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Selbstmordverhalten bei Kindern und Jugendlichen

Von

Josephine Elia

, MD, Nemours/A.I. duPont Hospital for Children

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2021| Inhalt zuletzt geändert Apr 2021
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Selbstmordverhalten bezeichnet gegen die eigene Person gerichtetes Verhalten und umfasst sowohl Selbstmordgesten, Selbsttötungsversuche als auch den vollendeten Selbstmord. Selbstmordgedanken bedeutet über Selbstmord (Suizid) nachzudenken und zu planen. Selbstmordversuche sind selbstverletzende Taten, die zum Tod führen können, wie Hängen oder Ertränken.

  • Ein belastendes Ereignis kann Selbstmordgedanken bei Kindern auslösen, die eine psychische Gesundheitsstörung wie Depression haben.

  • Gefährdete Kinder können deprimiert oder ängstlich sein, gewohnte Aktivitäten aufgeben, über Themen in Zusammenhang mit dem Tod sprechen oder plötzlich andere Verhaltensweisen zeigen.

  • Familie und Freunde sollten alle Selbstmorddrohungen oder Selbstmordversuche ernst nehmen.

  • Medizinische Fachkräfte werden versuchen herauszufinden, wie groß das Selbstmordrisiko ist.

  • Als Therapie können bei einem hohen Risiko ein Krankenhausaufenthalt, Medikamente zur Behandlung anderer psychischer Gesundheitsstörungen sowie Einzel- und Familienberatung empfohlen werden.

Selbstmord kommt bei Kindern vor der Pubertät relativ selten vor; er betrifft in erster Linie Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren sowie Erwachsene. Dennoch gibt es auch vorpubertäre Kinder, die Selbstmord begehen, daher darf diese potenzielle Gefahr nicht außer Acht gelassen werden.

In den USA ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache bei 10- bis 24-Jährigen und die neunthäufigste Todesursache bei 5- bis 11-Jährigen. Dies entspricht 2.000 Todesfällen pro Jahr. Selbstmord hat sich vor allem auf die schwarze Gesellschaft ausgewirkt, wo sich die Rate fast bei den Grundschulkindern zwischen 1993 und 2012 fast verdoppelte. Es ist auch wahrscheinlich, dass eine Anzahl der Todesfälle, die auf Unfälle zurückzuführen sind, wie z. B. durch Motorfahrzeuge und Waffen, eigentlich Selbstmorde sind.

Zusätzlich zu den erfolgreichen Selbstmorden unternehmen viele weitere Jugendliche Selbstmordversuche. Das Zentrum zur Verhütung und Kontrolle ansteckender Krankheiten (Centers for Disease Control and Prevention) bietet Informationen über den Anstieg der Selbstmordraten in verschiedenen Gruppen und über mehrere Zeitraumräume hinweg:

  • Bei Mädchen (im Alter von 10 bis 14 Jahren) stieg die allgemeine Selbstmordrate von 0,5 Prozent im Jahr 1999 auf 2 Prozent im Jahr 2019 an.

  • Bei Jungen (im Alter von 10 bis 14 Jahren) stieg die allgemeine Selbstmordrate von 1,9 Prozent im Jahr 1999 auf 3,1 Prozent im Jahr 2019 an.

Weitere Ergebnisse unterstreichen die Statistiken zu Selbstmord bei Schülern in der Oberstufe im Jahr 2015 in den USA:

  • Zwischen 2001 und 2015 stiegen die Besuche in der Notaufnahme wegen selbst zugefügter Verletzungen, Selbstmordgedanken oder versuchtem Selbstmord in allen Altersgruppen an.

  • Die starke Zunahme von Selbstmordversuchen wurde 2011 erstmals bemerkt, auch wenn die tatsächliche Anzahl der stabil blieb.

  • Von 2006 bis 2015 gab es über 40.000 Selbstmorde bei 10- bis 19-Jährigen. In diesem Zeitraum benötigten 118.000 Kinder und Jugendliche in derselben Altersgruppe eine medizinische Behandlung wegen Selbstmordversuchen ohne tödlichen Ausgang.

