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Asthma bei Kindern

Von Anand D. Kantak, MD, Northeastern Ohio Universities Colleges of Medicine and Pharmacology, Rootstown;Akron Children's Hospital ; John T. McBride, MD, Northeastern Ohio Universities Colleges of Medicine and Pharmacology, Rootstown;Akron Children’s Hospital

Asthma ist eine wiederkehrende entzündliche Lungenkrankheit, bei der bestimmte Reize (Trigger) zu einer Entzündung und vorübergehenden Verengung der Atemwege führen, was wiederum Atemschwierigkeiten auslöst.

  • Zu den Auslösern von Asthmaanfällen gehören Rauch, Parfüm, Pollen, Schimmel, Hausstaubmilben und Virusinfektionen.

  • Ein pfeifendes Geräusch beim Atmen, Husten, Kurzatmigkeit, Engegefühl in der Brust und Atemschwierigkeiten sind Symptome von Asthma.

  • Die Diagnose wird gestellt, wenn bei einem Kind wiederholt pfeifende Geräusche beim Atmen auftreten, und Asthma in der Familie liegt.

  • Bei den meisten Kindern mit Asthma bildet sich die Krankheit im Lauf der Zeit zurück.

  • Asthma lässt sich verhindern, indem entsprechende Auslöser (Trigger) vermieden werden.

  • Zur Behandlung werden Bronchodilatoren und inhalierbare Kortikosteroide eingesetzt.

Asthma kann in jedem Alter einsetzen, am häufigsten tritt es jedoch in der Kindheit, insbesondere bei Kindern in den ersten 5 Lebensjahren auf. Manche Kinder haben auch im Erwachsenenalter noch Asthma. Bei anderen Kindern bildet sich das Asthma zurück. Über die letzten Jahrzehnte ist Asthma viel häufiger geworden. Es ist nicht gewiss, was der Grund dafür ist, doch es gibt verschiedene Thesen. Bei mehr als 8,5 % der Kinder in den USA wurde Asthma diagnostiziert. Dies bedeutet einen Anstieg von über 100 % über die letzten Jahrzehnte. In manchen Städten haben sogar 25 % bis 40 % der Kinder Asthma. Asthma ist der führende Grund für Krankenhauseinweisungen von Kindern und die Hauptursache für Fehlzeiten von Grundschülern.

Die meisten Kinder mit Asthma können, außer während eines Anfalls, an allen normalen Aktivitäten teilnehmen. Bei einigen Kindern ist das Asthma allerdings so stark ausgeprägt, dass sie jeden Tag anfallvorbeugende Medikamente anwenden müssen, um an Sport- und Spielaktivitäten teilnehmen zu können.

Aus bislang nicht geklärten Gründen reagieren Kinder mit Asthma auf bestimmte Auslöser (Trigger) anders als Kinder mit gesunden Atemwegen. Es gibt viele potenzielle Trigger, die meisten Kinder reagieren jedoch nur auf einige wenige von ihnen. Bei manchen Kindern lassen sich keine speziellen Auslöser feststellen.

Die Trigger führen alle zu ähnlichen Reaktionen. Bestimmte Zellen in den Atemwegen geben chemische Substanzen frei. Die Atemwege reagieren darauf mit einer Entzündung und schwellen an, die Muskelzellen in den Wänden der Atemwege krampfen sich zusammen. Die wiederholte Stimulierung durch diese chemischen Substanzen führt zu einer verstärkten Schleimproduktion in den Atemwegen, zum Ablösen der Zellen, die die Atemwege auskleiden, und zur Vergrößerung der Muskelzellen in den Wänden der Atemwege. Die Folge ist eine plötzliche Verengung der Atemwege (Asthmaanfall). In den anfallfreien Intervallen sind die Atemwege der meisten Kinder normal weit.

