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Untersuchungsverfahren bei Erkrankungen der Niere und der Harnwege

Von Ralph E. Cutler, MD, Loma Linda University School of Medicine;Loma Linda VA Medical Center

Manchmal sind ein Test oder verschiedene Maßnahmen erforderlich, um eine Erkrankung der Nieren und der Harnwege zu diagnostizieren.

Urinanalyse

Die Urinanalyse ist eine Untersuchung des Urins. In der Regel wird eine Urinprobe per Clean-Catch-Verfahren (Auffangen des Mittelstrahls in einem Becher) oder durch ein anderes steriles Verfahren gesammelt. Eine Methode beispielsweise, eine Urinprobe ohne Verunreinigungen zu erhalten, ist das Einführen eines Katheters in die Blase.

Einfache Labortests können Art und Menge von Eiweiß, Glukose (Zucker), Ketone, Blut und anderen Substanzen im Harn nachweisen. Sie werden mit einem Teststreifen durchgeführt, an dessen Ende sich ein mit Chemikalien getränktes Feld befindet; die Chemikalien reagieren auf Substanzen im Urin, und das Feld verfärbt sich innerhalb von kurzer Zeit. Um die Testergebnisse abzusichern, erfolgen manchmal komplexere und präzisere Laboruntersuchungen. Der Urin kann unter einem Mikroskop nach eventuell vorhandenen roten und weißen Blutkörperchen, Kristallen und Harnzylindern (Ausgüsse der Nierentubuli oder Sammelrohre; sie entstehen durch glomuläre Ausscheidung von Zellen aus dem Harn, Protein oder beidem) untersucht werden.

Eiweißim Harn (Proteinurie) lässt sich meistens schnell mit einem Teststreifen nachweisen. Je nach Ursache kann das Eiweiß ständig oder nur zeitweise im Urin vorhanden sein. Eine Proteinurie ist meistens ein Zeichen für eine Nierenerkrankung, sie kann aber auch nach extremer sportlicher Verausgabung, wie beim Marathonlauf, ganz normal sein.

Glukose im Harn (Glukosurie) lässt sich ebenfalls mit einem Teststreifen nachweisen. Der häufigste Grund für Glukose im Harn ist Diabetes mellitus; doch selbst wenn keine Glukose im Blut festgestellt wird, ist das keine Garantie dafür, dass kein Diabetes mellitus vorliegt oder dass dieser gut eingestellt ist.

Ketone im Harn (Ketonurie) können mit Teststreifen nachgewiesen werden. Sie entstehen, wenn der Körper Fett abbaut. Ketone können im Urin bei Hunger, einer nicht behandelten Diabetes mellitus und in manchen Fällen nach extremem Alkoholkonsum auftreten.

Blut im Harn (Hämaturie) ist mit einem Teststreifen oder bei einer mikroskopischen Untersuchung feststellbar. Manchmal enthält der Harn so viel Blut, dass er rot oder braun verfärbt ist.

Nitrite im Harn (Nitriturie) sind ebenfalls mit einem Teststreifen nachweisbar. Eine hohe Nitritkonzentration deutet auf eine Infektion der Harnwege hin.

Leukozytenesterase (ein Enzym in bestimmten weißen Blutkörperchen) im Harn kann mit einem Teststreifen festgestellt werden. Eine Leukozytenesterase ist ein Zeichen für eine Entzündung, am häufigsten beruht diese auf einer bakteriellen Infektion.

Der Säuregehalt des Harns wird auch mit einem Teststreifen gemessen. Bestimmte Nahrungsmittel und ein chemisches Ungleichgewicht können ihn verändern.

Die Konzentration des Urins (auch Osmolalität oder spezifisches Gewicht genannt) kann, je nachdem, ob eine Dehydration vorliegt, wie viel Flüssigkeit die Person aufgenommen hat und aufgrund anderer Faktoren extrem variieren. Die Urinkonzentration ist manchmal auch wichtig bei der Diagnose einer gestörten Nierenfunktion. Die Nieren verlieren in einem frühen Stadium einer Erkrankung, die eine Niereninsuffizienz zur Folge hat, ihre Fähigkeit, Urin zu konzentrieren. Bei einem bestimmten Test darf der Betroffene 12 bis 14 Stunden kein Wasser oder andere Flüssigkeiten trinken. Bei einem anderen Test erhält der Patient ein antidiuretisches Hormon injiziert (auch Vasopressin). Danach wird die Harnkonzentration gemessen. Normalerweise sollte jedes dieser beiden Testverfahren den Urin stark konzentrieren. Bei bestimmten Nierenerkrankungen jedoch (wie nephrogener Diabetes insipidus) kann der Urin nicht konzentriert werden, selbst wenn die übrigen Funktionen der Niere normal sind.