Viele Faktoren können zu einer Zunahme von Selbstmordversuchen bei Kindern und Jugendlichen beitragen, darunter die Zunahme von Depressionen unter Jugendlichen, insbesondere bei Mädchen, die Zunahme von Verschreibungen von Opioiden für die Eltern, die Belastung mit steigenden Selbstmordraten in ihrer Altersgruppe, Konflikte mit den Eltern und Stress in der Schule.

Häufig sind Selbstmordversuche eine Mischung aus dem Wunsch zu sterben und einem Hilferuf.

Unter den Jugendlichen in den USA sind vollendete Selbstmordversuche unter Jungen mit einem Verhältnis von 4:1 wesentlich häufiger als bei Mädchen. Bei Mädchen ist die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordversuchs jedoch 2- bis 3-mal so hoch.

Wussten Sie ...

  • Selbstmord ist die zweit- oder drittgrößte Todesursache unter Jugendlichen in den USA.

Risikofaktoren

Selbstmordgedanken führen nicht immer zu Selbstmordverhalten, stellen aber einen Risikofaktor für Selbstmordverhalten dar. Normalerweise kommen verschiedene Faktoren zusammen, bevor Selbstmordgedanken in aktives Selbstmordverhalten umgesetzt werden. Sehr oft liegt eine psychische Grunderkrankung vor, die durch ein belastendes Ereignis ausgelöst werden kann. Zu belastenden Ereignissen zählen

  • Tod einer geliebten Person

  • Ein Selbstmord in der Schule oder einer anderen Gruppe der Gleichaltrigen

  • Verlust eines Freundes oder einer Freundin

  • Verlassen der vertrauten Umgebung (z. B. der Schule oder des Wohnviertels) oder Freunde

  • Demütigung durch Familie oder Freunde

  • Mobbing in der Schule, besonders bei lesbischen, schwulen, bisexuellen und Transgender- (LGBT) Schülern

  • Schulversagen

  • Konflikt mit dem Gesetz

Derartige belastende Ereignisse kommen im Leben von Kindern und Jugendlichen jedoch relativ häufig vor und führen selten zu Selbstmordverhalten, sofern keine seelischen Krankheiten zugrunde liegen.

Am häufigsten liegen folgende Probleme vor:

Kinder und Jugendliche, die einen Selbstmordversuch begehen, sind manchmal auf das Heftigste gegenüber Familienmitgliedern oder Freunden aufgebracht; sie sind unfähig, diese negativen Gefühle zu ertragen und richten sie gegen sich selbst. Sie wollen möglicherweise andere Menschen manipulieren oder bestrafen („Es wird ihnen schon noch leidtun, wenn ich erst einmal tot bin“). Das Selbstmordrisiko kann höher sein, wenn die Kommunikation mit den Eltern schwierig ist.

Selbstmordverhalten entsteht manchmal, wenn Kinder das Verhalten anderer Menschen nachahmen. So kann etwa ein durch die Medien verbreiteter Selbstmord von einer berühmten Person andere dazu verleiten, Selbstmord zu begehen oder entsprechende Versuche zu unternehmen. Auf ähnliche Weise entsteht an Schulen manchmal ein gewisser Nachahmungseffekt.

Selbstmord kommt häufiger in Familien vor, die anfällig für affektive Störungen sind, vor allem, wenn in der familiären Vorgeschichte bereits Selbstmordversuche oder anderweitig gewalttätige Verhalten berichtet wurden.

Diagnose

  • Bestimmung des Risikos durch Eltern, Ärzte, Lehrer und Freunde

Die Selbstmordgefährdung kann Eltern, Ärzten, Lehrern und Freunden auffallen, vor allem, wenn vor Kurzem eine Verhaltensänderung beim Kind stattgefunden hat. Da sich Kinder und Jugendliche oft nur ihren Kameraden anvertrauen, müssen diese dazu ermutigt werden, in dieser besonderen Situation das ihnen Anvertraute nicht für sich zu behalten, da so vielleicht ein tragischer Tod des gefährdeten Kindes vermieden werden könnte. Kinder, die offen Selbstmordabsichten ausdrücken, wie „Ich wünschte, ich wäre nie geboren worden“ oder „Ich wünschte, ich würde einschlafen und nie wieder aufwachen“ sind besonders gefährdet; das Gleiche gilt jedoch auch für weniger auffällige Zeichen, wie sozialen Rückzug, nachlassende Schulleistungen und Weggeben lieb gewordener Dinge.

