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Der ältere Fahrer

Von

Peggy P. Barco

, OTD, OTR/L, BSW, SCDCM, CDRS, FAOTA, Washington University Medical School;


David B. Carr

, MD, Washington University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2020| Inhalt zuletzt geändert Mai 2020
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Quellen zum Thema

Das Autofahren bietet älteren Menschen Freiheit, Unabhängigkeit und wichtige soziale Interaktionen mit ihrer Gemeinschaft, was viele Menschen in ihrer Jugend für selbstverständlich halten. Das Privileg, einen Wagen zu steuern, stützt sich jedoch auf die Fähigkeit, ein Kraftfahrzeug sicher fahren zu können. Im Vergleich zu Autofahrern mittleren Alters besteht bei Fahrern ab 70 Jahren ein erhöhtes Unfallrisiko pro gefahrenem Kilometer. Personen, die selten fahren, sind besonders gefährdet. Somit sollte eine beeinträchtigte Funktion infolge altersbedingter Erkrankungen als „gelbe Ampel“ verstanden werden – ein Warnsignal dafür, dass die Fahrprivilegien neu bewertet werden sollten.

Viele Faktoren können die Fahrkompetenz älterer Erwachsener mindern. Zu diesen Faktoren gehören altersbedingte Veränderungen in der Reaktionszeit und Sehstörungen, kognitive Störungen und Muskelerkrankungen, die im Alter häufiger auftreten. Häufig werden Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen bei älteren Menschen eingesetzt. Manche Arzneimittelklassen können eine sedierende Wirkung haben und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Einige dieser Faktoren können angegangen und modifiziert werden.

Wussten Sie ...

  • Ältere Menschen verursachen beim Linksabbiegen häufiger Autounfälle als Personen anderer Altersgruppen.

Unfallraten und Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung

Im Durchschnitt haben ältere Fahrer sogar weniger Unfälle pro Jahr als jüngere Fahrer. Da sie jedoch weniger Kilometer als Fahrer mittleren Alters fahren, verursachen ältere Fahrer durchschnittlich mehr Unfälle pro gefahrenem Kilometer. Unfallraten beginnen ab einem Alter von ca. 70 Jahren zu steigen und nehmen ab einem Alter von 80 Jahren noch schneller zu. Für jeden gefahrenen Kilometer weisen ältere Fahrer höhere Raten bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung und bei Unfällen mit Todesfolge auf als alle anderen Altersgruppen über 25 Jahre. Es sollte bedacht werden, dass die aktuelle Generation älterer Menschen weitere Wege fährt als die vorherigen Generationen und dass sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen wird.

Die Nichtbeachtung der Vorfahrtsregel (häufig, weil sie angeblich „geschaut, aber nichts gesehen“ haben) ist bei älteren Fahrern einer der häufigsten Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung. Außerdem haben ältere Fahrer mehr Schwierigkeiten, sich in den Verkehr einzuordnen, und können Probleme an Kreuzungen haben, insbesondere beim Linksabbiegen. Diese Schwierigkeiten lassen sich auf Folgendes zurückführen:

  • Schwierigkeit, mehrere Informationen gleichzeitig zu beurteilen (Multitasking)

  • Schwierigkeit, die Geschwindigkeit heranfahrender Autos oder Objekte zu beurteilen

  • Eingeschränktes Gesichtsfeld

Trotzdem fahren ältere Fahrer häufig vorsichtiger als jüngere Fahrer. Viele ältere Fahrer, die nicht an einer Erkrankung leiden, die das Denk- und Urteilsvermögen beeinträchtigt (z. B. Demenz), fangen an, ihre Fahrten aus Sicherheitsgründen zu beschränken. Sie neigen dazu, das Fahren im Dunkeln, während der Hauptverkehrszeit oder bei schlechtem Wetter zu vermeiden. Darüber hinaus ist Alkohol viel seltener ein Faktor bei Unfällen, in die ältere Fahrer verwickelt sind. Ältere Fahrer haben auch seltener Unfälle, wenn sie auf kurvigen Straßen oder mit hohen Geschwindigkeiten fahren. Bei Unfällen in Verbindung mit älteren Fahrern ist seltener nur ein Fahrzeug involviert. Tendenziell sind mehrere Fahrzeuge betroffen. Interessanterweise scheint die Unfallrate von Fahrern über 70 Jahren mit der Anzahl der Passagiere, die sich im Fahrzeug befinden, zu sinken.

