sich durch Bakterien infizieren. Wenn Druckgeschwüre infiziert sind, können sie unangenehm riechen. Rund um das Geschwür kann Eiter auftreten. Die Person kann auch Fieber haben. Der Bereich rund um das Druckgeschwür kann dabei gerötet sein oder sich warm anfühlen, und die Schmerzen können zunehmen, wenn sich die Entzündung auf das umgebende Hautgewebe ausbreitet (was zu Zellulitis führt). Eine Infektion verzögert bei flachen Geschwüren die Heilung und kann bei tiefen Geschwüren lebensbedrohlich sein. Die Infektion kann sogar auf das Knochenmark übergreifen (Osteomyelitis). In den schwersten Fällen kann die Infektion in den Blutkreislauf übergehen (Bakteriämie), was zu Fieber oder Schüttelfrost führt. In Folge kann sie auf das Gehirn (Hirnhautentzündung [Meningitis]) und das Herz (Entzündung der Herzinnenhaut [Endokarditis]) übergreifen.

Druckgeschwüre, die nicht heilen, können außerdem die Bildung von Zellulitis und Fistelkomedonen verursachen. Zellulitis ist eine sich ausbreitende bakterielle Infektion der Haut und des Gewebes direkt unter der Haut. Fistelkomedonen sind Fisteln, die die infizierten Bereiche der Hautoberfläche oder des Geschwürs mit anderen, tiefer im Körper liegenden Bereichen verbindet. So kann zum Beispiel ein Fistelkomedo von einem Druckgeschwür in der Nähe des Beckens eine Verbindung mit dem Darm herstellen.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Stadieneinteilung der Geschwüre

  • Beurteilung des Ernährungszustandes

  • Manchmal Bluttests und Magnetresonanztomographie

Druckgeschwüre werden in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und die Feststellung des Erscheinungsbildes und des Bereichs, an dem die Geschwüre auftreten, diagnostiziert.

Da die Tiefe und der Schweregrad von Druckgeschwüren oft schwer zu bestimmen sind, werden Druckgeschwüre oft in Stadien eingestuft und photographiert, um zu verfolgen, wie sie sich entwickeln, bzw. heilen. Zur Bestimmung der Heilung eines Druckgeschwürs werden spezielle Kriterien angewandt.

Auch wird der Ernährungszustand des Patienten berücksichtigt. Bei Patienten mit Druckgeschwüren, insbesondere solchen im Stadium 3 und 4, werden in der Regel Bluttests durchgeführt. Unterernährte Personen werden eingehender untersucht.

Wenn Druckgeschwüre nicht heilen, geht man oft von einer Komplikation aus. Besteht der Verdacht auf eine Osteomyelitis, führen die Ärzte Bluttests und oftmals bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) durch. Um eine Osteomyelitis bestätigen zu können, ist die Entnahme einer kleinen Menge Knochengewebes (Biopsie) erforderlich, um zu überprüfen, ob daraus Bakterien wachsen (Anlegen einer Kultur).

Prognose

Die Heilungsaussichten von Druckgeschwüren im Frühstadium sind sehr gut, wenn die betroffenen Personen zeitnah eine angemessene Behandlung erfahren, allerdings dauert die Heilung für gewöhnlich mehrere Wochen. Nach sechsmonatiger Behandlung heilen mehr als 70 % der Druckgeschwüre im Stadium 2, 50 % der Druckgeschwüre im Stadium 3 und 30 % der Druckgeschwüre im Stadium 4 ab. Druckgeschwüre entstehen oft bei Menschen, die eine mangelhafte Pflege erhalten, an Wundheilungsstörungen (wie Diabetes oder Unterernährung) leiden oder bei denen beides zutrifft. Ohne fortwährende sorgfältige Pflege der Geschwüre und ohne Behandlung der anderen Erkrankungen und Komplikationen ist die langfristige Prognose schlecht, sogar wenn Druckgeschwüre abgeheilt sind.

Vorbeugung

  • Häufiges Umlagern

  • Sorgfältige Hygiene und Hautpflege

  • In Bewegung bleiben

Vorbeugung ist die beste Strategie für den Umgang mit Druckgeschwüren. In den meisten Fällen können Druckgeschwüre durch sorgfältige Pflege von Seiten aller Pflege- und Pflegehilfskräfte und Familienmitglieder verhindert werden.

