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Tuberkulose

Von Edward A. Nardell, MD, Harvard Medical School, Departments of Medicine, Social, and Global Health;Brigham & Women's Hospital, Div. of Global Health Equity

Tuberkulose ist eine ansteckende Infektion, die durch das Bakterium Mycobakterium tuberculosis verursacht wird, welches auf dem Luftweg übertragen wird.

  • Tuberkulose wird nur übertragen, wenn Personen Luft atmen, die von einer anderen Person kontaminiert wurde, bei der die Erkrankung aktiv auftritt.

  • Husten ist das am weitesten verbreitete Symptom, aber Personen können auch nächtliche Schweißausbrüche haben, sich generell unwohl fühlen und, wenn Tuberkulose andere Organe beeinträchtigt, verschiedene andere Symptome haben.

  • Die Diagnose umfasst für gewöhnlich einen Tuberkulin-Hauttest oder einen Bluttest, ein Röntgenbild des Brustkorbs und die Untersuchung und Kultur einer Sputumprobe.

  • Zwei oder mehr Antibiotika werden immer verabreicht, um die Chancen von bakterieller Resistenz zu vermindern.

  • Frühe Diagnose und Behandlung und Isolation der Personen, bei denen die Erkrankung auftritt, bis sie auf die Behandlung ansprechen, helfen dabei die Ausbreitung der Tuberkulose zu verhindern.

Tuberkulose beeinträchtigt gewöhnlich die Lungen, doch sie kann auch fast jedes andere Organ angreifen. Andere verwandte Bakterien (Mykobakterien genannt), wie dasMycobacterium bovisoderMycobacterium africanum, können manchmal eine ähnliche Erkrankung verursachen.

Tuberkulose ist schon seit langer Zeit ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit. Die Erkrankung war Anfang des 19. Jahrhundertsfür mehr als 30 Prozent aller Todesfälle in Europa verantwortlich. Mit der Entwicklung von Antituberkuloseantibiotika in den späten 40er Jahren des 20. Jahrhunderts schien der Kampf gegen die Tuberkulose gewonnen. Dennoch - wegen Faktoren wie inadäquater öffentlicher Gesundheitsressourcen, verminderter Immunantwort aufgrund von AIDS, der Entwicklung von Arzneimittelresistenz und extremer Armut in vielen Teilen der Welt - bleibt Tuberkulose weltweit eine tödliche Erkrankung, wie die folgenden Statistiken aus dem Jahr 2006 zeigen:

  • Es gab 9,2 Millionen neue Fälle symptomatischer Tuberkulose und 3 Millionen Todesfälle durch die Erkrankung. Die Anzahl neuer Fälle variiert stark nach Ländern, Altersgruppen, Rassen, Geschlechtern und sozioökonomischem Status.

  • Von den 9,2 Millionen neuer Fälle traten 3 Millionen in Afrika, 3 Millionen in Südostasien und 2 Millionen in der Westpazifischen Region auf.

  • Indien und China meldeten die größte Anzahl neuer Fälle, aber Südafrika hatte mit 940 neuen Fällen pro 100.000 Personen, die höchste Rate an neuen Fällen in der Welt.

Von ungefähr einem Drittel aller Menschen in der Welt wird angenommen, dass sie eine ruhende (latente) Tuberkuloseinfektion haben, obwohl nur ungefähr 5 bis 10 % dieser Infektionen sich zu einer aktiven Tuberkulose entwickeln.

In den Vereinigten Staaten ist die Rate neuer Fälle seit 1953 um das 10-fache zurückgegangen (als das nationale Meldesystem für Tuberkulose begann). Im Jahr 2007 wurden 13293 Fälle (ungefähr 4,4 Fälle pro 100.000 Personen) gemeldet. Dennoch gibt es ein breites Spektrum in der Verbreitung, von 10,2 pro 100000 in Washington, DC bis 0,4 pro 100000 in Wyoming. Über die Hälfte der Fälle trat bei Personen, die außerhalb der Vereinigten Staaten geboren waren auf, wo Tuberkulose relative weit verbreitet ist (wie in Afrika, Südostasien oder Lateinamerika). In den Vereinigten Staaten sind Afroamerikaner, Obdachlose, Personen in Gefängnissen und andere benachteiligte Minderheiten viel wahrscheinlicher infiziert. Die Rate neuer Fälle unter diesen Risikogruppen ist wahrscheinlich fast so hoch wie die in Gebieten der Welt, wo Tuberkulose relativ weit verbreitet ist.