Medizinische Fachkräfte haben zwei Schlüsselrollen inne:

Vorbeugung

Das gefährdete Kind direkt zu seinen Selbstmordgedanken anzusprechen, kann wichtige Probleme aufwerfen, die das Kind in zusätzliche Bedrängnis bringen können. Im Gegenzug kann dank dieser Informationen gezielt eingegriffen werden. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass über 50 Prozent der Kinder, die aus irgendeinem Grund in einer Notaufnahme landeten, positiv auf Selbstmordgedanken und -verhalten diagnostiziert wurden. In der Folge sind nun die Krankenhäuser seit 2019 dazu verpflichtet, im Rahmen der medizinischen Standardversorgung auch auf Selbstmordgefahr hin zu untersuchen.

In vielen Regionen gibt es durchgehend erreichbare Kummertelefone (siehe Randleiste Telefonseelsorge Hilfe bei Selbstmordabsicht: Nationale Notfallnummer zur Selbstmordprävention in den USA (National Suicide Prevention Lifeline) Selbstmordverhalten schließt vollendeten und versuchten Selbstmord ein. Über Selbstmord (Suizid) nachzudenken und zu planen, nennt man Suizidgedanken. Gewöhnlich geschieht ein Selbstmord aus... Erfahren Sie mehr ) mit verständnisvollen Mitarbeitern, die unmittelbare Beratung anbieten und helfen können, eine weitere Betreuung zu finden. Wenngleich nur schwer nachzuweisen ist, ob diese Dienste tatsächlich die Anzahl der Selbstmorde reduzieren, sind sie dennoch hilfreich, um Kindern und Familien an geeignete Stellen weiterzuleiten.

Folgende Maßnahmen können dazu beitragen, das Selbstmordrisiko zu senken:

Selbstmordpräventionsprogramme können helfen. Die wirkungsvollsten Programme sind diejenigen, die sicherstellen, dass das Kind Folgendes hat:

  • Ein unterstützendes, fürsorgliches Umfeld

  • Leichten Zugang zu psychologischer Betreuung

  • Eine Schule oder anderes soziales Umfeld, dass Respekt für individuelle, ethnische und kulturelle Unterschiede fördert

In den USA informiert das Suicide Prevention Resource Center über einige dieser Programme, und die National Suicide Prevention Lifeline (1-800-273-TALK) bietet Krisenintervention für selbstmordgefährdete Personen.

Tabelle
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Behandlung

  • Manchmal stationäre Behandlung

  • Vorsichtsmaßnahmen zur Verhinderung zukünftiger Versuche

  • Behandlung einer Erkrankung, die zum Selbstmordrisiko beiträgt

  • Überweisung an einen Psychiater und Psychotherapeuten

Kinder, die über Selbstverletzung sprechen oder einen Selbstmordversuch unternehmen, müssen dringend in eine Notaufnahme eingeliefert werden. Jede Form von Selbstmordversuch muss ernst genommen werden, schließlich geht einem Drittel aller vollzogenen Selbstmordfälle ein entsprechender Versuch voraus, auch wenn er manchmal nur wenig ernst gemeint scheint, wie etwa oberflächliche Schnitte am Handgelenk oder Einnehmen von Tabletten in nicht ausreichender Menge. Wenn die Eltern oder andere Bezugs- und Betreuungspersonen einen misslungenen Selbstmordversuch verharmlosen oder herunterspielen, kann dies das Kind erst recht dazu treiben, den Versuch zu wiederholen.

Sobald keine unmittelbare Lebensgefahr mehr besteht, entscheidet der Arzt, ob das Kind in ein Krankenhaus eingewiesen wird. Die Entscheidung wird davon abhängig gemacht, wie hoch das Risiko zuhause ist und ob die Familie dem Kind die nötige Unterstützung bieten und seine physische Unversehrtheit garantieren kann. Ein Krankenhausaufenthalt ist der sicherste Weg, das Kind zu schützen und normalerweise indiziert, wenn die Ärzte eine schwere psychische Gesundheitsstörung, wie eine Depression, vermuten.

