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Vorzeitiger Blasensprung (Premature Rupture of Membranes, PROM)

(Vorzeitiger Blasensprung)

Von

Julie S. Moldenhauer

, MD, Children's Hospital of Philadelphia

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2020| Inhalt zuletzt geändert Jan 2020
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Kurzinformationen
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Unter einem vorzeitigen Blasensprung wird das Auslaufen des den Fötus umgebenden Fruchtwassers vor dem Einsetzen der Wehen verstanden.

  • Nachdem die Blase gerissen ist, setzen gewöhnlich die Wehen kurz darauf ein.

  • Setzen die Wehen nicht innerhalb von 6 bis 12 Stunden ein, steigt das Risiko einer Infektion der Frau oder des Fötus.

  • Wenn die Wehen nicht kurz nach dem Blasensprung einsetzen und die Schwangerschaft bereits seit mindestens 34 Wochen andauert und die Lunge des Fötus voll ausgebildet ist, wird die Entbindung in der Regel künstlich eingeleitet.

  • Wenn die Schwangerschaft noch keine 34 Wochen andauert und die Lunge des Fötus noch nicht voll ausgebildet ist, wird die Frau gewöhnlich ins Krankenhaus eingeliefert und eng überwacht. Sie erhält Kortikosteroide zur Ausbildung der Lunge des Fötus sowie Antibiotika, um etwaige Infektionen zu behandeln oder diesen vorzubeugen.

  • Wenn die Schwangerschaft noch keine 32 Wochen andauert, erhalten die betroffenen Frauen womöglich Magnesiumsulfat, um das Risiko einer Zerebralparese zu reduzieren.

Ein Blasensprung wird häufig als „Platzen der Fruchtblase“ bezeichnet. Wenn die Fruchtblase platzt, tritt die Flüssigkeit in der Blase (Fruchtwasser), die den Fötus umgibt, aus der Scheide aus. Diese Flüssigkeit kann tropfen oder in einem starken Strahl austreten. Sobald die Blase geplatzt ist, sollte die Frau ihren Arzt oder Geburtshelfer kontaktieren.

Wussten Sie ...

  • Sobald die Fruchtblase geplatzt ist, sollten schwangere Frauen ihren Arzt oder Geburtshelfer kontaktieren.

Die mit Flüssigkeit gefüllte Blase, die den Fötus umgibt, platzt normalerweise während der Geburtswehen. Auch bei normal verlaufenden Schwangerschaften platzt die Fruchtblase jedoch manchmal, bevor die Wehen einsetzen (vorzeitiger Blasensprung).

Ein vorzeitiger Blasensprung kann kurz vor dem Geburtstermin (in der 37. Schwangerschaftswoche oder später, was als voll ausgetragene Schwangerschaft bezeichnet wird) oder früher (vor der 37. Schwangerschaftswoche, was als früher vorzeitiger Blasensprung bezeichnet wird) erfolgen. Kommt es zu einem frühen vorzeitigen Blasensprung, erfolgt voraussichtlich auch die Entbindung zu früh (vorzeitig).

Ungeachtet dessen, wann ein vorzeitiger Blasensprung auftritt, besteht u. a. ein erhöhtes Risiko der folgenden Komplikationen:

Eine Infektion der Gebärmutter kann Fieber, starken oder übelriechenden Scheidenausfluss oder Bauchschmerzen verursachen.

Wenn ein vorzeitiger Blasensprung zu einer Frühgeburt führt, besteht bei dem Frühgeborenen ein erhöhtes Risiko für Folgendes:

  • Lungenerkrankungen

  • Blutungen im Gehirn

  • Möglicherweise Tod

Wenn Blutungen im Gehirn auftreten, entwickelt sich das Gehirn unter Umständen nicht richtig und verursacht Komplikationen, z. B. eine Zerebralparese.

Nach dem Platzen der Fruchtblase setzen die Wehen gewöhnlich innerhalb von 24 Stunden ein, wenn der Geburtstermin nahe bevorsteht. Platzt die Fruchtblase jedoch bereits zwischen der 32. und 34. Schwangerschaftswoche, kann es bis zu 4 Tage oder länger dauern, bis die Wehen einsetzen.

Diagnose

  • Untersuchung der Scheide und des Gebärmutterhalses mithilfe eines Spekulums

Mithilfe eines Spekulums werden die Scheidenwände gespreizt, der Arzt oder Geburtshelfer untersucht die Scheide und den Gebärmutterhals (den unteren Teil der Gebärmutter), um zu prüfen, ob die Fruchtblase geplatzt ist und abzuschätzen, wie weit sich der Gebärmutterhals geöffnet (geweitet) hat.

