Nicht gefunden
Orte

Finden Sie Informationen zu medizinischen Themen, Symptomen, Arzneimitteln, Verfahren, Neuigkeiten und mehr in verständlicher Alltagssprache.

Lungenkrebs

Von Anne S. Tsao, MD, Director, Mesothelioma Program; Director, Thoracic Chemo-radiation Program, Department of Thoracic/Head & Neck Medical Oncology, Division of Cancer Medicine, University of Texas M.D. Anderson Cancer Center

  • Zigarettenrauch ist die häufigste Ursache für Lungenkrebs.

  • Ein häufiges Symptom ist dauernder Husten oder eine Veränderung bei einem chronischen Husten.

  • Die meisten Lungenkrebsarten lassen sich auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs erkennen, es werden jedoch auch weitere bildgebende Untersuchungen und Biopsien erforderlich.

  • Chirurgische Eingriffe, Chemotherapie, gezielte Wirkstoffe und Strahlentherapie können zur Behandlung von Lungenkrebs eingesetzt werden.

Lungenkrebs ist von allen Krebsarten bei Männern und Frauen die häufigste Todesursache. Er tritt gewöhnlich im Alter von 45 bis 70 Jahren auf und ist bei Frauen in den letzten paar Jahrzehnten immer häufiger geworden, seit mehr Frauen Zigaretten rauchen.

Krebs, der von den Zellen der Lunge ausgeht, wird primärer Lungenkrebs genannt. Ein primärer Lungenkrebs kann in den Atemwegen, die von der Luftröhre zur Lunge hin abzweigen (Bronchien) oder in den Lungenbläschen (Alveolen) entstehen. Krebs kann sich auch von anderen Körperorganen auf die Lunge ausbreiten (Metastasen bilden), und zwar meistens von den Brüsten, dem Dickdarm, der Prostata, den Nieren, der Schilddrüse, dem Magen, dem Gebärmutterhals, dem Mastdarm, den Hoden, den Knochen oder der Haut.

Es gibt zwei Hauptarten von primärem Lungenkrebs:

  • Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: Rund 85 – 87 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen fallen in diese Kategorie. Dieser Krebstyp entsteht langsamer als das kleinzellige Bronchialkarzinom. Dennoch hat sich bei rund 40 Prozent der Betroffenen der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits auf andere Körperteile außerhalb des Brustraums ausgebreitet. Die häufigsten Subtypen des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms sind das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom.

  • Kleinzelliges Bronchialkarzinom: Dieser Krebstyp wird manchmal auch Haferzellkarzinom genannt und macht ca. 13 – 15 Prozent aller Fälle von Lungenkrebs aus. Er ist enorm aggressiv und breitet sich rasch aus. Zum Zeitpunkt der Diagnose hat sich der Krebs bei den meisten Betroffenen bereits auf andere Körperteile ausgebreitet.

Seltenere Arten von Lungenkrebs:

  • Bronchuskarzinoid (kann auch gutartig sein)

  • Bronchialdrüsenkarzinom

  • Lymphom (Tumorerkrankung des Lymphsystems)

Todesfälle aufgrund von Lungenkrebs

Unter allen Krebsarten ist Lungenkrebs die häufigste Todesursache bei Frauen und Männern. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Lungenkrebs nimmt bei Männern ab und scheint sich bei Frauen nach jahrzehntelangem Anstieg zu stabilisieren oder ebenfalls abzunehmen. Diese Tendenzen spiegeln die sinkende Zahl von Raucherinnen und Rauchern über die vergangenen dreißig Jahre wider. Im Jahr 2013 sind 159.480 Menschen an Lungenkrebs gestorben, 87.260 Männer und 72.220 Frauen. Dies sind 28 Prozent aller Todesfälle aufgrund von Krebserkrankungen.

