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Wochenbettdepression

Von

Julie S. Moldenhauer

, MD, Children's Hospital of Philadelphia

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Bei einer Wochenbettdepression kommt es in den ersten Wochen oder Monaten nach der Geburt zu einem Gefühl tiefer Trauer und damit verbundenen psychischen Störungen.

  • Bei Frauen, die zuvor schon unter einer Depression gelitten haben, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie eine Wochenbettdepression entwickeln.

  • Die Frauen fühlen sich sehr niedergeschlagen, weinen, sind leicht reizbar und launisch und verlieren unter Umständen das Interesse an täglichen Aktivitäten und dem Baby.

  • Helfen können eine Kombination aus Beratung und Antidepressiva.

Eine verbreitete Erscheinung nach der Geburt sind die sogenannten „Heultage‟, ein Gefühl der Traurigkeit und Niedergeschlagenheit innerhalb der ersten 3 Tage. Solche Gefühle sollten die Frau nicht beunruhigen, denn sie verschwinden gewöhnlich innerhalb von 2 Wochen.

Eine Wochenbettdepression hingegen ist eine ernste Stimmungsveränderung. Sie kann über mehrere Wochen oder Monate anhalten und sich auf alltägliche Aktivitäten auswirken. Ungefähr 10 bis 15 Prozent der Frauen sind betroffen. In sehr seltenen Fällen tritt eine sogar noch ernstere Erkrankung auf, die sogenannte postpartale Psychose.

Ursachen

Die Ursache der Traurigkeit oder Depression nach der Geburt ist unklar. Folgende Umstände können jedoch zu diesen Gefühlen beitragen bzw. das Risiko erhöhen:

  • Baby-Blues

  • Eine Depression, die sich schon vor oder während der Schwangerschaft entwickelt hat

  • Eine Wochenbettdepression bei einer vorangegangenen Schwangerschaft

  • Vorangegangene Gefühle der Traurigkeit oder Depressionen, die zu bestimmten Zeiten des Monats (im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus) oder während der Einnahme oraler Kontrazeptiva aufgetreten sind

  • Nahe Verwandte, die unter Depressionen leiden (Familiengeschichte)

  • Ein plötzlicher Abfall der Hormone (z. B. Östrogen, Progesteron und Schilddrüsenhormone), der sich nach der Geburt vollzieht

  • Belastungen wie Eheprobleme, Arbeitslosigkeit des Lebenspartners, finanzielle Schwierigkeiten oder keinen Lebenspartner zu haben

  • Fehlende Unterstützung seitens des Lebenspartners oder der Familienmitglieder

  • Probleme im Zusammenhang mit der Schwangerschaft (z. B. eine Frühgeburt oder ein Kind mit Geburtsschäden)

  • Gemischte Gefühle hinsichtlich der aktuellen Schwangerschaft (z. B. wenn die Schwangerschaft nicht geplant war oder die Frau einen Abbruch der Schwangerschaft in Erwägung gezogen hatte)

Deshalb sollten Frauen, die vor der Schwangerschaft bereits unter einer Depression gelitten haben, ihren Arzt oder ihren Geburtshelfer darüber informieren. Depressionen dieser Art können sich oftmals zu einer Wochenbettdepression entwickeln. Häufig kommt es zu Depressionen während der Schwangerschaft. Diese stellen einen ernstzunehmenden Risikofaktor für eine Wochenbettdepression dar.

Symptome

Zu den Symptomen der Wochenbettdepression gehören:

  • Übermäßige Traurigkeit

  • Häufiges Weinen

  • Stimmungsschwankungen

  • Reizbarkeit und Wut

Zu den selteneren Symptomen gehören:

  • Extreme Müdigkeit

  • Schlafstörungen (zu viel oder zu wenig Schlaf)

  • Kopf- und Gliederschmerzen

  • Verlust des Interesses an Sex und anderen Aktivitäten

  • Angstgefühl oder Panikattacken

  • Appetitverlust oder Überernährung

  • Beeinträchtigungen in wichtigen Funktionsbereichen

  • Verlust des Interesses an dem Kind oder übermäßige Besorgnis um das Baby

  • Gefühle der Unzulänglichkeit und Hoffnungslosigkeit

  • Schuldgefühle wegen dieser Gefühle

  • Angst, dem Baby etwas anzutun

  • Selbstmordgedanken

Unter Umständen baut die Mutter keine Verbindung zu ihrem Kind auf. Infolgedessen kann es bei dem Kind später zu emotionalen, sozialen und kognitiven Problemen kommen.