Wussten Sie ...

  • Tuberkulose verursachte 3 Millionen Todesfälle im Jahr 2006.

In Entwicklungsländern ist Tuberkulose eine Erkrankung junger Erwachsener. In den Vereinigten Staaten und anderen entwickelten Ländern ist Tuberkulose traditionell weiter verbreitet unter älteren Personen. Unter älteren Personen sind mehr Fälle aufgetreten, weil sie sich die Infektion in einer Ära zugezogen haben, als Tuberkulose noch weiter verbreitet war. Zudem wird das Immunsystem, wenn Menschen älter werden schwächer, was es inaktiven (ruhenden) Bakterien erlaubt reaktiviert zu werden. Dennoch nimmt die Verbreitung von Tuberkulose unter älteren Personen ab, weil in jeder Generation weniger alte Menschen eine inaktive (latente) Infektion haben. Wegen der steigenden Anzahl neuer Fälle unter Personen, die außerhalb der Vereinigten Staaten geboren sind, wird das Altersprofil von Tuberkuloseinfektionen in den Vereinigten Staaten jünger.

Entwicklung einer Infektion

Wie bei den meisten Infektionserkrankungen (wie Streptokokken-Infektion oder Lungenentzündung), erkranken Personen gleich nachdem die Erreger in den Körper eingedrungen sind und sind nach 1 bis 2 Wochen erkennbar krank. Die Tuberkulose folgt diesem Muster nicht.

Infektionsstadien

Es gibt verschiedene Stadien:

  • Primärinfektion

  • Latente Infektion

  • Aktive Erkrankung

Mit Ausnahme sehr junger Kinder und Personen mit einem geschwächten Immunsystem erkranken nur wenige Menschen sofort, nachdem die Tuberkulosebakterien in ihren Körper eingedrungen sind (Dieses Stadium wird Primärinfektion genannt). In den meisten Fällen zerstört das Immunsystem sofort die Tuberkulosebakterien, die in die Lungen eindringen. Bakterien die überleben, sind von weißen Blutkörperchen eingeschlossen, die Makrophagen genannt werden. Die eingeschlossen Bakterien können im Inneren dieser Zellen jahrelang im Ruhezustand bleiben, eingekapselt zwischen Ansammlungen von Zellen, die kleine Narben bilden (dieses Stadium wird latente Infektion genannt). In 90 bis 95 Prozent aller Fälle verursachen die Bakterien keine weiteren Probleme, doch bei 5 bis 10 Prozent der infizierten Personen fangen sie letztendlich an sich zu vermehren und verursachen eine aktive Erkrankung. In diesem Stadium werden die infizierten Personen krank und können die Erkrankung verbreiten.

In mehr als der Hälfte der Fälle, reaktivieren sich die im Ruhezustand befindlichen Bakterien innerhalb der ersten 2 Jahre nach der Primärinfektion, aber es kann sein, dass sie sich nicht für eine lange Zeit, sogar Jahrzehnte, reaktivieren. Für gewöhnlich wissen die Ärzte nicht warum sich die im Ruhezustand befindlichen Bakterien reaktivieren, aber Reaktivierung kommt wahrscheinlicher dann vor, wenn das Immunsystem der Person beeinträchtigt wird - zum Beispiel im sehr hohen Alter, Infektionen mit dem Humanimmunschwächevirus (HIV), der Benutzung von Corticosteroiden oder der Benutzung von neuen entzündungshemmenden Arzneimitteln wie Adalimumab, Etanercept und Infliximab. Wie viele Infektionserkrankungen breitet sich die Tuberkulose schneller aus und ist gefährlicher für Personen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Für solche Personen kann Tuberkulose lebensgefährlich sein. In den Vereinigten Staaten sterben ungefähr 10 Prozent der Personen mit Tuberkulose an der Erkrankung oder einer damit verbundenen Gesundheitsstörung. In Teilen der Welt, wo Tuberkulose weit verbreitet ist, ist die Sterblichkeit viel höher.

