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HIV-Infektion

Von J. Allen McCutchan, MD, MSc, University of California at San Diego

  • Das humane Immundefizienz-Virus (HIV) wird durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, die das Virus enthalten.

  • HIV zerstört bestimmte Typen von weißen Blutzellen und schwächt die Abwehrkräfte des Körpers gegen Infektionen und Krebs.

  • Bei der Erstinfektion können Symptome wie Fieber, Hautausschläge, geschwollene Lymphknoten und Müdigkeit von ein paar Tagen bis zu einigen Wochen dauern.

  • Viele infizierte Menschen fühlen sich für mehr als eine Dekade wohl, aber innerhalb von etwa 10 Jahren wird ungefähr die Hälfte der Infizierten krank und entwickelt Aids, das von ernsten Infektionen und Krebs gekennzeichnet ist. Schließlich entwickeln die meisten unbehandelten Betroffenen Aids.

  • Eine Diagnose kann anhand von Bluttests, die Antikörper gegen HIV nachweisen und die Anzahl der HIV-Viren messen, bestätigt werden.

  • Antiretrovirale Medikamente, von denen gewöhnlich zwei oder drei zusammen eingenommen werden, können die HIV-Replikation hemmen, aber das Virus nicht abtöten

HIV-Infektionen können von dem Retrovirus HIV-1 oder HIV-2 ausgelöst werden. HIV-1 hat eine weltweite Epidemie ausgelöst, während HIV-2 mehr auf Westafrika begrenzt ist.

HIV zerstört stufenweise einige Typen von weißen Blutkörperchen genannt CD4+ Lymphozyten. Lymphozyten helfen dem Körper, sich gegen fremde Zellen, infektiöse Organismen und Krebs zu verteidigen (siehe Erworbene Immunität : Lymphozyten). Wenn HIV CD4 + Lymphozyten zerstört, ist der Körper folglich für den Angriff vieler anderer infektiöser Organismen anfällig. Viele Komplikationen einer HIV-Infektion, einschließlich Tod, sind in der Regel die Folge dieser anderen Infektionen und nicht der HIV-Infektion selbst.

Das erworbene Immunschwäche-Syndrom (Aids) ist die schwerste Form der HIV-Infektion. Eine HIV-Infektion gilt als Aids, wenn sich mindestens eine komplizierende Erkrankung entwickelt oder wenn die Zahl von (CD4+)-Lymphozyten im Blutbild stark abnimmt.

Das HIV-1-Virus kommt ursprünglich aus West-Zentralafrika und trat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf, als ein nahe verwandtes Schimpansen-Virus das erste Mal Menschen infizierte. Die weltweite Verbreitung des HIV-1-Virus ist nach Dokumenten in den 1970er Jahren aufgetreten, und Aids wurde zuerst 1981 erkannt. In Nordamerika hatten sich im Dezember 2007 ungefähr 1,3 Millionen Menschen mit HIV infiziert, dazu treten jedes Jahr ungefähr 46.000 bis 56.000 neue Infektionen und 21.000 Todesfälle auf. Man schätzt, dass etwa 33,2 Millionen Menschen weltweit infiziert sind. Es gibt ungefähr 2,5 Millionen neue Infektionen und 2,1 Millionen Todesfälle jedes Jahr. Die meisten (95 %) treten in Entwicklungsländern auf. Die Hälfte der Infektionen betrifft Frauen, während jeder siebte Fall ein Kind unter 15 Jahren ist. In Teilen Afrikas sind mehr als 30 % der Menschen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren infiziert, was eine Bedrohung für die Lebenserwartung einer ganzen Generation darstellt.

Wussten Sie ...

  • Es wurde kein Fall der HIV-Übertragung durch Husten, Niesen oder Mückenstiche dokumentiert.

Infektionswege

HIV wird durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten, die Viren oder infizierte Zellen enthalten, übertragen. HIV kann in fast jeder Körperflüssigkeit enthalten sein, doch die Übertragung geschieht hauptsächlich durch Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder die Muttermilch. HI-Viren sind in geringer Konzentration auch in Tränen, Harn und Speichel enthalten, doch eine Infektion durch Kontakt mit diesen Flüssigkeiten ist extrem selten. HIV wird nicht durch zufälligen, oberflächlichen Kontakt (wie Berühren, Umarmen oder Küssen) übertragen, auch nicht durch enge nichtsexuelle Kontakte wie etwa bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause. Es wurde bisher kein Fall einer HIV-Ansteckung bekannt, die durch Husten oder Niesen einer infizierten Person oder durch einen Mückenstich herbeigeführt worden ist. Übertragung von einem infizierten Arzt oder Zahnarzt auf einen Patienten ist äußerst selten.

HIV wird auf folgenden Wegen übertragen:

  • Durch Geschlechtsverkehr mit infizierten Menschen, bei dem die Schleimhaut von Mund, Scheide, Penis oder Rektum infizierter Körperflüssigkeit ausgesetzt ist (wie ungeschützter Sex).

  • Durch Injektion und Infusion von virushaltigem Blut wie z. B. bei Bluttransfusionen, durch Verwendung von gebrauchten Injektionsnadeln und einem versehentlichen Stich mit einer HIV-infizierten Nadel.

  • Von einer infizierten Mutter auf das Kind und zwar vor und während der Geburt und durch die Muttermilch.

Die Anfälligkeit für eine HIV-Infektion ist erhöht, wenn Haut oder Schleimhaut verletzt oder beschädigt sind – auch wenn minimal – z. B. bei heftigem Vaginal- oder Analverkehr. Das Risiko für eine sexuell übertragene HIV-Infektion ist größer, wenn einer der Partner an Herpes, Syphilis oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten leidet, die die Haut schädigen und zu einer Entzündung im Genitalbereich führen. Das HIV-Virus kann auch dann übertragen werden, wenn keiner der Partner andere sexuell übertragbare Krankheiten oder offensichtliche Hautschäden hat. HIV-Infektionen kommen auch nach oralem Sex vor, aber weniger häufiger als bei Vaginal- und Analverkehr.