Ursachen

Zigarettenrauch ist die Hauptursache für Lungenkrebs und trägt zu rund 85 Prozent aller Krebsfälle bei. Bei etwa 10 Prozent aller (ehemaligen oder aktuellen) Raucher entwickelt sich mit der Zeit Lungenkrebs, wobei sowohl die Anzahl gerauchter Zigaretten als auch die Zeitspanne des Rauchens mit der Höhe des Risikos korrelieren. Bei Menschen, die das Rauchen aufgeben, sinkt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, aber ehemalige Raucher werden immer ein höheres Lungenkrebsrisiko haben als Menschen, die nie geraucht haben.

Rund 15 – 20 Prozent der Patienten, die an Lungenkrebs erkrankt sind, haben nie oder nur sehr wenig geraucht. Bei ihnen ist der Grund für die Erkrankung mit Lungenkrebs nicht bekannt, es werden aber gewisse Genmutationen dahinter vermutet. Andere mögliche Risikofaktoren sind Luftverschmutzung, Belastung durch Zigarrenrauch und Passivrauchen sowie Belastung durch Kontakt mit oder Inhalation von krebserregenden Substanzen am Arbeitsplatz wie Asbest, Strahlung, Radon, Arsen, Chromate, Nickel, Chlordimethylether, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Senfgas oder Kokereigasen, aber auch die ausschließliche Verwendung von offenem Feuer zum Kochen und Heizen. Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist größer bei Personen, die den genannten Belastungen ausgesetzt sind und zusätzlich Zigaretten rauchen. In seltenen Fällen kommt Lungenkrebs bei Menschen vor, in deren Lunge sich durch andere Erkrankungen wie Tuberkulose Narben gebildet haben; dann treten vor allem Adenokarzinome und das bronchioloalveoläre Karzinom auf. Auch Raucher, die Betacarotin-Präparate zu sich nehmen, weisen möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs auf.

Wussten Sie ...

  • Obwohl Rauchen für die meisten Fälle verantwortlich ist, können auch Menschen, die nie geraucht haben, an Lungenkrebs erkranken.

Symptome

Die Symptome des Lungenkrebses hängen von seiner Art, dem Ort seiner Entstehung und dem Grad seiner Ausbreitung ab. Eines der häufigeren Symptome ist hartnäckiger Husten oder bei Menschen mit chronischem Husten eine Veränderung der Eigenschaft dieses Hustens. Einige Patienten husten Blut hoch oder haben Auswurf mit blutigen Streifen (Hämoptyse – siehe Bluthusten). Wenn ein Lungentumor in benachbarte Blutgefäße einwächst, kann es zu schweren Blutungen kommen, was aber selten vorkommt. Weitere unspezifische Symptome eines Lungentumors sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Brustschmerzen und Schwäche.

Komplikationen

Der Tumor kann Luftwege verengen und dadurch zu einem Keuchen führen. Der komplette Verschluss eines Atemwegs kann zum Kollaps des Lungenteils führen, den der verschlossene Atemweg versorgt (Atelektase; siehe Atelektase). Weitere Folgen des Verschlusses eines Atemwegs sind Kurzatmigkeit und Pneumonie, was von Husten, Fieber und Brustschmerzen begleitet sein kann. Wenn der Tumor die Brustwand angreift, können dauerhafte unablässige Brustschmerzen auftreten. Eine Krebszellen enthaltende Flüssigkeit kann sich im Raum zwischen der Lunge und der Brustwand ansammeln (Pleuraerguss – siehe Pleuraerguss). Diese Flüssigkeit kann in großer Menge zu Kurzatmigkeit führen. Wenn sich der Krebs in der Lunge ausbreitet, nimmt der Sauerstoffgehalt im Blut ab, was zu Kurzatmigkeit und schließlich zu einer Vergrößerung der rechten Herzseite sowie möglicherweise zu einer Herzinsuffizienz führt (Cor pulmonale – siehe Cor pulmonale: eine auf pulmonale Hypertonie zurückzuführende Krankheit).