Die Übertragung der Infektion

Das Mycobacterium tuberculosiskann nur im Menschen überleben. Diese Bakterien kommen normalerweise nicht in Tieren, Insekten, in Erde oder anderen nicht-lebendigen Objekten vor. Menschen können nur mit Tuberkulose von einer Person, die die aktive Erkrankung hat, infiziert werden. Eine Person anzufassen, die die Erkrankung hat, verbreitet sie nicht, weil das Bakterium fast ausschließlich durch die Luft verbreitet wird. Das Mycobacterium bovis, das in Tieren leben kann, ist eine Ausnahme. In Entwicklungsländern können sich Kinder damit infizieren, wenn sie unpasteurisierte Milch von infizierten Kühen trinken. In entwickelten Ländern ist diese Art der Tuberkulose kein Problem mehr, weil Kühe auf Tuberkulose getestet werden und die Milch pasteurisiert wird.

Wussten Sie ...

  • Personen mit aktiver Tuberkulose kontaminieren oftmals die Luft, wenn sie husten, niesen oder auch nur sprechen.

Menschen mit aktiver Lungentuberkulose kontaminieren die Luft mit Bakterien, wenn sie husten, niesen, oder auch nur sprechen. Diese Bakterien können mehrere Stunden lang in der Luft bleiben. Atmet eine andere Person diese Luft ein, kann sie sich infizieren. Daher sind Personen, die Kontakt mit einer Person, die aktive Tuberkulose hat (wie Familienmitglieder oder medizinische Fachkräfte) einem erhöhten Risiko ausgesetzt, sich die Infektion zuzuziehen. Personen mit einer latenten Infektion oder einer Tuberkulose, die nicht die Lungen betrifft, entlassen keine Bakterien in die Luft und können die Infektion nicht übertragen.

Entwicklung und Ausbreitung der Infektion

Die Entwicklung der Tuberkulose von einer latenten Infektion zur aktiven Erkrankung ist individuell sehr verschieden. Die Entwicklung zur aktiven Erkrankung ist wesentlich wahrscheinlicher und passiert viel schneller beiPersonen miteiner HIV-Infektion und anderen Gesundheitsstörungen (einschließlich der Nutzung von Arzneimitteln), die das Immunsystem schwächen. Wenn sich Personen mit AIDS mit dem Mycobacterium tuberculosis infizieren, haben sie in jedem Jahr eine 5- bis 10-prozentige Chance die aktive Erkrankung zu entwickeln. Im Kontrast dazu haben Personen, die latente Tuberkulose aber nicht AIDS haben, nur eine 5- bis 10-prozentige Chance, die aktive Erkrankung während ihres Lebens zu entwickeln.

Bei Menschen mit intaktem Immunsystem beschränkt sich eine aktive Tuberkulose gewöhnlich auf die Lungen (Lungentuberkulose). Tuberkulose, die andere Körperteile beeinträchtigt (extrapulmonäre Tuberkulose), hat sich meistens von Lungentuberkulose über das Blut ausgebreitet. Wie in den Lungen kann die Infektion möglicherweise die Erkrankung nicht verursachen, aber Bakterien können im Ruhezustand in einer sehr kleinen Narbe verbleiben. Sich im Ruhezustand befindliche Bakterien in diesen Narben können sich später im Leben reaktivieren, was zu Symptomen entsprechend den betroffenen Organen führt.

Bei schwangeren Frauen könnenTuberkulosebakterien das ungeborene Kind infizieren und die Erkrankung auslösen (angeborene Tuberkulose). Allerdings sind solche Fälle extrem ungewöhnlich.

Tuberkulose: Eine Erkrankung vieler Organe

Infektionsort

Symptome oder Komplikationen

Bauchhöhle

Müdigkeit, Schwellungen, leichte Druckempfindlichkeit, Schmerzen ähnlich einer Blinddarmentzündung

Blase

Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin

Knochen (hauptsächlich bei Kindern)

Schwellungen und minimale Scherzen

Gehirn

Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schläfrigkeit und wenn unbehandelt, Koma und Hirnschäden

Herzbeutel (die Membran um das Herz)

Fieber, vergrößerte Halsvenen und Kurzatmigkeit

Gelenke

Arthritis ähnliche Symptome

Nieren

Nierenschaden und Infektionen im Gewebe rund um die Nieren

Lymphknoten

Schmerzlose, rote und geschwollene Lymphknoten, aus welchen Eiter ausfließen kann

Fortpflanzungsorgane bei Männern

Knoten im Skrotum

Fortpflanzungsorgane bei Frauen

Sterilität

Wirbelsäule

Schmerzen, führt zu einbrechenden Rückenwirbeln und Beinlähmung

Symptome und Komplikationen

Lungentuberkulose

Husten ist das häufigste Symptom der Tuberkulose. Weil sich die Erkrankung langsam entwickelt, könnten infizierte Personen den Husten erst auf Rauchen oder eine kürzliche Grippe, Erkältung oder auf Asthma zurückführen. Der Husten kann morgens etwas grünes oder gelbes Sputum hervorbringen. Irgendwann kann das Sputum mit Blut durchsetzt sein, obwohl große Mengen an Blut selten sind.

