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Autoimmunerkrankungen während der Schwangerschaft

Von

Lara A. Friel

, MD, PhD, University of Texas Health Medical School at Houston, McGovern Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Quellen zum Thema

Autoimmunerkrankungen, einschließlich der Basedow-Krankheit, treten häufiger bei Frauen auf, insbesondere bei schwangeren Frauen. Die Antikörper, die bei einer Autoimmunerkrankung gebildet werden, können die Plazenta überwinden und für das Ungeborene problematisch werden. Eine Schwangerschaft wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf die verschiedenen Autoimmunerkrankungen aus.

Antiphospholipid-Syndrom

Das Antiphospholipid-Syndrom, das eine zu schnelle oder übermäßige Bildung von Blutgerinnseln fördert, kann bei einer Schwangerschaft Folgendes verursachen:

Zur Diagnose des Antiphospholipid-Syndroms unternimmt der Arzt Folgendes:

  • Befragung der Frau nach unerklärlichen Tot-, Fehl- oder Frühgeburten oder nach Problemen mit Blutgerinnseln

  • Bluttests zum Nachweis von Antiphospholipid-Antikörpern an mindestens zwei unterschiedlichen Terminen

Aufgrund dieser Informationen kann der Arzt ein Antiphospholipid-Syndrom diagnostizieren.

Leidet eine Frau unter einem Antiphospholipid-Syndrom, wird sie gewöhnlich während der Schwangerschaft bis 6 Wochen nach der Entbindung mit Antikoagulanzien und niedrig dosiertem Aspirin behandelt. Eine solche Behandlung kann die Bildung von Blutgerinnseln und das Auftreten von Schwangerschaftskomplikationen verhindern.

Immunthrombozytopenie (ITP)

Bei einer Immunthrombozytopenie wird die Anzahl der Blutplättchen (auch Thrombozyten genannt) im Blutstrom durch Antikörper verringert. Die Blutplättchen sind zellähnliche Bestandteile, die den Gerinnungsprozess unterstützen. Zu wenig Blutplättchen (Thrombozytopenie) können starke Blutungen bei schwangeren Frauen und ihren Kindern hervorrufen.

Unbehandelt wird eine Immunthrombozytopenie während der Schwangerschaft oft schlimmer.

Die Antikörper, welche die Erkrankung hervorrufen, können durch die Plazenta zum Fötus gelangen. Jedoch wirken sie sich selten auf die Blutplättchenzahl im Fötus aus.

Der Fötus kann in der Regel durch eine vaginale Geburt entbunden werden.

Behandlung

  • Kortikosteroide

  • Manchmal Immunglobulin, intravenös verabreicht

Kortikosteroide, meist Prednison zum Einnehmen, können die Blutplättchenzahl erhöhen und so die Blutgerinnung von schwangeren Frauen mit Immunthrombozytopenie verbessern. Diese Verbesserung ist jedoch nur bei der Hälfte der Frauen von Dauer. Prednison ist außerdem mit dem Risiko verbunden, dass der Fötus nicht wie erwartet wächst oder es zu einer Frühgeburt kommt.

Frauen mit einer gefährlich niedrigen Anzahl von Blutplättchen kann unter Umständen kurz vor der Geburt Immunglobulin in hohen Dosen intravenös verabreicht werden. Immunglobulin (Antikörper aus dem Blut von Menschen mit einem normalen Immunsystem) erhöht vorübergehend die Blutplättchenzahl und verbessert die Blutgerinnung. Das Ergebnis ist eine höhere Sicherheit während der Wehen, und so können vaginale Geburten ohne die Gefahr unkontrollierbarer Blutungen vorgenommen werden.

Nur wenn der Blutplättchenspiegel so niedrig ist, dass schwere Blutungen zu befürchten sind, oder wenn ein Kaiserschnitt angezeigt ist, erhalten Schwangere Blutplättchentransfusionen.

Wenn die Anzahl der Blutplättchen trotz Behandlung gefährlich niedrig bleibt, wird in Einzelfällen die Milz entfernt, wo normalerweise alte Blutkörperchen und Blutplättchen ausgefiltert und abgebaut werden. Der beste Zeitpunkt für diese Operation ist das zweite Trimester der Schwangerschaft.

