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Untersuchungen auf Leber-, Gallenblasen- und Gallenerkrankungen

Von Eldon A. Shaffer, MD, University of Calgary

Verschiedene diagnostische Tests helfen Ärzten dabei, Störungen von Leber, Gallenblase und Gallengangsystem (die Gänge, welche die Leber und die Gallenblase miteinander verbinden und den Gallentransport übernehmen) zu beurteilen. Zu den wichtigsten Methoden gehören die über verschiedene Blutuntersuchungen vorgenommenen Leberfunktionstests. Dieser Begriff ist eigentlich etwas irreführend, da bei den meisten dieser Tests nicht die Stoffwechsel- oder Gallenabsonderungsfunktion getestet, sondern Entzündungen oder Schädigungen der Leber angezeigt werden. Diese Blutuntersuchungen stellen eine nicht-invasive Möglichkeit dar, vorsorgliche Untersuchungen auf Lebererkrankungen (z. B. Hepatitis bei Blutspenden) vorzunehmen und ihren Schweregrad, den Krankheitsverlauf sowie das Ansprechen auf Behandlungen zu beurteilen.

Je nach Verdacht können auch gewisse bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Cholangiographie der Gallengänge mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Röntgenstrahlen eingesetzt werden. Für mikroskopische Untersuchungen kann der Leber zudem über eine Leberbiopsie Gewebe entnommen werden.

Laboruntersuchungen

Bildgebende Verfahren

Ultraschallaufnahmen liefern mittels Schallwellen (Ultraschall) Bilder von der Leber, der Gallenblase und des Gallengangsystems. Transabdominelle Ultraschallaufnahmen eignen sich gut, um strukturelle Abweichungen wie Tumoren aufzufinden; diffuse Veränderungen wie Zirrhosen (schwere Vernarbungen der Leber) oder Fettleber (Einlagerung von Fett in den Leberzellen) lassen sich weniger gut erkennen. Ultraschall ist die günstigste und sicherste Methode, um Bilder von der Gallenblase und dem Gallengangsystem zu erhalten.

Gallensteine in der Gallenblase lassen sich mittels Ultraschall gut auffinden. Mit Ultraschallaufnahmen des Bauchraums kann auch erkannt werden, ob Gelbsucht (die gelbliche Verfärbung der Haut und der Bindehaut in den Augen) durch einen Verschluss des Gallengangs oder durch eine Funktionsstörung der Leberzellen verursacht wird. Wenn auf dem Ultraschallbild ausgeweitete Gänge zu sehen sind, liegt ein Verschluss vor. Ultraschall dient auch zur Sichtkontrolle beim Einführen der Nadel zur Entnahme einer Gewebeprobe für eine Biopsie. Die Doppler-Sonographie, eine besondere Art der Ultraschallaufnahme, zeigt den Blutfluss in den Blutgefäßen der Leber an. Mithilfe der Doppler-Sonographie können Blockaden der Arterien und Venen in der Leber erkannt werden, besonders in der Pfortader, die Blut vom Darm zur Leber befördert. Mit einer Doppler-Sonographie können auch die Auswirkungen von Bluthochdruck in der Pfortader (portale Hypertonie) aufgedeckt werden. Bei endoskopischen Ultraschalluntersuchungen wird eine winzige Sonde an einem Endoskop angebracht und über Mund und Magen bis in den ersten Abschnitt des Dünndarms (Zwölffingerdarm) eingeführt und so näher an die Leber und die umliegenden Organe herangebracht.

Bei radionukleiden bildgebenden Verfahren (Radionuklidscanning) wird eine radioaktiv markierte Substanz intravenös in den Körper gespritzt und von einem bestimmten Organ aufgenommen. Die Radioaktivität wird von einer Gammastrahlenkamera aufgefangen, die über dem Oberbauch angebracht und an einen Computer angeschlossen wird, der daraus ein Bild erzeugt. Bei einer Leberszintigraphie wird eine radioaktive Substanz eingesetzt, die von den Leberzellen aufgenommen wird. Die Choleszintigraphie (hepatobiliäre Szintigraphie), eine weitere Möglichkeit der nuklearmedizinischen Bildgebung, verfolgt den Weg einer radioaktiven Substanz, die von der Leber ausgesondert und über die Gallenblase und das Gallengangsystem in den Zwölffingerdarm ausgeschieden wird. Mit diesem Verfahren kann eine Verstopfung des Gallenblasengangs (die Verbindung zwischen der Gallenblase und dem Hauptgallengang) festgestellt werden. Eine solche Verstopfung weist auf eine akute Gallenblasenentzündung (Cholezystitis Granulomatöse Lebererkrankung) hin.