Personen können in der Nacht in kaltem Schweiß gebadet, mit oder ohne Fieber, aufwachen. Manchmal gibt es so viel Schweiß, dass Personen ihre Schlafanzüge oder sogar ihre Bettlaken wechseln müssen. Dennoch verursacht Tuberkulose nicht immer Nachtschweiß und viele andere Erkrankungen können Nachtschweiß verursachen.

Personen fühlen sich auch generell unwohl, mit weniger Energie und weniger Appetit. Gewichtsverlust tritt oft auf, nachdem sie für eine Weile krank waren.

Sich rasch entwickelnde Kurzatmigkeit und Brustschmerzen können das Vorhandensein von Luft (Pneumothorax - siehe Pneumothorax) oder Flüssigkeit (Pleuraerguss) im Raum zwischen den Lungen und der Brustwand anzeigen (siehe Pleuraerguss). Ungefähr ein Drittel der Tuberkuloseinfektionen zeigen sich zuerst als Pleuraerguss. Letztendlich entwickeln viele Personen mit unbehandelter Tuberkulose Kurzatmigkeit, während sich die Infektion in den Lungen ausbreitet.

Extrapulmonale Tuberkulose

Außerhalb der Lungen befällt die Tuberkulose am häufigsten Nieren und Lymphknoten (extrapulmonale Tuberkulose). Auch Knochen, Gehirn, Bauchhöhle, Herzbeutel, tragende Gelenke (insbesondere Hüft- und Kniegelenke) und Geschlechtsorgane können von der Tuberkulose infiziert werden. Eine Tuberkulose in diesen Bereichen ist oft schwer zu diagnostizieren.

Die Symptome einer extrapulmonalen Tuberkulose sind unbestimmt, gewöhnlich gehören Mattigkeit, Appetitmangel, Wechselfieber, Schweißausbrüche und unter Umständen Gewichtsverlust dazu. Manchmal verursacht die Infektion Schmerzen, Unbehagen, eine Ansammlung von Eiter (Abszess) oder andere Symptome, abhängig von den betroffenen Bereichen:

  • Lymphknoten: Bei einer frischen Tuberkuloseinfektion wandern die Bakterien von den Lungen zu den Lymphknoten, welche die Flüssigkeit aus den Lungen ableiten. Wenn das Immunsystem die Infektion unter Kontrolle bringen kann, breitet sie sich nicht weiter aus und die Bakterien treten in einen Ruhezustand ein. Dennoch können sich bei sehr jungen Kindern, deren Immunsysteme schwächer sind, die Lymphknoten so stark vergrößern, dass sie auf die Bronchien drücken, was einen metallisch klingenden Husten hervorruft und möglicherweise sogar zum Kollaps der Lunge führen kann. Gelegentlich breiten sich die Bakterien über die Lymphbahnen zu den Lymphknoten aus. Eine Infektion dieser Lymphknoten kann die Haut durchbrechen und nach außen Eiter absondern.

  • Gehirn: Tuberkulose, die die Gewebe, die das Gehirn bedecken infiziert (tuberkulöse Meningitis) ist lebensbedrohlich. In den Vereinigten Staaten und anderen entwickelten Ländern tritt tuberkulöse Meningitis am häufigsten bei älteren Menschen oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auf. In Entwicklungsländern ist die tuberkulöse Meningitis am weitesten verbreitet unter Kindern im Alter von bis zu 5 Jahren. Symptome umfassen Fieber, ständige Kopfschmerzen, einen steifen Nacken, Übelkeit und Benommenheit, die zum Koma führen kann. Tuberkulose kann auch das Gehirn selbst infizieren und eine Masse, die Tuberkulom genannt wird, bilden. Dieses Tuberkulom kann Symptome wie Kopfschmerzen, Muskelschwäche oder Muskelschwäche auslösen.

