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Häusliche Gewalt

Von

Erin G. Clifton

, PhD, Department of Psychiatry, University of Michigan

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2018| Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Häusliche Gewalt bezeichnet die körperliche, sexuelle und psychische Misshandlung unter Personen, die zusammenleben oder eine Beziehung führen; meist wird sie von einem Mann gegen den jeweiligen Geschlechtspartner verübt (als Intimpartnergewalt bezeichnet).

  • Das Opfer ist meist eine Frau, kann aber auch ein Mann sein.

  • Gewalt kann zu körperlichen Verletzungen, psychischen Problemen, sozialer Isolation, Arbeitsplatzverlust, finanziellen Problemen oder sogar zum Tod führen.

  • Der Verdacht auf häusliche Gewalt kann aufgrund von Verletzungen, widersprüchlichen oder rätselhaften Symptomen oder dem Verhalten des Opfers und/oder des Partners bestehen.

  • Die erste Überlegung gilt der Sicherheit – z. B., einen Fluchtplan zur Hand zu haben.

Häusliche Gewalt kann sich zwischen Eltern und Kindern, Kindern und Großeltern, zwischen Geschwistern und zwischen Intimpartnern ereignen. Sie kommt in allen Kulturen, Religionen ethnischen Gruppen, sexuellen Orientierungen, Berufs-, Einkommens-, Bildungs- und Altersgruppen vor.

Frauen sind von häuslicher Gewalt mehr bedroht als Männer. Etwa 95 % der Betroffenen, die aufgrund von häuslicher Gewalt ärztliche Hilfe aufsuchen, sind Frauen.

In den Vereinigten Staaten berichten die folgenden Gruppen irgendwann in ihrem Leben von häuslicher Gewalt:

  • Etwa 35 Prozent der heterosexuellen Frauen

  • Beinahe 44 Prozent der lesbischen Frauen

  • Beinahe 61 Prozent der bisexuellen Frauen

  • Etwa 29 Prozent der heterosexuellen Männer

  • Etwa 26 Prozent der homosexuellen Männer

  • Etwa 37 Prozent der bisexuellen Männer

In den Vereinigten Staaten waren mehr als 1 von 4 Frauen und mehr als 1 von 7 Männern im Laufe des Lebens bereits von schwerer körperlicher Gewalt durch einen Intimpartner betroffen. Frauen werden häufiger Opfer von körperlicher Gewalt oder Mord durch einen männlichen Partner als durch andere Personen. Experten schätzen, dass in den USA jedes Jahr etwa 2 Mio. Frauen schwer von ihrem Partner geschlagen werden.

Wussten Sie ...

  • Häusliche Gewalt kann jeden betreffen.

  • In den Vereinigten Staaten waren mehr als 1 von 4 Frauen und mehr als 1 von 7 Männern im Laufe des Lebens bereits von schwerer körperlicher Gewalt durch einen Intimpartner betroffen.

  • Der Täter versucht, die Kontrolle über das Opfer zu erlangen, indem er den Zugriff auf Geld und den Kontakt zu anderen Menschen einschränkt, sogar per Telefon oder E-Mail.

Körperlicher Missbrauch

Körperlicher Missbrauch ist die offensichtlichste Form von häuslicher Gewalt. Dazu zählen Schläge, Ohrfeigen, Tritte, Kniffe, Knochenbrüche, Haare ausreißen, Schubsen, Arme verdrehen, gegen etwas knallen, Würgen, Drosseln, Prügel und Verbrennungen. Dem Opfer kann auch Nahrung oder Schlaf vorenthalten werden. Waffen, wie z. B. ein Gewehr oder ein Messer, können zum Einsatz kommen, um damit zu drohen oder Verletzungen herbeizuführen.

