honeypot link

Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

Ursachen für hohe Gesundheitskosten

Von

Roger I. Schreck

, MD, Merck Manual

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2020| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2020
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen

Die Gesundheitskosten in den Vereinigten Staaten sind aus vielerlei Gründen unproportional hoch. (Siehe auch Überblick über die Finanzierung der Gesundheitsversorgung.)

  • Viele Faktoren, insbesondere teure neue diagnostische Untersuchungen und Behandlungen, tragen zu den hohen Gesundheitskosten bei.

  • Diese neuen Untersuchungen und Behandlungen führen nicht notwendigerweise zu einer besseren Gesundheit.

  • Bei den privaten Krankenversicherungen machen in den Vereinigten Staaten die Verwaltungskosten 20 bis über 30 % der Gesamtkosten aus.

  • Eine Senkung der Arzthonorare würde vermutlich zu keiner nennenswerten Senkung der Gesundheitskosten führen.

  • Das Altern der US-Bevölkerung trägt nicht nennenswert zur Erhöhung der Gesundheitskosten bei, dies könnte sich jedoch ändern, wenn die geburtenstarken Jahrgänge älter werden.

Anwendung von neuen teuren diagnostischen Untersuchungen und Behandlungen

Die Anwendung von teuren Untersuchungen und Behandlungen trägt möglicherweise mehr als jeder andere Faktor zum Anstieg der Gesundheitskosten bei. Die Kosten steigen unabhängig davon, ob deren Anwendung angemessen ist oder nicht.

Ein Beispiel für eine angemessene, jedoch teure Behandlung sind gerinnungshemmende (Thrombolytika oder Fibrinolytika) Arzneimittel oder Behandlungen zur Öffnung von Arterien (Angioplastie) im Rahmen der Behandlung eines Herzinfarktes. Solche Behandlungen sind sehr wirksam und retten Leben. Viele neue und teure Behandlungen sind jedoch unwirksam, nur geringfügig besser oder werden bei dafür ungeeigneten Patienten angewendet, die sehr wahrscheinlich nicht davon profitieren. Knochen (Rückenwirbel) im unteren Rücken werden z. B. manchmal miteinander verschmolzen, um chronische Schmerzen im unteren Rücken zu behandeln. Viele Experten sind der Ansicht, dass diese Behandlung unwirksam ist bzw. zu oft verordnet wird.

Die Häufigkeit der Anwendung solcher Behandlungen ist von Region zu Region bzw. von Arzt zu Arzt sehr verschieden. Bei einigen Krankheiten (etwa koronare Herzerkrankungen) sind die Ergebnisse der Versorgung in Regionen, die oft teure Behandlungen anwenden, nicht besser als in Regionen, die diese teuren Behandlungen weniger oft anwenden.

Anstieg der Kosten für Gesundheitsgüter und -leistungen

Die Kosten für Arzneimittel sind gestiegen. Ein Grund hierfür sind die für die Entwicklung eines neuen Arzneimittels gestiegenen Kosten, die sich häufig auf rund 1 Mrd. US-Dollar belaufen. Aufgrund der hohen Arzneimittelentwicklungskosten sind Pharmaunternehmen nicht bereit, weniger profitable Arzneimittel zu entwickeln, z. B. Impfstoffe, Arzneimittel zur Behandlung von seltenen Störungen oder sogar Antibiotika. Diese mangelnde Bereitschaft kann sich auf die öffentliche Gesundheit negativ auswirken, z. B. die Anzahl der Arzneimittel und Impfstoffe begrenzen, die für die Behandlung und Vorbeugung schwerer Infektionen zur Verfügung stehen.

Marketing für neue Arzneimittel, medizinische Geräte und Verfahren

Wenn die Verbraucher im Fernsehen oder Internet von einer neuen (und teuren) Behandlung hören, möchten sie sie vielleicht ausprobieren und überzeugen ihren Arzt, sie anzuwenden. Dies kann zur übermäßigen oder unangemessenen Anwendung einer neuen, teuren Behandlung führen. Einige dieser Behandlungen sind nicht wirksamer als die älteren, weniger kostspieligen Behandlungen.

Übermäßige Inanspruchnahme von Fachärzten

Fachärzte stellen immer mehr Gesundheitsleistungen bereit, zum einen weil es inzwischen weniger Allgemeinärzte gibt, zum anderen weil immer mehr Leute einen Facharzt aufsuchen möchten.

Die Leistungen eines Facharztes sind häufig teurer als die eines Allgemeinmediziners. Fachärzte berechnen mehr und verordnen u. U. mehr Untersuchungen als Allgemeinmediziner. Außerdem suchen Patienten mit mehr als einer Störung eventuell mehrere Fachärzte auf (die ein eng gestecktes Fachgebiet haben), um sich von ihnen untersuchen und behandeln zu lassen, während der Allgemeinmediziner (der einen breiteren Schwerpunkt hat) ggf. auch in der Lage wäre, sie zu behandeln.

Hohe Verwaltungskosten

Rund 20 bis über 30 % der Gesundheitskosten sind in den Vereinigten Staaten Verwaltungskosten. Ihr Großteil wird von privaten Versicherungsunternehmen verursacht. Der Betrag, den private Versicherungen für Verwaltungskosten ausgeben dürfen, wird nun aber durch eine Bestimmung des Affordable Care Act begrenzt. Unternehmen, die private Krankenversicherungen anbieten, geben hohe Beträge für Marketing und die Prüfung von Antragstellern aus, um solche herauszufiltern, die fortgeschrittene Krankheiten oder die Neigung zur Entwicklung einer schweren Krankheit haben. Diese Praktiken tragen nicht zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung bei. Die Verwaltungskosten der Anbieter von Gesundheitsleistungen steigen zudem, wenn viele unterschiedliche Krankenversicherungen mitwirken, weil die Verfahren (etwa Anmeldung von Ansprüchen und deren Verschlüsselung) dadurch komplizierter und zeitintensiver werden.