  • Herzbeutel: Bei einer tuberkulösen Herzbeutelentzündung verdickt sich der Herzbeutel und lässt manchmal Flüssigkeit in den Raum zwischen dem Herzbeutel und dem Herz entweichen. Diese Effekte begrenzen die Fähigkeit des Herzens zu schlagen und verursachen geschwollene Halsvenen und Atemnot. In Teilen der Welt, wo Tuberkulose weit verbreitet ist, ist die tuberkulöse Herzbeutelentzündung eine häufige Ursache von Herzversagen.

  • Darm: Darmtuberkulose tritt vorwiegend in Entwicklungsländern auf. Diese Infektion muss keine Symptome verursachen, kann aber auffällige Schwellungen der Gewebe im Unterleib hervorrufen. Diese Schwellungen könnten mit Krebs verwechselt werden.

Diagnose

Manchmal ist der erste Hinweis auf Tuberkulose ein auffälliges Röntgenbild des Brustkorbs oder ein positiver Tuberkulin-Hauttest (auch bekannt als Mantoux-Test oder PPD - Purified Protein Derivative). Diese Tests werden oft als routinemäßige Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt. Zum Beispiel werden Hauttests routinemäßig bei Personen durchgeführt, die einem Tuberkuloserisiko ausgesetzt sind, weil

  • sie mit Personen, welche die aktive Erkrankung haben, leben oder arbeiten (als jährlicher Test)

  • sie gerade aus Gebieten eingewandert sind, wo Tuberkulose weit verbreitet ist

  • sie die Einnahme eines Arzneimittels beginnen, die das Immunsystem schwächt und latente Tuberkulose reaktivieren kann, falls sie gegenwärtig ist

Wenn Personen Symptome haben, die auf Tuberkulose hindeuten, kann Folgendes getan werden:

  • Röntgenuntersuchung des Brustkorbs

  • Tuberkulin-Hauttest

  • Untersuchung und Anzüchtung einer Kultur in einer Sputumprobe

  • Bluttests

Eine Sputumprobe wird im Labor mikroskopisch auf Tuberkulosebakterien untersucht und zur Anzüchtung einer Bakterienkultur genutzt. Mikroskopische Untersuchungen liefern viel schneller Ergebnisse als eine Kultur, sind aber weniger akkurat. Sie weisen nur ungefähr die Hälfte der Tuberkulosefälle, die von einer Kultur identifiziert werden, nach. Traditionelle Kulturen liefern jedoch die Ergebnisse erst nach vielen Wochen, weil Tuberkulosebakterien langsam wachsen. Aus diesem Grund wird die Behandlung von Personen, die Tuberkulose haben könnten, oft begonnen, während die Ärzte auf Ergebnisse der Sputumuntersuchung und Anzüchtung der Kultur warten. Ein weithin erhältlicher Kulturtest kann routinemäßig das Wachstum von Mycobacterium tuberculosis innerhalb von 21 Tagen identifizieren.

Neuerlich erhältliche Bluttests können das Vorhandensein desMycobacterium tuberculosisinnerhalb von 24 Stunden bestätigen. Diese Tests scheinen wenigstens so genau wie der Tuberkulin-Hauttest zu sein, möglicherweise noch genauer. Andere neue Tests können genetisches Material des Bakteriums im Sputum innerhalb einiger Tage nachweisen und identifizieren. Genetische Tests können auch rasch Bakterien identifizieren, die gegen die gängigen Arzneimittel zur Behandlung der Tuberkulose resistent sind und so den Ärzten helfen, eine wirksame Behandlung auszuwählen. Neue Tests, die Tuberkulosebakterien im Sputum oder Urin nachweisen, sind in der Entwicklung.

