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Akute Bronchitis

Von John G. Bartlett, MD, Johns Hopkins University School of Medicine

Bronchitis ist eine Entzündung der großen Atemwege, die von der Trachea abzweigen (der Bronchien). Sie wird in der Regel durch eine Infektion, manchmal aber auch durch eine Reizung beim Einatmen von Gas, Rauch, Staubpartikeln und Schadstoffen hervorgerufen.

  • Akute Bronchitis wird in der Regel durch eine Virusinfektion ausgelöst.

  • Symptome einer gewöhnlichen Erkältung mit anschließendem Husten deuten in der Regel auf eine akute Bronchitis hin.

  • Die Diagnose gründet sich hauptsächlich auf die Symptome.

  • Die meisten Behandlungen, wie z. B. mit Hustenmitteln und fiebersenkenden Medikamenten, werden zur Linderung der Symptome angewendet, bis der Krankheitsschub vorbei ist.

  • Antibiotika sind praktisch nie notwendig.

Von einer akuten Bronchitis spricht man in der Regel, wenn Symptome bis zu 90 Tagen anhalten; treten sie monate- oder jahrelang auf, handelt es sich um eine chronische Bronchitis. Chronische Bronchitis zusammen mit einem verminderten Luftstrom beim Ausatmen gilt als typisches Merkmal einer chronischen obstruktiven Lungenkrankheit (siehe Chronische obstruktive Lungenkrankheit (COPD)). In diesem Kapitel wird aber nur akute Bronchitis behandelt.

Ursachen

Eine akute Bronchitis kann durch eine Infektion oder durch Reizstoffe ausgelöst werden.

Was bei einer Bronchitis geschieht

Bei einer Bronchitis entzünden sich Bereiche der Innenwand der Bronchien; sie schwellen an, und es wird mehr Schleim produziert. Als Folge davon ist der Atemweg verengt.

Infektiöse Bronchitis

Infektiöse Bronchitis tritt am häufigsten in den Wintermonaten auf und wird zumeist durch Viren verursacht. Eine virale Bronchitis kann durch eine ganze Reihe von Viren ausgelöst werden, unter anderem durch das Grippevirus. Selbst nach einer überstandenen Virusinfektion kann ein Reiz bestehen bleiben, der noch während Wochen Symptome hervorruft.

Infektiöse Bronchitis kann aber auch durch Bakterien verursacht werden. Häufig schließt sich eine bakterielle Bronchitis einer Virusinfektion der oberen Luftwege an. Bei Rauchern ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass eine akute Bronchitis durch Bakterien ausgelöst wird. Mycoplasma pneumoniae und Chlamydophila pneumoniae sind die häufigsten Erreger einer akuten Bronchitis bei jungen Erwachsenen. In seltenen Fällen kann eine Infektion mit Bordetella pertussis (Keuchhusten) eine akute Bronchitis auslösen.

Raucher und Personen mit einer chronischen Lungenerkrankung können wiederholt Bronchitisepisoden durchmachen. Diese Anfälle können durch Bakterien, Viren, Reizungen durch das Einatmen von Rauch oder eine Kombination dieser Faktoren ausgelöst werden. Unterernährung erhöht das Risiko von Infektionen der oberen Atemwege und einer darauf folgenden akuten Bronchitis, vor allem bei Kindern und älteren Menschen. Chronische Nebenhöhlenentzündungen (Sinusitis), Bronchiektasen (siehe Bronchiektasen) und Allergien erhöhen das Risiko von wiederholten Anfällen einer akuten Bronchitis ebenfalls. Kinder mit vergrößerten Gaumen- und Rachenmandeln können immer wieder an Bronchitis erkranken.

Bronchitis durch Reizfaktoren

Eine solche Bronchitis aufgrund von Industrie- oder Umwelteinflüssen kann durch verschiedene mineralische und pflanzliche Staubarten sowie durch Zigarettenrauch und Luftverschmutzung ausgelöst werden. Auch starke Säuredämpfe, Ammoniak, gewisse organische Lösungen, Chlor, Schwefelwasserstoff, Schwefeldioxid und Bromdämpfe können eine Bronchitis verursachen.

Symptome

Eine infektiöse Bronchitis beginnt in der Regel mit den Anzeichen einer Erkältung: laufende Nase, Halsschmerzen, Müdigkeit und Frösteln. Rücken- und Muskelschmerzen können zusammen mit leicht erhöhter Temperatur (37,5 – 38 °C) ebenfalls auftreten, vor allem wenn die Infektion auf eine Grippe zurückzuführen ist. Einsetzender Husten (zu Anfang meist trocken) ist das erste Anzeichen einer akuten Bronchitis. Bei einer viralen Bronchitis werden oft kleine Mengen an weißem Schleim abgehustet. Dieser Schleim wird im weiteren Verlauf oft grünlich oder gelblich. Die Farbveränderung bedeutet aber nicht, dass auch eine bakterielle Infektion vorliegt, sondern nur, dass entzündete Zellen in die Luftröhre gelangt sind und den Auswurf verfärben.