Lungenkrebs kann in bestimmte Nerven im Halsbereich einwachsen und dadurch ein hängendes Augenlid, verengte Pupillen und geringere Schweißsekretion auf einer Gesichtsseite verursachen – zusammen werden diese Symptome als Horner-Syndrom bezeichnet (siehe Horner-Syndrom). Tumoren in den Lungenspitzen können die Nerven angreifen, die den Arm versorgen, was zu Schmerzen, Taubheit und Schwäche in Arm oder Schulter führt. Krebs, der an diesem Ort entsteht, wird oft Pancoast-Tumor genannt. Wenn der Tumor die Nerven in der Brustmitte angreift, kann auch der Kehlkopfnerv beschädigt werden, was eine heisere Stimme hervorruft.

Lungenkrebs kann in die Speiseröhre hineinwachsen, was Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Schlucken verursacht.

Auch in den Herzmuskel oder in den mittleren Brustbereich (Mediastinum) kann der Lungenkrebs einwachsen, was zu Herzrhythmusstörungen, zur Blockierung des Blutflusses im Herzen oder zu einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikard) führen kann.

Der Tumor kann in die den Brustkorb durchlaufende obere Hohlvene eindringen oder auf sie drücken (Vena-cava-superior-Syndrom). Bei einer Obstruktion der oberen Hohlvene staut sich Blut in den Venen der oberen Körperteile zurück. Die Venen in der Brustwand vergrößern sich. Im Gesicht, am Hals und an der oberen Brustwand – auch an den Brüsten – treten schmerzhafte Schwellungen und Rötungen auf. Der Zustand kann auch Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel und Benommenheit verursachen. Die Symptome verstärken sich in der Regel, wenn sich der Betroffene vorbeugt oder hinlegt.

Lungenkrebs kann sich auch mit dem Blut auf andere Körperteile ausbreiten und greift dabei meistens Leber, Gehirn, Nebennieren, Rückenmark und Knochen an. Vor allem das kleinzellige Bronchialkarzinom kann schon im Frühstadium Metastasen bilden. Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle und Knochenschmerzen können bereits auftreten, bevor sich Lungenprobleme bemerkbar machen, was die Früherkennung erschwert.

Paraneoplastische Syndrome (siehe Paraneoplastische Syndrome) sind Begleitsymptome einer Krebserkrankung, die aber abseits des Tumorherds auftreten, zum Beispiel in Nerven und Muskeln. Diese Syndrome beziehen sich nicht auf die Größe oder den Ort des Tumors und bedeuten auch nicht unbedingt, dass der Krebs außerhalb des Brustraums Metastasen gebildet hat. Sie beruhen auf Substanzen, die vom Krebs freigesetzt werden (etwa Hormone, Zytokine und verschiedene andere Proteine bzw. Eiweißstoffe).

Diagnose

Die Möglichkeit eines Lungenkrebses wird vor allem bei Rauchern abgeklärt, die unter hartnäckigem oder sich verschlimmerndem Husten, anderen Lungensymptomen (wie z. B. Kurzatmigkeit oder blutigem Auswurf) oder auch Gewichtsverlust leiden. Die erste Untersuchung ist in der Regel eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, auf der sich bis auf besonders kleine die meisten Lungentumoren erkennen lassen. Gelegentlich wird auf einem Röntgenbild des Brustkorbs, das aus einem anderen Grund gemacht wurde (z. B. vor einer Operation), ein Schatten erkannt, der das erste Anzeichen, wenn auch noch lange keinen schlüssigen Nachweis einer Krebserkrankung darstellt.