Myasthenia gravis

Die Myasthenia gravis, die eine Muskelschwäche hervorruft, verursacht gewöhnlich keine ernsthaften oder anhaltenden Probleme während der Schwangerschaft. Schwangere Frauen leiden jedoch häufiger unter Schwächeanfällen. Sie müssen daher eventuell eine höhere Dosis der Medikamente einnehmen, mit denen diese Erkrankung behandelt wird (wie z. B. Neostigmin). Diese Medikamente können Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und zunehmende Schwäche verursachen. Falls diese Medikamente nicht wirken, können den betroffenen Frauen stattdessen Kortikosteroide oder Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva) verordnet werden.

Einige Mittel, die häufig bei einer Schwangerschaft eingesetzt werden, wie z. B. Magnesium, können die durch Myasthenia gravis verursachte Schwäche verschlimmern. Deshalb müssen Frauen mit einer Myasthenia gravis sichergehen, dass ihr Arzt von der Störung weiß.

In Ausnahmefällen brauchen Frauen mit dieser Erkrankung während der Wehen Hilfe beim Atmen (unterstützte Beatmung).

Die Antikörper, die diese Erkrankung hervorrufen, können die Plazenta überwinden. Das Ergebnis ist, dass eines von fünf Kindern von entsprechend erkrankten Frauen mit Myasthenia gravis geboren wird. Beim Kind ist die Muskelschwäche jedoch gewöhnlich nur vorübergehend, weil die Antikörper der Mutter allmählich abgebaut werden und das Kind selbst keine Antikörper produziert.

rheumatoide Arthritis

Rheumatoide Arthritis kann sich während der Schwangerschaft oder noch häufiger kurz nach der Geburt entwickeln. Leidet eine Frau schon vor ihrer Schwangerschaft unter einer rheumatoiden Arthritis, kann diese während der Schwangerschaft vorübergehend unterdrückt werden.

Wenn eine Arthritis das Hüftgelenk oder die Lendenwirbelsäule geschädigt hat, kann die Geburt erschwert sein. Die Erkrankung hat jedoch keine Auswirkung auf den Fötus. Die Symptome von rheumatoider Arthritis gehen während der Schwangerschaft mitunter zurück, erreichen danach aber wieder ihr vorheriges Ausmaß.

Wenn es während der Schwangerschaft zu einer Verschlimmerung kommt, wird die Frau mit Prednison (ein Kortikosteroid) behandelt. Falls Prednison nicht wirkt, kann stattdessen ein Medikament zur Unterdrückung des Immunsystems (ein Immunsuppressivum) eingesetzt werden.

Systemischer Lupus erythematodes (Lupus)

Lupus kann während einer Schwangerschaft erstmals auftreten, sich verschlimmern oder auch verbessern. Es ist nicht vorherzusagen, wie die Schwangerschaft den Verlauf von Lupus beeinflusst. Allerdings treten Verschlimmerungen gewöhnlich unmittelbar nach der Geburt auf.

Frauen, die an Lupus erkranken, haben häufig bereits mehrere Fehlgeburten hinter sich, haben ungewöhnlich kleine Kinder für ihr Gestationsalter und Frühgeburten. Kommt es bei Frauen aufgrund von Lupus zu Komplikationen (z. B. ein Nierenschaden oder Bluthochdruck), besteht ein erhöhtes Risiko, dass der Fötus bzw. das Neugeborene oder die Mutter sterben.

Komplikationen im Zusammenhang mit Lupus können reduziert werden, wenn folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Die Frauen warten mit der Schwangerschaft, bis die Erkrankung 6 Monate lang inaktiv war.

  • Die Medikation wird angepasst, um den Lupus so gut wie möglich zu kontrollieren.

  • Blutdruck und Nierenfunktion sind normal.

Die Lupusantikörper der Schwangeren können durch die Plazenta den Fötus erreichen. Dies führt beim Kind zu einer sehr langsamen Herzfrequenz, Blutarmut, Blutplättchenmangel oder einem Mangel an weißen Blutkörperchen. Nach der Geburt bilden sich diese Antikörper jedoch im Laufe einiger Wochen zurück, und bis auf die langsame Herzfrequenz verschwinden auch die durch sie verursachten Probleme.

Frauen mit Lupus, die vor der Schwangerschaft Hydroxychloroquin eingenommen haben, können dieses auch während der Schwangerschaft verwenden. Kommt es zu einer Verschlimmerung, müssen die Frauen unter Umständen eine geringe Dosis Prednison (ein Kortikosteroid) oral, ein anderes Kortikosteroid wie z. B. Methylprednisolon einnehmen oder ein Medikament zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressivum) wie z. B. Azathioprin verwenden.

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