Sexueller Übergriff

Sexuelle Übergriffe kommen häufig vor: 33 bis 50 Prozent der Frauen, die von ihrem Partner körperlich misshandelt werden, sind auch Opfer sexueller Misshandlungen. Sexuelle Übergriffe erfolgen mittels Bedrohungen oder Gewalt, um einen sexuellen Kontakt zu erzwingen, der von ungewollten Berührungen über Grabschen und Küssen bis hin zur Vergewaltigung reicht.

Psychische Misshandlung

Die psychische Misshandlung kommt sehr häufig vor und geht meist mit einem körperlichen oder sexuellen Missbrauch einher. Zu den psychischen Misshandlungen gehören alle Verhaltensweisen, die das Opfer klein halten, oder unterminieren und in denen der Stärkere Macht über das Opfer ausübt. Eine psychische Misshandlung kann Folgendes beinhalten:

  • Beschimpfungen

  • Soziale Isolation

  • Finanzielle Kontrolle

Der Täter setzt das Opfer unter vier Augen oder öffentlich mit Worten herab, demütigt es, schüchtert es ein und bedroht es. Der Täter lässt das Opfer glauben, dass seine Wahrnehmung der Realität falsch und es verrückt sei, d. h., er versucht, es in den Wahnsinn zu treiben (sog. Psychoterror oder Gaslighting), oder redet ihm ein, es sei schuldig oder verantwortlich für die Missbrauchsbeziehung. Gegenstand der Demütigung können auch die sexuelle Leistung und/oder das körperliche Erscheinungsbild des Opfers sein.

Der Täter kann das Opfer teilweise oder vollständig isolieren, indem er die Beziehung zu Freunden, Verwandten und anderen Menschen kontrolliert. Hierzu gehört das Verbot des Kontakts zu anderen Menschen – persönlich, schriftlich, telefonisch, per E-Mail, SMS oder über soziale Medien. Die Übergriffe werden unter Umständen mit dem Motiv Eifersucht gerechtfertigt. Das Opfer kann weiter isoliert werden, indem der Täter es überzeugt, dass Familienmitglieder und Freunde ihm nicht helfen können.

Oft hält der Täter Geld zurück, um das Opfer zu kontrollieren. Das Opfer ist vielleicht vom Täter (ganz oder teilweise) finanziell abhängig. Der Täter kann die Kontrolle aufrechterhalten, indem er verhindert, dass das Opfer arbeiten geht, indem er ihm Informationen über die gemeinsamen Finanzen vorenthält und ihm Geld abnimmt.

Der Täter kann auch verhindern, dass das Opfer medizinische Hilfe erhält.

Reaktion des Täters

Nach einem Missbrauch bittet der Täter möglicherweise um Vergebung und verspricht, sich zu ändern und das missbrauchende Verhalten zu beenden. Normalerweise setzt sich der Missbrauch jedoch fort und eskaliert häufig.

Die Gewaltausbrüche treten episodisch auf und sind nicht vorhersehbar. Dadurch lebt das Opfer möglicherweise in einer fast ständigen Angst vor dem nächsten Ausbruch.

Verlassen der Missbrauchsbeziehung

Häufig beenden die Opfer die Missbrauchsbeziehung nicht. Gründe dafür sind u. a.:

  • Gefühl der finanziellen Abhängigkeit vom Täter

  • Gefühl des Alleinseins ohne Hilfe

  • Angst, dass der Versuch oder Plan, die Beziehung zu beenden, zu noch schlimmerer Gewalt führt

  • Angst vor der Reaktion des Täters, wenn die Beziehung beendet wird (zum Beispiel Stalking, Verletzung der Kinder, eines anderen Familienmitglieds oder eines Haustiers)

  • Glauben daran, dass der Täter sich ändern wird (zum Beispiel aufgrund entsprechender Versprechen)

  • Liebe zum Täter trotz allem

  • Glauben daran, dass Missbrauch normal sein könnte (zum Beispiel durch die Art, wie das Opfer aufgewachsen ist, oder aufgrund der Kultur)

Auswirkungen

Opfer von häuslicher Gewalt können Verletzungen aufweisen. Bei solchen Verletzungen kann es sich um Blutergüsse, blaues Auge, Schnitte, Kratzer, Knochenbrüche, ausgeschlagene Zähne oder Verbrennungen handeln. Opfer können ihre Arbeitsstelle verlieren, weil sie wegen der Verletzungen zu häufig fehlen. Sowohl die Verletzungen als auch die gesamte Situation können zu Scham und dazu führen, dass sich das Opfer von Familie und Freunden zurückzieht.

