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Abszesse in der Lunge

Von John G. Bartlett, MD, Johns Hopkins University School of Medicine

Ein Lungenabszess ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum in der Lunge, umgeben von entzündetem Gewebe. Die Ursache ist eine Infektion.

  • Ein Lungenabszess wird in der Regel durch Bakterien verursacht, die normalerweise im Mundraum vorkommen und in die Lunge eingeatmet werden.

  • Symptome umfassen Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schweißausbrüche, Fieber und ein von Auswurf begleiteter Husten.

  • Die Diagnose wird in der Regel anhand einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs gestellt.

  • Die meisten Patienten müssen während mehrerer Wochen Antibiotika einnehmen, bis ein Lungenabszess verschwindet.

Ursachen

Ein Lungenabszess wird in der Regel durch Bakterien verursacht, die normalerweise im Mundraum oder im Hals vorkommen und in die Lunge eingeatmet werden, wo sie eine Infektion auslösen. Häufig stammen die Bakterien, die einen Lungenabszess verursachen, aus Erkrankungen des Zahnfleischs (Parodontitis). Der Körper verfügt über verschiedene Abwehrmechanismen (wie z. B. Husten), damit keine Bakterien in die Lunge gelangen. Infektionen kommen hauptsächlich dann vor, wenn jemand bewusstlos oder aufgrund von Beruhigungs- oder Betäubungsmitteln, einer Narkose, Alkohol- oder Drogenmissbrauch stark benommen ist oder wenn eine Erkrankung des Nervensystems vorliegt. Bei Menschen mit schlechtem Immunsystem können Lungenabszesse auch durch Organismen ausgelöst werden, die normalerweise nicht im Mundraum oder im Rachen vorkommen, wie z. B. durch Pilzinfektionen oder das Mycobacterium tuberculosis (den Erreger von Tuberkulose). Weitere Ursachen von Lungenabszessen sind schwere Infektionen mit Bakterien der Art Staphylococcus aureus sowie mit methicillinresistenten Staphylokokken (MRSA). Dazu kommt es vornehmlich bei jungen, bisher gesunden Erwachsenen oder bei Kindern, besonders wenn sie Grippe haben.

Wenn die Atemwege blockiert sind, kann dies auch zur Bildung von Abszessen führen. Wenn die Verzweigungen der Luftröhre (die Bronchien) von einem Tumor oder einem Fremdkörper blockiert werden, kann sich zum Beispiel ein Abszess bilden, weil sich hinter dem Tumor Sekrete (Schleim) ansammeln. Darin können sich Bakterien vermehren. Die Verengung verhindert, dass das mit Bakterien belastete Sekret durch die Luftröhre abgehustet werden kann.

Seltener entsteht ein Abszess aufgrund von Bakterien oder infizierten Blutgerinnseln, die auf dem Blutweg von einer anderen infizierten Körperstelle in die Lunge geraten (septische Lungenembolie).

Normalerweise bildet sich infolge der Einatmung eines Fremdkörpers oder der Verengung der Atemwege nur ein einzelner Lungenabszess. Sollten sich doch mehrere Abszesse entwickeln, erfolgt dies in der Regel im gleichen Lungenflügel. Wenn eine Infektion auf dem Blutweg in die Lunge gelangt, können sich hingegen in beiden Lungenflügeln zahlreiche verstreute Abszesse bilden. Dieses Problem tritt am häufigsten bei Drogensüchtigen auf, die beim Spritzen unsaubere Nadeln oder andere unsterile Methoden verwenden.

Die meisten Abszesse platzen schließlich in Richtung eines Atemwegs auf und produzieren eine Menge Sputum, die abgehustet wird. Ein geplatzter Abszess lässt einen Hohlraum in der Lunge zurück, der mit Luft und Flüssigkeit gefüllt ist. Dieser Hohlraum kann sich zu einem inaktiven Teil der Lunge entwickeln und muss möglicherweise mit einem chirurgischen Eingriff entfernt werden. Manchmal platzt ein Abszess auch in den Raum zwischen den beiden Hautschichten, welche die Lunge und den Brustkorb auskleiden, und füllt diesen sogenannten Pleuraraum mit Eiter (Empyem). In sehr seltenen Fällen kommt es zu schweren Blutungen, wenn ein Abszess die Wand eines Blutgefäßes zerstört.

Symptome

Die Symptome entwickeln sich meistens langsam, können aber je nach Ursache des Abszesses auch plötzlich auftreten. Im Anfangsstadium ähneln die Symptome jenen einer Lungenentzündung: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schweißausbrüche, Fieber und ein von Auswurf begleiteter Husten. Der Auswurf kann einen fauligen, üblen Geruch haben (weil Bakterien im Mundraum oder im Rachen häufig schlecht riechen) oder Blutspuren aufweisen. Beim Atmen können auch Brustschmerzen auftreten, besonders wenn das Lungenfell und das Brustfell (Pleura) entzündet sind, wie bei einer Pleuritis oder Brustfellentzündung (siehe Pleuraerguss : Symptome). Viele Betroffene weisen diese Symptome bereits Wochen oder Monate auf, bevor sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Diese Patienten haben chronische Abszesse und verlieren zusätzlich zu den übrigen Symptomen erheblich an Gewicht und haben tagsüber Fieber und Schweißausbrüche in der Nacht. Im Gegensatz dazu können Lungenabszesse aufgrund von Staphylokokken (Staphylococcus aureus) oder MRSA innerhalb von Tagen oder gar Stunden tödlich verlaufen.

Diagnose

Röntgenaufnahmen der Brust lassen den Lungenabszess fast immer erkennen. Dieser kann auf einem Röntgenbild allerdings ähnlich aussehen wie andere Krankheiten, wie z. B. Krebs, Sarkoidose oder Wegener-Granulomatose. Manchmal wird der Abszess nur erkannt, wenn eine Computertomographie (CT) des Brustkorbs gemacht wird. Sputumkulturen können dazu beitragen, den für den Abszess verantwortlichen Erreger zu identifizieren, aber dieser Test ist in der Regel nur dann sinnvoll, wenn es darum geht, MRSA, Tuberkulose und Pilzinfektionen auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Antibiotika werden anfangs meist intravenös gegeben; später, wenn es dem Patienten etwas besser geht und das Fieber zurückgegangen ist, wird auf Mittel zum Einnehmen umgestellt. Die antibiotische Behandlung muss fortgesetzt werden, bis die Symptome verschwunden sind und eine Röntgenaufnahme zeigt, dass kein Abszess mehr vorliegt. Eine derartige Besserung kann eine antibiotische Therapie von mehreren Wochen oder gar Monaten bedingen.

Eine Bronchoskopie (siehe Bronchoskopie) wird oft vorgenommen, wenn vermutet wird, dass der Abszess auf einen Tumor oder einen sonstigen Fremdkörper in den Atemwegen zurückzuführen ist. In seltenen Fällen ist eine Drainage eines Lungenabszesses durch einen Schlauch erforderlich, der durch die Brustwand hindurch in den Abszess gelegt wird. Infiziertes Lungengewebe muss manchmal auch operativ entfernt werden. Dabei kann es vorkommen, dass ein ganzer Lungenlappen oder auch ein ganzer Lungenflügel entfernt wird.

Die meisten Patienten können geheilt werden. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung ist weniger hoch bei Patienten, die bereits geschwächt sind oder ein beschädigtes Immunsystem, Lungenkrebs oder einen sehr großen Abszess haben.

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