Häufiges Umlagern ist die beste Maßnahme zur Vermeidung von Druckgeschwüren. Menschen, die sich selbst nicht bewegen können, sollten häufig umgelagert werden. So sollte zum Beispiel bei bettlägerigen Menschen mindestens alle 1 bis 2 Stunden ein Lagewechsel vorgenommen werden. Die Pflegekräfte sollten die Haut mindestens jeden Tag auf frühe Anzeichen wie Rötungen oder Verfärbungen hin aufmerksam untersuchen. Jegliches Anzeichen einer Rötung oder Hautverfärbung ist ein Signal, dass die betreffende Person umgelagert und davon abgehalten werden muss, auf der verfärbten Fläche zu liegen oder zu sitzen, bis deren Färbung wieder normal ist.

Wussten Sie ...

  • Um Druckgeschwüre bei bewegungsunfähigen Menschen zu verhindern, sollte man ihnen helfen, ihre Lage (alle 15 Minuten für an den Rollstuhl gebundene Patienten und alle ein bis zwei Stunden für bettlägerige Patienten) zu wechseln.

Hautpflege ist unabdingbar, um Druckgeschwüren vorzubeugen. Die Haut muss sauber und trocken gehalten werden, da Feuchtigkeit die Entwicklung von Druckgeschwüren begünstigt. Trockene Haut klebt seltener an Stoffen, wodurch ansonsten Reibung und Zugbelastung entstehen können. Nach dem Reinigen sollte die Haut durch sanftes Abtupfen abgetrocknet werden (ein Reiben der Haut sollte vermieden werden). Dickflüssige Cremes können eine Art Barriere bilden, um die darunter liegende Haut vor Feuchtigkeit zu schützen und so der Bildung von Druckgeschwüren vorzubeugen. Bei ans Bett gebundenen Menschen sollten Laken und Bezüge häufig ausgetauscht werden, um sicherzustellen, dass diese sauber und trocken sind. Maisstärke kann einen Nährboden für Mikroorganismen bilden, daher sollte sie nicht verwendet werden.

Knochenvorsprünge (wie die Fersen und Ellenbogen) lassen sich mit weichen Materialien polstern, wie zum Beispiel Schaumkeile oder Fersenschützer. Zum Auseinanderhalten von Körperflächen können Schutzpolster, Kissen oder Schaffelle benutzt werden. Spezialbetten, -matratzen und Sitzkissen können den Druck abbauen und Menschen, die einen Rollstuhl benötigen oder bettlägerig sind, zusätzliche Entlastung bieten. Ein Arzt oder eine Pflegekraft kann die am besten geeignete Matratzenoberfläche oder ein Sitzkissen empfehlen. Dabei ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass keines dieser Hilfsmittel den Druck komplett entfernt und die Notwendigkeit des häufigen Umlagerns ersetzt.

Einen wichtigen Teil der Vorbeugung gegen Druckgeschwüre stellt Bewegung dar. Bei Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich zu bewegen, oder bei solchen, die bewegungsunfähig sind, besteht ein Risiko für das Entstehen von Druckgeschwüren. Deshalb ist es wichtig, körperliche Betätigung zu fördern. Schlaf- und Beruhigungsmittel (Sedativa) sollten in geringerer Menge eingenommen oder ganz vermieden werden.

Behandlung

  • Druckentlastung

  • Wundreinigung und Verbände

  • Schmerzmanagement

  • Infektionskontrolle

  • Gute Ernährung

  • Manchmal Operation

Druckgeschwüre zu behandeln ist wesentlich schwieriger, als ihnen vorzubeugen. Das Hauptaugenmerk der Behandlung liegt auf der Entlastung des Drucks auf die Geschwüre, der angemessenen Säuberung und dem richtigen Verbinden der Wunden, der Kontrolle der Infektion und der Gewährleistung einer angemessenen Ernährung. In manchen Fällen ist eine Operation zum Schließen der Wunden erforderlich.

Druckentlastung

Um den auf die Haut wirkenden Druck zu entlasten, bedarf es eines sorgfältigen Umlagerns, Schutzvorrichtungen und Stützflächen. Im frühesten Stadium heilen Druckgeschwüre für gewöhnlich von alleine, sobald der Druck beseitigt wurde.