Unfälle, an denen ältere Fahrer beteiligt sind, führen auch eher zu schwerwiegenden Verletzungen und Verkehrstoten. Die erhöhte Verletzungswahrscheinlichkeit älterer Fahrer lässt sich vermutlich auf körperliche Gebrechlichkeit zurückführen. Darüber hinaus sind ältere Fahrer häufiger in einen Unfall verwickelt, wenn sie links abbiegen, und bei solchen Abbiegemanövern ist der Fahrer besonders gefährdet. Glücklicherweise ist auch die Zahl älterer Erwachsener, die bei Autounfällen ums Leben gekommen sind, in den letzten zehn Jahren zurückgegangen. Dies ist vermutlich weniger auf eine Verbesserung der Fragilität der Personen als vielmehr auf verbesserte Autobahnen und eine erhöhte Aufprallsicherheit der Fahrzeuge zurückzuführen.

Gründe für eine beeinträchtigte Fahrtüchtigkeit

Einen Wagen zu steuern, bedeutet die präzise Ausführung mehrerer Aufgaben gleichzeitig (wie z. B. bremsen und lenken). Diese Aufgaben erfordern mehrere Eigenschaften, u. a.:

  • Einen klaren Kopf

  • Aufmerksamkeit und mentalen Fokus

  • Schnelle Reaktionszeit

  • Koordination

  • Ausreichende Muskelkraft

  • Einen guten Bewegungsradius des Oberkörpers (oberer Rumpf, Schultern und Nacken)

  • Empfindung in den Beinen und Füßen

  • Ein gutes Seh- und Hörvermögen

  • Gutes Urteilsvermögen, Planungskompetenz und Entscheidungsfähigkeit

Defizite bei irgendwelchen dieser Eigenschaften können sich stark auf die Fahrkompetenz auswirken. Diese Defizite können verschiedene Ursachen haben. Praktisch alle diese Eigenschaften werden mit zunehmendem Alter beeinträchtigt und verschlechtern sich mit dem Auftreten von Erkrankungen.

Älterwerden

Älterwerden an sich geht in der Regel mit einer schrittweisen und schleichenden Abnahme von Muskelkraft, Koordination, Reaktionszeit, Konzentrationsfähigkeit und Hörvermögen einher. Ältere Menschen verfügen über eine geringere Ausdauer und sind schneller erschöpft, insbesondere in Situationen, die Konzentration erfordern. Ältere Menschen können sich schlechter auf mehrere Aufgaben gleichzeitig konzentrieren. Jedoch sind die meisten dem Älterwerden zugeschriebenen Veränderungen eher klein und häufig nicht der Hauptgrund für Probleme mit der Fahrsicherheit.

Gesundheitszustände

Erkrankungen, die bei älteren Menschen häufiger vorkommen, können sich besonders auf ältere Fahrer negativ auswirken. Zum Beispiel kann der Blutzuckerspiegel von Autofahrern mit Diabetes zu hoch ansteigen oder zu stark absinken. Solche Veränderungen können klares Denken, Aufmerksamkeit, Konzentration, Sehvermögen und die Empfindung in den Füßen beeinträchtigen.

Ältere Fahrer mit Demenz (einschließlich Alzheimer-Krankheit) können ein schlechtes Urteils- und Erinnerungsvermögen und langsamere Reaktionszeiten aufweisen, was beim Fahren gefährlich werden kann. Auch wenn die Demenz erst im Frühstadium ist, können sich Fahrer leichter verfahren oder in dichtem Verkehr oder bei unerwarteten Vorfällen auf der Straße verwirrt werden.