Als Nächstes kann eine Computertomographie (CT) gemacht werden. Die CT kann charakteristische Muster darstellen, die für die Diagnose hilfreich sind. Sie kann auch auf kleinere Tumoren hinweisen, die auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs nicht erkennbar sind, und Aufschluss darüber geben, ob die Lymphknoten im Brustraum vergrößert sind. Neuere Methoden wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET – siehe Bildgebende Untersuchungen des Brustkorbs) oder die sogenannte Spiral- oder Helix-CT eignen sich noch besser, um kleine Tumoren zu entdecken. Onkologen (Fachärzte für Krebserkrankungen) verwenden häufig kombinierte PET/CT-Geräte mit beiden Technologien, um Patienten mit Verdacht auf eine Krebserkrankung zu untersuchen. Auch die Magnetresonanztomographie (MRT) kann eingesetzt werden, wenn CT- oder PET/CT-Geräte den Ärzten nicht genügend Informationen liefern.

Mit einer mikroskopischen Untersuchung von verdächtigem Lungengewebe wird die Diagnose in der Regel bestätigt. Bisweilen liefert eine Probe von abgehustetem Sputum genügend Material für eine Untersuchung (Sputumzytologie). Wenn der Krebs einen Pleuraerguss verursacht hat, kann es auch ausreichen, diese Flüssigkeit abzusaugen und zu testen. In der Regel muss die Gewebeprobe jedoch direkt aus dem Tumor entnommen werden. Eine Möglichkeit, an die Gewebeprobe zu kommen, besteht in einer Bronchoskopie. Dabei wird der Atemweg des betroffenen Patienten direkt eingesehen, und Proben des Tumors können entnommen werden (siehe Bronchoskopie). Falls der Krebs zu weit von den großen Atemwegen entfernt ist, als dass er mit einem Bronchoskop erreicht werden könnte, wird die Probe in der Regel durch Einführen einer Nadel durch die Haut gewonnen. Dieser Eingriff ist eine sogenannte perkutane Biopsie. Manchmal kommt für die Entnahme der Gewebeprobe nur ein chirurgischer Eingriff in Frage, nämlich eine Thorakotomie (siehe Thorakotomie). Im Falle einer Mediastinoskopie werden Proben von vergrößerten Lymphknoten (per Biopsie) aus der Brustmitte entnommen und untersucht, um zu beurteilen, ob eine Entzündung oder eine Krebserkrankung für die Vergrößerung verantwortlich ist.

Genetische Untersuchungen der Gewebeproben ergeben, ob der Krebs aufgrund einer Mutation entstanden ist und mit Arzneimitteln behandelt werden kann, die auf die Auswirkungen der Mutation abzielen.

Nachdem die Krebsdiagnose unter dem Mikroskop bestätigt worden ist, werden in der Regel Tests durchgeführt, um zu beurteilen, ob sich der Krebs ausgebreitet hat. Mittels PET/CT-Aufnahmen und einer CT- oder MRT-Untersuchung des Gehirns kann festgestellt werden, ob der Lungenkrebs bereits Metastasen gebildet hat, vor allem in der Leber, in den Nebennieren oder im Hirn. Wenn kein PET/CT-Gerät zur Verfügung steht, werden CT-Aufnahmen des Brustkorbs, des Bauchraums, des Beckens und der Knochen gemacht. Die Aufnahme der Knochen kann Knochenmetastasen anzeigen.

Die Einteilung von Krebserkrankungen beruht auf der Größe des Tumors und seiner Ausbreitung auf benachbarte Lymphknoten und entfernte Organe. Die verschiedenen Kategorien dienen zur Einteilung des Krebses in sogenannte Stadien (siehe Diagnose von Krebs: Stadieneinteilung). Das jeweilige Krebsstadium legt die angemessenste Behandlungsmethode nahe und ermöglicht es den Ärzten, eine individuelle Prognose zu stellen.

Screening

In laufenden klinischen Studien wird der Nutzen von Screening-Tests zur Früherkennung von Lungenkrebs bei symptomfreien Menschen ausgewertet. In diesen Studien werden Röntgenbilder des Brustkorbs, CT-Aufnahmen, Sputumproben oder alle der genannten Methoden eingesetzt, um die Krebserkrankung in einem frühen Stadium zu entdecken.