Wenn der Arzt Fruchtwasser aus der Scheide austreten sieht, geht er davon aus, dass die Fruchtblase geplatzt ist.

Behandlung

  • In der Regel eine künstliche Einleitung der Wehen (Weheneinleitung), wenn die Schwangerschaft 34 Wochen oder länger andauert

  • In der Regel Bettruhe, enge Überwachung (gewöhnlich im Krankenhaus), Antibiotika und manchmal Kortikosteroide, wenn die Schwangerschaft weniger als 34 Wochen andauert

  • In der Regel Magnesiumsulfat, um einer Gehirnblutung und Komplikationen bei der Entwicklung des Gehirns des Neugeborenen vorzubeugen, wenn die Schwangerschaft weniger als 32 Wochen andauert

Der Arzt muss bei einer Verzögerung der Entbindung das Risiko einer Infektion in der Gebärmutter und beim Fötus gegenüber den möglichen Problemen bei einer Frühgeburt abwägen. Ärzte oder qualifizierte Geburtshelfer unternehmen im Allgemeinen Folgendes:

  • Dauert die Schwangerschaft bereits seit 34 Wochen oder länger an, werden die Wehen künstlich eingeleitet, da davon ausgegangen wird, dass der Fötus reif genug ist.

  • Dauert die Schwangerschaft weniger als 34 Wochen an, wird die Frau im Krankenhaus eng auf Anzeichen einer Infektion oder auf einsetzende Wehen überwacht.

Manchmal analysieren die Ärzte eine Probe des Fruchtwassers, um den Reifegrad der Lunge des Fötus zu bestimmen. Diese Probe kann aus der Scheide der Frau oder durch eine Amniozentese gewonnen werden. Bei der Amniozentese führt der Arzt eine Nadel durch die Bauchwand ins Fruchtwasser ein und entnimmt eine Probe der den Fötus umgebenden Membranen.

Bei einem ernstzunehmenden fötalen Distress oder einer Infektion der Gebärmutter werden ungeachtet der Schwangerschaftsdauer die Wehen und die Entbindung des Kindes eingeleitet.

Wenn ein Hinauszögern der Geburtswehen erforderlich ist

Dauert die Schwangerschaft weniger als 34 Wochen an, werden die Wehen hinausgezögert. Der Mutter wird geraten, sich so gut wie möglich zu schonen und ihre körperlichen Aktivitäten zu minimieren. Unter Umständen wird sie ins Krankenhaus eingeliefert, damit sie überwacht werden kann. Ihr Blutdruck, ihre Temperatur und ihre Pulsfrequenz werden gewöhnlich mindestens 3-mal täglich aufgezeichnet. Ein Anstieg der Körpertemperatur oder der Pulsfrequenz kann auf eine Infektion hindeuten. Wenn eine Infektion droht, werden die Wehen sofort eingeleitet und das Kind wird entbunden.

Antibiotika werden verabreicht, nachdem das Platzen der Fruchtblase bestätigt wurde. In der Regel werden Antibiotika (z. B. Erythromycin, Ampicillin und Amoxizillin) zunächst intravenös und anschließend für mehrere Tage oral verabreicht. Antibiotika zögern das Einsetzen der Wehen durch die Behandlung von Infektionen, die Wehen auslösen können, hinaus und reduzieren das Risiko einer Infektion des Neugeborenen.

Wenn die Membranen vor der 34. Schwangerschaftswoche platzen, werden Kortikosteroide zur Ausbildung der Lunge des Kindes verabreicht. Ärzte können betroffenen Frauen in den folgenden Fällen auch Kortikosteroide verabreichen, wenn die Fruchtblase platzt:

  • Zwischen der 34. und 37. Schwangerschaftswoche, wenn die betroffenen Frauen das Risiko einer Frühgeburt aufweisen und zu einem früheren Zeitpunkt in der Schwangerschaft noch keine Kortikosteroide bekommen haben

  • Ab der 23. Schwangerschaftswoche, wenn die betroffenen Frauen das Risiko einer Frühgeburt innerhalb von 7 Tagen aufweisen

Dauert die Schwangerschaft weniger als 32 Wochen an, erhalten die Frauen unter Umständen intravenös Magnesiumsulfat. Dieses Medikament scheint das Risiko einer Gehirnblutung beim Neugeborenen und den entsprechenden Komplikationen bei der Entwicklung seines Gehirns, z. B. einer Zerebralparese, beträchtlich zu reduzieren.

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