Ein Schlaganfall oder ein sogenannter Mini-Schlaganfall (transitorische ischämische Attacke, kurz TIA) kann die Reaktionszeit verlangsamen, Muskelschwäche verursachen, das Sehvermögen beeinträchtigen und die Koordinationsfähigkeit verringern. Krampfanfälle können plötzlich dazu führen, dass sich Menschen ihrer Umgebung nicht mehr bewusst sind oder sogar ganz das Bewusstsein verlieren. Ein kürzlicher Herzinfarkt kann das Risiko für einen Ohnmachtsanfall oder für das Auftreten von Benommenheit erhöhen.

Arthritis verursacht Gelenkschmerzen und Steifheit, wodurch der Bewegungsradius eingeschränkt und möglicherweise die Fähigkeit zur Steuerung des Wagens beeinträchtigt wird. Schmerzen und Steifheit in den Knien oder der Hüfte können sich zum Beispiel auf die Fähigkeit, das Brems- oder Gaspedal herunterzudrücken, auswirken. Bei Arthritis ist das Wenden des Kopfes (das beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren notwendig ist) mit Schmerzen verbunden oder wird insgesamt erschwert.

Glaukom und Makuladegeneration sind Augenerkrankungen, die zu Problemen beim Fahren in der Dämmerung oder im Dunkeln führen. Ein Glaukom kann das Gesichtsfeld verkleinern, sodass Fahrzeuge und andere Objekte auf der Fahrerseite schwer zu erkennen sind. Katarakte, die fast ausschließlich bei älteren Menschen auftreten, können dazu führen, dass der Fahrer durch das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge oder durch Straßenlaternen geblendet wird.

Medizinische Literatur und Empfehlungen einer Vielzahl medizinischer Gesellschaften sind für Klinikärzte verfügbar, um zu überprüfen und Entscheidungen darüber zu treffen, ob jemand weiterhin ein Kraftfahrzeug fahren oder evaluiert werden sollte.

Arzneimittel

Viele ältere Menschen nehmen Arzneimittel ein, die unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Nebenwirkungen können Schläfrigkeit, Schwindel, Verwirrung und andere Symptome, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, einschließen. Sowohl verschreibungspflichtige als auch rezeptfreie Arzneimittel können diese Nebenwirkungen haben. Wenn eine Person mit der Einnahme eines neuen Medikaments beginnt, das die visuelle, physische oder mentale Funktion beeinträchtigen könnte, sollte sie mehrere Tage lang kein Fahrzeug fahren, um sicherzugehen, dass keine Nebenwirkungen auftreten. Arznei- und Rauschmittel, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können, sind u. a.:

  • Alkohol

  • Antiepileptika

  • Antiemetika (zur Behandlung von Übelkeit)

  • Antipsychotika

  • Benzodiazepine oder Arzneimittel zur Behandlung von Angstgefühl

  • Arzneimittel zur Behandlung von Glaukom

  • Arzneimittel zur Behandlung der Parkinson-Krankheit

  • Muskelrelaxanzien

  • Antihistaminika

  • Opioide

  • Schlafmittel

  • Einige sedierende Antidepressiva

Situationen

Stress, insbesondere beim Fahren in fremder Umgebung oder bei dichtem Verkehr, kann zu den Schwierigkeiten beim Fahren beitragen. Müdigkeit und Ablenkung mindern die Fahrtüchtigkeit zusätzlich. Die Verwendung von technischen Geräten wie einem Mobiltelefon bzw. das Schreiben von Textnachrichten erhöht das Unfallrisiko um das 4- bis 8-fache. Auch wenn alle Fahrer diese Ablenkungen vermeiden sollten, sind ältere Erwachsene angesichts der altersbedingten Veränderungen oder der Abnahme von Aufmerksamkeit und/oder der Fähigkeit für Multitasking besonders anfällig. Neuere Autos mit modernen Techniken zur Unfallverhütung, wie z. B. Spurwechsel- und Spurhalteassistent (MyCarDoesWhat.org), sollten individuell in Erwägung gezogen werden.