Das Sediment kann man unter dem Mikroskop untersuchen, um Informationen über eine mögliche Erkrankung der Nieren oder des Harntrakts zu erhalten. Normalerweise enthält der Urin eine kleine Anzahl an aus dem Harntrakt abgeschilferten Zellen und anderen Rückständen. Bei Personen mit Erkrankungen der Niere oder der Harnwege werden gewöhnlich mehr Zellen abgeschilfert, die ein Sediment bilden, wenn man ihn zentrifugiert oder sich absetzen lässt.

Harnkultur

Mit Harnkulturen, in denen im Labor Bakterien gezüchtet werden, werden Harnwegsinfekte diagnostiziert. Das Anlegen dieser Bakterienkulturen ist nicht Bestandteil einer routinemäßigen Urinanalyse. Die Urinprobe muss mittels Clean-Catch-Verfahren gesammelt werden oder durch das kurze Einführen eines sterilen Katheters über die Harnröhre in die Harnblase.

Nierenfunktionstests

Die Nierenfunktion lässt sich sowohl durch die Analyse einer Blutprobe als auch einer Harnprobe beurteilen. Wenn die Filtrationsrate der Nieren erheblich vermindert ist, nimmt die Konzentration des Stoffwechsel-Abbauprodukts Kreatinin zu. Die Kreatinin-Clearance, ein präziseres Testverfahren, lässt sich mithilfe einer bestimmten Formel, unter Einbeziehung bestimmter Parameter, wie Kreatininspiegel im Blut, Alter, Gewicht und Geschlecht, errechnen. Zur präzisieren Ermittlung der Kreatinin-Clearance bedarf es des Sammelns des Urins über einen definierten Zeitraum in Verbindung mit der Bestimmung der Kreatinin-Konzentration im Blut. Der Harnstoff-Stickstoff-Wert im Blut (BUN) kann auch darauf hindeuten, wie gut die Nieren funktionieren, obgleich viele andere Faktoren diesen Wert verändern können.

Bildgebende Verfahren

Einfache Röntgenaufnahmen

Röntgenaufnahmen sind in der Regel nicht besonders hilfreich bei der Beurteilung von Erkrankungen der Harnwege.

Ultraschall

Der Ultraschall ist häufig das zuerst angewandte bildgebende Verfahren, da es selbst bei eingeschränkter Nierenfunktion absolut sicher ist. Es ist ein nicht-invasives Verfahren, völlig schmerzfrei und erfordert keinerlei Kontrastmittel (Ultraschall). Ultraschalluntersuchungen liefern einige indirekte Informationen über die Nierenfunktion; sie sind sehr gut geeignet, um Größe und Lage der Nieren abzuschätzen, Obstruktionen der Harnwege zu lokalisieren und Fehlbildungen zu diagnostizieren. Das Ultraschall-Verfahren ist bei der Diagnose von Nierentumoren nicht ganz so präzise wie die Computertomographie (CT). Per Ultraschall lässt sich auch die am besten geeignete Stelle für eine Nierenbiopsie finden.

Auch Steine im Harntrakt lassen sich per Ultraschall entdecken, wobei kleinere Steine (unter 5 mm) möglicherweise nicht sichtbar sind. Besteht der Verdacht, dass der Harnfluss aus der Blase blockiert ist, wird manchmal per Ultraschall gemessen, wie viel Harn in der Harnblase zurückbleibt, nachdem sich der Patient bemüht hat, sie möglichst ganz zu entleeren. Das Ultraschall-Verfahren ist bei der Diagnose von Blasentumoren nicht ganz so präzise wie die Computertomographie (CT).