In den Vereinigten Staaten, Europa und Australien ist HIV hauptsächlich durch homosexuellen Kontakt unter Männern und durch gemeinsame Nutzung von Nadeln bei Drogenabhängigen übertragen worden, aber heterosexuelle Übertragungswege haben schnell zugenommen. HIV wird in Afrika, in der Karibik und in Asien vor allem zwischen Heterosexuellen übertragen und HIV-Infektion tritt gleichmäßig bei Männern und Frauen auf. In den Vereinigten Staaten sind ungefähr 30 % der HIV-infizierten Erwachsenen Frauen. Vor 1992 wurden die meisten amerikanischen Frauen durch die Injektion von Drogen mit kontaminierten Nadeln mit HIV infiziert, aber heute geschehen die meisten Infektionen durch sexuellen Kontakt.

Wenn sich jemand vom Pflegepersonal versehentlich mit einer HIV-infizierten Injektionsnadel sticht, liegt das Risiko einer Ansteckung mit HIV bei 1:300. Das Risiko einer HIV-Infektion ist jedoch höher, wenn die Kanüle tief eingedrungen ist oder die Nadel verseuchtes Blut enthält (wie eine Nadel, die benutzt wird, um Blut abzunehmen), als wenn sie nur mit Blut beschichtet ist (wie eine Nadel, die benutzt wird, um Drogen zu injizieren oder eine Schnittwunde zu nähen). Das Risiko, sich mit infizierten Körperflüssigkeiten anzustecken, die in Mund oder Augen spritzen, beträgt weniger als 1:1000. Kurz nach der Exposition eine Kombination von antiretroviralen Medikamenten einzunehmen, scheint das Risiko einer Infektion bei einem Unfall in einer Gesundheitseinrichtung zu reduzieren, aber nicht zu beseitigen. Die Einnahme von solchen Medikamenten wird empfohlen.

Viele Kranke, die regelmäßig Hämodialyse mit Vollblut oder anderen Blutprodukten bekamen, wurden wegen des empfangenen mit HIV infizierten Blutes krank. Für diese Menschen war Aids die häufigste Todesursache. Jedoch wird seit 1985 in den meisten entwickelten Ländern das für Transfusion gesammelte Blut auf HIV getestet und wenn möglich werden manche Blutprodukte mit Hitze behandelt, um das Risiko einer HIV Infektion zu beseitigen. Die gegenwärtige Gefahr der HIV-Infektion durch eine einzelne Bluttransfusion (die in den meisten entwickelten Ländern sorgfältig auf HIV und andere blutübertragbare Viren geprüft werden) wird auf weniger als 1:600.000 geschätzt.

Mütter und Kinder

HIV-Infektion bei vielen Frauen im gebärfähigen Alter führte zu einer Zunahme der HIV-Infektion bei Kindern (siehe Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) bei Kindern). Bei etwa 30 bis 50 % der Schwangerschaften von Frauen, die mit HIV infiziert sind und nicht behandelt werden, wird das HIV-Virus über die Plazenta oder während der Geburt bei der Passage durch den Geburtskanal auf den Fötus übertragen. Säuglinge können durch die Muttermilch mit HIV infiziert werden. Das Risiko der Übertragung durch Stillen hängt von der Dauer des Stillens ab, aber kann bis zu 75 % betragen.

Medikamentöse Behandlung von infizierten schwangeren Frauen im 2. und 3. Trimester zusammen mit der Gabe intravenöser Medikamente bei der Geburt kann das Risiko der Übertragung um etwa zwei Drittel oder mehr reduzieren. Kaiserschnitt und eine geeignete Behandlung der Mutter bei der Geburt und des Babys mehrere Wochen nach der Geburt können ebenfalls das Risiko senken. Infizierte Mütter sollten nicht stillen, wenn sie in Ländern leben, in denen Babynahrung sicher und auch erschwinglich ist. Jedoch empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation das Stillen in Ländern, in denen ansteckende Krankheiten und Unterernährung häufige Ursachen für Kindersterblichkeit sind, und falls keine sichere, erschwingliche Babynahtung verfügbar ist. In solchen Fällen kann der Schutz vor möglichen tödlichen Infektionen durch das Stillen das Risiko einer HIV-Übertragung ausgleichen.

Was ist das Risiko einer HIV-Übertragung bei sexuellen Aktivitäten?

Risiko

Aktivität

Kein Risiko (wenn keine offene Wunde vorhanden ist)

Küsse z. B. auf die Wange

Aneinanderreiben des Körpers und Massage

Gebrauch von sexuellen Instrumenten, solange sie nicht gemeinsam benutzt werden

Sexuelle Stimulation durch einen Partner ohne Kontakt zu Samen oder Scheidenflüssigkeit

Gemeinsames Baden oder Duschen

Kontakt von intakter Haut mit Kot oder Urin

Theoretisches Risiko (extrem gering, wenn keine offene Wunde vorhanden ist)

Feuchte Küsse

Oraler Sex an einem Mann (Fellatio) ohne Samenerguss und mit Kondom

Oraler Sex an einer Frau (Cunnilingus), wenn eine Barriere benutzt wird

Oral-analer Kontakt

Eindringen in Scheide oder After mit einem Finger mit oder ohne Handschuh

Gebrauch von sexuellen Instrumenten, die gemeinsam benutzt, aber desinfiziert werden

Geringes Risiko

Oraler Sex an einem infizierten Mann mit oder ohne Verschlucken des Samens, wenn kein Kondom benutzt wird oder ein Kondom falsch benutzt wird (Risiko ist geringer bei oralem Sex von einem infizierten Mann an einem gesunden Mann)