Stürze bei älteren Erwachsenen sind mit einem erhöhten Risiko für Kraftfahrzeugunfälle in Zusammenhang gebracht worden. Dies ist einleuchtend, da beide Tätigkeiten die Integration von visuellen, kognitiven und motorischen Fähigkeiten erfordern.  Daher können Interventionen zur Verringerung des Sturzrisikos (z. B. die Reduzierung sedierender Medikamente, mehr körperliche Aktivität und Gleichgewichtstraining) eine Rolle bei der Verbesserung der Fahrsicherheit spielen.

Bei einigen älteren Menschen besteht das einzige Defizit bei der Fahrtüchtigkeit in einem Mangel an Fahrpraxis in letzter Zeit. Es kommt häufig vor, dass ein Partner in einer Beziehung mehr fährt als der andere. Wenn der häufigere Fahrer in einer Beziehung stirbt, kann es sein, dass der andere nicht mehr bereit ist, selbst hinter dem Steuer zu sitzen. Beide Partner sollten ihre Fahraktivitäten weiterhin aufteilen, da bei einer Person, die selten fährt, ein erhöhtes Risiko besteht, dass diese irgendwann überhaupt nicht mehr fährt.

Kompensationsmethoden

Viele Fahrer beginnen, ihre Fahraktivitäten selbst zu regulieren, wenn sie älter werden.  Zum Beispiel können ältere Fahrer ihre Fahraktivitäten selbst regulieren, indem sie keine langen Autobahnstrecken fahren, nachts weniger fahren, unübersichtliche Kreuzungen und/oder riskantes Fahrverhalten (z. B. Geschwindigkeitsüberschreitungen, Auffahren sowie Fahren unter Alkoholeinfluss) vermeiden. Es gibt viele Strategien, die ältere Fahrer anwenden können, um einige der altersbedingten Faktoren zu kompensieren, die zu Sicherheitsbedenken bezüglich ihrer Fahrweise führen können.

Gefahren vermeiden

Ältere Fahrer können ihre jahrelange Fahrpraxis nutzen, um Gefahrensituationen zu erkennen und zu vermeiden. Da zum Beispiel die Muskelkraft mit dem Älterwerden abnimmt, können ältere Fahrer entscheiden, kürzere Distanzen zu fahren und regelmäßig Pausen einzulegen. Sie können Autobahnen und andere Bereiche mit dichtem Verkehr oder bekanntermaßen gefährliche Straßen meiden. Sie können Fahren im Dunkeln oder in der Dämmerung vermeiden, wenn Probleme mit Geblendetwerden am wahrscheinlichsten sind. Sie können die Hauptverkehrszeit und schlechtes Wetter meiden und versuchen, an ungeschützten Kreuzungen nicht links abzubiegen. Unter Umständen bevorzugen sie es, nur vertraute Strecken und zu vertrauten Orten zu fahren.

Ablenkungen beim Fahren vermeiden

Ablenkungen zu vermeiden – was grundsätzlich für alle Autofahrer gilt – ist für ältere Fahrer wesentlich. Mobiltelefone haben eine wichtige Sicherheitsfunktion für Autofahrer, wenn ein Wagen unerwartet Reparaturen benötigt. Jedoch wird beim Autofahren von der Verwendung von Mobiltelefonen (selbst von Modellen mit Freisprecheinrichtung) dringendst abgeraten. Je nach Staat gelten unterschiedliche Gesetze bezüglich der Verwendung von Mobiltelefonen während der Fahrt. In einigen Staaten ist es illegal. Ähnlich können das Justieren der Stereoanlage oder sonstiger integrierter Systeme (wie z. B. Navigationssystem, Klimaanlage oder Sitzposition), Essen oder Trinken, Rauchen (es gibt unabhängig vom Alter viele weitere Gründe, nicht zu rauchen), Kartenlesen und selbst Gespräche mit den Mitfahrern ablenken und die Fahrtüchtigkeit des Fahrers oder der Fahrerin beeinträchtigen. Deshalb sollte man während der Fahrt generell Ablenkungen aller Art minimieren.

