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Substanzgebrauch und –missbrauch unter Jugendlichen

Von

Sharon Levy

, MD, MPH, Harvard Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Kurzinformationen

Der Gebrauch von Substanzen bei Jugendlichen kann vom Ausprobieren bis zum schweren Missbrauch von Suchtmitteln gehen. Jeder Gebrauch von Suchtmitteln, auch wenn es nur um das Ausprobieren geht, beinhaltet ein Risiko kurzfristiger Probleme, wie Unfälle, Schlägereien, unkluge oder ungewollte sexuelle Aktivitäten und eine Überdosis. Jugendliche sind gegenüber den Wirkungen des Gebrauchs von Suchtmitteln empfänglich. Das Risiko, langfristige Folgen zu entwickeln, wie psychische Gesundheitsstörungen, schlechte Leistungen in der Schule und schwerer Missbrauch von Suchtmitteln, ist erhöht.

In der westlichen Gesellschaft ist der Gebrauch von Suchtmitteln ein leichter Weg für die Jugendlichen, ihr normales Bedürfnis nach Risiken und Nervenkitzel zu erfüllen. Es ist nicht überraschend, dass der Gebrauch von Suchtmitteln bei Jugendlichen mit dem Alter häufiger wird. Noch vor Verlassen der Schule haben etwa 70 Prozent der Jugendlichen Alkohol probiert. Wiederholter oder dauerhafter Konsum von Suchtmitteln ist jedoch seltener. Auch gelegentlicher Konsum von Suchtmitteln bedeutet ein Risiko und sollte von Erwachsenen nicht verharmlost, ignoriert oder erlaubt werden. Die Haltung der Eltern und die Beispiele, die die Eltern ihren Kindern durch ihren eigenen Konsum von Alkohol, Zigaretten, verschreibungspflichtigen Medikamenten und anderen Substanzen vorleben, haben erheblichen Einfluss.

Alkoholkonsum bei Jugendlichen

Alkohol ist die von Jugendlichen am häufigsten gebrauchte Substanz. Etwa 70 Prozent der Zwölftklässler geben an, bereits Alkohol ausprobiert zu haben, wobei nur 55 Prozent angeben, schon einmal betrunken gewesen zu sein. Etwa die Hälfte der Zwölftklässler hat im vorangegangenen Monat Alkohol konsumiert und wird als aktuelle Trinker eingestuft. Schwerer Alkoholkonsum kommt ebenfalls häufig vor. Beinahe 90 Prozent des Alkohols, der von Jugendlichen konsumiert wird, wird während eines Besäufnisses getrunken. Ein Besäufnis wird im Allgemeinen als das Trinken von mehr als 4 Getränken innerhalb von maximal 2 Stunden definiert. Bei kleinen Personen, wie jüngeren Mädchen, können bereits zwei Getränke zu einem solchen Rausch führen. Durch ein Besäufnis besteht das Risiko von Unfällen, Verletzungen und unklugen oder ungewollten sexuellen Aktivitäten und anderen nicht gewünschten Situationen. Daher sollte Jugendlichen vom Alkoholkonsum abgeraten werden.

In der Gesellschaft und in den Medien wird Alkoholkonsum häufig als akzeptabel oder sogar als schick dargestellt. Trotz dieser Einflüsse können Eltern auf ihren Nachwuchs einwirken, indem sie klar ihre Erwartungen an den Jugendlichen kommunizieren, deutliche Grenzen setzen und die Einhaltung dieser Regeln überwachen. Jugendliche, deren Familienmitglieder übermäßig viel Alkohol konsumieren, können zu dem Schluss gelangen, dass ein derartiges Verhalten akzeptabel ist. Manche Jugendliche, die Alkohol ausprobieren, entwickeln Störungen. Zu den Risikofaktoren für eine solche Erkrankung gehören das frühe Einsetzen des Alkoholkonsums sowie die erbliche Veranlagung. Jugendliche, die ein Familienmitglied mit einer alkoholbedingten Krankheit haben, sollten auf ihr erhöhtes Risiko aufmerksam gemacht werden.

Tabakkonsum bei Jugendlichen

Die Mehrzahl der erwachsenen Raucher hat ihre Raucherkarriere bereits im Jugendalter begonnen. Selbst junge Kinder können bereits mit Zigaretten experimentieren. Im Jahr 2017 gaben ungefähr 8,8 Prozent der Schüler in High Schools in den USA an, derzeit zu rauchen (in den vorangegangenen 30 Tagen) – im Vergleich dazu waren es 27,5 Prozent im Jahr 1991. Nur ungefähr 2 Prozent der High-School-Schüler geben an, jeden Tag zu rauchen. In den USA beginnen täglich mehr als 2.000 Menschen mit dem Rauchen. Von diesen neuen Rauchern sind 31 Prozent unter 16 und 50 Prozent unter 18 Jahre alt. Jugendliche, die vor ihrem 19. Lebensjahr keine Zigaretten probieren, werden auch als Erwachsene nur höchst unwahrscheinlich zu Rauchern.