Oraler Sex an einer Frau, wenn keine Barriere benutzt wird

Vaginaler oder analer Sex bei richtigem Kondomgebrauch (z. B. nur Gleitmittel auf Wasserbasis verwenden und keine Samen verschütten)

Gebrauch von sexuellen Instrumenten, die gemeinsam benutzt, aber nicht desinfiziert werden

Hohes Risiko

Vaginaler oder analer Sex mit oder ohne Samenerguss, ohne Kondom oder bei falschem Kondomgebrauch

Entstehung der Infektion

Einmal im Körper, heften sich die HIV-Viren an verschiedenen Typen weißer Blutkörperchen an. Die wichtigsten sind bestimmte T-Helfer Lymphozyten. T-Helfer-Lymphozyten aktivieren und koordinieren andere Zellen des Immunsystems. An der Oberfläche haben diese Lymphozyten einen Rezeptor, genannt CD4, der HIV ermöglicht, sich an sie anzuheften. So werden diese T-Lymphozyten zu CD4+-Zellen.

HIV speichert seine Erbinformationen in Ribonukleinsäure (RNA). Befindet sich das Virus im Inneren eines CD4+-Lymphozyten, stellt es mithilfe des Enzyms genannt Reverse-Transkriptase eine Kopie seiner RNA her, die jedoch aus Desoxyribonukleinsäure (DNA) besteht. Das HIV-Virus mutiert an diesem Punkt sehr leicht, da die Reverse-Transkriptase während der Umwandlung von viraler RNA in DNA recht fehleranfällig ist. Aufgrund dieser Veränderungen ist HIV schwieriger durch das Immunsystem des Körpers und Medikamente zu kontrollieren.

Die virale DNA-Kopie wird anschließend in die DNA des infizierten Lymphozyten eingebaut. Aufgrund der genetischen Veränderungen im Lymphozyten wird das Virus dann reproduziert (vervielfältigt). Der Lymphozyt wird schließlich zerstört. Die vielen tausend neuen Viren, die jede infizierte Zelle produziert, infizieren weitere Lymphozyten, die sie ebenfalls zerstören können. Innerhalb weniger Tage oder Wochen enthalten Blut und genitale Flüssigkeiten viele Viren, und die Anzahl an CD4+-Lymphozyten kann wesentlich verringert sein. Weil die Anzahl an Viren im Blut und in den genitalen Flüssigkeiten kurz nach einer HIV-Infektion so groß ist, können neu infizierte Menschen HIV leicht an andere Personen übertragen.

Lebenszyklus des Humanen Immunschwächevirus (vereinfacht)

Wie alle Viren vermehrt (vervielfältigt) sich das Humane Immunschwächevirus HIV, indem es das genetische Programm der Wirtszelle verwendet, gewöhnlich einen CD4+-Lymphozyten.

  • Das HIV-Virus heftet sich an eine Zelle an und dringt in sie ein.

  • HIV überträgt RNA, den genetischen Code des Virus, in die Zelle. Zur Reproduktion muss die RNA in DNA umgewandelt werden Das Enzym, das die Umwandlung der RNA durchführt, heißt Reverse-Transkriptase. Das HIV-Virus mutiert an diesem Punkt sehr leicht, da die Reverse-Transkriptase während der Umwandlung von viraler RNA in DNA recht fehleranfällig ist.

  • Die Virus-DNA dringt in den Zellkern ein.

  • Mithilfe eines Enzyms genannt Integrase wird die Virus-DNA in die DNA der Zelle eingebaut.

  • Die DNA der infizierten Zelle produziert nun RNA sowie Eiweiße, die erforderlich sind, um ein neues HIV-Virus zu bilden.

  • Ein neues Virus setzt sich aus RNA und kurzen Eiweißstücken zusammen.

  • Das Virus schnürt sich ab, indem es sich in einen Teil der Zellmembran einwickelt und sich von der infizierten Zelle löst.

  • Um andere Zellen infizieren zu können, muss das abgeschnürte Virus heranreifen. Es wird reif, wenn ein weiteres Enzym (HIV-Protease) virale Proteine zerschneidet und diese sich neu anordnen.

Die Entwicklung der Medikamente zur Behandlung der HIV-Infektion gründeten auf dem Lebenszyklus des HIV-Virus. Diese Medikamente hemmen die drei Enzyme (Reverse-Transkriptase, Integrase und Protease), die das Virus zum Vermehren oder Anheften benützt und um in die Zellen einzudringen.

Wenn die HIV-Infektion die CD4+-Lymphozyten vernichtet, schwächt sie die körpereigene Abwehrkraft, die ansonsten den Körper vor Infektionen und Krebs schützt. Diese Schwächung des Immunsystems ist unter anderem der Grund, warum der Körper die HIV-Infektion nicht sofort bekämpfen kann. Das Immunsystem kann jedoch reagieren. Innerhalb von ein bis zwei Monaten nach Einsetzen der Infektion produziert der Körper Lymphozyten und Antikörper, die dazu beitragen, die Zahl der HIV-Viren im Blut zu senken und die Infektion unter Kontrolle zu halten. Aus diesem Grund dauert eine unbehandelte HIV-Infektion durchschnittlich ungefähr 10 Jahre (von 2 bis 20 Jahren), bevor sie Symptome verursacht.

CD4-Zahl

Da die Zahl der CD4+-Lymphozyten im Blut (CD4-Zahl) etwas über die Fähigkeit des Immunsystems aussagt, den Körper vor Infektionen zu schützen, ist sie ein gutes Maß für den Schaden, den die HIV-Infektion angerichtet hat. Gesunde Menschen haben eine CD4-Zahl von etwa 800 bis 1300 Zellen in einem Mikroliter Blut. In den ersten Monaten nach einer HIV-Infektion sinkt diese Zahl im Allgemeinen um 40 bis 60 %. Etwa 3 bis 6 Monate nach der Infektion beginnt die CD4-Zahl, weniger schnell zu sinken, aber ohne Behandlung sinkt sie in der Regel weiter zwischen langsam bis schnell.

