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Vergrößerte Gaumen- und Rachenmandeln bei Kindern

Von

Udayan K. Shah

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Quellen zum Thema

Die Gaumen- und Rachenmandeln können aufgrund einer Infektion oder einer anderen Ursache wuchern (größer werden) oder bereits bei der Geburt groß sein. Eine Vergrößerung der Gaumen- und Rachenmandeln kommt bei Kindern häufig vor und muss normalerweise nicht behandelt werden.

  • Vergrößerte Gaumen- und Rachenmandeln können bei Kindern durch eine Infektion hervorgerufen werden oder aber normal sein.

  • Die Vergrößerung ruft für gewöhnlich keine Symptome hervor, kann jedoch zu Atem- oder Schluckbeschwerden und manchmal zu wiederkehrenden Ohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen oder zu obstruktiver Schlafapnoe führen.

  • Die Diagnose stützt sich auf eine Nasopharyngoskopie und manchmal auf die Ergebnisse einer Schlafstudie.

  • Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion können Antibiotika verabreicht werden. In einigen Fällen werden die Gaumen- und Rachenmandeln entfernt.

Lage der Gaumen- und Rachenmandeln

Bei den Gaumenmandeln handelt es sich um zwei Strukturen mit lymphatischem Gewebe, die links und rechts am hinteren Ende des Gaumens liegen. Die Rachenmandeln sind ebenfalls lymphatisches Gewebe und liegen weiter oben und hinten am Übergang von der Nasenhöhle zum Rachen im Rachendach. Sie sind bei geöffnetem Mund nicht sichtbar.

Lage der Gaumen- und Rachenmandeln

Ein Blick ins Innere des Rachens

Ein Blick ins Innere des Rachens

Die Gaumen- und Rachenmandeln sind Ansammlungen von lymphatischem Gewebe, die bei der körpereigenen Infektabwehr eine Rolle spielen können. Sie fangen Bakterien und Viren auf, die durch den Rachen eindringen, und produzieren Antikörper. Die Gaumen- und Rachenmandeln sind bei Kindern zwischen 2 und 6 Jahren am größten.

Die Gaumenmandeln liegen links und rechts hinten am Gaumen. Die Rachenmandeln sind weiter oben und hinten am Übergang von der Nasenhöhle zum Rachen im Rachendach lokalisiert. Die Gaumenmandeln sind durch den Mund sichtbar, die Rachenmandeln jedoch nicht.

Ursachen

Einige Vorschulkinder und Jugendliche haben relativ große Gaumen- und Rachenmandeln, die jedoch kein Grund zur Sorge sind. Sie können sich allerdings auch vergrößern, wenn sie durch Viren oder Bakterien infiziert werden, die eine Rachenentzündung verursachen (Halsschmerzen). Zudem können auch Allergien (wie jahreszeitbedingte Allergien oder ganzjährige Allergien), Reizstoffe und möglicherweise gastroösophagealer Reflux die Gaumen- und Rachenmandeln vergrößern. Kommen Kinder dauernd mit anderen mit bakteriellen oder Virusinfektionen in Berührung, wie in Kinderkrippen, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Vergrößerte Gaumenmandeln können das Atmen und Schlucken erschweren und die Rachenmandeln können die Nase oder die eustachische Röhre, die den hinteren Teil des Rachens mit den Ohren verbindet, verstopfen. Normalerweise klingt die Schwellung komplett ab, sobald die Infektion ausgeheilt ist. Manchmal bleiben die Mandeln jedoch vergrößert, vor allem bei Kindern mit häufigen oder chronischen Infektionen. Nur ganz selten liegt den vergrößerten Gaumen- oder Rachenmandeln bei Kindern eine Krebserkrankung zugrunde.

Symptome

Die meisten Mandelvergrößerungen verursachen keine Symptome. Vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln können die Stimme jedoch näselnd klingen lassen (d. h. die Kinder klingen, als wären sie erkältet). Bei Kindern mit vergrößerten Gaumen- oder Rachenmandeln kann der Gaumen auffällig geformt sein und die Zähne eine Fehlstellung aufweisen. Zudem atmen die Kinder tendenziell durch den Mund. Vergrößerte Gaumenmandeln können auch Nasenbluten, schlechten Atemgeruch und Husten hervorrufen.

Komplikationen

Als problematisch gelten vergrößerte Mandeln dann, wenn sie schwerwiegende Folgen haben können, darunter:

  • Chronische Mittelohrentzündung und Hörschaden: Diese Probleme entstehen durch die Blockierung der eustachischen Röhre und durch die Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr.

  • Rezidivierende Nasennebenhöhleninfektionen: Nasennebenhöhlenentzündung.