Nutzung von Technik

Neuere technische Geräte können älteren Fahrern helfen. Parkhilfen, die Kameras oder Infrarotsysteme verwenden, um das Rückwärtsfahren, Einparken und sonstige Manöver zu erleichtern, sind insbesondere für Menschen hilfreich, die Schwierigkeiten beim Zurückblicken über die Schulter haben. Sonstige Systeme, die für ältere Fahrer hilfreich sein können, umfassen Tempomat, ABS (Antiblockiersystem) und ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm), die die Bodenhaftung und das Lenken verbessern. Fortgeschrittene Sichtsysteme für Fahrten im Dunkeln umfassen Kurvenlicht (das Licht wird um eine Kurve herum gerichtet) und automatisch abblendbare Scheinwerfer (Fernlicht wechselt bei entgegenkommendem Verkehr zu Abblendlicht). Einige Autos bieten Spurwechselassistenten mit Totwinkelüberwachung, Spurleitassistenten und Kollisionswarnsysteme, Rückfahrsysteme und Rückspiegel mit automatischer Abdunklung, wenn sie von grellen Scheinwerfern beleuchtet werden, sodass die Blendung reduziert wird. Autohersteller experimentieren mit Infrarot-Nachtsicht-Technologie, um das Fahren im Dunkeln zu optimieren.

Autohersteller entwickeln auch ein neues Design für Griffe und Knöpfe, um die Bedienung für Menschen mit Arthritis zu erleichtern. Sonstige Autodesignmerkmale, wie z. B. niedrige Türschwellen, Lordosenstützen, verlängerte Sonnenblenden, verstellbare Sitze und Lenkräder, sind für alle Fahrer verfügbar, können jedoch besonders für ältere Fahrer hilfreich sein. Selbstfahrende Autos werden im ganzen Land erprobt und voraussichtlich in den kommenden Jahren verfügbar sein.

Bei Unfällen oder anderen Notfallsituationen können Notfallsysteme automatisch Anrufe tätigen und Rettungsteams direkt zum Standort des Wagens leiten. Das GPS (Global Positioning System) kann älteren Fahrern dabei helfen, den jeweiligen Zielort zu lokalisieren. Viele ältere Fahrer haben Smartphones, auf denen Apps kostenlos installiert werden können, damit Familien ihren Standort mithilfe der GPS-Technologie verfolgen können, wenn sich jemand verirrt oder vermisst wird. Zudem stehen GPS-Technologien zur Verfügung, um verschiedenes Fahrverhalten (gefahrene Routen und Geschwindigkeit während der Fahrt) über das Internet zu überwachen, sollten Familien dies wünschen. In Zukunft werden weitere Innovationen erwartet.

Da mehr und mehr modernste Technik verfügbar wird, wird es immer wichtiger, zu erkennen, dass ältere Erwachsene mehr Zeit für die Ausbildung in der Verwendung der neueren technischen Geräte benötigen. Technische Geräte müssen voraussichtlich individuell darauf zugeschnitten werden, was für die einzelnen Personen am hilfreichsten ist.