Wenn die CD4-Zahl unter rund 200 Zellen pro Mikroliter Blut sinkt, gelingt es dem Immunsystem kaum noch, gegen gewisse Infektionen anzukämpfen (z. B. gegen Pilze, die Pneumocystis jirovecii Pneumonie hervorrufen) Diese Infektionen kommen bei Menschen mit gesundem Immunsystem gewöhnlich nicht vor. Sie werden als opportunistische Infektionen bezeichnet, da sie ein geschwächtes Immunsystem ausnutzen. Ein Absinken unter 50 Zellen pro Mikroliter Blut ist besonders gefährlich, weil zusätzliche opportunistische Infektionen, die schnell schweren Gewichtsverlust, Blindheit oder Tod verursachen können, häufig auftreten.

Viruslast

Die Zahl der Viren im Blut (vor allem die Zahl der HIV-RNA-Kopien) wird als Viruslast bezeichnet. Viruslast stellt die Geschwindigkeit der HIV-Replikation dar. Bei der Erstinfektion steigt die Viruslast schnell. Später, auch ohne eine Behandlung, sinkt die Viruslast auf ein niedrigeres Niveau, das für einige Zeit konstant bleibt. Das wird Stabilisierungsniveau genannt. Dieses Niveau schwankt von Person zu Person. Die Viruslast zeigt auch, wie ansteckend die Infektion ist und wie schnell die Infektion sich wahrscheinlich verschlechtern wird.

Während einer erfolgreichen Behandlung verringert sich die Virenlast bis auf ein sehr niedriges oder nicht nachweisbares Niveau. Jedoch ist das inaktive (latente) HIV-Virus noch innerhalb der Zellen anwesend, und wenn die Behandlung gestoppt wird, beginnt es sich wieder zu replizieren. Ein Anstieg der Viruslast kann darauf hinweisen, dass die Viren gegen die Medikamente resistent geworden sind oder dass der Infizierte seine Medikamente nicht regelmäßig einnimmt oder beides.

Wussten Sie ...

  • Jemand kann jahrelang mit HIV infiziert sein, ohne Symptome zu entwickeln.

Symptome

Bei der Erstinfektion haben viele Menschen keine spürbaren Symptome, aber innerhalb einiger Wochen können sich Fieber, Hautausschläge, geschwollene Lymphknoten, Müdigkeit und eine Vielzahl von weniger häufigen Symptomen entwickeln. Im Anfangsstadium der (primären) HIV-Infektion dauern die Symptome von einigen Tagen bis zu 1 oder 2 Wochen. Die Symptome verschwinden, aber Lymphknoten bleiben häufig vergrößert und fühlen sich wie kleine, schmerzlose Klumpen im Nacken, unter den Armen oder in der Leiste an. Menschen können jahrelang – sogar zehn Jahre oder länger – mit HIV infiziert sein, bevor sich Symptome zeigen. Die ersten Symptome können jedoch Aids sein. Aids ist definiert als die Entwicklung von sehr schweren opportunistischen Infektionen oder Tumoren – denjenigen, die sich in der Regel nur bei Menschen mit einer CD-Zahl von weniger als 200 entwickeln. Bevor es sich zu Aids entwickelt, fühlen sich viele Infizierte wohl, jedoch einige entwickeln eine Vielzahl von vagen Symptomen wie Gewichtsverlust, Müdigkeit, wiederkehrendes Fieber oder Durchfall, Blutarmut und Soor (eine Pilzinfektion im Mund oder in der Scheide).

Aids-Symptome sind gewöhnlich charakteristisch für opportunistische Infektionskrankheiten und Tumore, die sich entwickeln. Zum Beispiel können Infizierte aufgrund von Soor weiße Flecken im Mund oder Schmerzen und Hautausschlag aufgrund von Herpes Zoster entwickeln.

Eine HIV-Infektion kann jedoch auch Symptome verursachen, wenn sie Teile des Körpers direkt angreift:

  • Gehirn: Gedächtnisverlust, Denk- und Konzentrationsschwierigkeiten oder beides, was schließlich zu Demenz, sowie zu Schwäche, Zittern oder Schwierigkeiten beim Gehen führt

  • Nieren: Schwellungen in den Beinen und im Gesicht, Müdigkeit und Änderungen beim Wasserlassen (häufiger bei Schwarzen als bei Weißen), aber oft erst, wenn die Infektion schwer ist

  • Herz: Kurzatmigkeit, Husten, ziehende Atmung und Müdigkeit (nicht häufig)

  • Genitalien: Verringerte Konzentration von männlichen Geschlechtshormonen führt zu einem verringerten Interesse an Sex (häufig)

HIV ist wahrscheinlich bei manchen Menschen für einen erheblichen Gewichtsverlust (Wasting-Syndrom) verantwortlich. Auch eine Reihe von Infektionen oder eine unbehandelte, anhaltende Infektion des Verdauungstraktes können bei Aidskranken eine Auszehrung hervorrufen.

Kaposi-Sarkom ist ein Tumor, verursacht von einem anderen sexuell übertragenen Typ des Herpesvirus (siehe Kaposi-Sarkom), der schmerzlos ist und als rot bis purpurfarbene erhöhte Flecken auf der Haut erscheint. Er tritt häufig bei Aidskranken, vornehmlich homosexuellen Männern, auf. Tumoren des Immunsystems (Lymphome, gewöhnlich non-Hodgkin-Lymphom) können sich entwickeln, die manchmal zuerst im Gehirn auftreten. Wenn das Gehirn betroffen ist, können diese Tumoren zu einer Schwächung im Arm oder Bein, Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Persönlichkeitsveränderungen führen. Aids erhöht das Risiko, an anderen Krebsarten zu erkranken. Homosexuelle Männer sind anfällig für die Entwicklung von Rektumkrebs, verursacht durch den gleichen menschlichen Papillomvirus (HPV), der Gebärmutterhalskrebs bei Frauen verursacht.