Computertomographie (siehe Computertomografie )

Die Computertomographie wird eingesetzt, um Nierenmassen zu beurteilen. Helix-CT (oder Spiral-CT)- Während der Untersuchung wird der Patient kontinuierlich durch den Computertomographen geschoben. Die Untersuchung erlaubt spezielle Bilder bestimmter Strukturen, und der Abtastvorgang mit den Röntgenstrahlen ist schneller abgeschlossen. Die Helix-Computertomographie ist, wenn auf die Verwendung von Kontrastmitteln verzichtet wird, für Menschen, die möglicherweise Nierensteine haben, oder Menschen mit Verletzungen, bei denen eventuelle Blutungen in Nieren oder dem umliegenden Gewebe schnell lokalisiert werden müssen, ein geeignetes bildgebendes Verfahren. Häufig wird im Rahmen der CT-Untersuchung ein Kontrastmittel verwendet. Dieses intravenös verabreichte Kontrastmittel macht zusätzliche wichtige Details der Nierenarterien und Venen sichtbar sowie bestimmter Nierentumoren (wie Nierenzellkarzinom) und polyzystischer Nierenerkrankungen. Der Einsatz von Kontrastmitteln kann zu allergischen Reaktionen oder, in seltenen Fällen, zu Nierenschäden führen (siehe Nebenwirkungen).

Magnetresonanztomographie (siehe Magnetresonanztomografie )

Die Magnetresonanztomographie (MRT) liefert dreidimensionale Bilder von Nieren, Blutgefäßen und dem Gewebe rund um die Nieren. Mit dieser Technik lassen sich Tumoren von Zysten unterscheiden. Bei der Verwendung mit einem paramagnetischen Kontrastmittel lassen sich auch Erkrankungen der Nierengefäße erkennen. Wenn eine Untersuchung der Nierengefäße erforderlich ist, jedoch ein potentielles Risiko für eine allergische Reaktionen besteht, ist die MRT der CT vorzuziehen.

Intravenöse Urographie

Die intravenöse Urographie (IVU oder intravenöse Pyelographie) ist eine röntgenologische Darstellung der Nieren, Harnleiter und Blase mittels intravenös gespritzten Kontrastmitteln. In der Regel erfolgt eher eine Ultraschall-, CT- oder MRT-Untersuchung. Mittels der IVU können jedoch kleine Anomalien der Harnröhre und einige Anomalien der Nieren besser erkannt werden. Dieses Verfahren wird häufig bei Menschen mit Blut im Urin angewandt, selbst wenn dies nicht mit bloßem Auge sichtbar ist. Auch wenn der Arzt einen Krebs in der Harnröhre oder in den anderen Harnwegen vermutet, ist die IVU häufig das Verfahren der Wahl. Der Einsatz von Kontrastmitteln kann zu allergischen Reaktionen oder, in seltenen Fällen, zu Nierenschäden führen.

Zystourethrographie

Bei der Zystourethrographie werden ähnliche Kontrastmittel wie bei einer IVU direkt durch ein Endoskop oder einen Katheter in einen Harnleiter oder die Blase eingebracht. Ein Miktionszystourethrogramm entsteht, wenn der Arzt das Kontrastmittel durch die Harnröhre einfüllt und Röntgenaufnahmen während und unmittelbar nach dem Urinieren gemacht werden. Dieses Verfahren ist besonders nützlich zur Beurteilung von wiederholt auftretenden Harnwegsinfekten. Eine Zystourethrographie kann zu einer Infektion führen. Der Einsatz von Kontrastmitteln kann zu allergischen Reaktionen oder, in seltenen Fällen, zu Nierenschäden führen.

Szintigraphie (siehe Radionuklidscanning )

Die Nierenszintigraphie ist ein bildgebendes Diagnostikverfahren das nach der Injektion eines radioaktiven Stoffes mittels einer speziellen Gammakamera geringe Strahlendosen erfasst. Bei einem Typ dieser Technik wird die Durchblutung der Nieren gemessen (Renogramm). Andere Typen dienen zur Diagnose anderer Nierenprobleme.