Häufige Asthma-Auslöser

Trigger

Beispiele

Allergene

Hausstaubmilben, Schimmel, Pollen, Tierhaare, Ausscheidungen von Küchenschaben und Federn

Körperliche Aktivität

Kalter Luftzug

Infektionen

Atemwegsviren und Erkältungen

Reizstoffe

Tabak-(Passiv-)Rauch, Parfüms, Holzrauch, Reinigungsprodukte, Duftkerzen, Luftverschmutzung, intensive Gerüche und irritierende Dämpfe

Andere

Emotionen (wie Angst, Wut und Aufregung), Aspirin und gastroösophagealer Reflux

Risikofaktoren

Es ist nicht vollständig klar, warum manche Kinder Asthma entwickeln, doch es gibt eine Reihe von anerkannten Risikofaktoren. Ein Kind mit einem asthmakranken Elternteil hat ein 25 %iges Risiko, an Asthma zu erkranken. Wenn beide Elternteile Asthma haben, steigt das Risiko auf 50 %. Kinder, deren Mutter in der Schwangerschaft geraucht hat, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, Asthma zu entwickeln. Asthma wird auch mit anderen die Mutter betreffenden Faktoren in Verbindung gebracht. So kann etwa das Risiko steigen, wenn die Mutter bei der Geburt sehr jung ist, sich in der Schwangerschaft mangelhaft ernährt hat und das Kind nicht stillt. Frühgeburt und geringes Geburtsgewicht sind ebenso Risikofaktoren.

In den USA haben Kinder, die in städtischen Umgebungen aufwachsen, ein größeres Asthmarisiko, insbesondere dann, wenn sie sozioökonomisch schwächeren Gruppen angehören. Es scheint, dass die höhere Häufigkeit von Asthma in diesen Gruppen mit den ärmlicheren Lebensumständen, dem schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung sowie der Tatsache, dass diese Kinder potenziell mehr Triggern ausgesetzt sind, in Zusammenhang steht. Obwohl ein größerer Prozentsatz von dunkelhäutigen als weißen Kindern an Asthma leidet, ist die Rolle des genetischen Aspekts in Bezug auf die steigenden Asthmazahlen jedoch umstritten, da dunkelhäutige Kinder auch häufiger in städtischen Umgebungen wohnen.

Kinder, die in jungen Jahren hohen Konzentrationen von Allergenen, wie Hausstaubmilben oder Ausscheidungen von Küchenschaben, ausgesetzt sind, haben ein höheres Risiko, an Asthma zu erkranken. Kinder, die in jungen Jahren eine Bronchiolitis (siehe Bronchiolitis) haben, leiden häufig bei nachfolgenden Virusinfektionen an keuchender Atmung. Das Atemgeräusch kann zunächst als Asthma interpretiert werden, doch in Wirklichkeit haben diese Kinder im Vergleich zu anderen Kindern kein erhöhtes Asthmarisiko.

Symptome

Wenn sich die Atemwege bei einem Asthmaanfall verengen, bekommt das Kind Atemschwierigkeiten, ein Engegefühl in der Brust und Husten. Diese Symptome gehen typischerweise mit einer keuchenden Atmung einher. Als Giemen bezeichnet man einen hohen, pfeifenden Ton, der wahrgenommen werden kann, wenn das Kind ausatmet. Jedoch ist nicht jeder Asthmaanfall zwingend von diesem Geräusch begleitet. Leichtes Asthma kann insbesondere bei sehr kleinen Kindern lediglich einen Husten nach sich ziehen. Manche ältere Kinder mit leichtem Asthma husten nur, wenn sie sich körperlich betätigen oder kalter Luft ausgesetzt sind. Aber auch extrem schweres Asthma kann ohne Giemen ablaufen, weil einfach nicht genügend Luft durch die Luftröhre strömt, um ein Geräusch zu verursachen. Bei einem schweren Asthmaanfall fällt das Atmen sichtlich schwer, das Giemen wird lauter, die Atmung wird schneller und mühsamer, der Brustkorb wirkt beim Einatmen (Inspiration) wie aufgebläht. Während eines sehr schweren Asthmaanfalls schnappt das Kind nach Luft, setzt sich aufrecht hin und lehnt sich nach vorn. Die Haut ist schweißig und blass oder bläulich verfärbt. Viele Kinder mit häufigen schweren Asthmaanfällen weisen eine Wachstumsverzögerung auf, holen diese jedoch bis zum Erwachsenenalter wieder auf.