Gewöhnlich wird der Tod durch das Zusammenwirken von opportunistischen Infektionen oder Tumoren, Auszehrung und Demenz hervorgerufen.

Häufige opportunistische Infektionen im Zusammenhang mit Aids

Infektion

Beschreibung

Symptome

Candida-Ösophagitis

Eine Hefepilzinfektion der Speiseröhre

Schmerzhafte Schluckbeschwerden und Brennen in der Brust

Pneumocystis jirovecii-Pneumonie

Eine Infektion der Lungen mit dem Pilz Pneumocystis jirovecii

Atembeschwerden, Husten und Fieber

Toxoplasmose

Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii, der gewöhnlich das Gehirn befällt

Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit und Krampfanfälle

Tuberkulose

Infektion der Lunge und manchmal auch anderer Organe mit dem Tuberkulosebakterium

Husten, Fieber, nächtliche Schweißausbrüche, Gewichtsverlust und Brustschmerzen

Mycobacterium avium-Infektion

Eine Mycobacterium avium-Infektion des Darmtrakts oder der Lungen mit einem Bakterientyp ähnlich dem Tuberkulosebakterium

Fieber, Gewichtsverlust, Durchfall und Husten

Kryptosporidiose

Infektion des Darmes mit dem Parasiten Cryptosporidium

Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust

Kryptokokken-Meningitis

Infektion der Hirnhaut mit dem Hefepilz Cryptococcus

Kopfschmerzen, Fieber und Verwirrtheit

Zytomegalie -Infektion

Infektion der Augen und des Darmtrakts mit Zytomegalieviren

Auge: Trübung der Sehkraft oder Blindheit

Darmtrakt: Durchfall und Gewichtsverlust

Diagnose

Ärzte fragen in der Regel nach Risikofaktoren für eine HIV-Infektion (z. B. Exposition am Arbeitsplatz, sexuelle Aktivitäten mit hohem Risiko und Verwendung von injizierten Drogen) und nach Symptomen (z. B. Müdigkeit, Hautausschläge und Gewichtsverlust). Sie nehmen eine körperliche Untersuchung vor, um auf Anzeichen von opportunistischen Infektionen wie geschwollene Lymphknoten und weiße Flecken im Mund (die auf Soor hinweisen) zu überprüfen. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, denn sie könnte infizierten Menschen helfen, länger und gesünder zu leben und der HIV-Übertragung auf andere Personen vorzubeugen.

Wenn Ärzte eine HIV-Infektion vermuten, werden einfache, verlässliche Screening-Tests, die Antikörper gegen HIV nachweisen, durchgeführt. Diese können anhand einer Blutprobe im Labor oder einer Blut- oder Speichelprobe in der Arztpraxis durchgeführt werden. Ist das Ergebnis positiv, wird ein weiterer, noch genauerer Bluttest durchgeführt, beispielsweise nach dem Western-Blot-Verfahren. Die Testergebnisse sind in den ersten Wochen bis zu 2 Monaten nach einer HIV-Infektion häufig nicht positiv, weil der Körper so lange braucht, um Antikörper gegen das Virus zu entwickeln. Die Tests umfassen:

  • Enzyme-Linked Immunosorbent Assay (ELISA): Dieser Screening-Test wird häufig verwendet, um HIV-Antikörper nachzuweisen, aber er erfordert komplexe Testgeräte.

  • Neuere schnelle Screening-Tests: Diese Tests werden immer häufiger benutzt, um Antikörper nachzuweisen, weil sie schneller und einfacher als ELISA sind. Sie können fast in jeder Umgebung eingesetzt werden und liefern unmittelbare Ergebnisse.

  • Western Blot: Dieser Test wird üblicherweise zur Bestätigung der Diagnose durchgeführt, wenn die Ergebnisse des Screening-Tests positiv sind. Das Verfahren ist schwieriger als der Screening-Test, aber genauer.

Andere Tests, wie der Viruslast- oder P24-Antigen-Test, erkennen HIV im Blut viel früher nach der Infektion als Antikörpertests. Beim P24-Antigen-Test ist es jedoch schwierig, eine niedrige Antigenkonzentration zu erkennen.

Jeder, der besorgt ist, mit HIV infiziert zu sein, kann auf Wunsch getestet werden. Solche Tests sind vertraulich.

Wenn eine HIV-Infektion diagnostiziert wird, sollten regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um die CD4-Zahl und die Viruslast zu messen. Wenn die CD4-Zahl niedrig ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich schwerwiegende Infektionen und Krankheiten entwickeln größer. Die Viruslast gibt an, wie schnell sich die CD4-Zahl voraussichtlich in den nächsten Jahren verringern wird. Diese beiden Messungen helfen Ärzte bestimmen, wann sie antiretrovirale Medikamente einsetzen sollten, was die voraussichtlichen Auswirkungen einer Behandlung wären und ob evtl. andere Medikamente erforderlich sind, um Komplikationen vorzubeugen. Mit einer erfolgreichen Behandlung innerhalb von Wochen fällt die Viruslast auf ein sehr niedriges Niveau und die CD4-Zahl beginnt, sich langsam zu normalisieren.

Ärzte können auch andere Tests auf gewisse Störungen, die häufig bei Menschen mit HIV-Infektion auftreten, durchführen. Zum Beispiel kann eine Knochenmarkuntersuchung durchgeführt werden, um auf Störungen zu überprüfen (wie Lymphome), die sich auf die Produktion der Blutzellen im Knochenmark auswirken. Eine Lumbalpunktion, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes kann durchgeführt werden, um das Gehirn und das Rückenmark auf Störungen zu untersuchen.

Aids wird diagnostiziert, wenn die Zahl der CD4-Lymphozyten auf weniger als 200 Zellen pro Mikroliter Blut fällt oder wenn extreme Auszehrung oder gewisse ernste opportunistische Infektionen oder Tumoren einsetzen.