Bei der postpartalen Psychose treten zu den Depressionen auch Gedanken an Selbstmord oder Gewalttaten, Wahnvorstellungen oder ein bizarres Verhalten auf. In manchen Fällen tritt bei einer postpartalen Psychose der Wunsch auf, dem Kind zu schaden.

Auch bei Vätern können sich Depressionen einstellen, was zu weiteren Belastungen der Ehe führen kann.

Wird eine Wochenbettdepression nicht behandelt, kann diese über Monate oder Jahre hinweg anhalten. Ungefähr eine von 3 oder 4 Frauen, die unter einer Wochenbettdepression litten, bekommt sie erneut.

Eine Depression nach der Geburt verhindern

Die Frauen können Schritte unternehmen, um gegen die Gefühle der Traurigkeit, die sich nach der Entbindung einstellen, anzukämpfen:

  • Sie sollten sich so viel wie nur möglich ausruhen, indem sie z. B. ein Nickerchen machen, wann immer das Kind schläft

  • Sie sollten nicht versuchen, alles zu bewältigen, z. B. indem sie nicht versuchen, dass das Haus immer tadellos aufgeräumt ist oder jeden Tag frisch gekocht wird

  • Sie sollten andere Familienmitglieder und Freunde um Hilfe bitten

  • Sie sollten über ihre Gefühle reden (Ehemann oder Lebenspartner, Familienmitglieder oder Freunde).

  • Sie sollten jeden Tag duschen und sich ankleiden

  • Sie sollten das Haus so oft wie möglich verlassen, z. B. um einen Einkauf zu erledigen, Freunde zu treffen oder einen Spaziergang zu machen

  • Sie sollten mit ihrem Ehemann oder Lebenspartner Zeit allein verbringen

  • Sie sollten mit anderen Müttern über ihre alltäglichen Erfahrungen und Gefühle sprechen

  • Wenn sie unter einer Depression leiden, sollten sie einer Support-Gruppe für Frauen beitreten

  • Sie sollten erkennen, dass diese Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Zweifel hinsichtlich des Mutterdaseins bei jungen Müttern normal sind und dass es sich dabei um vorübergehende Auswirkungen handelt

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Eine frühe Diagnose und Behandlung der Wochenbettdepression ist für die betroffenen Frauen und ihre Kinder entscheidend. Die Frauen sollten ihren Arzt aufsuchen, wenn sich die Gefühle der Traurigkeit nicht legen und sie 2 Wochen nach der Geburt immer noch Schwierigkeiten haben, ihren gewöhnlichen Aktivitäten nachzugehen oder daran denken, sich selbst oder ihrem Kind Schaden zuzufügen. Wenn Familienmitglieder und Freunde diese Symptome beobachten, sollten sie mit der Mutter reden und sie dazu ermuntern, einen Arzt aufzusuchen.

Gelegentlich wird die Mutter von ihrem Arzt gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, der zur Erkennung einer Depression erstellt wurde. Unter Umständen wird auch ein Bluttest durchgeführt, um herauszufinden, ob eine Erkrankung, wie eine Schilddrüsenerkrankung, die Ursache der Symptome darstellt.

Behandlung

  • Psychotherapie

  • Antidepressiva

Wenn sich die Frau traurig fühlt, braucht sie normalerweise Unterstützung durch Familienangehörige und Freunde. Wird jedoch eine Depression diagnostiziert, braucht sie darüber hinaus professionelle Hilfe. Empfohlen wird gewöhnlich eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva. Körperliche Betätigung, Lichttherapie, Massagen und Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren können ebenfalls helfen. Bei der Lichttherapie sitzt die Patientin in einem bestimmten Abstand von einer Lichtquelle entfernt, die Licht in der empfohlenen Intensität spendet. Die Patientin wird angewiesen, sich mindestens 30 Minuten vor dem Licht aufzuhalten, aber nicht direkt in das Licht zu schauen. Die Phototherapie kann zu Hause durchgeführt werden.

Eine Frau mit einer postpartalen Psychose muss möglicherweise stationär aufgenommen werden, nach Möglichkeit auf einer überwachten Station, wo sie das Kind bei sich behalten kann. Sie benötigt unter Umständen sowohl antipsychotische Arzneimittel als auch Antidepressiva.

Wenn die Frau stillt, sollte sie vor Einnahme solcher Arzneimittel gemeinsam mit dem Arzt überlegen, ob sie mit dem Stillen fortfahren sollte ( Medikamenteneinnahme während der Stillzeit). Bei vielen dieser Arzneimittel (Sertralin und Paroxetin) können die Frauen ihre Kinder problemlos weiter stillen.

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