Angiographie (siehe Angiografie )

Bei der Angiographie werden Kontrastmittel in die Arterie eingespritzt. Da das Kontrastmittel unter hohen Druck über einen Katheter in die Arterie eingespritzt wird, ist dieses Verfahren mit einem größeren Risiko verbunden, als andere bildgebende Diagnostikverfahren. Folglich wird die Angiographie nur in ganz bestimmten Situationen eingesetzt (z. B. vor einer Ballonangioplastie und nach einer Angioplastie zur Platzierung eines Stents), um eine der Nierenarterien offen zu halten oder um vor der Operation detaillierte Informationen über die Nierenarterie zu erlangen. Zu den Komplikationen, die im Rahmen einer Angiographie auftreten können, gehören Verletzungen der entsprechenden Arterien und der benachbarten Organe, Blutungen und Reaktionen auf die Kontrastmittel.

Zystoskopie

Der Arzt kann einige Blasen- und Harnröhrenprobleme diagnostizieren, indem er durch ein flexibles röhrenförmiges Instrument schaut (Zystoskop, eine Art Endoskop). Ein Zystoskop hat ungefähr den Durchmesser eines Bleistifts und kann zwischen 30 bis 150 cm lang sein, wobei nur 15 bis 30 cm in die Harnröhre oder Blase eingeführt werden. Die meisten derartigen Instrumente verfügen über eine Lichtquelle und eine kleine Kamera, sodass der Arzt das Innere der Blase und der Harnröhre sehen kann. Viele Zystoskope tragen darüber hinaus an ihrer Spitze ein kleines Schneidegerät (Biopsiezange), mit dem der Arzt eine Gewebeprobe aus der Blasenauskleidung entnehmen kann. Die Zystoskopie kann bei vollem Bewusstsein durchgeführt werden, da der Eingriff keine Schmerzen sondern nur geringe Unannehmlichkeiten verursacht. Der Arzt führt in der Regel vor dem Eingriff ein anästhetisches Gel in die Harnröhre ein. Mögliche Komplikationen umfassen Blut im Urin und in seltenen Fällen eine Perforation der Harnblase.

Gewebe- und Zellproben

Nierenbiopsie

Eine Nierenbiopsie (Nierengewebeprobe, die unter dem Mikroskop untersucht wird) dient vor allem dazu, Probleme mit den kleinen Gefäßknäueln in der Niere, den Glomeruli, oder ungewöhnliche Ursachen für akutes Nierenversagen zu diagnostizieren. Sie wird auch oft bei einer transplantierten Niere durchgeführt, um Anzeichen einer Abstoßungsreaktion zu erkennen.

Der Patient liegt auf dem Bauch, während ein Lokalanästhetikum in die Haut und die Rückenmuskulatur oberhalb der Nieren gespritzt wird. Der Eingriff erfolgt unter Ultraschall oder CT, um die richtige Entnahmestelle zu lokalisieren und große Blutgefäße zu umgehen. Die Biopsienadel wird über die Haut in die Niere eingeführt.

Dieses Verfahren eignet sich nicht für Menschen mit Bluthochdruck, Blutgerinnungsstörungen, akuten Harnwegsinfekten oder Menschen mit nur einer Niere (mit Ausnahme einer transplantierten Niere). Zu den Komplikationen gehören Blutungen im Bereich der Niere und die Bildung kleiner arteriovenöser Fisteln (anomaler Verbindungen zwischen sehr kleinen Arterien und Venen) in den Nieren.

Urinzytologie

Eine mikroskopische Untersuchung der Zellen im Urin (Zytologie) ist manchmal nützlich für die Diagnose einer Krebserkrankung der Nieren und Harnwege. Bei Menschen, die einer Risikogruppe angehören, wie Raucher, Arbeiter in der Petrochemie und Menschen mit schmerzlosen Blutungen, kann eine Harnzytologie erfolgen, um die Zellen auf Nieren- und Blasenkrebs zu untersuchen. Bei Patienten, bei denen ein Blasen- oder Nierentumor entfernt wurde, kann sie zur Nachuntersuchung dienen. Falschpositive Ergebnisse sind jedoch möglich und können einen Krebs anzeigen, obwohl keiner vorhanden ist; und sie können besonders bei einem Krebs im Frühstadium oder bei einem sehr langsam wachsenden Krebs falschnegativ sein, also eine bestehende Krebserkrankung nicht anzeigen.

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