Vorbeugung

Die häufigste Art der HIV-Übertragung – durch sexuellen Kontakt oder gemeinsame Verwendung von Injektionsnadeln – ist fast komplett vermeidbar. Die dazu erforderlichen Vorbeugungsmaßnahmen - sexuelle Enthaltsamkeit oder Kondomgebrauch (siehe Gebrauch eines Kondoms) und Benutzung von sauberen Injektionsnadeln – sind manchmal aus persönlichen oder gesellschaftlichen Gründen unpopulär. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, ihr Sucht- oder Sexualverhalten zu verändern, sodass sie sich weiterhin dem Risiko einer HIV-Infektion aussetzen. Safer Sex ist auch nicht immer sicher und zuverlässig. Beispielsweise können Kondome undicht sein oder reißen.

Einen Impfstoff, um einer HIV-Infektion vorzubeugen oder den Krankheitsverlauf von Aids bei infizierten Menschen zu verlangsamen, gibt es noch nicht. Die Forschungen gehen weiter, doch in jüngsten klinischen Studien haben sich einige vielversprechende Impfstoffe nicht als erfolgreich erwiesen.

Andere Maßnahmen können helfen. Beschneidung bei Männern scheint ein kostengünstiges, sicheres Verfahren zu sein, das das Ansteckungsrisiko um etwa die Hälfte reduziert.

Da HIV weder durch Luft noch durch oberflächlichen Kontakt (wie Berühren, Umarmen oder Küssen) übertragen wird, brauchen HIV-positive Menschen in Krankenhäusern oder Kliniken nur isoliert zu werden, wenn sie eine andere ansteckende Krankheit haben. Mit HIV kontaminierte Oberflächen können leicht gereinigt werden, da HIV durch Hitze und die üblichen Desinfektionsmittel wie Wasserstoffperoxid und Alkohol unschädlich gemacht wird. Menschen, die bei ihrer Arbeit in Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten kommen könnten, sollten Latex-Schutzhandschuhe, Mundmasken und Augenschutz tragen. Diese allgemeingültigen Vorsichtsmaßnahmen sind aus zwei Gründen für Körperflüssigkeiten von allen Kranken, nicht nur von HIV Erkrankten, gültig: Menschen mit HIV wissen möglicherweise nicht, dass sie infiziert sind und auch andere Viren können durch Körperflüssigkeiten übertragen werden.

Menschen, die durch einen Blutspritzer, einen Nadelstich oder sexuellen Kontakt mit HIV in Berührung gekommen sind, können das Infektionsrisiko senken, indem sie so bald wie möglich nach dem HIV-Kontakt für kurze Zeit antivirale Medikamente einnehmen. Diese Behandlung muss möglichst bald nach der Exposition gegenüber dem Virus begonnen werden. Gegenwärtig wird die vierwöchige Einnahme von zwei oder drei Medikamenten empfohlen. Da das Infektionsrisiko unterschiedlich ist, wird die Entscheidung über die Behandlung von Arzt und Patient individuell aufgrund der Art der Exposition getroffen.

Wussten Sie ...

  • Medikamente zur Behandlung einer HIV-Infektion helfen nur, wenn die Erkrankten die Medikamente konsequent und für den Rest ihres Lebens einnehmen.

Behandlung

Antiretrovirale Medikamente

Verschiedene Kategorien von Medikamenten dienen zur Behandlung der HIV-Infektion Alle Kategorien der antiretroviralen Medikamente verhindern die Aktivität eines der Enzyme, die HIV-Viren brauchen, um sich in der menschlichen Zelle zu replizieren. Dazu gehören:

  • Reverse Transkriptase-Hemmer: Diese Medikamente hemmen die Reverse-Transkriptase, die virale RNA in DNA umwandelt. Es gibt drei Kategorien von diesen Medikamenten: nukleosidische, nukleotidische und nicht-nukleosidische.

  • Proteasehemmer: Diese Medikamente hemmen die Protease, die gewisse Eiweiße innerhalb neu produzierter Viren aktiviert. Das Ergebnis sind unreife, fehlerhafte Viren, die keine neuen Zellen infizieren.

  • Fusionshemmer: Diese Medikamente verhindern, dass das HIV-Virus in die Zelle eindringt. Um in eine menschliche Zelle einzudringen, muss sich das HIV-Virus an einen CD4-Rezeptor und einen anderen Rezeptor, wie z. B. den CCR-5-Rezeptor, binden. CCR-5-Hemmer sind eine Art von Fusionshemmern, die diesen Rezeptor blockieren und verhindern, dass das HIV-Virus in die menschliche Zelle eindringt.

  • Integrasehemmer: Diese Medikamente verhindern, dass HIV-DNA in die menschliche DNA integriert wird.

Diese Medikamente verhindern, dass sich das Virus vermehrt. Wenn die Virenvermehrung ausreichend vermindert wird, geht die Zerstörung von CD4+-Lymphozyten drastisch zurück und die CD4-Zahl beginnt wieder zu steigen. Dadurch kann ein großer Teil des Schadens, den das Immunsystem durch das HIV-Virus erlitten hat, rückgängig gemacht werden. Ärzte können diesen Rückgang erkennen, indem sie die CD4-Zahl messen, die allmählich wieder auf ein normales Niveau zurückkehrt.

Die HIV-Viren entwickeln in der Regel eine Resistenz gegen alle diese Mittel, wenn diese allein angewendet werden. Manchmal dauert das nur ein paar Tage bis zu einigen Monaten, abhängig von der Behandlung und vom Virus. HIV variiert wegen der Veränderungen, die bei der Vermehrung auftreten. Die Behandlung ist am wirkungsvollsten, wenn mindestens zwei oder drei der Arzneimittel miteinander kombiniert werden – gewöhnlich eine der folgenden Kombinationen:

  • Drei Reverse-Transkriptase–Hemmer (zwei nukleosidische plus ein nicht-nukleosidischer)

  • Zwei nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer plus ein oder zwei Proteasehemmer

Diese Arzneimittelkombinationen werden oft als hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) bezeichnet. HAART wird verwendet, weil

  • Kombinationen zur Reduzierung des HIV-Niveaus im Blut wirksamer sind als einzelne Medikamente.