Röntgenbildbefunde bei Tuberkulose ähneln oft denen anderer Erkrankungen, sodass die Diagnose von den Ergebnissen des Tuberkulin-Hauttests und der Untersuchung des Sputums auf Mycobacterium tuberculosis abhängen kann. Obwohl der Tuberkulin-Hauttest einer der nützlichsten Tests zur Diagnose der Tuberkulose ist, zeigt er nur an, dass eine Infektion mit Bakterien zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit stattgefunden hat. Er zeigt nicht an, ob die Infektion gegenwärtig akut ist. Die Resultate können auch Tuberkulose anzeigen, wenn sie nicht vorliegt (falscher Positivbefund) weil Personen eine Infektion mit den ähnlichen, generell aber harmlosen Verwandten der Tuberkulose haben (siehe Erkrankungen, die Tuberkulose ähneln) oder kürzlich gegen Tuberkulose geimpft wurden. Die neuen Bluttests werden nicht von kürzlich erfolgten Impfungen gegen die Krankheit beeinflusst. Diese Tests können jedoch, wie die Tuberkulin-Hauttests nur die Infektion anzeigen - nicht ob die Erkrankung aktiv ist.

Eine Probe des Sputums ist für gewöhnlich ausreichend, aber manchmal muss der Arzt eine Probe von Lungenflüssigkeit oder Gewebe gewinnen, um die Diagnose zu stellen. Ein Bronchoskop genanntes Instrument wird durch den Mund oder die Nasenlöcher in die Atemwege eingeführt. Es wird benutzt, um die Bronchien untersuchen und eine Probe der Lungenflüssigkeit oder des Gewebes zu gewinnen. Dieses Verfahren wird am häufigsten durchgeführt, wenn andere Erkrankungen, wie Lungenkrebs, vermutet werden.

Wenn die Symptome eine tuberkulöse Meningitis andeuten, muss ein Arzt vielleicht eine Lumbalpunktion vornehmen, um eine Probe der Zerebrospinalflüssigkeit zur Analyse zu gewinnen. Weil Tuberkulosebakterien in der Zerebrospinalflüssigkeit so schwer zu finden sind und weil Kulturen gewöhnlich Wochen dauern, kann die Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction - PCR) Technik genutzt werden. Sie produziert viele Kopien eines Gens, was die Identifikation der DNA eines Bakteriums vereinfacht. Obwohl die Testergebnisse schnell verfügbar sind, fangen Ärzte für gewöhnlich mit einer Antibiotikatherapie an, wenn sie einen Verdacht auf tuberkulöse Meningitis haben. Frühe Behandlung kann den Tod verhindern und Gehirnschäden minimieren.

Behandlung

Eine Reihe von Antibiotika ist gegen Tuberkulose wirksam. Da aber Tuberkulosebakterien sehr langsam wachsen, müssen Antibiotika über einen langen Zeitraum eingenommen werden - zumeist für 6 Monate oder länger. Die Behandlung muss weitergeführt werden, lange nachdem sich die Personen wieder wohlfühlen. Ansonsten tendiert die Erkrankung dazu, erneut aufzutreten, weil sie nicht vollkommen beseitigt wurde.

Die meisten Personen haben Schwierigkeiten, sich daran zu erinnern, ihre Arzneimittel jeden Tag über einen so langen Zeitraum einzunehmen. Andere Personen beenden die Behandlung aus verschiedenen Gründen, sobald sie sich besser fühlen. Wegen dieser Probleme empfehlen viele Experten, dass Personen mit Tuberkulose, ihre Arzneimittel von einer medizinischen Fachkraft empfangen, die bei der Einnahme zugegen ist. Dieser Ansatz wird DOT-Behandlung (Directly Observed Therapy) genannt. Weil die DOT-Behandlung sicherstellt, dass jede Dosis eingenommen wird, werden die Arzneimittel oft für einen kürzeren Zeitraum und gewöhnlich nur 2 oder 3-mal pro Woche verabreicht.

Zwei oder mehrere Antibiotika, die auf verschiedene Arten wirken werden, immer verabreicht, weil die Behandlung mit nur einem Arzneimittel ein paar Bakterien hinterlassen kann, die gegen das Arzneimittel resistent sind. Bei den meisten anderen Bakterien würden einige Bakterien nicht genug sein, um einen Rückfall zu verursachen, aber Personen, die nur mit einem Arzneimittel behandelt werden, entwickeln schnell Tuberkulose, die gegen diese Arzneimittel resistent ist. Ein drittes und viertes Mittel werden gewöhnlich in der anfänglichen Intensivphase der Behandlung eingesetzt, um die Behandlungsdauer zu verkürzen und den Behandlungserfolg sicherzustellen, selbst wenn zu Anfang Arzneimittelresistenz besteht.