Arzthonorare

Ärzte verdienen in den Vereinigten Staaten mehr als viele andere hiesige Berufsgruppen und mehr als Ärzte in vielen anderen Ländern. Ein Grund hierfür ist, dass Ärzte in anderen Ländern weitaus weniger für ihre Ausbildung und Berufshaftpflichtversicherung als in den Vereinigten Staaten ausgeben müssen. Zudem sind die Betriebskosten einer Praxis in anderen Ländern niedriger.

Arztkosten machen ca. 20 % der Gesamtgesundheitskosten aus. Daher hätte selbst eine deutliche Verringerung dieser Kosten nur eine mäßige Auswirkung auf die Gesamtkosten.

Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung

Zu diesen Kosten gehören:

  • Berufshaftpflichtversicherung

  • Untersuchungen und Eingriffe, die durchgeführt werden, um nicht wegen eines Kunstfehlers verklagt zu werden, und nicht, weil sie der Gesundheit des Patienten dienen („Defensivmedizin“)

Ärzte, sonstige Anbieter von Gesundheitsleistungen, Gesundheitseinrichtungen, Arzneimittel- und Gerätehersteller haben eine Berufshaftpflichtversicherung. Die Versicherungsbeiträge decken Schadensregulierung sowie Betriebskosten und Gewinne der Versicherungsgesellschaft, die eine solche Berufshaftpflichtversicherung anbietet. Am Ende werden diese Kosten zumindest teilweise an das staatliche Gesundheitssystem bzw. die Verbraucher weitergegeben.

Diese Kosten und die Angst vor Klagen können für einzelne Ärzte belastend sein (vor allem für Ärzte mit einem Hochrisiko-Fachgebiet, die in einer Hochrisiko-Region praktizieren). Nichtsdestotrotz beläuft sich der Betrag, der jährlich für Prämien (Beiträge für die Berufshaftpflichtversicherung) aufgewendet wird, nur auf ca. 0,3 % der Gesamtgesundheitskosten. Die Kosten für Schadensregulierungen haben einen sogar noch kleineren Anteil an den Gesamtgesundheitskosten. Folglich würde selbst ein größerer Rückgang der Schadensregulierungskosten die Gesamtgesundheitskosten nicht wesentlich senken, obwohl bestimmte Ärzte besonders davon profitieren würden.

Defensivmedizin

Defensivmedizin bezieht sich auf Untersuchungen oder Behandlungen, die angeordnet werden, um Ärzte und andere Anbieter von Gesundheitsleistungen vor Kunstfehlerklagen zu schützen. Diese Untersuchungen und Behandlungen sind allein durch den Gesundheitszustand des Patienten ggf. nicht gerechtfertigt. Ein Arzt kann einen Patienten beispielsweise ins Krankenhaus einweisen, obwohl er auch ambulant entsprechend behandelt werden könnte.

Der Anteil der Defensivmedizinkosten an den Gesamtgesundheitskosten ist schwierig zu berechnen. Es gibt ein paar wenige gut angelegte Kostenstudien, die zu sehr unterschiedlichen Schätzungen gelangen. Die Kosten sind teilweise schwierig zu berechnen, weil Defensivmedizin subjektiv definiert wird. Das heißt, der Arzt entscheidet, ob eine Untersuchung oder Behandlung notwendig ist. Ärzte können berechtigterweise unterschiedlicher Meinung sein, wenn sie Entscheidungen über ein bestimmtes Problem eines Patienten treffen. Nur in relativ wenigen Situationen sind die Leitlinien zur Durchführung von Untersuchungen eindeutig und spezifisch.

Selbst wenn eine Defensivuntersuchung als solche erkannt wird, ist es kompliziert zu sagen, wie hoch die Ersparnis gewesen wäre. Um die Ersparnis zu berechnen, müssen die aktuellen Versorgungskosten mit den Kosten mit und ohne die zusätzliche Untersuchung oder Behandlung verglichen werden. Diese Kosten unterscheiden sich hinsichtlich der finanziellen Aufwendungen für eine erbrachte Leistung und was davon erstattet wird.

Unklar ist zudem, ob die Gesetze zur Begrenzung des Schadensersatzes für Leute, die wegen eines Arztfehlers klagen, die Gesundheitskosten senken.

Das Altern der Bevölkerung

Obwohl das Älterwerden der Bevölkerung oft als Faktor herangezogen wird (rund ein Drittel der Gesamtgesundheitskosten fallen im letzten Lebensjahr an), ist es vermutlich nicht der Grund für den jüngsten Anstieg der Kosten, da viele der geburtenstarken Jahrgänge noch kein hohes Alter erreicht haben. Hinzu kommt, dass die wirksamere medizinische Versorgung dazu tendiert, das Auftreten ernster Erkrankungen bei älteren Menschen hinauszuzögern. Das zunehmende Altern der geburtenstarken Jahrgänge wird sich möglicherweise auch auf die Gesundheitskosten auswirken. Der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung, der 2016 ca. 15 % betrug, wird bis 2030 auf fast 20 % ansteigen.

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Feature.AlsoOfInterst.SocialMedia

NACH OBEN