Diagnose

Der Arzt vermutet Asthma, wenn bei einem Kind wiederholt pfeifende Atemgeräusche auftreten, insbesondere dann, wenn andere Personen in der Familie Asthma oder Allergien haben. In der Regel wird eine Röntgenaufnahme gemacht; manchmal hilft auch ein Allergietest, die Ursache festzustellen.

Bei Kindern mit häufigen Episoden Keuchatmung kann auch eine Untersuchung auf andere Störungen, wie Mukoviszidose oder gastroösophagealen Reflux, angezeigt sein. Ältere Kinder werden manchmal Lungenfunktionstests unterzogen (siehe Lungenfunktionsprüfung), doch bei den meisten Kindern ist die Lungenfunktion in den anfallfreien Intervallen normal.

Ältere Kinder und Jugendliche mit Asthma benutzen häufig ein sogenanntes Peak-Flow-Meter (ein kleines Gerät, das die maximale Ausatmungsgeschwindigkeit einer Person aufzeichnet und den Grad der Verstopfung der Atemwege misst). Dieser Messwert kann von Ärzten und Eltern herangezogen werden, um die Verfassung eines Kindes während eines Anfalls und in anfallfreien Intervallen zu beurteilen. Während eines Asthmaanfalls werden bei Kindern in der Regel keine Röntgenaufnahmen gemacht, es sei denn, der Arzt vermutet eine weitere Erkrankung, wie Pneumonie oder einen Lungenkollaps.

Wussten Sie ...?

  • Eine Staubfluse kann 40.000 Hausstaubmilben enthalten, die zu den häufigsten Auslösern von Asthma zählen.

Prognose und Prävention

Bei etwa der Hälfte der Kinder mit Asthma bildet sich die Erkrankung bis zum Erwachsenenalter zurück. Je schwerer das Asthma ist, desto wahrscheinlicher ist es jedoch, dass diese Menschen auch als Erwachsene darunter leiden. Andere Risikofaktoren für anhaltendes oder wiederkehrendes Asthma sind weibliches Geschlecht, Rauchen, Asthmaerkrankung in jungen Jahren und Hausstaubmilbenallergie.

Asthmaanfällen kann häufig vorgebeugt werden, indem man die auslösenden Faktoren vermeidet. Eltern von Kindern mit Allergien wird empfohlen, Federkissen, Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel, Plüschtiere und andere potenzielle Aufenthaltsorte von Hausstaubmilben und anderen Allergenen aus dem Kinderzimmer zu entfernen. Passivrauchen führt oft zu einer Verschlimmerung der Symptome von asthmakranken Kindern. Daher sollte dafür gesorgt werden, dass in Räumen, in denen sich das Kind aufhält, nicht geraucht wird. Wenn ein bestimmtes Allergen nicht vermieden werden kann, kann der Arzt versuchen, das Kind mit Allergiespritzen zu desensibilisieren. Es ist jedoch nicht vollständig geklärt, inwiefern Allergiespritzen bei Asthma therapeutisch hilfreich sind. Da körperliche Aktivität für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig ist, rät der Arzt meist, dass betroffene Kinder sich weiterhin körperlich betätigen und Sport treiben sollen. Wenn notwendig, können sie kurz vor der Aktivität ein Asthma-Medikament einnehmen.

Behandlung

Zur Behandlung eines akuten Anfalls gehört

  • das Weiten der Atemwege (Bronchodilatation)