Bei schwerer Bronchitis kann das Fieber auf 38 – 39 °C ansteigen und drei bis fünf Tage anhalten. Höheres Fieber ist ungewöhnlich, sofern die Bronchitis nicht durch eine Grippe ausgelöst wurde. Der Husten ist das letzte Symptom, das abklingt, und hält oft mehrere Wochen oder noch länger an. Viren können die Epithelzellen schädigen, welche die Bronchien innen auskleiden. Um diese Schäden zu reparieren, braucht der Körper Zeit. Eine häufige Begleiterscheinung akuter Bronchitis ist eine Hyperreaktivität der Atemwege, bei der sich diese vorübergehend verengen und die Lunge nur wenig Luft aufnehmen und ausstoßen kann. Die Luftzufuhr kann auch durch das Einatmen allgemeiner Reizstoffe (z. B. Parfüm, starke Gerüche oder Abgase) oder kalter Luft behindert werden. Bei stark verminderter Luftzufuhr kann es zu Atemnot kommen. Keuchen, insbesondere nach einem Hustenanfall, ist ein häufiges Symptom.

Komplikationen

Zu ernsthaften Komplikationen wie einer akuten respiratorischen Insuffizienz (siehe Respiratorische Insuffizienz) oder einer Lungenentzündung (siehe Übersicht über Lungenentzündungen) kommt es in der Regel nur bei Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung (wie z. B. einer chronischen obstruktiven Lungenkrankheit), bei älteren Menschen oder bei Personen, die Probleme mit der Immunabwehr haben.

Diagnose

Die Diagnose einer Bronchitis stützt sich in der Regel auf die Symptome. Hohes und/oder anhaltendes Fieber könnte auf eine Lungenentzündung hinweisen. Bei der ärztlichen Untersuchung kann ein Keuchen zu hören sein. Manchmal werden Röntgenaufnahmen des Brustkorbs gemacht, um eine Lungenentzündung auszuschließen, vor allem dann, wenn ein Keuchen oder eine Lungenstauung vernommen wurde oder der Patient in Atemnot ist.

Anhand einer Probe aus dem Rachen kann das Vorhandensein einer Grippe bestimmt werden. Auswurf wird gewöhnlich nur dann untersucht, wenn bei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs oder bei der ärztlichen Untersuchung Hinweise auf eine Lungenentzündung aufkommen. Wenn der Husten länger als zwei Monate anhält, werden ebenfalls Röntgenaufnahmen gemacht, um andere Lungenerkrankungen wie z. B. Lungenkrebs auszuschließen.

Behandlung

Hustenmedikamente (Hustenmittel (Antitussiva)) können eingenommen werden, um trockenen, vor allem im Schlaf störenden Husten zu unterdrücken. Produktiver Husten mit viel Auswurf sollte hingegen normalerweise nicht unterdrückt werden. Schleimlösende Medikamente können in diesem Fall helfen, die Sekrete zu verflüssigen und leichter abzuhusten, aber es ist nicht klar, ob diese Mittel wirklich etwas nützen. Bei Erwachsenen lassen sich allgemeine Krankheitssymptome und Fieber mit Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen lindern; für Kinder ist Aspirin nicht geeignet. Patienten mit akuter Bronchitis sollten viel trinken, besonders wenn sie auch noch Fieber haben.

Antibiotika werden zur Behandlung von Bronchitis nur bei Patienten eingesetzt, deren Infektion durch Bordetella pertussis ausgelöst wurde, oder bei gewissen Patienten mit einer chronischen obstruktiven Lungenkrankheit. Antibiotika helfen bei einer viralen Bronchitis nicht. Wenn jedoch eine Grippe vermutet wird, kann eine Behandlung mit einem antiviralen Arzneimittel innerhalb von 48 Stunden nach dem ersten Auftreten von Symptomen hilfreich sein.

Bei Kindern lassen sich sehr geringe Symptome einer eingeschränkten Luftzufuhr durch Vernebeln oder Verdampfen von Wasser lindern. Bei stärker betroffenen Kindern und keuchenden Erwachsenen können Bronchodilatatoren zum Inhalieren eingesetzt werden, welche die Bronchien erweitern und dadurch die Atemwege öffnen und das Keuchen reduzieren. Corticosteroide, in der Regel als Dosieraerosol verabreicht (siehe So wird ein Dosieraerosol benutzt), werden manchmal auch gegen Husten und Entzündungen sowie Hyperreaktivität der Atemwege eingesetzt, besonders wenn der Husten nach dem Abklingen der Infektion noch bestehen bleibt.

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