Der wichtigste Risikofaktor für Rauchen im Jugendalter sind

  • Eltern, die selbst rauchen

Zu den weiteren Risiken, die häufig mit einem Rauchbeginn im Jugendalter in Verbindung gebracht werden, gehören

  • Gleichaltrige oder Vorbilder (wie Prominente), die rauchen

  • Schlechtes Abschneiden in der Schule

  • Weitere risikobehaftete Verhaltensweisen (wie übermäßiges Diäthalten, insbesondere bei Mädchen; körperliche Auseinandersetzungen und Fahren unter Alkoholeinfluss, insbesondere bei Jungen; oder der Gebrauch von Alkohol oder anderen Drogen)

  • Schlechte Problemlösungsfähigkeiten

  • Verfügbarkeit von Zigaretten

  • Geringes Selbstbewusstsein

Tabak kann auch in anderen Formen konsumiert werden. Etwa 5,5 Prozent der High-School-Schüler verwenden rauchfreien Tabak. Rauchloser Tabak kann gekaut (grober Kautabak), zwischen Unterlippe und Zahnfleisch gelegt (fein geschnittener Kautabak) oder inhaliert werden (Schnupftabak). Pfeife rauchen ist in den Vereinigten Staaten relativ wenig verbreitet, der Konsum ist unter den Middle- und High-School-Schülern seit 1999 jedoch gestiegen. Der Anteil der Zigarrenraucher ab 12 Jahren ist rückläufig.

Eltern können dazu beitragen, ihre jugendlichen Kinder vom Rauchen und dem Konsum von rauchlosem Tabak abzuhalten, indem sie ihnen gute Vorbilder sind (d. h. indem sie selbst nicht rauchen oder Tabak kauen), offen über die mit dem Tabak verbundenen Gefahren sprechen und Jugendliche, die bereits mit dem Rauchen oder Tabak kauen angefangen haben, beim Aufhören unterstützen, wenn notwendig etwa auch mit ärztlicher Hilfe ({blank} Raucherentwöhnung bei Kindern und Jugendlichen).

Elektronische Zigaretten

Elektronische Zigaretten (E-Zigaretten, Verdampfer) werden ebenfalls immer beliebter und fälschlicherweise als sichere Alternativen zu Zigaretten angepriesen. E-Zigaretten enthalten flüssiges Nikotin, den stark süchtig machenden Bestandteil des Tabaks. Das sogenannte Liquid wird erhitzt, damit es verdampft und eingeatmet werden kann. Da keine Verbrennungsprodukte vom Tabak entstehen, rufen diese Produkte nicht alle der unerwünschten gesundheitlichen Folgen hervor. Nikotin hat allerdings eine starke Suchtwirkung und es kann eine Nikotintoxizität auftreten. Die Flüssigkeit kann eine Zahl von anderen Inhaltsstoffen enthalten, von denen einige giftig sein können und deren Langzeitwirkungen derzeit noch nicht bekannt sind. Der ausgegebene Dampf aus den E-Zigaretten enthält sowohl Nikotin als auch andere Inhaltsstoffe.

E-Zigaretten sind nun zunehmend die erste Form der Exposition von Jugendlichen gegenüber Nikotin, aber ihre Auswirkungen auf die Rate der rauchenden Erwachsenden ist unklar. Gemäß den von den National Institutes of Health (NIH) finanzierten Studien stieg der derzeitige E-Zigarettenkonsum (Nikotinverdampfung ohne andere Substanzen) bei Schülern aus Mittelschulen und High Schools merklich von 4,5 Prozent im Jahr 2013 auf etwa 21,6 Prozent im Jahr 2018 an. Ungefähr 42 Prozent der High-School-Schüler gaben an, E-Zigaretten probiert zu haben.

Andere Substanzen

Die Verwendung anderer Substanzen bleibt bei Jugendlichen ein ernstes Problem. Eine landesweite Umfrage zum jugendlichen Risikoverhalten in den USA bei High-School-Schülern, die von der Einrichtung Center for Disease Control and Prevention (CDC) jährlich durchgeführt wird (die Youth Risk Behavior Surveillance), ergab, dass im Jahr 2017 19,8 Prozent der High-School-Schüler regelmäßig Marihuana konsumierten (dies liegt unter dem Spitzenwert von 25,3 Prozent im Jahr 1995). Ungefähr 35,6 Prozent berichteten, dass sie Marihuana ein- oder mehrmals in ihrem Leben konsumiert hatten. Im Jahr 2010 überholte die Rate des derzeitigen Marihuanakonsums zum ersten Mal die Rate des derzeitigen Tabakkonsums.

In derselben Umfrage berichteten die folgenden Prozentzahlen an High-School-Schülern illegale Drogen ein- oder mehrmals in ihrem Leben konsumiert zu haben:

  • Verschreibungspflichtige Medikamente (ohne Rezept): 14,0 Prozent

  • Schnüffelstoffe (wie z. B. Kleber, Sprays): 6,2 Prozent

  • Halluzinogene (z. B. LSD, PCP, Mescalin, Pilze): 6,6 Prozent

  • Kokain: 4,8 Prozent

  • Anabolika (oral eingenommen oder in einen Muskel gespritzt): 2,9 Prozent

  • Methamphetamine (rezeptfrei): 2,5 Prozent

  • Heroin: 1,7 Prozent

Verschreibungspflichtige Medikamente, insbesondere Opioide (narkotische Analgetika) zur Schmerzbehandlung, angstlösende Medikamente sowie Stimulanzien (wie Methylphenidat und ähnliche Arzneimittel zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizitstörung) werden heute besonders oft angewendet.