Auffrischungsschulungen für Fahrer

Eine weitere Möglichkeit, wie ältere Fahrer ihre Fahrtüchtigkeit aufrechterhalten oder sogar verbessern können, sind Auffrischungsschulungen für Autofahrer. Mehrere Organisationen, wie z. B. in den USA die American Association of Retired Persons (AARP) und die American Automobile Association (AAA), bieten Programme, um ältere Fahrer dabei zu unterstützen, sich an die Herausforderungen anzupassen, die mit dem Autofahren im hohen Alter einhergehen. Außerdem können in manchen Bundesstaaten durch solche Schulungen die Versicherungsbeiträge gesenkt werden. AAA bietet mit Roadwise RX eine Schulung in defensivem Fahrverhalten für Senioren an, die darauf ausgerichtet ist, Senioren dabei zu helfen, sich an verschiedene altersbedingte Veränderungen anzupassen, die ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Für ältere Fahrer können auch Programme nützlich sein, die entwickelt wurden, um sicherzustellen, dass das jeweilige Auto zum Fahrer passt. Zum Beispiel sollte der Fahrer die richtige Entfernung zum Lenkrad und die richtige Sitzhöhe haben, damit er/sie den gesamten Verkehr im Auge hat. Die richtige Einstellung der Außenspiegel kann Fahrern helfen, den toten Winkel auszugleichen. Das CarFit-Programm der AAA wird in den USA landesweit vielerorts angeboten und stellt hilfreiche Informationen dazu bereit, wie zur Optimierung der Sicherheit am eigenen Auto die für den älteren Fahrer am besten geeigneten Einstellungen vorgenommen werden können.

Es gibt eine Flut von Computerprogrammen zur Verbesserung der Fahrsicherheit, von denen einige für ältere Fahrer vorgesehen sind. Neben der Beurteilung der funktionellen Fähigkeiten kann das Roadwise-Rx-Programm der Foundation for Traffic Safety (FTS) von AAA die mit einem erhöhten Unfallrisiko verbundenen Medikamente untersuchen.

Medizinische Versorgung

Eine gesunde Lebensweise und gute medizinische Versorgung können älteren Fahrern dabei helfen, Schwierigkeiten beim Fahren zu vermeiden. Es gibt viele Gründe dafür, im Alter fit zu bleiben, unter anderem die Beibehaltung der Fahrtüchtigkeit. Ärzte sollten ältere Menschen regelmäßig beurteilen, um eventuelle Probleme bezüglich Sehvermögen, Gedächtnis und Denkfähigkeit oder Muskelkraft zu identifizieren, die sich auf ihre Fahrtüchtigkeit auswirken können.

Die Behandlung bestimmter Erkrankungen kann die Fahrkompetenz verbessern. Zum Beispiel kann eine Kataraktextraktion von Nutzen sein. Die Behandlung von Arthritis mit Arzneimitteln und Physiotherapie kann die Flexibilität und Beweglichkeit verbessern. Eine gute Diabeteskontrolle kann Blutzuckerspiegelschwankungen vorbeugen. Die Behandlung einer Schlafapnoe kann die Schläfrigkeit tagsüber verringern. Ältere Fahrer sollten ihre Arzneimittel zusammen mit einem Arzt oder Apotheker überprüfen, um sicherzustellen, dass die Fahrkompetenz nicht durch die Nebenwirkungen beeinträchtigt wird.

Viele US-Bundesstaaten haben Gesetze, die es Menschen verbieten, für einen bestimmten Zeitraum nach der Diagnose bestimmter Erkrankungen einen Wagen zu steuern. Diese Wartezeit (als Moratorium bezeichnet) ermöglicht die stabile Einstellung der Erkrankung durch entsprechende Behandlung. So ist in einigen US-Bundesstaaten nach einem epileptischen Anfall, einem Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke ein sechsmonatiges Fahrmoratorium vorgeschrieben. Ältere Fahrer mit einer Erkrankung, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen könnte, sollten die Empfehlungen der Ärzte bezüglich Wartezeiten oder anderen Fahrmodifikationen befolgen.