Häufiges Umlagern (und die Wahl einer geeigneten Position) ist die wesentliche Methode, den Druck zu entlasten. Bettlägerige Patienten sollten mindestens alle ein bis zwei Stunden umgelagert und in einem Winkel zur Matratze positioniert werden, sodass in der Seitenlage kein Druck auf die Hüften ausgeübt wird. Ein Anheben des Kopfendes des Bettes sollte minimal gehalten werden, um die Auswirkungen von Zugbelastung zu vermeiden. Beim Umlagern sollte unnötige Reibung vermieden werden; dazu sollten Hebevorrichtungen oder das Anheben von Bettlaken einem Verschieben oder Ziehen der Patienten vorgezogen werden. Betreuer können durch Ärzte angewiesen werden, bei der Umlagerung einen schriftlichen Plan einzuhalten und die Tätigkeiten zu dokumentieren. Menschen, die im Rollstuhl sitzen, sollten stündlich neu positioniert werden und alle 15 Minuten zur Veränderung ihrer Position aufgefordert werden.

Schutzpolster wie Kissen, Schaumkeile und Fersenschützer können zwischen den Knien, den Knöcheln und den Fersen platziert werden, wenn Menschen auf dem Rücken oder der Seite liegen. Knochenvorsprünge (wie die Fersen und Ellenbogen) lassen sich mit weichen Materialien polstern, wie zum Beispiel Schaumkeile oder Fersenschützer. Patienten, die in einem Stuhl sitzen können, werden weiche Sitzkissen gegeben.

Stützmatratzen wie Kaltschaummatratzen oder andere Matratzenarten können zur Entlastung des Drucks verwendet werden und ersetzen die normale Matratze von bettlägerigen Menschen. Stützmatratzen werden in Krankenhäusern, Pflegeheimen und mitunter in Privathaushalten verwendet. Stützmatratzen werden danach unterschieden, ob diese zum Betrieb Strom benötigen oder nicht. Statische Stützmatratzen brauchen keinen Strom, dynamische jedoch schon.

Zu statischen Systemen gehören Luft-, Schaum-, Gel- und Wasserauflagen und -matratzen. Matratzen mit einer sogenannten Eierschachtelstruktur sind nicht geeignet, um Druck zu entlasten. In der Regel bieten statische Stützmatratzen eine größere Fläche, auf der das Gewicht verteilt wird, wodurch die Druck- und Zugbelastung verringert wird. Statische Stützmatratzen werden traditionell zur Vermeidung von Druckgeschwüren oder zur Behandlung von solchen im Stadium 1 eingesetzt.

Zu den dynamischen Stützmatratzen gehören Wechseldruck-Luftmatratzen, Weichlagerungsmatratzen und luftdurchströmte Matratzen. Wechseldruck-Luftmatratzen haben Luftkammern, die abwechselnd mittels einer Pumpe aufgepumpt und entlastet werden, wodurch stützender Druck von einer Seite zur anderen verlagert wird. Weichlagerungsmatratzen sind riesige, luftdurchlässige Kissen, die kontinuierlich mit Luft aufgeblasen werden. Der Luftstrom hat eine trocknende Wirkung auf das Hautgewebe. In luftdurchströmten Matratzen hingegen zirkuliert die Luft. Sie entziehen Feuchtigkeit und sorgen für Kühlung. Dynamische Stützmatratzen werden immer dann verwendet, wenn die Heilung eines Druckgeschwürs mit einer statischen Liegefläche nicht erreicht wurde.

Wundreinigung und Verbände

Um zu heilen, müssen Druckgeschwüre gereinigt und von abgestorbenem Hautgewebe befreit werden (dieses Verfahren nennt sich Debridement), und Verbände müssen angelegt werden.

Die Wunde wird beim Verbandswechsel gereinigt. Medizinische Fachkräfte spülen häufig die Wunde, insbesondere dessen tiefreichende Risse, mit Kochsalzlösung, um verborgene Verunreinigungen zu lösen und herauszuspülen.

Ein Arzt kann zur Entfernung des abgestorbenen Gewebes ein Skalpell, eine chemische Lösung, ein Sprudelbad, einen speziellen Verband oder biochirurgische Maßnahmen verwenden (Einsatz von Maden zu medizinischen Zwecken, die das tote Gewebe entfernen). Die Entfernung abgestorbenen Gewebes ist in der Regel schmerzlos, da das tote Gewebe empfindungslos ist. Einige Schmerzen können dennoch auftreten, da sich gesundes Gewebe in unmittelbarer Nähe befindet.