Die am häufigsten angewendeten Antibiotika sind Isoniazid, Rifampizin, Pyrazinamid, und Ethambutol. Streptomycin wird manchmal dieser Kur hinzugefügt. Alle diese Arzneimittel haben Nebeneffekte, aber 95 Prozent der Personen mit Tuberkulose werden mit diesen Arzneimitteln geheilt und haben keine ernsthaften Nebenwirkungen.

Arzneimittel zur Tuberkulosebehandlung:

Medikament

Verabreichung

Nebenwirkungen

Isoniazid

Oral

Leberschäden bei 1 unter 10000 Personen, die Übelkeit, Erbrechen und Gelbsucht nach sich ziehen

Manchmal Taubheit in den Gliedmaßen

Rifampin

Oral

Leberschaden, besonders wenn Rifampin mit Isoniazid kombiniert wird (aber die Auswirkungen vergehen, wenn die Personen das Arzneimittel absetzen)

Rötlich-orange Verfärbung des Urins, der Tränen und des Schweißes

Pyrazinamid

Oral

Leberschäden und manchmal Gicht

Ethambutol

Oral

Manchmal verschwommene Sicht und verminderte Farbwahrnehmung (weil das Arzneimittel den Sehnerv beeinträchtigt)

Streptomycin

Durch Injektion in einen Muskel

Schwindel und leichter Gehörverlust (durch Schäden an den Nerven im Innenohr)

Es gibt manchmal verschiedene Kombinationen und Dosierungsschemen für diese Arzneimittel. Isoniazid, Rifampin, und Pyrazinamid können in derselben Kapsel enthalten sein, was die Anzahl der Pillen vermindert, die Personen jeden Tag einnehmen müssen und die Chance verringert, eine Arzneimittelresistenz zu entwickeln. Ungleich anderen Antibiotika werden die zur Behandlung der Tuberkulose benutzten Antibiotika gewöhnlich alle zusammen einmal am Tag eingenommen.

Ein chirurgischer Eingriff, um einen Teil der Lunge zu entfernen, ist heutzutage kaum mehr nötig, wenn der Patient seinen medikamentösen Behandlungsplan zuverlässig einhält. Jedoch muss manchmal bei Infektionen, die sehr schlecht auf Medikamente ansprechen, operativ Eiter abgeleitet werden, der sich an bestimmten Stellen gesammelt hat. Wenn eine tuberkulöse Herzbeutelentzündung die Herzbewegung stark einschränkt, muss der Herzbeutel unter Umständen chirurgisch entfernt werden. Ein Tuberkulom im Gehirn muss unter Umständen chirurgisch entfernt werden.

Wussten Sie ...

  • Die Behandlung der Tuberkulose muss lange, nachdem sich die Personen wieder wohlfühlen, fortgeführt werden.

Vorbeugung

Die Vorbeugung hat zwei Aspekte: Die Ausbreitung der Erkrankung früh zu stoppen und Frühinfektionen zu behandeln, bevor sie zu einer aktiven Erkrankung wird.

Das Stoppen der Ausbreitung

Da Tuberkulosebakterien durch die Luft übertragen werden, verringert gute Lüftung die Konzentration der Bakterien und begrenzt ihre Ausbreitung. Außerdem können germizide Ultraviolettlampen benutzt werden, um Tuberkulosebakterien abzutöten, die sich in der Luft in Gebäuden befinden, wo Personen mit erhöhten Ansteckungsrisiko zusammenkommen, wie Obdachlosenunterkünfte, Gefängnisse und die Warteräume von Krankenhäusern und Notaufnahmen. Medizinische Fachkräfte, die mit Proben infizierter Gewebe umgehen oder Umgang mit Personen haben, die infiziert sein könnten, tragen spezielle Masken (Atemschutzmasken), die dabei helfen, sie zu schützen. Keine Vorsichtsmaßnahmen sind nötig, wenn Personen keine Symptome haben, selbst wenn ihr Haut- oder Bluttest für Tuberkulose positiv ist.