Die Computertomographie (CT Computertomografie) liefert hervorragende Darstellungen der Leber. Sie ist besonders bei der Feststellung von Tumoren nützlich. Es können aber auch Eiteransammlungen (Abszesse) und diffuse Erkrankungen wie Fettleber (Einlagerung von Fett in den Leberzellen) erkannt werden.

Erläuterung der endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie

Bei einer endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie (ERCP) wird ein Röntgenkontrastmittel durch ein Endoskop (ein flexibles Gerät zur Sichtprüfung von Innenräumen) über Mund und Magen in den Zwölffingerdarm (den ersten Abschnitt des Dünndarms) eingebracht. Das Kontrastmittel wird nach dem Oddi-Sphinkter eingespritzt, worauf es durch das Gallengangsystem fließt und dabei häufig den Bauchspeicheldrüsengang anzeigt. Am Endoskop lässt sich auch Operationsbesteck anbringen, sodass Steine im Gallengang chirurgisch entfernt oder Stents (kleine Röhrchen) eingeführt werden können, um einen durch Vernarbung oder Krebs blockierten Gallengang zu umgehen.

Mit der Magnetresonanztomographie (MRTMagnetresonanztomografie) lassen sich diffuse Lebererkrankungen wie Hepatitis, Hämochromatose und Morbus Wilson erkennen, bei denen alle Bereiche der Leber ähnlich betroffen sind. Eine MRT macht den Blutfluss sichtbar und liefert Informationen über Störungen der Blutgefäße. Mit einem speziellen MRT-Verfahren, der sogenannten Magnetresonanz-Cholangiopankreatographie (MRCP), lassen sich auch Gallengänge und umliegende Strukturen abbilden. Die so erzeugten Darstellungen sind ebenso gut wie jene, die mit invasiveren Untersuchungen erreicht werden, bei denen ein Farbstoff direkt in die Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge gespritzt wird. Im Gegensatz zu CT-Untersuchungen kommt es bei der MRT zu keiner Belastung durch Röntgenstrahlen, dafür ist sie teurer und dauert länger.

Bei der endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie (ERCP) wird ein Endoskop (ein flexibles Gerät zur Sichtprüfung von Innenräumen) über Mund, Speiseröhre und Magen bis in den Zwölffingerdarm eingeführt. Anschließend wird ein dünner Schlauch durch das Endoskop in den Gallengang eingeführt. Ein Kontrastmittel wird in das Gallengangsystem gespritzt, worauf die Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge geröntgt werden. ERCP wird gelegentlich zur strukturellen Darstellung des Gallengangsystems verwendet, obwohl MRCP nach Möglichkeit vorzuziehen ist, weil letztere Methode ebenso gut und zudem sicherer ist. Im Gegensatz zu anderen diagnostischen Methoden können mit ERCP aber auch Biopsien sowie gewisse Behandlungen vorgenommen werden. So können zum Beispiel Steine im Gallengang entfernt oder Stents (kleine Röhrchen) eingeführt werden, um einen aufgrund von Krebs blockierten Gallengang zu umgehen. Komplikationen (z. B. Entzündungen der Bauchspeicheldrüse [Pankreatitis] oder Blutungen) treten bei etwa 1 Prozent der ERCP-Untersuchungen auf. Wenn ERCP mit einer Behandlung verbunden wird, können solche Komplikationen häufiger auftreten.

