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Angiografie

Von Jon A. Jacobson, MD, Associate Professor of Radiology, University of Michigan

Bei einer Angiografie werden Röntgenstrahlen zur Erstellung detaillierter Abbildungen der Blutgefäße verwendet. Sie wird manchmal als „konventionelle Angiografie“ bezeichnet, um sie von der computertomografischen (CT) Angiografie und der Magnetresonanz-Angiografie zu unterscheiden. Während der Angiografie können Ärzte Anomalien der Blutgefäße auch behandeln.

Eine Angiografie kann Ruhebilder oder, in der sogenannten Kineangiografie, auch bewegte Bilder liefern. Die Kineangiografie zeigt, wie schnell Blut durch die Blutgefäße strömt.

Die Angiografie ist, obwohl invasiv, relativ sicher.

Verfahren

Vor der Untersuchung werden Patienten gebeten, 12 Stunden lang nüchtern zu bleiben, also nichts zu essen und zu trinken. Während der Untersuchung liegen die Patienten auf einem Röntgentisch. Da der Tisch eventuell geneigt wird, erhalten die Patienten Gurte um Brust und Beine. Die Röntgenkameras werden nach Bedarf positioniert. Zur Überwachung des Herzens werden Elektroden auf der Brust angebracht. Auch der Blutdruck und der Sauerstoffgehalt des Bluts werden überwacht.

Nach der Injektion eines Lokalanästhetikums macht der Arzt einen kleinen Schnitt am Arm oder in der Leiste. Darüber führt er, meist in eine Arterie, einen dünnen, biegsamen Schlauch (Katheter) ein, der dann über die Blutgefäße in den zu untersuchenden Bereich vorgeschoben wird. Hat der Katheter die entsprechende Stelle erreicht, wird ein röntgendichtes Kontrastmittel injiziert, das unter Röntgenstrahlung sichtbar wird. Das Kontrastmittel fließt durch die Blutgefäße und stellt sie dar. Die Bilder erscheinen auf einem Videobildschirm und werden aufgezeichnet. So kann der Arzt die Struktur der Blutgefäße und bestehende Anomalien erkennen.

Vor der Angiografie erhalten Patienten oft intravenös ein Beruhigungsmittel, damit sie sich entspannen können, doch bleiben sie während des Eingriffs bei Bewusstsein. Sie werden während der Untersuchung gebeten, tief einzuatmen, die Luft anzuhalten oder zu husten. Dabei sollten jegliche wahrgenommenen Beschwerden berichtet werden. Eine Angiografie kann unter einer Stunde oder mehrere Stunden lang dauern, je nachdem, welcher Teil des Körpers untersucht wird und welcher Untersuchungs- oder Eingriffstyp Anwendung findet. Normalerweise findet die Untersuchung ambulant statt.

Wurde der Katheter in eine Arterie gelegt, muss die Eintrittstelle, nachdem alle Instrumente wieder entfernt wurden, zehn bis zwanzig Minuten lang durchgehend mit einem Druckverband versorgt sein. Der Druck reduziert Blutungen und Einblutungen in die Haut. Nach der Untersuchung müssen Patienten eventuell mehrere Stunden lang liegen, um eine Blutung zu verhindern. Manchmal müssen sie auch im Krankenhaus übernachten. Im Anschluss an die Angiografie sollen Patienten sich ausruhen und zusätzlich trinken, damit das Kontrastmittel ausgeschieden werden kann.

Anwendungsgebiete

Eine Angiografie dient der Überprüfung von Anomalien der Blutgefäße. Darunter fallen Blockaden, Verengungen, anomal verbundene Arterien- und Venenbündel (arteriovenöse Fehlbildungen), Entzündungen (Vaskulitis), Aussackungen (Aneurysmen) einer geschwächten Gefäßwand und Risse (Dissektion) in einer Blutgefäßwand.

Während einer Angiografie können die gefundenen Anomalien behandelt werden:

  • Verengte Arterien können erweitert werden.

  • Verstopfungen können entfernt werden.

  • Ein Röhrchen aus Drahtgitter (Stent) kann eingesetzt werden, um eine Arterie offen zu halten.