  • Kombinationen die Entwicklung von Resistenzen verhindern.

  • Einige HIV-Medikamente, wie Ritonavir, den Spiegel anderer HIV-Medikamente im Blut (einschließlich der meisten Proteasehemmer) erhöhen, indem sie deren Ausscheidung aus dem Körper verlangsamen.

HAART bei HIV-Infizierten kann den Ausbruch von Aids verzögern oder verhindern und damit ihr Leben verlängern.

Kombinationen von antiretroviralen Medikamenten haben unangenehme und schwerwiegende Nebenwirkungen. Der Fettstoffwechsel kann gestört werden, hauptsächlich durch Proteasehemmer. Zu den Symptomen gehört die langsame Verlagerung von Körperfett von Gesicht, Armen und Beinen in die Bauchregion (genannt Stammfettsucht) und bei Frauen manchmal in den Brustbereich. Die Blutfettwerte Cholesterin und Triglyzeride (zwei Arten von Blutfett) steigen, was das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht. Viele Medikamente verursachen Hautausschläge (Hautreaktionen). Einige Hautreaktionen können sehr gefährlich sein, vor allem, wenn das Medikament, das die Reaktion verursacht, Nevirapin ist.

Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer schädigen die Mitochondrien, die Kraftwerke der menschlichen Zelle. Zu ihren Nebenwirkungen gehören Blutarmut, schmerzende Füße aufgrund von Nervenschädigungen (Neuropathie) und Leberschäden, die in seltenen Fällen zu Leberversagen führen und Herzschäden, die Herzversagen verursachen können. Die einzelnen Medikamente unterscheiden sich in ihren Nebenwirkungen. Durch sorgfältige Überwachung und Veränderung der Medikamentenzusammenstellung lassen sich ernste Probleme in der Regel vermeiden.

Wenn HAART erfolgreich ist, kann es das Immunrekonstitionssyndrom verursachen. Bei diesem Syndrom verschlechtern sich die Symptome der verschiedenen Infektionen, weil Immunantworten gestärkt (wiederhergestellt) werden, die zu einer zunehmenden Entzündung führen (siehe Abwehr gegen Infektionen : Entzündung) oder manchmal, weil Teile von toten Viren fortbestehen und weiterhin Immunantworten auslösen.

Die Behandlung nützt nur dann, wenn die Medikamente pünktlich und regelmäßig eingenommen werden. Wird die Einnahme vergessen, können sich die Viren vermehren und eine Resistenz entwickeln. Keine Behandlung kann die Viren aus dem Körper entfernen, auch wenn die Virenlast oft unter das nachweisbare Niveau fällt. Ein nicht nachweisbares Niveau ist das Ziel der Behandlung. Wird die Behandlung abgebrochen, steigt das HIV-Niveau und die CD4-Zahl beginnt zu sinken.

Es ist noch nicht sicher, zu welchem Zeitpunkt am besten mit der Therapie begonnen werden sollte. Ebenso ist der Nutzen der Behandlung für Menschen unklar, die nicht sehr krank sind und deren CD4-Zahl noch im normalen Bereich liegt. Menschen mit einer geringen CD4-Zahl (unter 200) oder einer hohen Virenlast sollten jedoch selbst dann behandelt werden, wenn sie noch keine Symptome zeigen. Bevor sie ein Behandlungsregime beginnen, werden sie über die Notwendigkeit der regelmäßigen Einnahme der verordneten Medikamente ohne das Auslassen einer Dosis und über die lebenslange Einnahme aufgeklärt. Medikamente ein ganzen Leben lang einzunehmen kann schwierig sein, weil diese viele wesentlichen und unangenehmen Nebenwirkungen haben und sehr teuer sind. Da die unregelmäßige Einnahme von HIV-Medikamenten zu Arzneimittelresistenz führt, versichern sich medizinische Fachkräfte, dass Patienten sowohl bereit als auch in der Lage sind, das verordnete Behandlungsregime einzuhalten.

Vorbeugung gegen opportunistische Infektionen

Menschen mit einer geringen CD4-Zahl erhalten routinemäßig Medikamente, um opportunistischen Infektionen vorzubeugen.

  • Wenn die CD4-Zahl auf unter 200 pro Mikroliter Blut gesunken ist, wird das Antibiotikum Trimethoprim-Sulfamethoxazol gegeben, um einer Pneumocystis jirovecii Pneumonie vorzubeugen. Dieses Antibiotikum verhindert auch Toxoplasmose, die lokalisierten Hirnschaden verursachen kann.

  • Menschen, die weniger als 50 (CD4+)-Lymphozyten pro Mikroliter Blut haben, kann die wöchentliche Einnahme von Azithromyzin oder die tägliche Einnahme von Clarithromyzin oder Rifabutin gegen Infektionen durch Mycobacterium avium schützen.

  • Kranke, die sich von einer Kryptokokken Meningitis erholen müssen, oder solche, die Soor - eine Infektion mit Candida in Mund, Speiseröhre und Scheide - haben, können über längere Zeit das Pilzmittel Fluconazol einnehmen.

  • Wiederkehrende Herpes-simplex-Infektionen an Mund, Lippen, Genitalien und Rektum können eine lang dauernde Behandlung mit einem antiviralen Mittel (wie Aciclovir) erforderlich machen, um vor Rückfällen zu schützen.