Ein vorsorgliches Screening hat sich in Bezug auf die Überlebensrate bei Lungenkrebs nicht als vorteilhaft erwiesen und wird daher für Menschen, die keine Risikofaktoren aufweisen, nicht empfohlen. Die Tests können sehr teuer sein und die Untersuchten zu Unrecht beunruhigen, wenn falsch positive Ergebnisse fälschlicherweise auf eine Krebserkrankung hinweisen. Auch das Gegenteil kommt vor: Ein Screening-Test kann negativ ausfallen, wenn eigentlich eine Krebserkrankung vorliegt.

Screening bei Menschen mit hohem Krebsrisiko kann jedoch ein wirksames Mittel darstellen. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass versucht wird, das Krebsrisiko jedes Patienten korrekt zu beurteilen, bevor Screening-Tests vorgenommen werden (siehe Diagnose von Krebs : Screening). Gruppen, bei denen ein solches Screening nützlich sein könnte, sind starke Raucher oder ehemalige langjährige Raucher im mittleren und fortgeschrittenen Alter. Eine alljährliche CT-Untersuchung mit geringerer Strahlungsintensität als normal scheint genügend heilbare Krebserkrankungen aufzudecken, um Menschenleben retten zu können.

Vorbeugung und Behandlung

Zu den vorbeugenden Maßnahmen zur Verhütung von Lungenkrebs gehört, das Rauchen einzustellen (siehe Rauchen) und den Kontakt mit potenziell krebserregenden Stoffen zu vermeiden.

Sowohl für kleinzellige als auch nichtkleinzellige Bronchialkarzinome werden verschiedene Behandlungsmethoden eingesetzt. So können chirurgische Eingriffe, Chemo- und Strahlentherapie jeweils einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Die konkrete Behandlungskombination hängt von der Art, dem Herd und Schweregrad der Krebserkrankung, von der Metastasierung und vom Allgemeinzustand des Patienten ab. So besteht die Behandlung bei einigen Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom in einem fortgeschrittenen Stadium aus Chemotherapie und Strahlentherapie vor, während oder anstelle einer chirurgischen Entfernung des Tumors. Manche Patienten mit nichtkleinzelligen Bronchialkarzinomen überleben wesentlich länger, wenn sie einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder einer der neueren gezielten Krebstherapien unterzogen werden. Gezielte Therapien bestehen aus Arzneimitteln wie etwa biologischen Wirkstoffen, die spezifisch auf Lungentumoren gerichtet sind. In neueren Studien sind Proteine in Krebszellen und Blutgefäßen identifiziert worden, die den Stoffwechsel der Krebszellen anregen. Diese Proteine könnten eine Rolle bei der Ausbreitung und Metastasenbildung des Krebses spielen. Es wurden Arzneimittel entwickelt, welche speziell die krankhafte Proteinexpression beeinflussen und dadurch die Krebszellen möglicherweise abtöten oder ihr Wachstum hemmen. Arzneimittel mit einem solchen Wirkmechanismus sind u. a. Bevacizumab, Gefitinib, Erlotinib, Crizotinib, Vemurafenib und Dabrafenib. Diese Arzneimittel können anstelle der normalen Zytostatika, in Kombination mit herkömmlicher Chemotherapie oder nach dem vergeblichen Versuch einer konventionellen Behandlung eingesetzt werden.

Gelegentlich wird auch mittels Lasertherapie versucht, Lungentumoren zu entfernen oder zu verkleinern. Ein energiereicher Strahl (Hochfrequenzablation) oder Kälte (Kryoablation) wird manchmal eingesetzt, um Tumorzellen bei Patienten mit kleineren Tumoren oder bei denjenigen, für die ein chirurgischer Eingriff nicht in Frage kommt, zu zerstören.