Perkutane transhepatische Cholangiographie bedeutet, dass eine lange Nadel durch die Haut in die Leber eingeführt und dann mithilfe von Ultraschall als Sichtkontrolle ein Röntgenkontrastmittel in einen der Gallengänge der Leber gespritzt wird. Die Röntgenbilder zeigen das Gallengangsystem deutlich, vor allem etwaige Blockaden in den Gallengängen. Wie die ERCP wird auch die perkutane transhepatische Cholangiographie häufiger für Behandlungen oder Biopsien als für eine simple Darstellung des Gallengangsystems eingesetzt. Die Gefahr von Komplikationen wie Blutungen und inneren Verletzungen machen die perkutane transhepatische Cholangiographie außer unter speziellen Umständen zu einer weniger erstrebenswerten Untersuchungsmethode als ERCP.

Bei der operativen Cholangiographie wird ein Röntgenkontrastmittel während einer Operation der Gallenblase direkt in die Gallengänge gespritzt. So wird das Gallengangsystem in Röntgenaufnahmen deutlich sichtbar gemacht. Dieser Test wird nur gelegentlich verwendet, wenn weniger invasive Tests nicht genügend Informationen liefern. Bei der operativen Cholangiographie ist schwieriger, wenn die Operation der Gallenblase laparoskopisch (d. h. durch Einführung eines speziellen flexiblen Endoskops mit Operationsbesteck durch einen winzigen Bauchschnitt) durchgeführt wird.

Durch einfache Röntgenaufnahmen des Bauchraums können Störungen von Leber, Gallenblase oder Gallengangsystem in der Regel nicht sichtbar gemacht werden.

Biopsie der Leber

Eine Gewebeprobe aus der Leber kann während eines chirurgischen Eingriffs entnommen werden, wird aber häufiger durch das Einstechen einer Kanüle durch die Haut in die Leber gewonnen (perkutane Leberbiopsie). Vor diesem Eingriff wird die Haut örtlich betäubt. Um den Bereich der Leber einzugrenzen, aus dem die Probe entnommen werden soll, wird in der Regel Ultraschall eingesetzt. Leberbiopsien können ambulant durchgeführt werden. Nach der Gewebeentnahme bleibt der Patient noch drei bis vier Stunden im Krankenhaus, um Komplikationen wie Risswunden an der Leber auszuschließen. Wenn die Leber verletzt ist, können Blutungen in den Bauchraum auftreten. Schwere Blutungen können einen Schock auslösen. Da Blutungen noch bis zu 15 Tage nach der Biopsie auftreten können, sollte sich der betroffene Patient in dieser Zeit nicht weiter als eine Stunde Fahrzeit vom Krankenhaus entfernen. Diese Komplikationen sind zwar selten, können aber schwerwiegende Probleme verursachen, und der Eingriff endet in 1 von 10.000 Fällen tödlich. Nach einer Leberbiopsie kommen häufig leichte Schmerzen im rechten Oberbauch vor, die manchmal bis zur rechten Schulter ausstrahlen, aber meistens durch Schmerzmittel gelindert werden können.

Bei einer transvenösen Leberbiopsie wird ein Katheter durch eine Halsvene eingeführt, durch das Herz geschleust und in eine der Lebervenen, die von der Leber kommen, gelegt. Eine Kanüle an der Katheterspitze wird dann durch die Venenwand in die Leber vorgeschoben. Bei dieser Methode ist die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der Leber weniger hoch als bei einer perkutanen Leberbiopsie. Sie eignet sich besonders bei Personen, die leicht zu Blutungen neigen (eine Komplikation bei schweren Leberfunktionsstörungen).

Über eine Leberbiopsie können Informationen über die Leber erfasst werden, die aus anderen Untersuchungen nicht ersichtlich sind. Sie wird häufig vorgenommen, um überschüssiges Fett in den Leberzellen (Fettleber), chronische Leberentzündungen (chronische Hepatitis), Stoffwechselstörungen der Leber wie z. B. Morbus Wilson (erhöhter Kupferspiegel) oder Hämochromatose (vermehrte Ablagerung von Eisen), Komplikationen im Anschluss an eine Lebertransplantation oder Krebs, der sich auf die Leber ausgedehnt hat, zu erkennen.

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