Personen mit aktiver Tuberkulose können dabei helfen, die Ausbreitung von Bakterien zu reduzieren, indem sie in ein Taschentuch husten. Desweiteren sollten sie in Isolation verbleiben, bis sie auf die Behandlung ansprechen und nicht länger husten. Nach nur einigen Tagen bis Wochen Behandlung mit den richtigen Antibiotika, ist es weniger wahrscheinlich, dass Personen die Erkrankung weiterverbreiten. Sie müssen gewöhnlich nicht länger als 2 Wochen isoliert werden. Wenn eine Person mit offener Tuberkulose allerdings mit Menschen umgehen muss, die ein großes Ansteckungsrisiko haben, beispielsweise mit kleinen Kindern oder Aidskranken, können wiederholte Sputumuntersuchungen das Ausmaß der Ansteckungsgefahr bestimmen. Kranke, die weiterhin husten oder solche, welche die Einnahme ihrer Medikamente vernachlässigen oder eine Antibiotika resistente Tuberkulose haben, müssen länger isoliert werden, damit sie die Erkrankung nicht verbreiten.

Behandlung der Frühinfektion

Da Tuberkulose nur von Menschen, bei denen die Erkrankung aktiv ist, weiter verbreitet wird, sind Früherkennung und Behandlung die beste Möglichkeiten, die Ausbreitung zu stoppen. Personen, die einen positiven Tuberkulin-Haut- oder Bluttest haben, sollten behandelt werden, selbst wenn sie noch nicht krank sind. Das Antibiotikum Isoniazid ist sehr wirksam beim Aufhalten der Infektion bevor sie eine aktive Erkrankung wird. Es wird 6 bis 9 Monate lang verabreicht. Bei einigen Personen kann Rifampin allein, täglich für 4 Monate, verschrieben werden. In einigen Ländern werden Isoniazid und Rifampin zusammen 3 Monate lang genutzt.

Eine präventive Therapie nützt definitiv bei jüngeren Personen, die einen positiven Tuberkulin-Hauttest haben. Sie hilft wahrscheinlich auch älteren Menschen, die ein hohes Tuberkuloserisiko haben (zum Beispiel, wenn sich ihre Haut- oder Bluttests kürzlich von negativ zu positiv geändert haben, wenn sie der Erkrankung in letzter Zeit ausgesetzt waren oder wenn sie ein geschwächtes Immunsystem haben). Bei älteren Menschen mit einer langjährigen latenten Infektion kann das Toxizitätsrisiko der Antibiotika jedoch größer sein als das Risiko, Tuberkulose zu entwickeln. In solchen Fällen beraten sich Ärzte oft mit einem Fachexperten, bevor sie entscheiden, ob sie eine Präventivtherapie vornehmen.

Wenn Personen mit einem positiven Haut- oder Bluttest sich mit HIV infizieren, ist das Risiko, eine aktive Infektion zu entwickeln sehr hoch. Das Risiko ist auch hoch, wenn Personen, die eine latente Infektion haben, Corticosteroide oder andere Arzneimittel einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken (einschließlich einige der neuen Entzündungshemmenden Arzneimittel). Daher brauchen solche Personen gewöhnlich eine Behandlung der latenten Tuberkuloseinfektion.

In großen Teilen der Entwicklungsländer wird ein Impfstoff benutzt, der Bacille Calmette-Guérin (BCG) genannt wird, um die Entwicklung ernster Komplikationen, wie Meningitis bei Personen zu verhindern, die ein hohes Risiko haben, mit dem Mycobacterium tuberculosisinfiziert zu werden. Der Wert des BCG ist umstritten und der Impfstoff wird weiterhin nur in Ländern verwendet, wo die Wahrscheinlichkeit sich mit Tuberkulose anzustecken sehr hoch ist. Der Impfstoff mag eine Rolle beim Schutz der medizinischen Fachkräfte und anderer spielen, die einer Tuberkulose ausgesetzt sind, die gegen zwei oder mehr Arzneimittel resistent ist. Forschung wird betrieben, um einen wirksameren Impfstoff zu finden. Ungefähr 10 Prozent der Personen, die BCG bei der Geburt erhielten, haben 15 Jahre später eine positive Reaktion auf den Tuberkulin-Hauttest, sogar wenn sie nicht mit Tuberkulosebakterien infiziert sind. Personen, die bei der Geburt geimpft wurden, schreiben jedoch einen positiven Hauttest später im Leben oft unrichtigerweise dem BCG Impfstoff zu. In den meisten Ländern wird Tuberkulose stigmatisiert und viele Menschen glauben, dass sie auch nur eine latente Infektion haben, geschweige denn eine aktive Erkrankung. Die neuen Tuberkulose Bluttests werden von der BCG-Impfung nicht beeinträchtigt.

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