Entscheidung für oder gegen das Fahren

An einem gewissen Punkt stellen sich die meisten älteren Menschen (insbesondere Personen, die unter schweren gesundheitlichen Störungen leiden) die Frage, ob es sicher ist, sich weiterhin hinters Steuer zu setzen. Ein Rückgang der Fähigkeiten, die für eine sichere Fahrweise erforderlich sind, kann das Steuern eines Wagens gefährlich werden lassen. Viele der Faktoren, die sich auf die Sicherheit beim Führen eines Kraftfahrzeugs beziehen, können auch die Unabhängigkeit des älteren Erwachsenen bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel beeinträchtigen. Kein Fahrzeug fahren zu können, kann jedoch einen Verlust der Freiheit und Unabhängigkeit bedeuten. Es ist sehr wichtig, einem älteren Erwachsenen, der kein Fahrzeug mehr führen darf, dabei zu helfen, annehmbare Wege zu finden, um Orte für wichtige tägliche oder wöchentliche Aktivitäten erreichen zu können.

Manchmal ist es der Hausarzt oder ein Familienangehöriger, der erkennt, dass es für einen älteren Fahrer an der Zeit ist, die Autoschlüssel abzugeben. Mit diesen Problemen umzugehen ist immer schwierig, aber sie zu ignorieren, kann zu noch größerem Leid führen. Es gibt einige praktische Schritte, die älteren Fahrern helfen können, sich wohler dabei zu fühlen, ihren Autoschlüssel abzugeben:

  • Binden Sie den Fahrer in die Entscheidung ein, das Fahren einzuschränken oder einzustellen.

  • Helfen Sie dabei, andere Möglichkeiten zu finden, mobil zu bleiben.

  • Prüfen Sie die Verfügbarkeit von Fahr- und Lieferdiensten.

  • Stellen Sie sicher, dass ältere Personen aktiv bleiben und Mitfahrgelegenheiten zu ihren üblichen Aktivitäten haben.

  • Binden Sie den Hausarzt oder einen Freund in die Besprechung des Problems ein.

Es gibt viele Publikationen und Online-Ressourcen, die älteren Fahrern bei der Entscheidung helfen können, ob sie sich weiterhin hinters Steuer setzen sollten. Auch Familienangehörigen und Freunden, die wegen eines älteren Fahrers besorgt sind, stehen Ressourcen zur Verfügung.

Die meisten älteren Fahrer können, manchmal mit dem Rat der Familienangehörigen oder ihrer Ärzte, festlegen, wann sie mit dem Fahren aufhören. Manchen Fahrern, zum Beispiel Menschen mit Demenz, mangelt es jedoch in Bezug auf ihre Fahrtüchtigkeit an Urteilsvermögen und sie fahren auch dann weiter, selbst wenn ein Arzt bereits empfohlen hat, dass sie damit aufhören sollten. In dieser Situation besteht ein Ansatz darin, dem älteren Fahrer vorzuschlagen, sich von einem „Driving Rehabilitation Specialist“ testen zu lassen oder durch die im jeweiligen US-Bundesstaat für die Überwachung und Regulierung der Fahrzulassung zuständige Behörde.

Häufig verweisen Ärzte eine Person, bei der Sicherheitsbedenken bezüglich des Führens eines Kraftfahrzeugs bestehen, an Experten für Fahrrehabilitation. Bei diesen Spezialisten handelt es sich oft um Ergotherapeuten, die von der Association of Driving Rehabilitation Specialists oder der American Occupational Therapy Association zertifiziert sind und umfassende Fahrprüfungen und Rehabilitationsmaßnahmen für Personen mit medizinischen Problemen durchführen. Sie sind meist in Krankenhäusern oder an Universitäten tätig, manche haben jedoch auch eine Privatpraxis. Sie können Fahrer eventuell hinsichtlich Sicherheit beurteilen, Wagenmodifikationen, anpassungsfähige Ausrüstung und Mobilitätsberatung bereitstellen oder Ratschläge zu alternativen Transportmöglichkeiten geben.