  • Risse oder Schwachstellen in einem Blutgefäß können ausgebessert werden.

Schwankungen

Arteriografie

Dieser Begriff bezeichnet die bildliche Darstellung von Arterien. Eine Arteriografie ist die häufigste Form der Angiografie.

Venografie

Dieser Begriff bezeichnet die bildliche Darstellung von Venen.

Digitale Subtraktionsangiografie

Röntgenbilder von Arterien werden aufgenommen, bevor und nachdem das röntgendichte Kontrastmittel injiziert wurde. Ein Computer zieht dann ein Bild vom anderen ab. So werden Abbildungen von anderen Strukturen als den Arterien, z. B. Knochen, gelöscht. Im Ergebnis sind die Arterien deutlicher sichtbar.

Häufige Formen einer Angiografie

Typ

Untersuchter Bereich

Anwendungsgebiete

Koronarangiografie

Blutgefäße des Herzens

Mit Herzkatheterisierung, das Herz selbst

Diagnose einer koronaren Arterienkrankheit und anderer Herzkrankheiten

Entscheidung, ob eine Angioplastie oder ein koronararterieller Bypass möglich ist

Bestimmung des Schweregrads einer Herzkrankheit

Identifikation der Ursache von Schmerzen in der Brust, Kurzatmigkeit oder bestimmter anderer Symptome

Genaue Darstellung der individuellen Herzstruktur eines Patienten vor einem Herzklappenersatz

Pulmonale Angiografie

Blutgefäße der Lunge

Diagnose einer Lungenembolie (Verstopfung der Lungenarterien, die vom Herz zur Lunge führen, durch ein Blutgerinnsel)

Aortografie

Aorta

Zur Überprüfung, ob folgende Anomalien vorliegen:

  • Aussackungen einer geschwächten Gefäßwand (Aneurysmen)

  • Risse in der Gefäßinnenwand (Dissektion)

  • Defekte Herzklappe zwischen der Aorta und dem linken Vorhof (Aortenregurgitation)

Zerebrale Angiografie

Blutgefäße des Gehirns

Zur Überprüfung, ob folgende Anomalien vorliegen:

  • Verengte oder verstopfte Blutgefäße, die einen Schlaganfall verursachen können

  • Aneurysmen

  • Anomal verbundene Arterien- und Venenbündel (arteriovenöse Fehlbildungen)

  • Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis)

Fluoreszenzangiografie

Blutgefäße des Auges

Beurteilung der Schädigung der Netzhaut (Retina) durch Diabetes (diabetische Retinopathie) oder aufgrund einer Makuladegeneration

Beurteilung der Retina vor der Lasertherapie

Periphere Arteriografie

Arterien der Arme, Beine und des Rumpfes, mit Ausnahme der Aorta und der Herzarterien

Zur Überprüfung, ob folgende Anomalien vorliegen:

  • Verengung oder Verstopfung

  • Aneurysmen

  • Anomale Durchgänge zwischen einer Arterie und einer Vene (arteriovenöse Fisteln)

  • Anomal verbundene Arterien- und Venenbündel (arteriovenöse Fehlbildungen)

Nachteile

Für manche Patienten ist das Verfahren unangenehm. Bei einigen Patienten treten allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel auf. Die Injektionsstelle kann bluten, sich infizieren oder schmerzen. In seltenen Fällen beschädigt der Katheter ein Blutgefäß. Schwere Komplikationen wie Schock, Krampfanfälle, Nierenschäden und Herzstillstand kommen sehr selten vor. Manchmal setzen während einer Herzkatheteruntersuchung Herzschläge aus oder der Puls verlangsamt sich kurzfristig. Das Komplikationsrisiko ist bei älteren Menschen höher, obwohl es auch dabei noch gering ist.

Die im Rahmen einer Angiografie verwendete Strahlendosis kann variieren und ist gegenüber einer einfachen Thorax-Röntgenuntersuchung 77- bis 263-mal so hoch.

Eine Angiografie kann nicht immer ohne größeren Aufwand durchgeführt werden. Sie muss durch gut ausgebildete Ärzte erfolgen.

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