  • das Unterbinden der Entzündung

Es stehen eine Reihe von inhalierbaren Medikamenten zu Verfügung, die die Atemwege weiten (Bronchodilatatoren – siehe Vorbeugung und Behandlung). Typische Beispiele sind Albuterol und Ipratropium. Es wird nicht empfohlen, langwirksame Bronchodilatatoren wie Salmeterol und Formoterol bei Kindern als einzige Behandlung einzusetzen. Ältere Kinder und Jugendliche können diese Medikamente in der Regel einnehmen, indem sie ein Dosieraerosol verwenden. Kindern unter 8 Jahren nützt ein Spacer, der dem Dosieraerosolbehälter als Vorschaltkammer aufgesteckt wird, als Inhalationshilfe (siehe So wird ein Dosieraerosol benutzt). Bei Säuglingen und Kleinkindern kann zusätzlich eine spezielle Maske benutzt werden. Menschen, die kein Dosieraerosol verwenden können, können eine Maske und einen daran angeschlossenen Vernebler benutzen. Ein Vernebler ist ein kleines Gerät, das mit Druckluft einen feinen Nebel des Medikaments erzeugt, der eingeatmet wird. Dosieraerosole und Vernebler eignen sich gleich gut zum Verteilen des Medikaments. Albuterol kann oral eingenommen werden, jedoch ist diese Methode weniger wirksam als die Inhalation und kommt in der Regel nur bei Säuglingen ohne Vernebler zur Anwendung. Kinder mit mäßig schweren Anfällen können zudem oral Kortikosteroide verabreicht bekommen.

Kinder mit sehr schweren Anfällen werden im Krankenhaus mit Bronchodilatoren behandelt, die zu Beginn mindestens alle 20 Minuten entweder über einen Vernebler oder über ein Dosieraerosol verabreicht werden. Wenn die inhalierbaren Medikamente keine Wirkung zeigen, kann Kindern mit sehr schweren Anfällen Epinephrin (ein Bronchodilatator) injiziert werden. Kinder, die einen schweren Anfall haben, erhalten in der Regel intravenös Kortikosteroide.

Kinder, die nur selten leichte Anfälle haben, nehmen in der Regel nur während eines Anfalls Medikamente. Kinder mit häufigeren oder schwereren Anfällen müssen auch in anfallfreien Intervallen Medikamente nehmen. Je nach Häufigkeit und Schweregrad der Anfälle kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Kinder, deren Anfälle nicht sehr schwer sind und nur selten auftreten, inhalieren in der Regel täglich eine Dosis eines Kortikosteroids, um Anfällen vorzubeugen. Diese Medikamente lindern die Entzündung, indem sie die Freigabe der chemischen Substanzen hemmen, die zu der Entzündung der Atemwege führen.

Kinder, die an anhaltendem Asthma leiden oder ein Risiko für häufige oder schwerere Anfälle haben, inhalieren täglich eine mittlere oder hohe Dosis eines Kortikosteroids, manchmal in Kombination mit einem weiteren Arzneimittel, wie einem Leukotrien-Modifikator (Montelukast oder Zafirlukast), einem lang wirksamen Bronchodilatator oder Cromoglicinsäure. Die Dosierung der Medikamente wird im Lauf der Zeit verringert oder erhöht, sodass die Asthmasymptome des Kindes optimal kontrolliert und schwere Anfälle verhindert werden können. Wenn diese Medikamente keine schweren Anfälle verhindern, kann die orale Einnahme von Kortikosteroiden erforderlich sein. Kinder, die Anfälle haben, während sie sich körperlich betätigen, inhalieren gewöhnlich vor der Anstrengung eine Dosis eines Bronchodilatators.

Da es sich bei Asthma um eine langfristige Erkrankung mit verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten handelt, werden die Eltern und Kinder von dem Arzt betreut; damit wird sichergestellt, dass sie die Krankheit so gut wie möglich verstehen. Jugendliche und reifere Kinder sollten an der Entwicklung ihres eigenen Asthma-Management-Plans und ihrer Behandlungsziele mitwirken, um zu gewährleisten, dass die Therapie besser eingehalten wird. Eltern und Kinder sollten lernen, wie sie den Schweregrad eines Anfalls bestimmen können, und wann sie Medikamente und den Peak-Flow-Meter einsetzen, wann den Arzt rufen, und wann das Krankenhaus aufsuchen sollen.

Eltern und Ärzte sollten den Schularzt, Betreuungspersonen und andere über die Erkrankung des Kindes und die verwendeten Medikamente informieren. Manche Kinder können bei Bedarf in der Schule Inhalatoren verwenden, andere müssen gegebenenfalls vom Schularzt betreut werden.

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