Der Ernst eines Selbstmordversuchs kann anhand einer Reihe von Faktoren gemessen werden, wie zum Beispiel:

  • Ob der Versuch sorgfältig geplant oder eher spontan war – so beispielsweise weist ein Abschiedsbrief gewöhnlich auf einen geplanten Versuch hin

  • Ob Vorkehrungen getroffen wurden, um ein vorzeitiges Entdecken zu vermeiden

  • Art der verwendeten Methode – z. B. führt der Gebrauch einer Schusswaffe mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Tod als Schlaftabletten

  • Ob das Kind sich tatsächlich eine Verletzung zugefügt hat

  • Wie der Geisteszustand des Kindes beim Selbstmordversuch war

Es ist wichtig, die Selbsttötungsabsicht nicht an den entstandenen Konsequenzen festzumachen. Beispielsweise müssen Jugendliche, die harmlose Medikamente nehmen, in der Annahme, dass diese tödlich sind, als besonders gefährdet eingestuft werden.

Falls kein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist, müssen die Familien der Kinder zuhause dafür sorgen, dass alle Waffen aus dem Haus entfernt sowie Medikamente (einschließlich rezeptfreier Arzneimittel) und scharfe Gegenstände entsorgt oder sicher verwahrt werden. Doch selbst mit solchen Vorkehrungen ist es oftmals schwer, einen Selbstmord zu vermeiden, und es gibt bislang keine Maßnahmen, die sich als besonders erfolgreich erwiesen haben.

Die Kinder werden normalerweise für die entsprechende medikamentöse Behandlung an einen Psychiater und für einePsychotherapie Psychotherapie Bei der Behandlung psychischer Störungen wurden außerordentliche Fortschritte gemacht. Als Ergebnis können jetzt viele psychische Gesundheitsstörungen fast so erfolgreich behandelt werden wie... Erfahren Sie mehr , wie eine kognitive Verhaltenstherapie, an einen Psychotherapeuten überwiesen. Die Behandlung ist am erfolgreichsten, wenn der Hausarzt weiterhin beteiligt ist.

Im Falle eines Selbstmords

Die Reaktionen von Familie und Freunden von Kindern, die Selbstmord begehen, sind höchst komplex. Sie empfinden tiefe Trauer, Schuld und leiden unter Depression. Das Leben kann ihnen sinnlos vorkommen, sie bewältigen alltägliche Aufgaben nicht mehr und verbittern. Sie tun sich schwer, nach vorne zu schauen und zu akzeptieren, dass das Leben weitergeht. Professionelle Beratung kann ihnen helfen, den psychiatrischen Kontext des Selbstmords zu verstehen und die Probleme des Kindes vor dessen Tod zu analysieren und zu akzeptieren. Anschließend werden sie verstehen, dass der Selbstmord nicht ihre Schuld war.

Nach einem Selbstmord kann das Selbstmordrisiko in der Umgebung steigen, insbesondere bei Freunden und Klassenkameraden. Schulen und anderen Gemeinschaften stehen nach einem Selbstmord Hilfsprogramme zur Verfügung (wie eine Hilfestellung für Schulen). Die Schulen und Gemeinden können Psychologen zur Verfügung stellen, um zu informieren und zu beraten.

Weitere Informationen

Im Folgenden handelt es sich um einige englischsprachige Hilfsmittel, die nützlich sein könnten. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

  • Metanoia: Diese Website befasst sich direkt und sehr engagiert mit den selbstmordgefährdeten Personen und zeigen ihnen auf, wie wenig die Schmerzen, die sie leiden und ihre Anstrengungen, den Schmerz zu bewältigen, miteinander im Einklang stehen und verbinden sie dann direkt mit Seelsorgestellen und anderen Gesundheitseinrichtungen für psychische Gesundheit.

  • Fragebogen zur Gesundheit des Patienten (PHQ-9): Dieser neun Punkte umfassende Fragebogen wurde von der U.S. Preventive Services Task Force herausgegeben und wird von Ärzten zum Screening auf Depressionen verwendet.

  • Informationen über Selbstmord und Depressionen für Studenten: Diese Informationsunterlagen für Schüler und Studenten enthalten Anleitungen zur Behandlung einer Vielzahl von psychischen Problemen im Hochschulbereich. Die darin behandelten Themen umfassen Suchtabhängigkeit, die Schaffung einer gesunden Intimität, Mobbing, Depression und Selbstmord.

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