Chirurgischer Eingriff

Eine Operation ist das Mittel der Wahl bei einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom, das sich noch nicht über die Lunge hinaus verbreitet hat (Frühstadium). Chirurgische Eingriffe werden im Allgemeinen nicht bei kleinzelligen Bronchialkarzinomen im Frühstadium vorgenommen, weil dieser aggressive Krebs mit Chemo- und Strahlentherapie angegangen werden muss. Eine Operation ist nicht möglich, wenn sich der Krebs schon über die Lunge hinaus ausgebreitet hat, wenn er zu nahe an der Luftröhre sitzt oder wenn andere schwerwiegende Krankheiten vorliegen (wie z. B. eine schwere Herz- oder Lungenerkrankung).

Vor dem chirurgischen Eingriff wird eine Lungenfunktionsprüfung (siehe Lungenfunktionsprüfung) vorgenommen, damit beurteilt werden kann, ob die nach der Operation verbleibende Lungensubstanz noch eine hinreichende Atmung mit ausreichender Sauerstoffaufnahme gewährleisten kann. Wenn die Testergebnisse darauf hinweisen, dass die Entfernung der Krebsgeschwulst aus der Lunge zu einer unzureichenden Lungenfunktion führt, ist die Operation nicht möglich. Wie viel Lungengewebe tatsächlich entfernt werden muss, liegt im Ermessen des Chirurgen und kann von einem kleinen Teil eines Lungensegments bis hin zu einem ganzen Lungenflügel reichen.

Auch wenn nichtkleinzellige Bronchialkarzinome operativ entfernt werden können, führt dies nicht in jedem Fall zu einer Heilung. Ergänzende (adjuvante) Chemotherapie nach dem chirurgischen Eingriff kann die Überlebensrate steigern und wird in fast jedem Fall außer bei sehr kleinen Tumoren durchgeführt.

Gelegentlich werden Lungenmetastasen operiert, die sich von einem Tumor aus einem anderen Körperbereich (beispielsweise dem Dickdarm) ausgebreitet haben, nachdem der ursprüngliche Tumor entfernt worden ist. Dieses Vorgehen wird in seltenen Fällen empfohlen, wenn Tests ergeben haben, dass der Krebs außerhalb der Lunge noch keine anderen Metastasen gebildet hat.

Strahlentherapie

Strahlentherapie wird sowohl bei nichtkleinzelligen als auch bei kleinzelligen Bronchialkarzinomen eingesetzt. Sie kann bei Patienten durchgeführt werden, die sich nicht operieren lassen wollen, die wegen eines anderen Leidens (etwa einer schweren koronaren Herzkrankheit) nicht operiert werden können oder deren Krebsgeschwulst benachbarte Gewebe wie Lymphknoten befallen hat. Obwohl Strahlentherapie eine Behandlungsmöglichkeit gegen Krebserkrankungen darstellt, kann sie den Krebs normalerweise nur etwas verkleinern oder sein Wachstum verlangsamen. Die Überlebenschancen von Betroffenen erhöhen sich, wenn die Bestrahlung mit Chemotherapie kombiniert wird. Bei einigen Patienten mit einem kleinzelligen Bronchialkarzinom, die auf die Chemotherapie gut angesprochen haben, kann eine Kopfbestrahlung nützlich sein, um zu verhindern, dass der Krebs Metastasen im Hirn bildet. Ist dies bereits geschehen, wird die Strahlentherapie häufig eingesetzt, um Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Schlaganfälle zu lindern. Die Strahlentherapie ist auch geeignet, um Komplikationen zu verhindern, die häufig mit Lungenkrebs einhergehen, wie etwa Bluthusten, Knochenschmerzen, das Vena-cava-superior-Syndrom und eine Rückenmarkskompression.