  • Obstruktive Schlafapnoe: Einige Kinder mit vergrößerten Gaumen- und Rachenmandeln schnarchen und hören beim Schlafen kurzzeitig auf, zu atmen. Dies kann zur Folge haben, dass der Sauerstoffgehalt im Blut gering ist und die Kinder häufig aufwachen und tagsüber schläfrig sind. Ganz selten kann die durch vergrößerte Mandeln verursachte Schlafapnoe ernste Komplikationen zur Folge haben, wie Bluthochdruck in der Lunge (pulmonale Hypertonie) und die dadurch einhergehenden Herzveränderungen (Cor pulmonale).

  • Gewichtsverlust oder ausbleibende Gewichtszunahme: Kinder essen aufgrund der Schmerzen von Infektionen oder der körperlichen Anstrengung, die mit dem Atmen verbunden ist, möglicherweise nicht ausreichend.

Diagnose

  • Nasopharyngoskopie

  • Manchmal eine Schlafstudie

Es ist möglich, dass überaus große Gaumenmandeln normal sind und chronisch infizierte Gaumenmandeln eine normale Größe haben. Um festzustellen, ob sich die vergrößerten Gaumenmandeln auf eine Infektion zurückführen lassen, fragen Ärzte, wie häufig die Kinder in den vergangenen 1 bis 3 Jahren Halsschmerzen hatten.

Um den hinteren Teil von Nase und Rachen einsehen zu können, wird normalerweise ein flexibler Beobachtungsschlauch durch die Nase eingeführt (Nasopharyngoskop). Ärzte untersuchen auch, ob die Gaumenmandeln gerötet sind, ob die Lymphknoten am Kiefer und Hals vergrößert sind und inwieweit die Gaumenmandeln die Atmung beeinflussen.

Eine obstruktive Schlafapnoe wird vermutet, wenn Eltern berichten, dass die Atmung ihres Kindes beim Schlafen aussetzt. In diesen Fällen können Ärzte für das Kind auch eine Schlafstudie (Polysomnographie) empfehlen. Dabei wird das Kind über Nacht beim Schlafen in einem Labor überwacht und es werden bestimmte Messungen, z. B. die Messung des Sauerstoffspiegels im Blut, durchgeführt.

Behandlung

  • Behandlung anderer Ursachen (Allergien und Infektionen)

  • Manchmal eine Adenoidektomie, Tonsillektomie oder beide

Wird eine Allergie als Ursache vermutet, kann ein Nasenspray mit Kortikosteroiden oder andere Medikamente, wie Antihistamine, über den Mund gegeben werden. Wird als Ursache eine bakterielle Infektion vermutet, kann die Infektion mit Antibiotika behandelt werden.

Wirken diese Medikamente nicht oder wird ihr Einsatz als therapeutisch nicht sinnvoll erachtet, werden die Rachenmandeln operativ entfernt (als Adenoidektomie bezeichnet) und möglicherweise bei demselben Eingriff die Gaumenmandeln (Tonsillektomie).

Tonsillektomie und Adenoidektomie sind in den USA übliche Eingriffe bei Kindern. Kinder mit den folgenden Symptomen können von diesen Operationen profitieren:

  • Obstruktive Schlafapnoe

  • Extreme Beschwerden beim Sprechen und Atmen

  • Multiple Rachenentzündungen (definiert als mehr als sechs Infektionen in einem Jahr, mehr als vier Infektionen jährlich über 2 Jahre oder mehr als zwei Infektionen jährlich über 3 Jahre)

  • Krebs (seltene Ursache)

Ärzte empfehlen unter Umständen in den folgenden Fällen nur eine Adenoidektomie:

  • Häufige Ohrenentzündungen und dauerhafte Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr

  • Wiederkehrende Blockierungen der Nase, die zu Veränderungen der Stimme oder Schlafstörungen führen

  • Sinusinfektionen

Wussten Sie ...

  • Die Entfernung vergrößerter Gaumen- und Rachenmandeln ist nur dann sinnvoll, wenn die Vergrößerung extremes Unwohlsein, Probleme beim Atmen oder wiederkehrende Infektionen verursacht.

Durch die Entfernung von Gaumen- und Rachenmandeln treten Erkältungen und Husten scheinbar nicht seltener auf.

Häufig erfolgt die Entfernung von Gaumen- und Rachenmandeln ambulant. Diese Eingriffe sollten frühestens 2 Wochen, nachdem eine Infektion ausgeheilt ist, durchgeführt werden.

Es treten kaum Komplikationen auf. Schmerzen und Schluckbeschwerden können aber noch bis zu 2 Woche nach der Tonsillektomie andauern. Kinder erholen sich innerhalb von 2 bis 3 Tagen von einer Adenoidektomie.

Blutungen aufgrund einer Tonsillektomie sind eine seltenere Komplikation, können jedoch innerhalb von 24 Stunden oder 7 Tagen nach einer Operation auftreten. Blutungen nach einer Operation bei Kindern können schwerwiegend oder sogar lebensbedrohlich sein. Kinder, die nach der Operation bluten, sollten in ein Krankenhaus oder zum Arzt gebracht werden.

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