Opfer können Symptome ohne offensichtliche körperliche Ursache entwickeln. Dazu zählen Kopfschmerzen, Bauch- und Unterleibsschmerzen sowie Erschöpfung.

Viele Opfer haben auch sexuell übertragbare Krankheiten und Probleme während der Schwangerschaft.

Unter Umständen müssen Opfer häufig umziehen, um dem Täter zu entkommen, was zu einer finanziellen Belastung wird.

Manche Täter töten ihr Opfer.

Wussten Sie ...

  • Opfer von häuslicher Gewalt können Depressionen und Ängste entwickeln oder dem Drogen- oder Alkoholmissbrauch verfallen.

  • Sie sind in größter Gefahr, wenn ihr Partner weiß, dass sie sich dazu entschlossen haben, sich zu trennen.

Viele Opfer haben psychische Probleme infolge häuslicher Gewalt. Unter misshandelten Frauen kommen beispielsweise folgende Probleme vor:

Bei vielen Frauen kommt es infolge der Misshandlungen zu Depression und PTBS. Misshandelte Frauen können zudem Angststörungen und Essstörungen entwickeln und von Suchtmitteln abhängig werden. Häusliche Gewalt kann auch Symptome bereits bestehender geistiger Erkrankungen verschärfen.

Frauen, die schwerer misshandelt werden, entwickeln häufiger psychologische Probleme.

Selbst wenn die körperlichen Misshandlungen abnehmen, gehen die psychischen Misshandlungen häufig weiter und erinnern die Frau daran, wie gefährdet sie ist. Psychische Misshandlung kann noch mehr Schaden anrichten als körperlicher Missbrauch. Psychische Misshandlungen erhöhen das Risiko für Depressionen und Suchterkrankungen.

Wenn Kinder häusliche Gewalt miterleben

Jedes Jahr werden Millionen von Kindern Zeugen von körperlichen oder verbalen Misshandlungen in ihren Familien.

Bei diesen Kindern kann es zu folgenden Problemen kommen:

  • Übermäßige Angst und Weinen

  • Ängstlichkeit

  • Schlafschwierigkeiten

  • Depression

  • Sozialer Rückzug

  • Schwierigkeiten in der Schule

Manche Kinder geben sich selbst die Schuld an der Situation. Ältere Kinder laufen unter Umständen von zu Hause fort.

Jungen, die mit ansehen, wie der Vater die Mutter quält, greifen als Erwachsene möglicherweise selbst zu Gewalt. Mädchen, die derartige Situationen erleben, neigen als Erwachsene dazu, Gewalt hinzunehmen.

Teilweise trifft die Gewalt auch die Kinder. Wo häusliche Gewalt ausgeübt wird, ist das Risiko, dass Kinder körperlich misshandelt werden, deutlich erhöht.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Der Verdacht auf häusliche Gewalt kann aufgrund von Verletzungen, widersprüchlichen oder rätselhaften Symptomen und/oder dem Verhalten des Opfers und/oder des Partners bestehen. Ein Opfer kann den Missbrauch auch melden.

Wenn ein Verdacht auf häusliche Gewalt besteht, kann ein Arzt die betroffene Person behutsam nach ihrer Beziehung zum Partner fragen. Viele Experten empfehlen, dass Ärzte allen Personen Fragen zu häuslicher Gewalt stellen sollten.

Bei Verdacht auf häusliche Gewalt versucht der Arzt, festzustellen, ob das Opfer sicher nach Hause gehen kann, bevor es die Praxis verlässt. Die Sicherheit wird unter folgenden Umständen bezweifelt:

  • Das Opfer hat damit gedroht, sich zu trennen

  • Die Gewalt wurde immer stärker.