Chemotherapie

Chemotherapie wird sowohl bei nichtkleinzelligen als auch bei kleinzelligen Bronchialkarzinomen eingesetzt. Bei kleinzelligen Bronchialkarzinomen ist Chemotherapie die wichtigste Behandlung, manchmal in Kombination mit Strahlentherapie. Dieser Ansatz wird bevorzugt, weil kleinzellige Bronchialkarzinome so aggressiv sind und sich zum Zeitpunkt der Diagnose oft schon auf andere Bereiche des Körpers ausgebreitet haben. Durch eine Chemotherapie haben Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien eine verlängerte Überlebenschance. Ohne Behandlung beträgt die mittlere Überlebensdauer nur etwa sechs bis zwölf Wochen.

Bei nichtkleinzelligen Bronchialkarzinomen ist durch eine Chemotherapie in der Regel auch eine Verlängerung der Überlebenschance mit Symptombehandlung möglich. Bei Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom, das sich auf andere Bereiche des Körpers ausgebreitet hat, erhöht sich die mittlere Überlebensdauer mit einer Behandlung auf neun Monate. Auch gezielte Therapien können die Überlebenschancen von Krebspatienten verbessern.

Andere Behandlungen

Oft sind für Patienten mit Lungenkrebs auch andere Behandlungsformen notwendig. Viele dieser sogenannt palliativen Behandlungen zielen auf eine Linderung der Symptome statt auf eine Heilung der Krebserkrankung ab.

Da sich die Lungenfunktion bei vielen Lungenkrebspatienten erheblich verschlechtert – ob sie nun behandelt werden oder nicht –, kann ihre Atmung sowohl mit Sauerstofftherapie (siehe Sauerstofftherapie) als auch mit Bronchodilatatoren (die Atemwege erweiternde Arzneimittel) unterstützt werden.

Auch Schmerzen müssen oft behandelt werden. Zur Schmerzlinderung werden oft Opioide eingesetzt, die jedoch Nebenwirkungen wie Verstopfung auslösen können, die ebenfalls einer Behandlung bedürfen.

Prognose

Lungenkrebs hat eine schlechte Prognose. Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom überleben ohne Behandlung im Durchschnitt sechs Monate. Auch bei einer Behandlung haben Patienten mit einem ausgedehnten kleinzelligen oder einem fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom ziemlich schlechte Aussichten: Die Fünfjahresüberlebensrate beträgt weniger als 1 Prozent. Bei einer frühen Diagnose verbessern sich die Überlebenschancen. Bei Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom im Frühstadium beträgt die Fünfjahresüberlebensrate 60 – 70 Prozent. Patienten, deren Lungenkrebs im Frühstadium erfolgreich behandelt wurde und die weiterhin rauchen, haben ein hohes Risiko, erneut an Lungenkrebs zu erkranken.

Überlebende müssen regelmäßig Kontrolluntersuchungen mit Röntgen- und CT-Aufnahmen des Brustkorbs durchführen lassen, um sicherzustellen, dass der Krebs nicht zurückgekommen ist. Ein Rückfall tritt in der Regel innerhalb der ersten zwei Jahre ein. Eine Überwachung in kurzen Abständen wird jedoch während fünf Jahren nach einer Behandlung für Lungenkrebs empfohlen, wonach die Betroffenen für den Rest ihres Lebens jährlich untersucht werden sollten.

Da viele Patienten an Lungenkrebs sterben, ist es in der Regel notwendig, eine Sterbebegleitung einzuplanen. Fortschritte in der Palliativmedizin – insbesondere die Erkenntnis, dass Patienten mit unheilbarem Lungenkrebs häufig unter Angstzuständen und Schmerzen leiden und dass diese Symptome mit angemessenen Arzneimitteln gelindert werden können – haben dazu geführt, dass immer mehr Patienten mit oder ohne Sterbebegleitung friedlich zu Hause sterben können (siehe Entscheidungen, die vor dem Tod zu treffen sind).

Ressourcen in diesem Artikel