Rezeptfreie, freiverkäufliche Medikamente, die besonders oft missbräuchlich eingesetzt werden, sind Husten- und Erkältungsmedikamente mit Dextromethorphan. Diese Medikamente werden jetzt von Jugendlichen häufiger als alle anderen Substanzen, abgesehen von Alkohol und Marihuana, missbraucht. Husten- und Erkältungsmedikamente sind einfach erhältlich, werden von vielen Jugendlichen als sicher eingestuft und dienen nun als Einstiegsdrogen. Selbst sehr junge Heranwachsende können Drogen ausprobieren; manche geben an, bereits im Alter von nur 12 Jahren Drogen konsumiert zu haben. Viele Jugendliche, die mit rezeptfreien und verschreibungspflichtigen Medikamenten sowie anderen Substanzen experimentieren, entwickeln später einen Substanzmissbrauch oder Abhängigkeiten.

Etwa 2,9 Prozent der Schüler im letzten High-School-Jahr haben irgendwann in ihrem Leben Anabolika konsumiert. Obwohl der Gebrauch von Anabolika häufiger bei Sportlern vorkommt, nehmen manchmal auch Jugendliche, die keinen Sport treiben, Anabolika ein. Anabolika werden mit einer Reihe von Nebenwirkungen in Zusammenhang gebracht. Ein Problem speziell für Jugendliche besteht darin, dass sich ihre Wachstumsfugen am Ende der Knochen schließen, was zu dauerhaftem Kleinwuchs führt. Andere Nebenwirkungen haben bei Jugendlichen dieselben Folgen wie bei Erwachsenen.

Zu den Verhaltensweisen, die Eltern dazu veranlassen sollten, ihre Sorge mit ihrem Kind und ihrem Arzt zu besprechen, gehören

  • Launisches Verhalten

  • Depressionen oder Stimmungsschwankungen

  • Ein Wechseln des Freundeskreises

  • Nachlassen der schulischen Leistungen

  • Verlust des Interesses an Hobbys

Eltern, die Drogen oder Utensilien zum Drogenkonsum (wie Pfeifen, Spritzen und Waagen) finden, sollten dies mit ihrem Kind besprechen.

Bei ärztlichen Routineuntersuchungen sollte der Arzt dem Jugendlichen regelmäßig vertrauliche Fragen zum Drogen- und Alkoholgebrauch stellen. Ein Arzt kann helfen, zu erkennen, ob ein Jugendlicher eine Substanz missbraucht oder von ihr abhängig ist und eine angemessene Intervention einleiten oder ihn überweisen. Ein Drogentest kann hilfreich sein, doch gelten für die Zuverlässigkeit wesentliche Beschränkungen. Das Ergebnis eines Urintests kann bei Jugendlichen, die Drogen konsumieren, negativ sein, wenn die Droge vor dem Test bereits aus dem Körper gespült wurde, wenn eine Droge konsumiert wurde, die nicht im Standardtest berücksichtigt ist, oder wenn die Urinprobe verunreinigt wurde. Manchmal sind die Ergebnisse von Drogentests positiv, auch wenn die Jugendlichen keine Drogen konsumiert haben (falsch positiv). Auch ein richtig positiver Test kann nicht bestimmen, wie oft eine Substanz angewendet wurde und kann daher auch nicht Gelegenheitskonsumenten von denen mit ernsteren Problemen unterscheiden. Aufgrund dieser Beschränkungen sollte ein fachkundiger Arzt feststellen, ob ein Drogentest in einer bestimmten Situation notwendig ist, und die Eltern sollten den Rat des Arztes befolgen. Wenn Eltern auf einen Drogentest oder auf das Aushändigen von Informationen beharren, die die Verpflichtung zur Vertraulichkeit brechen würden, kann dadurch eine Atmosphäre der Konfrontation geschaffen werden, die es dem Arzt unbeabsichtigt erschwert, sich ein genaues Bild von dem Substanzgebrauch des Jugendlichen zu machen und eine Vertrauensverhältnis mit ihm einzugehen.

Wenn der Arzt der Meinung ist, dass der Jugendliche eine Substanz missbraucht oder von ihr abhängig ist, kann eine Überweisung zur weiteren Abklärung und Behandlung notwendig sein. Im Allgemeinen können dieselben Behandlungen, die bei Erwachsenen mit Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit zum Einsatz kommen, auch bei Jugendlichen verwendet werden. Die Behandlung sollte allerdings an die Bedürfnisse des Jugendlichen angepasst werden. Jugendliche sollten Leistungen von speziellen Programmen erhalten und von Therapeuten betreut werden, die Experten auf dem Gebiet sind. Im Allgemeinen gilt, dass Jugendliche nicht in denselben Programmen behandelt werden sollten wie Erwachsene.

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