  • Der Partner hat Zugang zu Waffen.

  • Der Partner hat gedroht, das Opfer zu töten oder zu verletzen.

Wird die häusliche Gewalt bestätigt, müssen Ärzte die Beweise für den Missbrauch dokumentieren, oft durch Bildaufnahmen der Verletzungen. Damit kann eine Verhandlung gegen den Täter unterstützt werden.

Maßnahmen

  • Erstellen eines Sicherheitsplans

  • Hilfe suchen, wenn nötig

Opfer müssen sich klarmachen, dass ein Missbrauch niemals gerechtfertigt ist und dass sie Unterstützung bekommen können, egal ob sie in der Missbrauchsbeziehung bleiben oder sich trennen wollen.

Bei häuslicher Gewalt gilt die erste Überlegung der Sicherheit. Während eines Angriffs sollten die Opfer versuchen, Orte zu meiden, an denen sie in der Falle sitzen und wo der Täter an Waffen gelangen kann, z. B. in der Küche. Wenn möglich, sollten Opfer sofort den Notruf 112 wählen oder die Polizei rufen und das Haus verlassen. Verletzungen sollten behandelt und zum Beweis fotographiert werden. Opfer sollten ihren Kindern beibringen, nicht in den Konflikt einzugreifen, aber auch, wann und wie sie Hilfe holen können.

Sehr wichtig ist das Erstellen eines Sicherheitsplans. Er sollte Folgendes beinhalten:

  • Wo Hilfe zu finden ist (Opfer sollten verschiedene Orte haben, die sie aufsuchen können, sowie Personen, die sie anrufen können)

  • Wie man verschwinden kann (man kann so tun, als ob man alltägliche Aufgaben außerhalb des Hauses erledigen möchte, wie Besorgungen machen oder mit dem Hund Gassi gehen)

  • Wie man an Geld kommt (Geld verstecken, ein eigenes Bankkonto eröffnen und nach Möglichkeit eine eigene Kreditkarte beantragen)

Opfer sollten zudem Kopien von offiziellen Dokumenten anfertigen und verstecken (z. B. Geburtsurkunden der Kinder, Sozialversicherungsausweise, Versicherungskarten und Bankkontonummern). Sie sollten eine Übernachtungstasche gepackt und versteckt haben, falls sie schnell weg müssen.

Mitunter liegt die einzige Lösung darin, eine solche Missbrauchsbeziehung zu beenden, denn erfahrungsgemäß setzt sich häusliche Gewalt fort und nimmt eher zu als ab. Selbst wenn die körperliche Gewalt zurückgeht, kann die psychische Gewalt anhalten.

Die Entscheidung, zu gehen, fällt nicht leicht. Opfer fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen oft nicht in der Lage, eine Missbrauchsbeziehung zu beenden – auch, weil sie Angst davor haben, was der Täter tun könnte, nachdem sie gegangen sind, oder weil sie vom Täter finanziell abhängig sind.

Nachdem der Täter weiß, dass das Opfer die Entscheidung getroffen hat, zu gehen, ist für das Opfer die Gefahr, verletzt oder getötet zu werden, am größten. Zu diesem Zeitpunkt sollten Opfer zusätzliche Schritte ergreifen, um sich und ihre Kinder zu schützen. Sie können zum Beispiel eine einstweilige Verfügung oder ein Näherungsverbot einholen, obwohl diese Anordnungen ihre Sicherheit auch nicht immer garantieren.

Hilfe finden Sie im Frauenhaus, bei Selbsthilfegruppen, vor Gericht oder am Hilfetelefon (08000 116 016). Opfer sollten Hilfe suchen, auch wenn es sich um keinen schweren Missbrauch handelt. Dies hat auch nicht unbedingt Konsequenzen für den Partner.

Weitere Informationen

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