Zum Schutz und zur Heilung von Wunden werden Verbände angewandt. Verbände werden für einige Druckgeschwüre im Stadium 1 und alle anderen Druckgeschwüre verwendet. Wenn die Haut durchbrochen ist, wird bei der Wahl des richtigen Verbands die Lage und der Zustand des Druckgeschwürs berücksichtigt. Die Menge an Wundflüssigkeit aus den Geschwüren ist dabei ein Anhaltspunkt, wonach man den besten Verbandstyp bestimmen kann.

  • Transparente (durchsichtige) Folien oder Hydrogele helfen bei Druckgeschwüren im Frühstadium mit minimaler Wundflüssigkeit und ermöglichen es ihnen, schnell abzuheilen. Transparente Folien und Hydrogele müssen alle drei bis sieben Tage gewechselt werden.

  • Hydrokolloidpflaster (sauerstoff- und feuchtigkeitsbindend) schützen die Druckgeschwüre und bieten für Geschwüre mit leichter oder mäßiger Wundflüssigkeit eine gesunde Umgebung. Diese Pflaster müssen mindestens alle 3 Tage, wenn sie mit Wundflüssigkeit vollgesogen sind, erneuert werden.

  • Alginate (aus Seetang), die als Wundauflagen, Bänder und in Streifen erhältlich sind, werden für Druckgeschwüre mit viel Wundflüssigkeit verwendet. Alginate können bis zu sieben Tage verwendet werden, müssen aber vorher gewechselt werden, wenn sie mit Flüssigkeit gesättigt sind.

  • Schaumverbände können bei Geschwüren verwendet werden, die in wechselnder Intensität Sekret absondern. Schaumverbände müssen alle drei bis vier Tage gewechselt werden. Wasserdichte Ausführungen schützen die Druckgeschwüre vor Schweiß, Urin und Kot.

Schmerzmanagement

Druckgeschwüre können bedeutende Schmerzen verursachen. Ärzte behandeln Schmerzen in der Regel eher mit Paracetamol oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) als mit Opioiden. Opioide verursachen eine Sedierung, die wiederum zur Bewegungslosigkeit führt.

Infektionskontrolle

Die meisten Infektionen können mit Antibiotika behandelt werden, die direkt auf die Haut aufgetragen werden. Ärzte verabreichen auch Antibiotika zum Einnehmen oder als Injektion, wenn der Patient eine Infektion hat, die sich zum Beispiel auf den Blutkreislauf, die Haut unter dem Geschwür oder den Knochen ausbreitet.

Eine Knochenmarkinfektion (Osteomyelitis) ist schwierig zu heilen und bedarf einer mehrwöchigen Behandlung mit einem durch die Vene (intravenös) verabreichten Antibiotikum.

Ernährung

Eine Unterernährung ist bei Menschen mit Druckgeschwüren häufig. Eine angemessene Ernährung ist zur Unterstützung des Heilungsprozesses und zur Vermeidung der Neubildung von Druckgeschwüren wichtig. Es wird eine ausgeglichene, eiweißreiche Ernährung empfohlen. Bei unterernährten Menschen ist oft eine Beratung durch einen Ernährungsspezialisten hilfreich. Menschen, die nicht ausreichend essen, um ihren Ernährungsbedarf zu decken, müssen eventuell mittels einer Magensonde (Sondenernährung) oder eines Zugangs durch die Vene (parenterale Ernährung) ernährt werden (siehe Behandlung der Unterernährung). Wird beim Patienten irgendein Vitaminmangel festgestellt, sollten ergänzende Dosen des betreffenden Vitamins verabreicht werden.

Operation

Tiefreichende oder große Druckgeschwüre sind schwer zu behandeln. Manchmal müssen diese durch Hauttransplantate und Muskellappen geschlossen werden. Bei diesen Verfahren wird gesundes und dickeres Gewebe mit einer guten Blutversorgung chirurgisch transplantiert, um den beschädigten Bereich abzudecken. Hauttransplantate werden für große und flache Druckgeschwüre eingesetzt. Muskellappen werden eingesetzt, um Druckgeschwüre über großen knöchernen Bereichen zu schließen (in der Regel über dem Steißbein, den Hüften und den oberen Enden der Oberschenkelknochen). Die Operation ist allerdings nicht immer erfolgreich, insbesondere bei geschwächten älteren Patienten, die unterernährt sind oder an anderen Krankheiten leiden.

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