Andere Medikamente

Andere Medikamente können gegen Schwäche und Gewichtsverlust helfen, die mit Aids einhergehen. Megestrol und Dronabinol (ein Marihuana-Derivat) regen den Appetit an. Viele Aids-Kranke behaupten, dass natürliches Marihuana sogar noch wirkungsvoller ist, und die Verwendung von Marihuana wurde zu diesem Zweck in einigen Staaten legalisiert. Anabole Steroide (wie Testosteron) können den Verlust an Muskelmasse bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Wenn der Testosteronspiegel bei Männern niedrig ist, kann dieser durch Injektionen und Testosteronpflaster, die auf die Haut geklebt werden, erhöht werden.

Arzneimittel bei HIV-Infektion

Medikament*

Einige Nebenwirkungen

Fusionshemmer

Enfuvirtid

Schmerzhafter Hautausschlag an der Injektionsstelle und allergische Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich Hautausschlag, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und niedriger Blutdruck)

Maraviroc (ein CCR-5-Hemmer)

Unzureichende Durchblutung (Ischämie) zum Herzen oder Herzinfarkte

Integrasehemmer

Raltegravir

Keine

Nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer

Alle diese Arzneistoffe

Ausschlag (gelegentlich schwer oder lebensgefährlich) und Leberfunktionsstörungen

Delarvirdin

Nebenwirkungen der Arzneistoffgruppe

Efavirenz

Schwindel, Schläfrigkeit, Alpträume, Verwirrtheit, Aufgeregtheit, Vergesslichkeit und Euphorie

Etravirin

Nebenwirkungen der Arzneistoffgruppe

Nevirapin

Nebenwirkungen der Arzneistoffgruppe

Nukleosidische und nukleotidische Reverse-Transkriptase-Hemmer

Alle diese Arzneistoffe

Laktatazidose (Bildung von Milchsäure, einem Abfallprodukt des Stoffwechsels) und Leberschäden

Abacavir

Fieber, Ausschlag (gelegentlich schwer oder lebensgefährlich), Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und eine Verringerung der Zahl der weißen Blutkörperchen

Didanosin (ddI)

Schädigung der peripheren Nerven, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Übelkeit und Durchfall

Emtricitabin

Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Verdunkelung der Haut (Hyperpigmentierung), vor allem auf den Handflächen und Fußsohlen

Lamivudin (3TC)

Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schädigung der peripheren Nerven

Stavudin (d4T)

Schädigung der peripheren Nerven, Fettverlust im Gesicht und an den Armen und Beinen

Tenofovir

Leichter bis mittelschwerer Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Nierenschäden und Flatulenz

Zalcitabin (ddC)

Schädigung der peripheren Nerven, Bauchspeicheldrüsenentzündung, und Mundgeschwüre

Zidovudin (AZT)

Blutarmut, erhöhte Infektionsanfälligkeit (aufgrund der Knochenmarkschädigung), Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Mattigkeit und Muskelschmerzen

Proteasehemmer

Alle diese Arzneistoffe

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchbeschwerden, hoher Blutzucker- und Cholesterinspiegel (häufig), Fettzunahme am Bauch, Leberfunktionsstörungen, Nagelverfärbung und -deformität (eingewachsene Nägel) und eine Blutungsneigung (bei Menschen mit Hämophilie, Blutungen)

Amprenavir

Ausschlag

Darunavir

Kopfschmerzen, grippeähnliche Symptome, schwerer Ausschlag und Fieber

Fosamprenavir

Ausschlag

Indinavir

Nierensteine

Lopinavir

Kribbeln im Mund und veränderter Geschmackssinn

Nelfinavir

Nebenwirkungen der Arzneistoffgruppe

Ritonavir

Kribbeln im Mund und veränderter Geschmackssinn

Saquinavir

Nebenwirkungen der Arzneistoffgruppe

Tipranavir

Leberentzündung

*Alle Medikamente, außer Enfuvirtid, werden oral eingenommen.

Nebenwirkungen, aufgelistet nach Arzneistoffgruppen, können auftreten, wenn einer der Arzneistoffe aus dieser Gruppe benutzt wird.

Prognose

Der Kontakt mit HIV-Viren führt nicht zwangsläufig zu einer Infektion. Einige Menschen, die den Viren jahrelang wiederholt ausgesetzt waren, haben sich nicht infiziert. Außerdem fühlen sich viele infizierte Personen wohl und bleiben mehr als ein Jahrzehnt symptomlos. Einige mit HIV-infizierte unbehandelte Menschen haben sich über 20 Jahre wohl gefühlt. Bisher ist noch unklar, warum manche Menschen so viel früher erkranken als andere, doch wahrscheinlich beeinflusst eine ganze Reihe genetischer Faktoren sowohl die Anfälligkeit für eine Infektion als auch das Fortschreiten der Infektion bis zum Ausbruch von Aids.

Ohne Behandlung entwickelt sich Aids bei vielen wie folgt:

  • In den ersten Jahren nach der Infektion: 1 bis 2 % pro Jahr

  • Danach jährlich: 5 %

  • Innerhalb von 10 bis 11 Jahren: 50 %

  • Schließlich: Mehr als 95 %, möglicherweise alle, wenn sie lange genug leben

In der Anfangszeit der Aids-Epidemie mussten viele Kranke einen erheblichen Verlust an Lebensqualität hinnehmen, nachdem sie ins Krankenhaus eingewiesen worden waren. Viele verbrachten den größten Teil ihrer noch verbleibenden Lebenszeit im Krankenhaus und starben innerhalb von zwei Jahren nach Ausbruch der Krankheit. Mit der gegenwärtigen Therapie ist Aids jedoch kontrollierbar geworden. Viele Erkrankten leben noch lange, nachdem sie die Aids-Diagnose erhalten haben und führen weiterhin ein leistungsfähiges und aktives Leben. Dennoch kann die Krankheit wegen der Infektionen, Kosten und Nebenwirkungen die Lebensqualität verringern. Wenn Menschen die Medikamente nicht vertragen oder konsequent einnehmen können, dann entwickelt sich Aids weiter. Heilung ist noch nicht möglich, obwohl intensive Forschungen für eine Heilung fortgesetzt werden.

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