Ein Arzt kann verlangen, dass der ältere Fahrer erneut von der staatlichen Zulassungsbehörde getestet wird. Ein erneuter Test kann in der Regel durch den Fahrer selbst, einen nahestehenden Angehörigen oder einen Arzt beantragt werden. Der Test kann sowohl einen schriftlichen als auch einen praktischen Teil und/oder einen Sehtest umfassen. Die einzelnen Staaten haben unterschiedliche Vorschriften bezüglich der Vergabe von Führerscheinen. Zum Beispiel müssen Fahrer in manchen US-Bundesstaaten eine praktische Prüfung bei der Zulassungsbehörde ablegen, damit sie den Führerschein behalten dürfen. Die gesetzlichen Regelungen für Ärzte, Fahrer mit bestimmten gesundheitlichen Problemen und/oder Sicherheitsbedenken zu melden, variieren ebenfalls. In einigen US-Bundesstaaten sind Ärzte dazu verpflichtet, alle Fahrer zu melden, die ihrer Meinung nach nicht mehr sicher fahren können. In anderen Staaten gibt es Möglichkeiten, anonyme Meldung zu machen, wenn Bedenken hinsichtlich der Fahrtüchtigkeit eines Familienmitglieds bestehen. Es ist wichtig, dass Sie sich an Ihre Führerscheinstelle wenden, um die in Ihrem Bundesland geltenden Vorschriften zu erhalten. Gesetze, die den Besitz und die Erneuerung eines Führerscheins für ältere Menschen regeln, unterscheiden sich von Land zu Land und von Bundesstaat zu Bundesstaat.

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Warnsignale für unsicheres Fahren

Ältere Fahrer/innen und deren Familienangehörige sollten folgende Faktoren betrachten, wenn sie darüber entscheiden, ob es für die ältere Person immer noch sicher ist, einen Wagen zu steuern:

  • Verfährt sich die ältere Person während der Fahrt, vergisst sie das Ziel während der Fahrt oder kehrt sie spät von einer routinemäßigen Fahrt zurück?

  • Sind Freunde oder Familienangehörige wegen der Fahrweise der älteren Person besorgt oder haben sie aufgehört, mit ihm/ihr mitzufahren?

  • Ist der ältere Fahrer in letzter Zeit häufiger beinahe irgendwo dagegen gefahren (Beinahe-Unfall)?

  • Hat der ältere Fahrer Schwierigkeiten, andere Autos zu erkennen oder Straßenschilder zu lesen und auf diese entsprechend zu reagieren?

  • Ist der ältere Fahrer bei dichtem Verkehr, stark befahrenen Kreuzungen oder beim Linksabbiegen ängstlich?

  • Hat der ältere Fahrer den Eindruck, dass andere Fahrer zu schnell fahren?

  • Empfindet der ältere Fahrer das Autofahren als stressig oder ermüdend oder wird er während der Fahrt ärgerlich oder verwirrt?

  • Ist dem älteren Fahrer das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge unangenehm?

  • Hat der ältere Fahrer Schwierigkeiten, das Lenkrad zu drehen, Fußpedale zu betätigen, beim Rückwärtsfahren über die Schulter zu schauen, Bordsteine zu vermeiden, in der Spur zu bleiben oder zu parken?

  • Verwechselt der ältere Fahrer manchmal das Gas- mit dem Bremspedal?

  • War der ältere Fahrer im vergangenen Jahr in Unfälle verwickelt, an denen er die Schuld trägt, oder wurde der ältere Fahrer wegen seiner Fahrweise von der Polizei angehalten?

  • Hat der ältere Fahrer im letzten Jahr oder in den letzten zwei Jahren einen Sturz erlitten?

  • Trifft der ältere Fahrer beim Fahren nur langsam eine Entscheidung oder schlechte Entscheidungen?

  • Vergisst der ältere Fahrer manchmal, in den Rückspiegel zu schauen oder auf Ampeln oder den entgegenkommenden Verkehr zu achten?

Ältere Fahrer und ihre Familienangehörigen, die wegen eines dieser Probleme besorgt sind, sollten mit ihrem Arzt sprechen oder einen „Driving Rehabilitation Specialist“ aufsuchen, um Informationen zu Möglichkeiten einzuholen, wie die Fahrsicherheit verbessert werden kann.

Weitere Informationen zum älteren Fahrer

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